träumen,
vb. herkunft und form. j-
ableitung zu traum;
ahd. troumen,
mhd. troumen, tröumen;
anord. dreyma;
im as. u. ags. in der bedeutung '
träumen'
nicht belegt, doch könnte ags. drŷman '
bekümmert, besorgt sein' (
vgl. Grein-Köhler 131
a)
als eine frühe bedeutungserweiterung im sinne von II B 2
angesprochen werden und so auch das subst. dréam '
traum'
im ags. bezeugen, s. o. sp. 1437. —
umgelautete und nicht umgelautete formen nebeneinander bis tief ins 18.
jh. hinein; auf obd. boden tritt -au-
nur langsam zurück, wenngleich schon im 15.
u. 16.
jh. in verbreiteten schriftwerken -äu-
nicht selten: erste dt. bibel 2, 285; H. Sachs 18, 485
K.-G.; Fischart träumen (: reimen)
binenkorb (1588) 157
b neben traumen
ebda 83
a.
späte belege für -au-: Dentzler (1716) 734;
ausdrücklich träumen oder traumen Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2005; getraumet Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 82; es traumte mir Heräus
ged. (1721) 16; Hafner
ges. lustspiele (1812) 1, 7.
als tromen
zs. f. dtsche altert. 15, 433 (14.
jh.);
teufelsnetz 12846; getromet Steinhöwel
Äsop 47
lit. ver.; trömen C. Hedio
chron. d. alt. christl. kirchen (1532) 183
b; im trömpte Murner
narren beschw. 225
ndr.; vgl. auch trömling J. v. Watt
dt. schr. 1, 30; trämel Th. Höck
blumenfeld 89
ndr.; im übrigen vgl. traum sp. 1437
f. bedeutung und gebrauch. im groszen und ganzen zeigt der bedeutungsumfang von träumen
dieselbe aufgliederung wie der von traum
und für den erweiterten gebrauch die verzweigung und verschiedenartige accentuierung gleicher grundelemente. eigenheiten erklären sich aus dem charakter des wortes als vb. oder aber aus der überaus groszen flüssigkeit und assimilationskraft der bedeutungsbestandteile. über persönlichen und unpersönlichen gebrauch gilt die feststellung, dasz die unpersönliche construction alt und dementsprechend bei den meisten der erweiterten bedeutungen ungewöhnlich ist. die persönliche construction dagegen tritt erst im nhd. auf, s. u. I A 2.
von bedeutung ist, dasz auch im anord. dreyma
fast ausschlieszlich unpersönlich gebraucht wird, s. Cleasby-Vigfusson 106
a; Fritzner 1, 265;
im dän. und schwed. setzt sich die persönliche construction erst im 16.
u. 17.
jh. durch, s. Kalkar 1, 395;
ordb. ö. svensk sp. 7, 2289,
im neuisl. fehlt sie noch heute Blöndal 140. II.
schlafträumen; während des schlafes vorstellen und denken. I@AA.
im nhd. unpersönlicher und persönlicher gebrauch nebeneinander, während vorher nur der unpersönliche möglich war; noch Campe 4, 868
hält die '
drittpersönliche'
construction für '
gewöhnlich und der sache angemessen'. I@A@11)
unpersönlich. I@A@1@aa)
in zusammensetzung mit haben
und sein,
vgl. gram. 4, 250; Benecke
zu Iwein 3517;
mhd. überwiegend mit sîn: svare ist uns getroumet leider niemen unsiz skeidet
Wiener genesis 3881
Dollmayr; vgl. mhd. wb. 3, 118
a; Lexer 2, 1532;
doch auch: waz wirret, daz ir mir saget, waz iu getroumet habet
Milst. genesis u. exodus 80, 32; mir hât getroumet michel tugent
Iwein 3517;
im frühnhd. findet sich die verbindung mit sein
nur noch selten: mir ist getreumet swere von Jesu dem guden man Mone
schausp. 1, 114; ein traum, der mir geträumet ist
Pontus (1509) 52; Wickram 1, 85
lit. ver.; warumb der Hildgarten sey dieses traumpt und eim andern ein anders Paracelsus
op. (1616) 2, 333
H. in südd. maa. bis heute: es ist mir dertrâmt Schöpf
tirol. 750; s ist mir geträumt Martin-Lienhart
els. 2, 756;
auch Schmeller-Fr.
bair. 1, 662. I@A@1@bb)
mit dat. u. acc. der person; die dativische construction, im ahd. u. mhd. noch die einzige (
vgl. tir troumet Notker 1, 127, 10
P.; ähnlich 1, 61, 16; 2, 290, 27; 1, 698, 13;
s. auch Lexer 2, 1532),
bleibt stets vorherrschend;
der acc. neben dem dativ, oft bei demselben schriftsteller, erscheint seit dem 16.
jh. und ist vom ende des 16.
jh. bis zur mitte des 19.
jh. stets möglich, wenngleich ihn Adelung 4, 656
als '
unrichtig und fehlerhaft'
empfindet; im 17.
jh. ist er recht verbreitet. in erweiterter bedeutung selten (
vgl. etwa II A 1 c),
da hier der unpersönliche gebrauch überhaupt zurücktritt (
vgl. die construction des aisl. dreyma
nur mit dem acc. d. pers. Heggstad 102,
während altschwed. der dativ überwiegt Söderwall 1, 203): bisz ich erfahr, wie mich getreumt, das unser könig die mausz zeumt Rollenhagen
froschmeus. (1595) T t 5
a; ihn treumt des nachts darvon Eyering (1601) 3, 106; einen durstigen traumet wol, dasz er trincke Petri
d. Teutschen weiszheit 2, t 3
b,
unmittelbar darauf: einem hunrigen trewmet wol, dasz er esse
ebda; denck nit ohn grausz und zagen wasz mich geträumet nu Spee
trutznachtig. (1649) 41; gestern traumete mich, ich wäre in einem herrlichen pallast Schupp 544; da ich aber ... gegen morgen sehr sanft eingeschlummert war, träumte mich, als ob ... Schnabel (1751) 1, 232; heute nacht träumte mich wieder von meinen geschäften Göthe I 31, 78
W.; träumet ihn Jean Paul 6, 422, 1
akad. neben mir tr. 4, 161, 30; 4, 239, 27.
vgl. noch: mich träumte einst, ich sei ein albern kind A. v. Droste-Hülshoff
ged. (1844) 168.
vereinzelt mit refl. (
doch vgl. I A 2; II A 2 a): und unser lieben frawen der trawmet jhr ein traum Bäumker
kath. kirchenlied 2, 141. I@A@1@cc)
mit verschiedenartiger formulierung des trauminhalts: I@A@1@c@aα)
durch ein präpos. obj., zumeist mit von; schon mhd. die regel, s. Lexer 2, 1532: wan im trǒmete mere dannoch von grozzoren eren
Milst. genesis u. exodus 74, 15
Diemer; mir troumite nachten von dir
könig Rother 3851
R.; wenn einem von toden leuten treume, so sol er ein fundgrübner werden J. Mathesius
Sarepta (1571) 161
a; das ist das morenland, darvon mir getraumet
buch d. liebe (1587) 218
b;
im mhd. vereinzelt auch ab: mir ist getroumet ab der guoten
minnesinger 2, 168
a v. d. H. I@A@1@c@bβ)
mit subjectsatz: imo troumda, taz er sahe iouem sih uuazer anagiezen Notker 1, 61, 16
P.; Thalamo traumet, daz im ein wolfe sein weibe würget Arigo
decam. 573
Keller; alsdann so traumet yedem, wie sie einander umbfiengen
V. Schumann
nachtb. 96
Bolte; dem Varus hatte getraumt, als wenn er mit dem hertzog Herrmann zu Rom ... tanzte Lohenstein
Arm. (1689) 1, 45
b; und es träumte mir oft, als ob ich dem lieben kinde die hand lecken wollte Pfeffel
pros. vers. 1, 193; mir träumte ..., als stünde ich vor einem spiegel Göthe 26, 78
W.; mir hat hynt getromet, man habe mich vermähelt Steinhöwel
Äsop 47
lit. ver. I@A@1@c@gγ)
mit pronom. subj. allgemeinen inhalts: was, etwas, alles, nichts
u. s. w.: ich huob mich uf von der stett, und dacht, was mir getraumet hett Hätzlerin 155; denen so etwas traumet Xylander
Polybius (1574) 3; mir ist jetzt, als hätte mir alles nur geträumt Tieck
schr. 5, 111. I@A@1@c@dδ)
mit substantivischem subj.: vorherrschend allgemeine, zusammenfassende ausdrücke, abstracta oder substantivierte adjectiva; schon mhd. michel tugent, dasz ungemach, gûde dinge
u. ähnl., s. mhd. wb. 3, 118; Lexer 2, 1532: es traumpt im (
dem esel) seltzam ding, also dasz er im schlaaf umb sich schlecht Forer
Geszners thierb. (1563) 41
b; bin ich auf dem koffer eingeschlafen und hat mir das närrische zeug geträumt Lessing 2, 163
L.-M.; träumt ihm so süszes? A. v. Droste-Hülshoff 2, 168;
seltener einzelgegenstände, auch die oft vermittelt durch personal- oder relativpronomina: zween versmacher stritten miteinander, deren einer sprach, es träumten ihm bessere versz ald der ander machte. zu dem sagt er: so soll er dann oft schlafen Zinkgref
apophthegmata (1628) 201; mich mant dieser red, als ob sie mich getreumet hett Eyering 1, 779; in dem kleide, das mir geträumt hatte Göthe 28, 84
W. I@A@1@dd)
ohne eine solche inhaltliche bestimmung: ir trincket euch so voll des abents, das euch darnach die gantze nacht treumet Lindener
rastbüchl. 41
lit. ver.; und im trewmet, und sihe, eine leiter stund auf erden
1. Mose 28, 12;
mit modalem adv.; so mhd. sanfte, unsanfte, swâre tr.,
s. Lexer
a. a. o.: wir hätten bald versäumet den lieben schönen tag, weil uns zu süsze träumet und wir was spat erwacht Fleming 1, 121
lit. ver.; dem jungen grafen träumts so schwer Herder 25, 133
S. I@A@22)
persönlich. erst nhd.; in eigentlicher verwendung noch im 16.
