drus druse,
gewöhnlich drüse,
f. ahd. drôs druos drôsi
f.? Graff 5, 263,
mhd. druos druose Ben. 1, 401
b,
altbair. drues drües
f. sing. und pl. heutzutag druesen drüesen
f. sing. und pl. Schmeller 1, 415.
niederd. dröse
Brem. wörterb. 1, 257
und dros Henisch 759, drull Strodtmann
Osnabr. wb. niederländ. droes.
ursprünglich scheint das wort eine schmutzige schmierige feuchtigkeit wie eiter und dergleichen zu bedeuten; dazu stimmt das angels. drŷsnian
schmutzig, kotig sein, was mit dem gothischen driusan, draus, drusun
fallen πίπτειν zusammen hängen kann. es hat sich in verschiedenen bedeutungen entwickelt, 11.
ein schwammiger weicher theil am körper der menschen und thiere, meist eichelförmig. ein druse
glans Diefenbach
Voc. 1470.
sp. 141.
daher brustdrüse,
die brüse, briese vom kalb oder lamm, kalbsmilch, halsdrüse,
die mandeln am hals, tonsillae. in der Schweiz nennt man eine gesunde drüse cherna, cherneli
und nur die kranke (
verhärtete) truesza Tobler 175. schweinin fleisch voll mandelen und drüsen, so am hals beim stich stehet Henisch 759. trusz oder hegdrusz
Voc. theut. 1482 f 3
a. der hals mager unde klein und was unz ûf daz kragebein mit druosen bevangen und grôzen âdern langen, beidiu hinden unde vorn Heinrichs
Krone 19700—704. 22.
beule, geschwulst, geschwür, aussatz, pestbeule, glandula. drues
apostema Voc. 1419. ein druze
apostema Diefenbach
Voc. 1470
sp. 33. trusz
scrofula Voc. 1482 f 3
a,
jugulum das., trusz oder geschwere
das. drusz am hals
glans, est tumor in collo Voc. incip. teut. d 4. drusz unrein geschwer
das. drusz bei den oren
vulgariter buel
das. drusz bei dem gemecht
das. drüsz sonderer art
panus panicula Frischlin
Nomencl. 144. ein drüsz oder schwendten
panus Maaler 93
a. die trüsen, brüszen (
brüsen) an schweinen oder seuwen 410
c. trüsen oder kropf am hals
das. pestilenz, drüsz und beul Aventin
Bair. chron. drues und beul
panus et tuber Schönsleder L 4. drüsz
tuberculum Henisch 759. drüse
glandula das. drüs, schlier, bei den ohren oder gemächten
das. vergl. Diefenbach
Gloss. lat. germ. unter apostema und glandula. drüsen kommen an dreien orten herfür, hinder den ohren vom gehirn, unter den armen von den membris spiritualibus, und an beinen von dem milz und nieren 560. drus druse trüse Stieler 346. 2345. drüse an der scham, schlier
exulceratio spermatis, morbus penis das. dô sich der werde sloufte in der megede buosen âne meines druosen (
bildlich)
Martina 7
d, 93. man mestet swîn mit klîen und eicheln und swendet druose mit nüechter speichel
Renner 5883. swie lützel ein mensch verwundet wirt, swie kleine an ime ein eizel swirt, doch blasen die druose dem smerzen zuo 14294. mit geschweren der trüsz, das ist pestilenz Westenrieder
Beiträge 5, 55. pestilenz so die menschen genamtlich an der trusen oder platern sterben
Regim. der gesundheit (1472)
s. 30. da sol sie fünf drüszen (
beulen von stockschlägen) für uberkumen
Eulenspiegel c. 38. wenn gleich so viel drüse und pestilenz an inen waren als hare am ganzen leibe Luther 3, 395
b. und läszt dich eine kleine drüs und ungewisse fahr mehr schrecken denn solche göttliche gewisse trewe verheiszunge sterken
das. und frisset dich ein onmechtige drus oder pestilenz dahin 4, 478
b. da sie sind glieder der kirchen, gleichwie speichel, rotz, blattern, drüse des leibs glieder sind 5, 64
b. wenn in jemands fleisch an der haut ein drüs wird und wider heilet, darnach an demselben ort etwas weisz aufferet oder rötlich eiterweisz wird, sol er vom priester besehen werden. wenn denn der priester sihet das das ansehen tiefer ist denn die ander haut und das har in weisz verwandelt, so soll er in unrein urteilen, denn es ist gewis ein aussatzmal aus der drüs worden
3 Mos. 13, 18—20. der herr wird dich schlahen mit drüsen Egypti, mit feigwarzen, mit grind und kretz, das du nicht kannst heil werden
5 Mos. 28, 27. und Jesaia sprach 'bringet her ein stück feige', und da sie die brachten, legten sie sie auf die drüse und er ward gesund
