trusen,
f. , '
hefe, bodensatz; rückstand'
; ahd. truosana, druosana,
mhd. truosene, truosen, druosene,
mnd. drôsem,
mnl. droese, droesene, droeseme
u. ähnl. Verwijs-Verdam 2, 422,
ags. drōsne,
f., drōsna,
m., Bosworth-Toller 215
a u. suppl. 158
b.
grundform germ. *drōhsnō,
mit -sn -
formans zur wurzel idg. dhrēgh-,
erweiterung der (
nur aus den konsonantischen erweiterungen dhrēgh-
und drābh-
erschlossenen)
grundwurzel dher-, dherā- '
trüber bodensatz' (
vgl. Walde-Pokorny 1, 854
f.),
die auch in trester
sp. 178, tros
ebda sp. 896, trub
sp. 1162, trübe
sp. 1165
sowie treber
teil 11, 1, 1,
sp. 1568
vorliegt. weitere verwandte wie anord. dregg,
f., '
hefe'
s. bei Walde-Pok.
a. a. o. im anlaut erscheint bereits im
ahd. auch d;
neben ahd. trusenon (
gen. plur.) Notker 2, 302
P., trosana (10./11.
jh.)
ahd. gll. 1, 516, 29
St.-S., trusana (11.
jh.)
ebda, truosana (10.
u. 11.
jh.) 614, 1
steht druosana (11.
jh.), drusina (11./12.
jh.) 614, 2;
für spätere zeit vgl. drusêna (12.
jh.) 3, 222, 4, drusna (13.
jh.)
ebda, drusina (13.
jh.) 293, 15, drussene
Meinauer naturlehre bei Wackernagel
leseb. (1861) 475,
aber truozin Hugo v. Langenstein
Martina 7, 94, truosen
ebda 65, 92
u. ö.; truosen Nicolaus v. Basel
bekehrung Taulers 9
Schmidt. älternhd. überwiegt t,
doch ist d
mehrfach bezeugt, vgl. druosen (
voc. d. 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 232
b, drusen S.
Fischer chron. 64
b Veesenmeyer, druosen
bei Fischer
schwäb. 2, 427, drussen Seb. Franck
lob. d. thorheit (
o. j.) 97, druosen Montanus
schwankb. 439
Bolte, vgl. den artikel drusen
teil 2, 1461.
vermutlich liegt einflusz von druos, drüse '
drüse'
vor (
s. Schatz ahd. gramm. § 186),
der wohl auch den gelegentlich auftretenden umlaut hervorgerufen hat, vgl. trüsen Seb. Franck
bei Fischer
schwäb. 2, 427, öltrsen Frischlin
nomencl. (1586) 32, tresen Megiser
thes. (1603) 1, 518
c, trsen
sive drsen Stieler
stammb. (1691) 2305,
und dazu beitrug, dasz trusen
z. t. als plural aufgefaszt und ein neuer singular truse, trus, trüse, trüs
gebildet wurde, vgl. trüsz Roth
dict. (1572) g 2
a, trüse Hulsius-Ravellus
dict. (1616) 331
a, trusz Heupoldus
dict. (1620) 166, truse Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 877, Campe 4, 903;
schon ahd. olidrovsa
amurca, windrosa
vinacia ahd. gll. 2, 627, 61
bzw. 4, 108, 47
St.-S. wird (
nicht nur im anlaut)
durch druos '
drüse'
beeinfluszt sein. mundartlich noch im alem. und im westl. md. lebendig, z. t. nur im plural, vgl. z. b. schweizer. truəsə Karl Schmid
Entlebuch 74, Weber
Zürcher Oberland 63,
in truesenbranntawiin Friedli
Bärndütsch 2, 261, truəsnə Streiff
Glarner ma. 81, truese Seiler
Basler ma. 86;
elsäss. druese
n,
pl., Martin-Lienhart 2, 765,
schwäb. truse
ausgestorben (
dafür tros,
m.) Fischer 2, 427;
bad. drusen (druəsə),
plur., und trus,
sing., bad. wb. 578;
lothr. druse
n,
pl., Follmann 109;
rhein. drūsən,
pl., rhein. wb. 1, 1527
neben drus, drusem,
m.; nass. drusen, druse,
pl., Kehrein 118;
durchgängig als bezeichnung für '
hefe', '
trester'
von wein und ausgepresztem obst, als '
bodensatz'
von flüssigkeiten, besonders öl, ausgelassene butter u. s. w.; als m. für '
branntwein aus weinhefe',
vgl. Stucki
Jaun 93, Martin-Lienhart
a. a. o., bad. wb. a. a. o. offenbar elliptisch für trusenbranntwein (
s. dort),
doch vgl. auch ein m. bei Montanus (
s. unten 3).
seit dem 17.
jh. literatursprachlich kaum noch bezeugt und fast nur lexikographisch weitergeschleppt. 11) '
trüber bodensatz des weines, weinhefe',
vgl. ahd. windruosana
vinacia ahd. gll. 2, 364, 34
u. öfter: chelih lutteres wines
plenus mixto doh foller miscelatun foller truosenon also in moste diu bediu zesamine gemiscelot sint Notker 2, 302
P.; ich meine, das uwer vasz noch nút reine ist, und klebent noch truosen dinne Nicolaus v. Basel
bekehrung Taulers 9
Schmidt; das (
fasz) soll er zuo stunt noch einander schencken untz der win uskumpt und soll do zwüschent nützit darin tuon, weder win, truosen noch wasser noch deheinerleye ding (15.
jh.)