u. 17.
jh. wenig verbreitet, während die persönliche construction sich in bestimmten erweiterten bedeutungen schon im 16.
jh. durchsetzt (
vgl. II A 2 a
und II C);
im 19.
jh. endlich die vorherrschende form; in transitiver u. intransitiver verwendung: und ewer alten treument die treume
erste dtsche bibel 2, 285 (
nach et seniores vestri somnia somniabunt)
; ebenso Luther
apostelgesch. 2, 17 (
var. zu trewme haben); ... wie er getraumet und von seinen brüderen verkauft worden Fr. Spee
tugendbuch (1649) 81; er träumte klar und deutlich, als ob er wache Cl. Brentano 5, 91; schlaf wohl und träume sanft Moltke 6, 6; darf man dann auch nicht mehr von ihm träumen? Lehman
floril. polit. (1662) 3, 494; ich träumte, wie um mitternacht mein falscher mir erschien Bürger 16
Bohtz. —
mit substant. object bezeichnenderweise erst im 18.
jh.: man träumt oft gar wunderliche dinge Wieland (1794) 11, 87; und frage, was sie schönes geträumt haben
F. Holländer
ges. w. 5, 30.
als concretum: da träumt ich dich G. Hauptmann
vers. glocke (1896) 72;
das bedeutungselement '
schaffen, erzeugen'
um so stärker hervorkehrend, je mehr es eine sache als ergebnis des träumens bezeichnen soll: er verweinte die hälfte der nacht und träumte den übrigen theil derselben gift und dolch Heinse 3, 248
Schüdd.; sie (
die nachtigall) träumt ein zärtlich lied Kretschmann 1, 137. —
passivisch sehr ungewöhnlich: als wir geträumt werden sollten, wurde ein engel düster und entschlief und träumte Jean Paul 7, 338
Hempel. gelegentlich refl. (
vgl. die refl. belege I A 1 b
u. II A 2 a): welche ... vermeint, das die jungfraw ... vielleicht ir hievon geträumbt hett
Amadis 232
lit. ver.; anders unter hinzufügung einer ortsbestimmung: (
er) träumte sich im schlaf in paradiesische gegenden zu seinem bruder Miller
Siegwart 1, 13 (
vgl. dazu II C 1 b
u. II D 4). I@BB.
die allgemeine bedeutung '
schlafträumen'
erfährt durch den sinnzusammenhang nüancierungen, durch die die verschiedenen bedeutungserweiterungen von II
vorbereitet werden. I@B@11)
allgemein als tätigkeit des geistes im schlaf: mein geschäftiger geist konnte weder schlafen noch träumen Göthe I 22, 284
W.; in den ganz ersten zeiten unsers lebens, wann wir noch nicht einmal träumen Abbt 1, 121.
in lockerer composition mit adverbien; vgl. II D 5: ich ... legte ihn (
einen schmetterling) auf meine hand, er träumte bewegungslos fort fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 271; so träumte und so schlief ich halb voran A. v. Droste-Hülshoff 2, 111; schlaf und träume dich voll maler Müller
Fausts leben 99, 30
lit.-denkm. übertragen auf dinge, insbesondere solche der natur: so die blätter von den bäumen, wenn sie früh noch schlummernd träumen Chr. Fr. Henrici
scherzh. u. satyr. ged. (1727) 1, 134;
dabei leicht ohne scharfe abgrenzung gegen schlafen
und so die erweiterung zu der bedeutung II D 2
vorbereitend: die sonne und unsere geliebten sind zur ruhe, wälder und wasser rauschen fort, die erde träumt Tieck
schr. (1828) 4, 114; im nebel ruhet noch die welt, noch träumen wald und wiesen Mörike 1, 109
Göschen. I@B@22)
mit dem sinn einer negativen bewertung des träumens bzw. der traumwirklichkeit, die öfters in adverbien wie nur, so, blosz
directen ausdruck findet oder deren gehalt im satzton mit schwingen läszt, vgl. u. II A. I@B@2@aa)
herbeigeführt durch betonung des gegensatzes von traum und wirklichkeit: du bist nicht recht klug; dir träumt, du hättest den mäusen etwas versprochen, und willst es ihnen nun im wachen halten Cl. Brentano 5, 44; das alles kann ein jeder träumen, euch ganz allein ists wirklichkeit Göthe I 16, 254
W. I@B@2@bb)
herbeigeführt durch verwechslung von traum und wirklichkeit: gutter man, dir hat getraumet, oder du bist vol und truncken Montanus
schwankbücher 155
lit. ver.; wie sie die erscheinung von der fee Rademantee hatten, da dacht ich auch, es hab ihnen nur so geträumt Wieland (1795) 11, 198; da musz ich getraumt han! ich weesz nu nich andersch! G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 25;
vgl.: nein, mir traumbt nit H. Sachs 6, 142
Keller; besonders charakteristisch in der frage: ist mir min leben getroumet oder ist ez wâr? Walther v.
d. Vogelweide 124, 2
L.; hertzblut mins, hab ich dich oder troumpt es mir?
N. v. Wyle
translat. 72, 16
lit. ver.; indirect: beyde in zweifel stünden, ob das war wäre oder in getraumet hete Arigo
decam. 304
Keller; ... war seine erste bewegung, dasz er in seine tasche griff, um zu erfahren, ob er träume oder wache G. Keller 5, 30. I@B@33)
ohne dieses negative moment unter hervorhebung sonstiger merkmale des träumens bzw. der traumwirklichkeit; und zwar: I@B@3@aa)
der damit verbundenen lust; vgl. II C 1: dem esel trewmet von disteln Petri
d. Teutschen weiszheit 2, m 8
r; wir wollen sonder hohn so froh als träumende, doch nicht im traume, sprechen Chr. Günther
ged. (1735) 640; mir wird von frommen, guten kindern träumen R.
Z. Becker
mildh. liederb. 36; könnte ich doch von dir träumen wie du von mir Bismarck
br. a. s. braut 14; die schlummernden vögel nickten auf ihren zweigen und träumten von neuen himmelsmelodien A. Stifter 1, 263.
so vor allem mit adverbien wie süsz, sanft, herrlich
u. ähnl., vgl. oben A 1 d
u. 2. I@B@3@bb)
ihrer bedeutung für die tageswirklichkeit, insbesondere die zukünftige; vgl. II B 1: der lorboum habet tia natura, ube sin ast ufen slafenten man geleget uuirt, taz imo war troumet Notker 1, 698, 13
P.; man spricht gmeinlich, wan eim traumt, daz im ein zan uszfal ... so wöl im ein fründ sterben Keisersberg
brösamlin 2, 48; sonderbar ist es jedoch, dasz ich nach acht jahren, in dem kleide, das mir geträumt hatte, ... mich auf demselben wege fand Göthe 28, 84
W.; den bedeutungsbestandteil '
lustvoll'
hinzunehmend: die pfänderspieler ... weckten die erben, die eben recht süsz von goldbergen träumten Langbein 31, 92.