2 Könige 20, 7.
Jesaia 38, 21. und der erste (
engel) gieng hin und gosz seine schale aus auf die erde und es ward ein böse und arg drüse an den menschen die das malzeichen des thiers hatten
Offenb. Joh. 16, 2. und lesterten gott im himel fur irem schmerzen und fur iren drüsen 16, 11. obschon ein welsch dem andern küszt die füsz, so habens zuosamen die bül und drüsz
Klagrede Hutteni C ij. sterbedrüse
ist die gift- oder pestbeule, sterfdros B. Waldis
Verlorner sohn 899. aller trost war verschwunden, dieweil ein jegliche drüsz oder geschwer allenthalben am leibe der gewisse tod war in dreien tagen, und je eins vom andern die pestilenz erbet
Bocc. 1, 2
b. weinrauten gesotten und wie ein pflaster übergelegt vertreibet die drusen Tabernämont. 401.
in einem alten lied, oft hat eine kleine drüsen geschlagen einen starken riesen. im jahr 1349 kam ein groszes sterben in Teutschland, sie starben an der druisen, und wen das angieng, der starb an dem dritten tag Faust
Limburg. chron. c. 5. es möcht haben die pest oder drüs das ist, es möcht so schlimm stehen als es wollte Frisch 1, 209
b.
der notleidende spricht ob mich die grause drüse quälet, quält, herr, doch mehr was mir jetzt fehlet, dein trost, der seelen heil A. Gryph. 2, 264. 33.
im 15
ten, 16
ten und 17
ten jahrhundert häufig bei verwünschungen und ausrufungen, wo dann gewöhnlich die pestbeule darunter verstanden wird. da ward diser herlich man geschmecht, der narr ward uszgejaget von den dienern, und fluochten im, 'wol usz, narr, das dich die truoss müsz angon!' Keisersberg
Sünden des munds 34
a. und (
dasz) dich nit drus und peulen anget
Fastnachtsp. 173, 1. das euch die drus, peulen und der rit erwurg und euch verschlint die ert! 178, 14. habt euch die drues! 203, 4. schweigt, das euch drus und peulen ange! 539, 10.
a die knecht schlugen den narren zum saal hinaus und sprachen 'narr, dasz du die drüsz müssest haben!' Pauli
Schimpf u. ernst c. 194. so will ich dich auf den kopf hauen dasz dich die drüsz musz ankommen Götz v. Berlichingen 30. item, sie sagen 'gott gebe den faulen henden die drüse' Luther
Tischreden 436
b. o gefatter (
gevatterin) furcht ir euch so stark for ewrem man, last in haben die drüse.