Straszburger zunft- u. polizeiverordn. 579
Brucker; de spade te bekeerne plien (
pflegen), slachten (
gleichen), secht scrifture, dien, die metter droeseme van dem wyne eeren weent den heren sine
spieghel d. zonden 75
a bei Schiller-Lübben 6, 108; so man wein ablaszt, so blaszt man als lang untz das der lauter wein herausz gelaufft, und laszt die muoter und die truosen im vasz beleyben Geiler v. Keisersberg
sieben scheiden (1510) c c 5
d; wer ein fasz mit hefen oder trüsen füllt, der kan den wein nimmer hinneinthun Seb. Franck
bei Fischer
schwäb. 2, 427; disem unfal kompstu am rechtsten, so du in (
den gästen) gibst den aller schlechtsten (
wein), der khanecht ist und auff den truosen, so schütten sie in halb in buosen K. Scheit
Grobianus v. 1990
ndr.; einen weyn lauter lassen werden und warten bisz sich die trsen an boden gesetzt Frisius
dict. (1556) 373
b; rockenmäl mit essighefen oder truosen vermischt H. Bock
kräuterbuch (1587) 425
b; wann die rosz vom sporenstich am bauch geschwöllen, nimm honig, schillroten wein, trusen, die zimlich dick sein, und kochs mit eynander Sebiz
feldbau (1580) 159; doch haben auch bei uns die dicken wein viel trusen oder heffen, und ist die trusen gewisz gesaltzen Hulderich Frölich
offenbar. d. natur (1591) 744; wie der wein in dem keller bey allgemächlicher auskochung seine rauchen irdischen theile ... ablege, welche dann unden und an den wänden in die trusen gehen und den weinstein gestalten Scheuchzer
naturgesch. d. Schweitzerlandes (1706) 1, 25. 22)
dicker bodensatz; von öl und anderen flüssigkeiten, vgl. oletruosin (
amurca) Notker 2, 333
P.; amurca, fex olei drusina
ahd. gll. 3, 293, 15
St.-S.; öltrüsen
amurca Frischlin
nomencl. (1586)
und öldrusen
teil 7, 1276: und sell das el daraus (
aus dem ölhafen) thon, das nun die drusen und der wust vom el drinn bleyb Seb. Fischer
chron. 64
b Veesenmeyer; darumb so sprich ich zu recht, das alles lauter öl der fünf follen fasr sol abgelaszen werden von den hefen oder trusen Steinhöwel
Esopus (1555) 96
a;
vgl.'
bodensatz vom öl' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 765, '
ölsatz'
rhein. wb. 1, 1527, '
brauner rückstand von gesottener butter' Streiff
Glarner ma. 81. —
allgemein, vgl. faex ein bodengleger, trüsz, heffen, das unterst, schlechtest und heylosest eins jeden dings Roth
dict. (1572) g 2
a: diu erde ist der andern elemente reinate unde ein drussene
Meinauer naturlehre bei Wackernagel
leseb. (1861) 475; (
quinta essentia ist) gereiniget und gezogen von den fecibus, als von den truosen und unreiner materien, die da ist ein ursach der zerstörung der ding H. Braunschweig
distillierbuch (1532) 3
a; dann wie der welt trusen seind die element, also seind der elementen das wasser und die erden. derhalben gleich wie die flieszenden ding gröszer seind denn die trusen, und die trusen das minder theil, dessen die trusen ist: also seind auch das wasser und die erden der minder theil der elementen Hulderich Frölich
offenbar. d. natur (1591) 16;
als '
trübung, schmutz, verunreinigung, dreck',
vgl. bad. wb. 578
b,
rhein. wb. 1, 1527. 33)
in bildlicher verwendung; für '
verunreinigung, trübung': umb unsir sunde truosen Hugo v. Langenstein
Martina 27, 36; gar ane leidez truosen
ebda 65, 92; '
unsauberer rest': do sollent luogen und gewarnet sein, die zuo iren alten tagen kummen seind, und gott dem herren nüt anders zuo geben hond, weder die truosen, iren bluomen in der jugent in aller üppikeit und buobery verzert haben Geiler v. Keisersberg
postill (1522) 1, 31
b; '
das unwerteste, verächtlichste': falscheit und untreüw hat uberhant genumen in unseren landen, also das wir seint truosen aller welt worden Joh. Pauli
Keiserspergs narrensch. (1520) 36
b.
redensartlich auf die trusen gehen '
auf die neige gehen, zu ende gehen': wann dann der würt thuot merken schon, das es will auf den druosen gohn, und kein gelt mehr vorhanden ist, so braucht er dann erst würtes list Montanus
schwankb. 439
Bolte; ähnlich dialektisch auf der (dem) trusen sein '
am ende sein',
vgl.uf də truəsnə sī '
auf dem hund sein' (
studentisch) Stucki
Jaun 93, uff de druose sin '
auf dem letzten rest des vermögens, ganz herabgekommen' Ch. Schmidt
Straszburger ma. 29
a.