ähnlich, die erweiterte bedeutung '
ahnen'
vorbereitend, vgl. u. II B 2: und läszt dir von keiner list in dem süszen schlafe träumen Knittel
poet. sinnenfrüchte 156;
übertragen: dort, sieh, am horizont lüpft sich der vorhang schon! es träumt der tag, nun sei die nacht entflohn Mörike 1, 24
Göschen. I@B@3@cc)
des die tageswirklichkeit an wunderbarlichkeiten überbietenden inhalts des träumens; jedoch in umkehrung dieses normalen verhältnisses negativ gewendet; vgl. II C 3
u. III 1: was für ... närrischer bossen sie getriben ... kainem so seltzam traumen kündte J. Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 1, 170
a; sie werden grosze augen machen, wenn sie ... soviele dinge ... finden, von denen sie nie etwas gehört oder geträumt Görres
ges. br. 3, 114;
vergleichbar in hinsicht auf ein wertelement des trauminhalts: o ein gott ist der mensch, wenn er träumt, ein bettler aber, wenn er denkt Hölderlin 2, 69
Litzmann. IIII. träumen
im wachen. die erweiterten bedeutungen stellen sich nach den dominierenden bedeutungsbestandteilen des nichtigen (A),
zukunftweisenden (B),
phantasievollen (C)
und wirklichkeitsfernen (D)
zu vier gruppen zusammen. sie stehen nicht völlig in übereinstimmung mit den für traum
aufgefundenen, doch sind sie in jenen enthalten, insofern als das zuständliche element des wirklichkeitsfernen dort mit dem des phantasievollen in engster functionsgemeinschaft verblieb, hier aber durch den verzicht auf die mitbestimmung irgendeines trauminhaltes sich deutlich absondert. II@AA. '
sich einbilden, wähnen'.
das als träumen
bezeichnete denken und vorstellen ist auf grund seines verhältnisses zu wirklichkeit und wahrheit fragwürdig, nichtig, töricht. schon mhd. in deutlicher loslösung von der schlafsituation: ich wânde, swaz mir ist geschehen, daz wære mir getroumet gar H. v. Fritzlar
liet v. Troye 14185; sie wænent, sie müge der marterær hin gehelfen, daz wær unsern Goten swær, in ist ze süeze von ir gote getroumet
Lohengr. 5056. II@A@11)
denken und vorstellen unter verkennung der wirklichkeit. II@A@1@aa)
in weiterentwicklung von I B 2 b
direct auf das wachsein übertragen; an die stelle des schlafes tritt, mehr oder weniger betont, der zustand der geistesabwesenheit; vgl. dazu: der unterscheid zwischen gescheiden und narren ist, dasz jenen nur des nachts, diesen aber beide des nachts und im tage träumet Kramer 2 (1702) 1118
a.
unpersönlich ohne subject: wie, Amor, schertzest du? was hat die braut verlohren? ein kleinod? träumt dir denn? H. v. Hoffmannswaldau 1, 101
Neukirch; Medea, traumet dir? was fabelst du für sachen? v. Birken
lorbeerhayn (1657) 74;
in maa.: di dromt wol
du besinnst dich wohl nicht recht Dähnert
pomm.-rüg. 89; dir traumt wull K. Rother
schles. 391. —
entsprechend persönlich construiert, ohne object: das meiste, was er davon erzählte, zeigt, er habe mit offenen augen geträumt Zimmermann
einsamkeit 1, 189; freunde! gute, theure nachbarn, ihr träumt, besinnt euch! Göthe I 8, 276
W.; haben sie lust, diese rolle zu übernehmen? ich glaube, es würde zu einem unseligen träumen und erwachen führen Ruge 2, 234;
mundartlich: du drömst wol Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 340. —
als part. praes. zu abstracten substantiven tretend: schreckendes grab, du letzte behausung für götter im leben, o wie beugst du den träumenden stolz! Zachariä
bei Campe 1, 511; diese prächtigen worte, ... auf welche die verlachte und hochmüthige thorheit bei ihrer träumenden selbstzufriedenheit pochet J. E. Schlegel 3, 350. II@A@1@bb)
auf grund einer sinnestäuschung, infolgedessen oft mit subject- bzw. objectbestimmungen. unpersönlich: diser frauen traumet wachende, si hab am mund ain kanten mit wein Albr. v. Eyb
dtsch. schr. 2, 80
Herrmann; was seh ich? traumt es mir? ein jeder pinselzug gebihrt ein neues werk Drollinger
ged. 74.
persönlich: ihr träumt. ich schwör, ich kenn euch nicht, mein freund!
sammlung von schausp. (1764) 1, 94;
mit objectsbegriff sogleich die bedeutung '
schaffen, erzeugen'
einschlieszend: er wundert sich, dasz man auf dem schild eine erdkugel mit fünf zonen geträumt J. H. Voss
antisymbolik 2, 25. II@A@1@cc)
allgemeiner und ohne vermittlung eines sinneseindrucks, doch vor allem von vorgängen und zuständen innerhalb der den träumenden umgebenden wirklichkeit. unpersönlich mit subjectsatz: träumt manchen gleich beim weinpokale, am spieltisch und im maskensaale, er habe schon das ziel erreicht Göckingk
ged. 7, 229;
in der bedeutung '
zu mute sein',
wenn der abhängige satz durch conjunctionen wie als, als wenn, als ob
angeschlossen ist: biszweilen traumet einem, als sitz er bei einem flieszenden bach Äg. Albertinus
hirnsleiffer (1664) 261; mir träumet, als wenn ich einen sack gelds gefunden hette
N. Volckmar 40
dial. (1625) 30;
mit subjectsbegriff: Thusznelda ward ... von freuden dergestalt überschüttet, dasz ihr so viel gutes mehrmals nur zu träumen bedeuchtete Lohenstein
Arminius 1, 85
a; wir leben nicht; uns träumet des daseins dunkler traum J. H. Voss
sämtl. ged. 5, 43.
entsprechend persönlich construiert: o wüstentraum, wo liebe träumt zu fassen jetzt Josephs mantelsaum mit durstger hand Cl. Brentano 2, 194; nicht träumen sollt ihr euer leben Roquette
waldmeisters brautfahrt (1851)
vorrede; als part. perf. transitiven gebrauch voraussetzend: die vollen ... warffen aus geträumtem schiffbruche alles zum fenster des schenckhauses hinaus Lohenstein
Arminius 1, 93
a;
in erster linie zu substantiven tretend, die einen zustand des träumenden bezeichnen: so verschliefen wir in geträumtem wohlleben dreiszig tage Wieland
Lucian (1788) 4, 216; hier spielt Wallenstein in seiner geträumten überlegenheit mit den anderen figuren O. Ludwig 5, 305.
gelegentlich von vorgängen der vergangenheit: so hat es ohne zweifel dem Spartiano nit geträumt die gesigung Caracalle wider die Allemannier, so lang hievor geschehen war Stumpf (1606) 303
b; ... wo er (
der despotismus) gewisz nicht das schreckliche ding war, das wir uns aus unserm zustande an ihm träumen Herder 5, 482
S.; man musz aber eben nicht meinen oder träumen, es hätte der fürst ... nichts ohne ihn gethan Kortum 3, 163. —
in der besonderen bedeutung '
törichte befürchtungen hegen'
auch von möglichkeiten der zukunft: Kriemhild: ohm, ihr werdet doch an ihm nicht rächen, was nur ich verbrach?
Hagen: was träumst du da? Hebbel
w. 4, 129
Werner. von möglichkeiten, die in einer sache liegen unter deutlicher annäherung an die bedeutung '
ausmalen, schwärmen' (
s. u. II C 1): wie gern träume ich mir in den frohen, stillen stunden, ..., dasz dies leben zu kurz wäre Fr. v. Gentz 1, 36;
vergleichbar, wenn auch objectlos: o welch ein edles gedicht könnte sich aus einem solchen gegenstand entwickeln! doch ich träume! Göthe II 12, 57
W. II@A@1@dd)
ähnlich von gegenständlichen und geistigen gebilden, deren existenz auf einbildung beruht. in der regel in persönlicher construction, wohl auch, weil die verantwortlichkeit des träumenden für das zustandekommen der wahnvorstellungen betont erscheint. mit präpos. object: ... die ... von einem albern wolkenblas und hartgemachten luft geträumet, was sich denn weder schickt noch reimet (
als erklärung für blitz und donner) Triller
poet. betr. 1, 376; was träumt der wahn bedöhrter weisen von einer gottheit ohne kraft? Drollinger
ged. (1743) 28;
charakteristischer als transitives verb: wir träumen ja auch nur die natur Tieck (1828) 4, 96;
mit dat. eth.: allerlei gestalten träumen mag man sich wohl Heinse 4, 192
Schüddek.; im schoos des friedens träumet er feinde sich Herder 27, 31
S.; sie träumen sich einen so liebreichen gott, der auch die menschen nicht straft Jung-Stilling 3, 288;
übertragen: liebe träumt sich in jeder wüste ein paradies Schiller 3, 313
G. mit der besonderen bedeutung '
ausklügeln, theoretisch construieren': unsere väter thaten das gute und träumten es nicht Pestalozzi (1826) 6, 208.
als part. perf.: man sieht wohl, dasz du (
der dichter) nur im staube stets geseszen, und bei geträumter kunst dein altes blut vergeszen B. Neukirch (1744) 118; was ist Grandison, der abstrahierte, geträumte, gegen einen Rebhuhn, der da steht? Lenz
ges. schr. 2, 211
Tieck; einen himmel von geträumten herrlichkeiten O. Ludwig 2, 419. II@A@1@ee)
sich einbilden, wähnen, dasz etwas anders, im allgemeinen schöner, gröszer, erhabener sei als in wirklichkeit (
vgl. II C 1): darumb er ... klagt, er müsze viel leiden, ... und trewmen ihn selbs ein gros kreutz, das sie leiden
schwärmer gegen Luther 4
ndr. dasz wir den krebsgang träumen zu geniusflug Klopstock
oden 2, 71
M.-P.; Napoleon ist nicht so einzig gewesen, als viele ihn geträumt haben E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Dtschen 2, 215.