Meisterlieder Berliner handschr. nr. 213
bl. 23. das (
l. des) gehe in drüsz ins maul an, er leuget mich an, der unflat H. Sachs 2. 4, 13
c. geh von mir, hab dir drüsz und peulen! 3. 3, 13. desz geh dich die trüsz ins maul an! 4. 3, 4
b. dasz dich die drüs rür 5, 364
c. ich wil itzt selber zu in gehen, sie sol die drüsse und peule bestehen: ich wil in die leviten lesen, sollen sagen ich sei dagewesen Römolt C 3
a. 'lieber herr, ich hab es trawen nicht gethan, sondern das kindlein.' 'ei, so geb gott dem balg die drüsz und beulen' Kirchhof
Wendunmut 443
a. der edelmann (
spricht zum bauer) 'du bist ein narr: gott geb dir drüsz und beule!' der bawer verstund glück und heil
Buch der liebe 201, 1. der pfaff ward zornig und sprach 'gott geb ihm die drüsz!' Frey
Garteng. 58
b. desz geb dir gott die drüsz, beul und pestilenz 83. aber die truosz! ich führt lieber wie unser abt Paxvobis ein hund am strick zum gejägt Fischart
Garg. 243
b. 'die truosz auf deinen kopf!', sprach der mönch, 'und das gesperr in den kropf' 252
b. dasz dich die drusz bestah
Schauspiele des herzog Heinr. Jul. v. Braunschw. 578. dasz dich drusz und beul besteh!
Katzip. h 3.
Hans. wer do? wer do? lasz mich doch schlafn!
Actœon. wil dir die trüsz, groszer maulaffn! Gilhusius 81. es beisz ein maus des ochsen fusz, der ochs flucht ir ein böse drusz. Alberus
Esopus 115
b. Wolgemut 1, 266.
der löwe zeigt dem wolf seinen palast, hie lagen lange esels ohrn, da lagen bein, dort lagen füsz: der wolf gedacht 'hab dir die drüsz!' 118. der junker wünscht im drusz darzu Eyering 2, 118.
der satan sagt zu dem klagenden Hiob gott will an dir so gnaw alles suchen, mein kerl, thu im die drüse fluchen. Joh. Bertesius
Hiob Trag. comöd. (1603) F 2
a. ei halt das maul, hab dir die driesz. J. Ayrer
Trauersp. 23
b. und flucht der andern part die drüsz Ringwald
l. w. 263. darumb kauf dir an deine füsz ein paar schuch und hab dir die drüsz! Wolgemut 160. so bald der liebe Phöbus hat erblickt dasz man sich so ungestümb schickt zum krieg, und sah das grewlich heer, erschrack der gut mann treflich sehr und sprach 'botz trüsz! was wil daz wern.' Fuchs
Mückenkrieg 1, 23. bawr, ich glaub du hörst nicht wol, dasz dich ankomm die drüsz!
Sieben lächerliche geschnältz, fliegendes blatt um 1620. dasz dich die drusz ankomme! dat dik de swarte drosz hale! Eccard
bei Oberlin 257. die drusz (pestilenz) gehe dich an! ein fluch Henisch 750. 44.
in dieser bedeutung hat man das wort auch persönlich genommen und einen bösen geist, den teufel darunter verstanden; es wird dann auch als masc. gebraucht, dasz dich der drus bestehe, verderbe! Eccard
bei Oberlin 257. dat di de droos slaa! bim droos!
Brem. wörterb. 1, 257. de droos in de helle.
auch im niederl. hat droes
diese bedeutung Weiland 2, 248
b.
vergl. Deutsche myth. 488. 955. 55.
kropf, kehlsucht, krankheit junger pferde, wobei eine weiszliche oder gelbliche materie aus nase und mund flieszt, während die drüsen aufschwellen. in dieser bedeutung wird der umlaut nicht gebraucht. niederd. dröse Strodtmann
Osnabr. idiot. 43, dat drösen
Brem. wörterb. 1, 257.
niederländ. droes, het paard heeft den droes Weiland 2, 248
b.
franz. gourme. das pferd wirft die druse ab,
wenn die flieszende materie dicker wird, ein zeichen der bevorstehenden heilung. man unterscheidet die gutartige
und die bösartige
oder falsche druse;
diese ist vorhanden, wenn von der drusenmaterie etwas ins geblüt zurücktritt und schlimme folgen hat, oft auch in die rotzkrankheit ausartet Nemnich
Wörterb. 115. 66.
s.gekrösdrüse. gemächtdrüse. halsd. hauptd. hegd. hirsend. ohrend. pestd. schleimd. speicheld. talgd. zirbeld.