häufiger mit refl. acc.; das ergebnis des träumens im acc.: ein kahler schuhflicker haltet jetzt in seinem sinn von sich selbsten so viel, dasz ... er sich ... einen stiffelschuster darff träumen lassen Moscherosch
ges. (1650) 1, 65; der stallknecht träumet sich einen stallmeister
ebda 1, 66; tyrannen, die ihr euch der erde richter träumt Gotter 2, 453; (
Eva) die sich eine göttin träumte Herder 7, 101
S.; weniger künstlich mit conjunctionaler verbindung der objecte durch als
oder zu: er hat sich eben als unseren könig geträumet Herder 29, 578
S.; als ich mich zum Robinson Crusoe träumte Raabe
leute aus d. walde (1863) 268;
mit adjectiv: in diesem strahlenkreise kann es leicht sein, dasz er sich gröszer träumt, als er wirklich ist Schubart
ideen 220; er war einem armen gleich, der sich reich träumte Pfeffel
pros. vers. 9, 177. II@A@22)
mit betonung der eigenwilligkeit und subjectivität des denkens und vorstellens. dieser besondere accent ist in neuerer sprache überall gemildert (
s. besonders oben 1 e);
im 16.
und 17.
jh. besonders in der theologischen streitliteratur. II@A@2@aa)
irrtümlicher- und törichterweise glauben, meinen. innerhalb dieser bedeutung bricht sich der persönliche gebrauch von träumen
zuerst raum, da dieses träumen
nicht länger als eine sache der eingebung, sondern als eine solche der menschlichen willkür empfunden wird: sie trewment, es mug ein priester nimmer mehr anders den priester odder ein ley werden Luther 6, 408
W. (1520); du solt ouch die letsten noturfft hie nit verston, da man kummen sye in die nähe des todes, als die jrrenden theologi troumend Zwingli
von freiheit d. sp. 14
ndr.; wie auch die andern rottengeister trewmen, die sich nichts bekomern umb den hohen haubtartikel von Christo Luther 34, 389
W.; 26, 333; das priesterthum da Emszer von trewmet, und kirche, da die papisten von tichten, reimen sich in die schrift, wie leben und todt sich zusammenfugen Luther
u. Emser 2, 57
ndr.; auch reflexiv: wer derselbige got sei, das weis sie (
die natur) nicht. darümb trewmet sie ir, dieser wird got sein Luther 16, 43
W.; wer sich mit gedancken speiset, wer ihm träumet und vermiszt, desz er nicht versichert ist ... Morhof
teutsche ged. (1682) 398. —
daneben auch die unpersönliche construction: philosophi und theologi, welchen träumet, dasz gott die himlische circkel durch den dienst der verständlichkeiten umb und umb walke ... Nigrinus
von zäuberern (1592) 117; also mer trewmet inen von der sach, das dasselbig eusserlich zaichen sei die materi des sacraments J. Strausz
beichtpüchlin (1523) c 2. —
als part. praes. und als part. perf. '
fälschlich eingebildet, irrtümlich': viel seint ihr, die mit trewmender andacht (
somniata quadam devotione) entzundet werden Luther 10, 87
W.; ... ein sollicher glaub ... ein trewmender und todter glaub ist Hermann v. Wied
einfaltigs bedencken (1545) 72
a; er beweiset damit, dasz er nicht einen getreumeten und getichten glauben habe C. Spangenberg
wider die bösen sieben (1562) n 3
b. —
auszerhalb der theologischen literatur selten: nach dem ihnen (
den sprachverbesserern) geträumet, es gehöre das tz auch nicht in die teutsche schreiberey, schreiben sie gesetze Neumark
palmbaum (1668) 89; fürwar Cupido ist kein kindt, nicht blosz noch blindt, wie doch den leuthen trämet Th. Höck
blumenfeld 89
ndr. II@A@2@bb)
einfallen, zufällig im geiste aufstoszen, mit dem vorwurf der oberflächlichkeit und haltlosigkeit; in dieser bedeutung mit ermöglicht durch die unpersönliche construction: kein rültze ist itzt so grob, wenn ihm was trewmet odder duncket, so mus der heilig geist ihm eingeben haben Luther 19, 547
W.; und thun was in nur trewmet und wol gefellet 10, 123
W.; und mus denn schrifft heiszen, was ihn trewmet (
nämlich den ketzern) 23, 10
W. vgl. noch: es ist zu beklagen, das wir Deutschen nach allem einfallen und treumen einem jeden zulassen mit den buchstaben und wörtern umzugehen v. Butschky
hd. kanzelley (1659) 1. II@BB. träumen
als auf die zukünftige wirklichkeit bezogenes denken und vorstellen; vgl. auch II C 3 b
u. III 1. II@B@11)
an etwas zukünftiges beglückt und sehnsuchtsvoll denken, es lustvoll ausmalen, vielleicht aber nichtiger- und törichterweise; hoffen, wünschen, planen, vielleicht aber vergeblich. vgl. bereits bei Notker:
ad veram inquit felicitatem ze dero uuarun saligheite! chad si,
quam tuus quoque animus somniat tannan ouh tir troumet in dinemo muote 1, 127, 10
P. unpersönlicher gebrauch wird vom 18.
jh. an ungewöhnlich: II@B@1@aa)
die drei sich miteinander verbindenden bedeutungsbestandteile sind nicht immer in gleicher stärke fühlbar. die engste verbindung besteht zwischen denen des zukunftweisenden und des schönen, während der des nichtigen variierend hinzutreten kann, vor allem auf den älteren sprachstufen: du narr, dir treumbt, ich wöll dir von der sengerin sagen Boltz
Terenz deutsch (1539) 103
a; der feldmann hat schon jetzt die scheuern aufgereumet, davor ihn nacht und tag und alle stunden träumet, wie er die sense schon hab an das korn gelegt Treuer
dtsch. Dädalus (1675) 1, 33; könnte jeder ins werk setzen, was er hier träumte ... wie schöner würde dadurch das leben! Herder 22, 133
S.; er hatte den künstler über all und alles in dieser welt gestellt und von seinem reich auf erden geträumt ... er wartete nicht die enttäuschung ab H. Eulenberg
letzte bilder (1915) 279;
in entsprechender synonymik: ... dasz man nun anhebt, von der deutschen freiheit zu fabeln und zu träumen Opel-Cohn 382; ... wie sie der jugendliche sinn des volkes träumt und wünscht Scherer
gesch. d. dtsch. lit. 111; er sann und träumte nichts anderes, er meinte, es (
das bild) sein nennen zu dürfen, würde ihn beseligen Ebner - Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 174.
häufig von zukünftigem persönlichen glück und wohlergehen: weil euch von perlen träumt und werden threnen drausz Logau 286
lit. ver.; schlossen nun mann an mann, fest zu einander die brust, träumten auch hoffnungsfrisch von künftigen tagen der freude Fouqué
gefühle. bilder (1819) 1, 187;
von unternehmungen, reisen; daher auch als typisches bild: ich wacht, und ich träumte von der kühnen fahrt auf der zukunft ocean Klopstock
oden 2, 27
M.-P.; von besseren allgemeinen zuständen, insbesondere auch politischer art: es reden und träumen die menschen viel von besseren künftigen tagen Schiller 11, 264
G.; die macht und herrlichkeit (
Deutschlands), wovon wir schon 1813 und 1815 geträumt hatten Nitsch
dtsch. stud. (1879) 310; man träumte von der erhaltung des weltfriedens und landete beim weltkrieg A. Hitler
mein kampf (1933) 156;
und von den sie begründenden ereignissen: oft träumte ich von kriegen und schlachten H. Steffens
was ich erlebte 1, 108; wenn er von der befreiung Polens träumte Treitschke
dtsche gesch. 1, 220.
mit dem dat. ethicus sich etwas träumen '
sich erhoffen': anders als ihr euch geträumt, fielen die würfel des streits Stefan George
d. neue reich 43.
die bedeutung '
hoffen, planen'
legt die verwendung der sonst nicht gebräuchlichen präposition auf
nahe: wenn er aufs los geträumt und verloren hat J. Möser
sämmtl. w. 5, 86. II@B@1@bb)
mit sächlichem object in gehobener sprache, doch klingt der sonst mit dem transitivum eindringende bedeutungsbestandteil '
schaffen'
seltener und schwächer an, wohl wegen der zeitlichen distanz zum obj. immerhin vorzüglich von unternehmungen, leistungen: eine weltumseglung träumend A. v. Humboldt
kosmos (1845) 2, 304; du träumtest wachend das unmögliche
M. Beer
w. 15; der sinn des heldengedichts, das wir dachten und träumten Klinger 8, 21;
im übrigen direct als synonym zu '
erhoffen': so hofft ich doch zum wenigsten aus blindheit und träumete ein langes glück Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. 302; die schauspieler schimpften, sie hatten zu ihrem empfange sich triumphbogen geträumt Eichendorff 2, 415; welchen himmel hatte ich mir mit Theresen geträumt! Göthe I 23, 78
W.; zur bedeutung '
für möglich halten'
hinüberweisend: der, dessen hand ihnen nie geträumte triumphe gewonnen hatte Niebuhr
röm. gesch. 1, 140;
vgl.C 3 b. II@B@1@cc)
ohne object; nur durch den zusammenhang, doch dann untrüglich von der bedeutung '
sinnen, geistesabwesend sein' (
vgl. II D)
abzugrenzen: nenne dich nicht arm, weil deine träume nie in erfüllung gegangen sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat Ebner-Eschenbach (1893) 1, 87. II@B@22) '
ahnen, vorausempfinden'
; insbesondere schlimmes ahnen, befürchten. in dieser bedeutung ist der zukunftsbezug offenbar am frühesten in gröszerer breite in den gebrauch des vb. eingeführt worden. das mitdenken der schlafsituation scheint nur allmählich zu verblassen. —
der unpersönliche gebrauch wird offensichtlich bevorzugt, doch nicht nur wegen der in mancher wendung bereits formelhaften verbreitung im älteren nhd., sondern auch wegen der völligen unverantwortlichkeit und passivität des träumenden: daz ungemach troumt mîner Matzen vert Neidhart 103, 21
Haupt-Wiessner; endlich kamen sie auch über seine frau, und weil der rittmeister voll eifersucht war, traumte ihm nichts gutes Zendorius a Zendoriis
winternächte (1682) 121;
dagegen persönlich: man träumte hier nichts von gefahr Blumauer
ged. (1782) 204. II@B@2@aa)
ohne object: ja, mein lieber meszpfaff, du hasts erraten, oder hat dir geträumet
discoursz etzlicher personen (1621) a 3
a;
mundartlich: mi drömde '
ich hab die ahnung' Dähnert
plattdt. wb. 89.
meistens mit bestimmten adverbien wie übel, schwer: hât er die zwêne mit im brâht, Witegen unde Heimen, die hânt sich strîtes wol verdâht: unsanfte muoz uns tröumen
Virginal 715, 10
Zupitza; (
als die feinde nahten) da wolte den bauren schwer traumen, brachen auff, verlieszen die wagenburg ... und flohen J. Schlusser
d. peurisch krieg (1573) 99; schweig deshalbn und trolle dich, und komm nicht wieder hier für mich, es soll dir übel treumen sunst Ambr. Pape
Jonas rhythmicus (1605) b 6
a; geht schleunig nun zu rath, ihr seid es dürftig doch, sonst wird euch übel treumen
Reinicke fuchs (1650) 357;
vergleichbar: auch der traum jener unglücklichen ist ausgeträumt, und wir, die wir minder schwer träumen, wünschen ... ihnen ... ein seliges erwachen Holtei
erz. schr. 2, 63. II@B@2@bb)
mit präpos. obj.; vor allem in der redensart vom teufel träumen
s. Wander 4, 1086;
in concreter bedeutung: so nüchtern geh ich nicht mehr schlaffen wie gestern, da ich nur acht maszen wein tranke, und mir vom teufel traumte Moscherosch
ges. (1650) 2, 219.
im 16.
u. 17.
jh. sehr gebräuchlich im sinne '
schlimme ahnungen haben', '
im voraus schaudern': es träumet ihm (
dem schuldigen) vom teufel
sch. w. klugreden (1548) 9
b; Lehman
flor. pol. 3 (1662) 90; da het beid jung und alt grosz acht, was Eulenspiegel damit (
mit den schuhen) macht, und träumpt den jungen schier vom teuffel Fischart
Eulenspiegel 43
Hauffen; aber als die ... ketzer solchs vermerckt und inen dem sprichwort nach vom teufel getraumt, haben sie ...
postreuter (1620) 6; ein weib, das wol und flachs von kindheit an verstehet, der nit vom teuffel dräumt, wenn sie ein rad umbdrehet Rachel
satirische ged. 38
ndr.; in maa. noch heute lebendig: s het mir vom teuwel geträumt '
ich ahnte sowas' Martin-Lienhart 2, 756.
ähnlich: vom lictor träumt ihm, der mit dem beile droht Herder 27, 31
S. auszerhalb der formeln: wen blinder eifer wiegt, den träumet von verderben Neukirch
anfangsgründe 121; wer sollte wohl in einer solchen hohen glückslage von künftigem mangel träumen? Archenholz
Engl. u. Ital. I 1, 253. II@B@2@cc)
mit acc. obj.; allgemein pronominal: träumt ichs doch! wuszt ichs doch! Klinger 1, 28;
mit objectsatz: (
er) begab sich also ... an die Weser, umb der ... schwedischen durchbruch uber die Weser, weil ihm schon vorher träumete, das sie sich darumb annehmen würden, zu verhüten v. Chemnitz (1653) 2, 51; mir hat nicht geträumt, ich soll einen esel fragen Rother
schles. sprichw. 394;
poetisch mit subst. obj. die bedeutung '
schaffen, erzeugen'
anklingen lassend: ... eine sibylle, welche schicksale träumt Cl. Brentano 5, 221;
aber auch ohne diese nuancierung: wo er selber noch ein ungeborener träumte die wehen der schöpfung Mörike 1, 80
Göschen; übertragen: die rose träumt und fühlte die nahe götterlust Blumauer
ged. (1782) 58;
noch die bedeutung '
sich einbilden'
hinzunehmend: wähnt ihr, er schlafe, weil ihr träumt gefahr? Geibel 2, 90. II@CC. träumen
als phantasievolles denken und vorstellen. weder der negierende, noch der zukunftweisende bedeutungsbestandteil tritt hervor, sie klingen höchstens an. der anspruch des objects, erfahrungswirklichkeit zu sein, wird nicht ausdrücklich zurückgewiesen. das phantasievolle, schweifende, complexe als structurmerkmal der vorstellungen und gedanken gewinnt gröszere bedeutung. vgl. auch traum II C. II@C@11)
an etwas beglückt oder sehnsuchtsvoll denken, etwas lustvoll ausmalen. junge bedeutung, noch im 17.
jh. selten nachzuweisen, daher auch der unpersönliche gebrauch nur vereinzelt: was ich thu, ich schlaff, ich wach da, so trawmt mir von Polyxena W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dram. 2, 19
lit. ver.; nichts mangelte, was zu lust und gunst der welt kunte traumen Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 10. II@C@1@aa)
die bezeichnung des trauminhaltes geschieht zumeist mit von: hier auf verlaszner flur von ihrem kusze träumen, ihr täubchen, darf ich nur J. G. Jacobi
sämtl. w. 1, 44.
häufig von menschen als objecten des beglückten denkens und vorstellens: ... seit acht tagen spricht und träumt die arme Marie von nichts als von ihnen Eichendorff 2, 132;
von erlebnissen, indem an stelle der räumlichen distanz zwischen dem träumenden und seinem object die zeitliche tritt und die bedeutung '
erinnern'
eingeschlossen wird: und so ging ich denn in meinem lebenslauf immer weiter rückwärts, träumte von den schönen tagen in Berlin Gaudy 2, 152;
von ideellen werten: du träumst immer von der unschuldswelt, wie das rein urkräftige sich zeigt fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 109; und die himmlischen gesänge lehren mich von liebe träumen Göthe I 2, 23
W. mit substantivischem accusativobject nur in stilistisch bewuszt geformter ausdrucksweise: hier sitz ich nun, theuerste Emilie, in meinem engen, einsamen zimmer und denke und träume nur sie (
anrede) Tieck
schr. (1828) 3, 104;
mit dem bedeutungselement '
schaffen, erzeugen',
insbesondere bei abstractem object: wenn sie (
die stickmuster) gleich dein fest versäumt, liebes haben sie geträumt Göthe I 4, 277
W.; dabei kann der traumgegenstand seine eigenexistenz völlig verlieren, so dasz ein acc. der wirkung entsteht: alles war himmel um dich her, du träumtest lauter unschuld und zärtlichkeit Wieland I 2, 454
akad. wonne träumend, staun ich, säumend, dann vom damm die gegend an v. Salis-Seewis
ged. 44.
den bedeutungskreis II A 1 e
überschneidend, speziell mit der wendung sich zu etwas träumen,
doch ohne den in ihr sonst sehr starken negativen sinn noch anklingen zu lassen: sie empfängt mich nicht mehr so gleichgültig wie sonst ..., sie lächelt, wenn wir im gespräch begriffen sind ... lauter losungen, die mich entzücken, durch die ich mich zum glücklichsten menschen in der welt träume Schöpfel
Thom. Imgarten (1777) 81; in seiner werkstatt träume sich der künstler zum bildner einer schönern welt Schiller 5, 2, 316
G. II@C@1@bb)
in fester verbindung mit adverbialen bestimmungen. besonders häufig mit refl. acc. und richtungs- bzw. ortsangabe: sich irgendwohin träumen;
mannigfach abgewandelt: und träumt sich in ein paradies mit seiner Eva hin Bürger 46
Bohtz; ja dorthin will ich meinen schritt beflügeln, wohin sich jetzt nur meine sehnsucht träumt Böhme
volkstüml. lieder 31.
da das refl. inhaltlich nichts neues bringt, tritt annäherung an die bedeutung II D
ein: ich träumte mich dem höchsten glücke nach Göthe I 10, 150
W.; sie ... träumet sich immer ferne mit ihren gedanken maler Müller 1, 60; träumt sich in die gefilde des lichts hinein Caroline 1, 14
Waitz. künstlicher mit substantivischem acc.: nun träumt sie den geliebten weit in die see hinaus verschlagen Mörike 3, 45
Göschen; meine ernte im krieg ist gethan, ich träume nun meine jugend in euch zurück Klinger 1, 21;
als acc. der wirkung: stünd im all der schöpfung ich alleine, seelen träumt ich in die felsensteine und umarmend küszt ich sie Schiller 1, 286
G. —
in anderen verbindungen: die nun einmal erregte phantasie träumte den götterroman weiter O. Peschel 266; zwar läszt sich der gesang eingesperrter vögel noch am besten des morgens im bette anhören, wenn die phantasie noch frisch ist und man sich mit geschlossenen augen wald und wiesen dazu träumen kann Hegner
ges. schr. 1, 116; mehr gold, als sich das arme paar je beisammen geträumt hatte Grillparzer (1892) 13, 220
Cotta; noch einmal träumt er durch im sinn das glück, das von ihm wich Geibel
ged. aus d. nachlasz (1896) 16. II@C@22)
ähnlich, doch unter verzicht auf den bedeutungsbestandteil '
schön, lustvoll'.
vor dem 18.
jh. wenig verbreitet, einmal bei Fischart,
doch noch mit starkem rückhalt an den bedeutungen II A 1 d
und II A 2 a: (
der papst) konnt in seiner fuchsgrub träumen gesetz, die sich zum schein fein reimen Fischart
tierbilder 426
Hauffen. oft vom noch nicht geklärten denken und vorstellen der denker und dichter, wobei die bedeutungsnuance des fragwürdigen mitschwingen kann oder aber die überlegenheit gegenüber dem gewöhnlichen denken und vorstellen hervorgehoben wird; unpersönlich: ob ich schon wach, traumbt mir doch von dingen, darvon ich nit darf singen Chr. v. Schallenberg 111
lit. ver.; persönlich: wann wir mit den alten heidnischen philosophis ... von vielen welten ohne die unserige wolten traumen Grimmelshausen 2, 386
Keller; sie ... hasset alle die, so sich als dichter blähn doch ohne poesie, wo nicht von kindischen und eiteln märchen träumen Lichtwer
fabeln (1748) 90; was Kircher und Schwedenborg davon geträumt ... sind erweise, dasz wir davon nichts wissen können Herder 13, 17
S.; der anschlusz des präpos. obj. mit über
statt von: so kann man über die ganze physik ... in einer rede träumen B. Mayr
päckchen satiren (1769) 78;
unter betonung des unbestimmten, schweifenden, complexen, '
zusammenphantasieren, ausklügeln': wir vergessen unser reimen, oder, so wir ja was träumen, ists kaum seiner jugend gleich Neukirch
ged. (1744) 4; und was mancher grübler träumt, das erweckt mir lauter jammer Gottsched
ged. (1751) 1, 182;
vgl. auch oben den Fischart
-beleg. im übrigen selten mit substantivischem object: oder wie diese menschen dich (
Jesus) nennen, du träumer und sünder ... und wenn hast du lügen geträumt, wenn hast du gesündigt? Klopstock
Messias 4, 408.
ohne obj., nur durch die besondere bedeutsamkeit des trauminhalts von II D
abgesondert: hier wird am meisten gedacht und gedichtet und geträumt in der ganzen stadt H. Seidel
vorstadtgesch. 16;
aber mit adv.: dieser grosze mann (
Descartes) hatte viel geträumt Herder 23, 52
S.; mein Phöbus zürnt ohndem, dasz ich zu frei geträumt und so viel zeilen hier so flüchtig hingereimt Neukirch
ged. (1744) 200;
vgl. noch: ich kann, wenn es aufs träumen ankommt, sie (
die gottheit) sodann eben sowohl aus dem monde ... herleiten Herder 15, 251
S. II@C@33) nicht (kaum) träumen '
etwas nicht (
kaum)
für möglich halten, erraten, vermuten'.
ein überraschender, dem verstehen aus irgendwelchen gründen schwer zugänglicher vorgang, zustand, gegenstand der wirklichkeit wird selbst für das phantasievolle denken und vorstellen des träumens als ungewöhnlich, als nicht oder schwer begreiflich dargestellt. die negierung kann dabei statt durch partikel auch durch die syntaktische form oder den sinn des zusammenhangs erfolgen; leicht formelhaft; vgl. oben I B 3 c
und unten III 1 sich etwas nicht träumen lassen. —
vom 16.
jh. an gebräuchlich: uber den vorigen h. Giesiten orden ... hat die kirch noch ein ander regul der vollkommenheit erst kürtzlich gefunden, davon Christo und den aposteln nie nichts traumpte Fischart
binenkorb (1588) 23
a; von solchen dingen hab ich nichts reden hören! von solchen dingen hab ich nichts geträumt Göthe 17, 158
W. unpersönliche construction bis ins 19.
jh. verhältnismäszig häufig: von dem feuer eines kühnen pferdes träumt ihm nichts Bettine
frühlingskranz 96. II@C@3@aa)
von gleichzeitig gegenwärtigem: konnt ich in ihren armen träumen, wie meuchlerisch ihr busen schlug? Göthe I 24, 80
W.; in den syntaktischen formen des verneinten, des frage- oder vergleichssatzes: und wiederlegt ein ding, davon ich nie geträumt Chr. Warnecke
poet. versuch 113; hetten sie es vor etlichen jahren thürren träumen, wo mans ihnen nit mit fingern gezeigt hette? (
dasz nämlich das papsttum die ursache alles unheils sei) J. Sleidanus
reden 85
lit. ver.; es giebt mehr ding im himmel und auf erden, als eure schulweisheit sich träumt
Shakespeare 3, 185.
soweit auszerhalb dieser formen belegt, den weg andeutend, der tr.
zu dieser bedeutung hinführte: es ist aber der gegentheil zu widerspenstig, es wil ihme von keinem vergleich träumen, ja er wil davon weder wiszen noch hören Lilienberg
gerichtshändel (1655) 645; das ist ein guter fürschlag umb solche sachen vorzubringen, dasz es keinem wunderlicher träumen solte Harsdörfer
frauenzimmergesprächspiele (1641) 1, h 7
b; wenn ihr wüsztet, was ich weisz, wenn ihr nur träumen könntet, was ich gesehen habe Göthe I 8, 49
W. —
besonderer bedeutungsschattierung raum lassend: gerades wegs vom galgen her! sag ich. ihr steht da und gafft und könnts nicht träumen Schiller 2, 91
G.; mit infinitivsatz als objectsatz: die meisten guten sachen liegen begraben, wo sie niemand suchen mag, noch zu finden träumet Herder 25, 326
S.; mit objectsbegriff: wir sind weit entfernt, eine solche ähnlichkeit auch nur zu träumen Schiller 4, 42
G.; passivisch: das träumt sich nicht, so viel ist klar Wieland (1796) 21, 67; II@C@3@bb)
von gegenwärtig wirklichem, das als zukünftige wirklichkeit vorher nicht für möglich gehalten wurde: das hat mir nicht getreumet heut, das ich ein moren hie solt finden B. Krüger
action (1580) d 3
b; die blätlein doch bald reisen, noch eh mans träumen thut Fr. Spee
trutznachtigall (1649) 79; alles webt in duft und blüte, wie du nie geträumet hast Göthe I 2, 40
W.; träumt ich je, dasz ich erführe, was für freuden freuden sind? Göckingk
lieder 11; ... und der kampf ... in zukunft meinerseits ein viel energischerer sein wird, als sie sichs bis jetzt geträumt haben
br. von u. an Herwegh 38;
mit substantivischem obj.: ihr habt euch solche huld wohl nicht geträumt Cl. Brentano 2, 250.
in nd. und obd. maa.; vgl. dat het em woll nig dromet '
das hätte er wohl nicht erwartet' Dähnert
pomm.-rüg. 89; Dijkstra
friesch wb. 1, 298; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 756. II@DD. träumen
als geistesabwesend, in gedanken versunken sein; sinnen, grübeln. wesentlich für diese bedeutung ist, dasz die entfremdung von der gegenwärtigen wirklichkeit nicht mehr nur in verbindung mit dem gegenstand der schweifenden vorstellungen und gedanken, sondern allein die besondere sinngebung herbeiführt. die jüngste bedeutung von träumen,
erst im 18.
jh. wird ihr gebrauch häufiger; unpersönlich nur in maa. und in einigen der überaus seltenen belege aus dem 17.
jh.: deam drāmds '
er schläft halb' Schöner
Eschenrod 66; dir treumet bei hellem lichten tage Rother
schles. 391 (
aus Gryphius
dornrose);
dagegen: du treimscht am helle mittá Follmann
lothr. 99. II@D@11)
eig. als geistiges tun und verhalten des menschen. II@D@1@aa)
der bedeutungsumfang ist nicht starr, doch bleibt der ausschlaggebende bedeutungsbestandteil stets vorherrschend. die parallelität bzw. der gegensatz zu '
schlafträumen'
wird häufig ausdrücklich ausgesprochen: nur die zauberische gegend blieb vor meinem auge; ich wachte und träumte Herder 17, 110
S.; ja, wir haben, seis bekannt, wachend oft geträumt Göthe 1, 126
W. verhältnismäszig selten so sinnentleert, dasz die umschreibung '
geistesabwesend sein'
allein zu recht bestünde, die abgrenzung gegenüber der sinnschwereren '
sinnen, grübeln'
ist nicht möglich; vgl. daraufhin: sie (
die gelehrten) traumen an der taffel oder belegen die teller wohl gar mit brieffen Gryphius
lustspiele 71
lit. ver.; ich trank und zwar im ganzen halb träumend auf dein wohl Stoppe
Parnasz 341; er stützte die stirn in seine hand und träumte Fontane I 2, 47;
so auch vom schöpferischen sinnen des künstlers, vgl. Schleiermacher III 7, 81: die weihe des inneren träumens liegt auf allen seinen actionen, so dasz er niemals ganz schauspieler ist Nietzsche 1, 85.
durch die synonymik in diesem bedeutungsumfang bestätigt: unser träumen und gänzliches vergessen der auszenwelt O. Ludwig 2, 455; wenn sie für mann und kind zu sorgen hätte, würde sie nicht so viel grübeln und träumen Holtei
erz. schr. 3, 36; er (
Otto Ludwig) las, sann, träumte und schrieb nieder, was ihm die seele füllte G. Freytag 16, 47. —
dasz dieses entrücktwerden aus der gegenwärtigen wirklichkeit von lustgefühlen begleitet ist, klingt mehr oder weniger stark an: lasz mich träumen, lasz meine seele in dieser wonne schwärmen Klinger
neues theater 1, 28; wenn in wäldern, baum an bäumen, bruder sich mit bruder nähret, sei das wandern, sei das träumen unverwehrt und ungestöret Göthe I 3, 123
W.; nichtsdestoweniger aber oft, weil der wirklichkeit abbruch tuend, als fragwürdig angesehen: es giebt nichts lächerlicheres als einen mann, der am hellichten tage träumt Ebner-Eschenbach 3, 14; du wunderliche maid! was träumst, was treibst du? H. v. Kleist 2, 194
E. Schm. (
Kätchen I 2);
wobei sich gelegentlich die bedeutungen '
zögern, zaudern'
und '
nicht achtgeben'
herausbilden: du träumst im weichen gezelt, und sollst dem kalifen erobern die welt? Platen 1, 13
R.; wo säumt und träumt denn Hiltgunt, dasz sie kein kleid mir bringt? Scheffel
ges. w. 2, 177
Proelsz; so geht es, wenn man träumt Lessing 8, 14
L.-M.; in dieser specialisierung in nd. maa. neben der allgemeineren bedeutung sehr verbreitet: he sit al hen to drōmen un drücken; wat drömst du dâr so lank herum? Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 340;
vgl. Dijkstra 1, 298; Danneil
altmärk. 41;
vgl. auch die redensart hä drömt nömmerkes '
brüten, dösen' Leithäuser
Barmer ma. 44;
bezeichnend für norddeutsches wesen: hî sët w ë dikskant tâ drîmen Jensen
Wiedingharde 80. —
aufschluszreich für den bedeutungsumfang dieses träumens
ist die metaphorik, in die das vb. vor allem als substantivierter infinitiv einzutreten vermag: die trennung von der gegenwärtigen wirklichkeit ist wie ein schleier, hinter dem der träumende halb verborgen, ungreifbar verharrt: ich wandelte unter den bäumen mit meinem gram allein, da kam das alte träumen und schlich mir ins herz hinein Heine 1, 31
E.; sie ... drückte mit beiden händen das haar an den schläfen zurück, als wollte sie alles träumen gewaltsam von sich abstreifen Storm 1, 165; dich befing ein waches träumen, in dem dir doch kein bild erschien Geibel 3, 28.
hinzutretende adjective bzw. adverbien sind von ähnlicher wirkung oder aber tautologisch: auf den wellen der musik fortgetragen, träumen wir lebhafter und sanfter Herder 15, 517
S.; sie (
die menschenseele) träumt zusammenhängender und deutlicher Jung-Stilling 6, 416; ... zwischen kräftigem schaffen und sinnigem träumen verlief ihr leben G. Freytag 13, 33; das volk, das sich um seine schwelle schart, es träumet stumpf Gaudy 2, 27. II@D@1@bb)
als part. praes. sowohl das besondere verhalten als auch die wesensbeschaffenheit des träumenden charakterisierend; in den ältesten belegen noch unter der einwirkung der bedeutung '
sich einbilden, wähnen' (
s. II A): als ob der Luther so einen herum schweiffenden, träumenden geist gehabt, der in keiner sach gewissen grund gehabt J. C. Dippel
orthodoxia (1697) 38; ... dergleichen auch der träumende autor des büchleins ... sich einbildet Leibniz
dtsche schr. 2, 460;
ganz allgemein: aber nach Bacchus, dem weichen, träumenden, hebet Cythere blicke süszer begier Göthe 1, 246
W.; so lieblich, ... dasz man dem jungen, über seiner arbeit träumenden künstler nicht verargen konnte ... Gutzkow
ritter v. geiste 1, 14; so entstand ein träumend sinnendes wesen Stifter 3, 102;
vom geiste selbst, seinen erscheinungsformen, zuständen u. s. w.: verfolgung bessert nur die traumende vernunfft, erweckt den kalten fleisz Chr. Günther
ged. (1735) 496; er (
ein indischer gott) genieszt und ruht in träumender selbstbeschauung Herder 16, 496
S.; ... die träumende hoffnung auf ein unerwartetes glück Rabener 3, 348;
in einem frühen beispiel in der function eines gerundiums: diese träumende gewohnheit (
unandächtiger boten) Butschky
Pathmos (1677) 212;
in gehobener sprache in der form einer synekdoche: so stehst du unter ihnen mit träumendem haupt Bettine
d. Günderode 1, 144; so wache haltend, hellgelockt, ein engel lehnet, hingesenkt ein träumend ohr den ewgen melodieen Mörike 1, 184
Göschen; adverbial: unterdessen ... will ich ... träumend in einem solchen tempel leben Gleim
briefwechsel 1, 27
Körte; in klarheit schwimmen wird mein geist, nicht träumend nur am throne schweben Schubart
ged. (1825) 1, 60; ich ... stieg träumend den abhang hinunter und fand den weg nach hause, ohne auf ihn acht zu geben G. Keller 1, 239;
vgl. u. 4. II@D@22)
übertragen als ein eigentümliches verhalten von dingen, eine verwendung, die in einzigartiger reinheit das wesen romantischer naturbeseelung zeigt; mit den bedeutungselementen des halbbewuszten, schweigenden, besonders auch des unbewegten, unbestimmten, verschleierten bietet träumen
dem romantischen sinn die möglichkeit, durch seine aussagekraft den dingen geheimnisvolle phantasiewirklichkeit zu verleihen. nur in den jüngsten entwicklungsstadien der sprache: so weit und breit der sommer träumt A. v. Arnim 13, 165
Grimm; und im morgenwind beweget, träumen still des gartens rosen Cl. Brentano 3, 335; o, die vielgeliebten, schwebenden, webenden wolken, ... wie sie aufblühen in der öde des himmels, um die berge glänzen und träumen Stifter 1, 220; mitten im forst träumt ein kleiner, schwarzer teich v. Liliencron
sommerschlacht (1887) 242; früh um die dritte stunde, als noch der mondschein ... über den bergen träumte Ganghofer
mann im salz (
gartenlaube 1905) 902
b;
in charakteristischer metaphorik: in der stillen pracht in allen frischen büschen und bäumen flüsterts wie träumen die ganze nacht Eichendorff 1, 454;
in eigenartiger anlehnung an die bedeutung '
ahnen, vorausempfinden' (
s. o. II B 2): veilchen träumen schon, wollen balde kommen Mörike 1, 43
Göschen. sehr häufig als part. praes.: der thurm ... schlug die stunde aus und die träumende gegend schlug sie murmelnd nach Jean Paul 15/18, 288
H.; wie wunderbald sie (
die wolke) als weckender regen prallt an die träumenden ernten R.
M. Rilke
d. früh. ged. (1909) 27; alle fenster waren dunkel im ganzen hause, als ständ es träumend mit geschlossenen augen Eichendorff 3, 358. II@D@33)
vereinzelt übertragen für ein besonders geartetes singen der vögel, das die spezifische nuance des versunkenen, leisen, unbestimmten aufweist: an der wand hing ein käfig mit einem schwarzblättchen, ein anderer mit einer grasmücke. wenn diese nun in der abendstunde 'träumten' — wie der bauer so schön das leise singen der vögel benennt ...
M. Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 3, 148;
ähnlich: wehmütig und lieblich träumte die spieluhr und klang aus H. Watzlik
der alp (1923) 317.
vgl. dazu traumton. II@D@44)
in poetischer ausdrucksweise nimmt träumen
die tätigkeit, deren modalität es bisher nur bezeichnen konnte (
s. o. am ende von 2 b träumend
als adverb),
in den eigenen bedeutungsumfang auf; also etwa träumen
für '
träumend gehen': und so träumt ich zur meeresbucht täglich nieder vom riffe Geibel 3, 48; ernsten blicks, geheimnisvoll träumt ihr auge nieder
ders. nachlasz 65; und weiter träumt ich in der zeitung Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 102;
sogar als transitives verb mit der bedeutung '
hervorrufen, erzeugen': auf den estrichgrund, wo ewger lampe schlummernd licht geträumet hat ein mattes rund A. v. Droste-Hülshoff 2, 55. II@D@55)
in mehr oder weniger fester verbindung mit adverbialen angaben: hier setzte sich Walpurga auf eine bank, träumte vor sich hin und wuszte von der welt so wenig mehr, wie das kind auf ihrem arme Auerbach
auf d. höhe (1871) 1, 108.
häufig mit, oft zeitlich gewandter, richtungs- und ortsbestimmung: alberne hirten des viehs, in den tag hinträumende thoren Voss
Odyssee 386
Bernays; dort stand Alban ... und träumte hinein in die dunkle nacht und in die ferne zukunft Auerbach
dorfgesch. 5, 34; über vergangenes dachte er nach und auch der zukunft träumte er entgegen
F. Holländer
ges. w. 5, 3; vom vorhandenen ins gebiet des möglichen hinüber zu träumen Jul. v. Voss
milit. laufbahn (1808) 257; und so lag ich stundenlang und träumte in mich hinein und aus mir hinaus Auerbach
auf d. höhe 1, 135;
mit zeitbestimmung an stelle von '
verträumen': verlassenes geschöpf im schatten deiner blindheit, du träumst dein ganzes leben, wirst greis in deiner kindheit Dusch
verm. w. (1754) 19;
ähnlich: verhüllet in dampf, vergraben in federn, träumt er (
der städter) den morgen vorbei Zachariä
poet. schr. (1772) 2, 15; so träumt ihr den entscheidenden augenblick hinweg und träumt euch um eine krone Klinger 2, 82. IIIIII.
feste verbindungen, die mehrere bedeutungen umfassen. III@11)
sich etwas (
nicht)
träumen lassen. vereinzelt auch mit refl. accus. statt des gewöhnlichen dativs: ... deren auch kein mensch auff dem gantzen erdboden geschenckt begeret und ich selbsten wolte mich derselben nicht träumen lassen J. Ayrer
processus jur. (1600) 272. III@1@aa)
im sinne von '
schlafträumen'
ungewöhnlich, allenfalls im wunschausdruck: dasz sie ... fein wohl schlaffen sollten und sich was angenehmes träumen lassen Chr. Reuter
Schelmuffsky 67
ndr.; gute nacht, laszt euch was schönes träumen, wenn ihr glück habt Göthe I 22, 195
W.; schlaf gesund und lasz dir nichts böses träumen O. Jahn
Mozart 1, 633;
so auch Kramer 2 (1702) 1118
a;
sonst selten: Alektryo und Gallina ... setzten sich still zusammen (
auf der hühnertrage zum schlaf) und lieszen sich was träumen Cl. Brentano 5, 36. III@1@bb)
im sinne von '
sich einbilden, wähnen'
im 16.
und 17.
jh. sehr gebräuchlich; vgl. II A 1 c
und 2 a;
gewöhnlich mit objectsatz: datzu leszet er ihm trewmen, es sei tzweierlei priesterschafft Luther 7, 629
W.; so sag mir mer! bistu der man, der im lang zeit hat treumen lan, du seist des reichs ein oberster
bei Schade
satiren u. pasqu. 1, 105; es war aber ein nerrische meinung, wann ihm einer treumen liesze, als solten etliche wenige menschen sich nach der sündflut in diese kalte ... winckel der welt gleichsam verkrochen haben H. Rätel
chronica d. herzogthums Schlesien (1607) 8;
den objectsatz voraussetzend: aber dasz dannen hero eine physische verwandlung der wasser zu weine vorgehe, wie ihnen die wein- oder wahnsüchtigen träumen lassen, welches ist falsch J. Prätorius
saturnalia (1663) 4.
eigentümlich häufig auch mit substantivischem obj.: was können wir uns denn für ein sicherheit träumen laszen, die ... wir selbst anlasz und gelegenheit unserm feind ... uns anzugreiffen geben G. Nigrinus
von zäuberern (1592) 3; das kömmt daher, dasz sich solche obrigkeit eine unterthänigkeit, so der pfarrer ... ihme schuldig sei, träumen lässet, so aber nirgends keinen grund hat
d. wohlgeplagte priester (1695) 116;
vereinzelt auch ohne obj., doch mit modalem adv.: mir solte gar nicht schwer fallen, ein gantzes groszes verzeichniss von solchen auctoribus herzusetzen, welche von der durch Ottonem III. oder Gregorium
V. geschehenen anordnung des churfürstlichen collegii sich sehr süsze träumen lassen S. Fr. Hahn
einleit. zu d. teutsch. staatshistorie (1721) 2, 152. III@1@cc)
im sinne von '
sich zukünftiges lustvoll ausmalen'
; vom 16.
jh. an gebräuchlich, ausgehend von der bedeutung '
sich einbilden, wähnen'
in der weise, dasz diese den zukunftsbezug in sich aufnimmt; vgl. II B 1: disz antwort ... hat im den sieg trömen lassen C. Hedio
chron. d. alt. christl. kirchen (1532) 183
b; wie dann der auch thörlichs thut, der im eine solche (
meierei ohne allen mangel) träwmen läszt Sebiz
feldbau (1579) 20;
sprichwörtlich: du darfst dirs nicht träumen lassen
u. ähnl. Eyering 1, 794; Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1118
a;
doch kann später dieser ursprünglich wichtigste bedeutungsbestandteil völlig schwinden und dafür der des lustvollen stärker hervortreten: lasz deiner kindheit bald vom weibernehmen träumen, du möchtest sonsten gar den jungfernmarkt versäumen Stoppe
bei Steinbach
dtsch. wb. 2, 846; alles, was ich mir nur träumen liesz, steht vor mir Göthe I 22, 125
W. —
gegenüber b
auch mit präpos. obj. mit von: wir waren rechte pfaffenknecht, lieszen uns von grosz freiheit traumen, jetzt müszen wir das Böhmen raumen Opel-Cohn 107; Mops ... liesz sich schon vom lorbeerkranze träumen Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 71. III@1@dd) sich nicht träumen lassen
u. ähnl. '
etwas nicht für möglich halten'
; von handlungen, zuständen und gegenständen gegenwärtiger wirklichkeit. stets negativ, entweder direct verneint oder in frage- und vergleichssätzen mit negativem sinn; vgl. auch II C 3.
auf grund der bedeutung '
sich einbilden, wähnen' (
s. o. b): Asprenas, welcher zwar nachricht hatte, dasz Quintilius Varus ... in ein treffen gerathen war, ihm aber nicht traumen liesz, dasz dieses grosze heer aufs haupt erlegt ... wäre, wolte ... seine ankunft kundmachen Lohenstein
Arminius 1, 54
a; doch liesz er sichs gar nicht träumen, dasz er den rechten weg könnte verfehlt haben Nicolai
Seb. Nothanker 2, 208; wer wollte sich träumen lassen, dasz lady Milford ihrem gewissen einen ewigen skorpion halte? Schiller 3, 462
G.; ... deren zahl gröszer ist als wir uns träumen lassen Ritter
erdkunde 1, 26.
dazu die bedeutung c
voraussetzend, insofern als das gegenwärtige rückschauend als zukunft eines vergangenen nicht für möglich gehalten wird: den fordert er für sich, gibt im den stab, der im nicht wenigers hett lassen träumen S. Franck
chron. Germ. (1538) 131;
heute eine stehende wendung auch der umgangssprache: wann hätte sie sichs träumen lassen, dasz sie eine partie machen wird, wie sie (
anrede) eine sind? Ebner-Eschenbach 4, 403;
wie unter c
auch mit präpos. object mit von: könntet ihr in der zukunft lesen, ihr würdet bald noch anders gewahr werden, von dem sich kein fürst und kein volk träumen läszt Bettine
d. buch gehört d. könig 1, 125. —
nicht selten werden speziellere umschreibungen nötig, wie etwa '
zu hoffen wagen': was ich mit meinen reimen nicht gnug erheben kan, mir niemals laszen träumen, das habt ihr mir gethan S. Dach 782
lit. ver.; einen glanz und sieg, den sich vor vier jahren niemand träumen liesz Varnhagen v. Ense
tageb. 1, 174;
oder auch '
ahnen': weil ich mir nichts böses träumen liesze, sondern sahe, dasz ich da nicht verlieren konte, so fieng ich an zu spielen C. Lolivetta
d. teutsche gespenst (1684) 50;
selbst '
fürchten': nein! das ist schlimmer, o! viel schlimmer, freund, als wirs in Wien uns hatten träumen lassen Schiller 12, 78
G. III@22) einen traum träumen
bzw. einem träumt ein traum.
das vb. gibt seinen bedeutungsinhalt an das substantiv ab; damit wird die wendung möglich im bereich aller bedeutungen von traum;
vgl. besonders bei traum I A 1 a: mir hat ein über schöner traum getraumet (
bellissimum somnum somniavi) Steinhöwel
Äsop 40
lit. ver. doch auch sonst: am brunnen vor dem tore da steht ein lindenbaum: ich träumt in seinem schatten so manchen süszen traum W. Müller
ged. 113
Hatfield. hier auch das im übrigen so seltene passiv von träumen: die schönsten träume von freiheit werden ja in kerkern geträumt Schiller 6, 37
G.; mit adv.: auch dieser traum zerrinnt und war so schön geträumt Geibel 1, 138.
übertragen wie bei II D 2: ahndend ... träumten himmel, meer und erde tief der wonne schönen traum Bürger 1
b Bohtz;