verträumen,
verb. ,
seit 1700
gebräuchliche bildung, meist in poetischer sprache: Stieler 2303; Adelung; Campe;
schwäb. Fischer 2, 1386;
ostfries. ferdrömen Doornkaat 1, 444
b;
nordfries. ferdremm Schmidt-Petersen 37
b;
nl. verdroomen
scheint dem deutschen entlehnt. der gebrauch ist in der regel trans. 11) '
eine zeit träumend verbringen'
: vana spe ex insomniis addita laetari Stieler; es fielen wachend mir die müden augen zu, und suchend nach dem schlaff, verträumt ich meine ruh' Warnecke
poet. versuch 367; wie süs verträumt ich nicht die jugendlichen stunden einst in Sophiens arm Göthe 9, 481
Weim. (
mitschuldige 501).
vom vegetieren der pflanzen: obgleich .. hier nur winterkohlköpfe und eingewickelte rosenbäumchen den schlaf der gerechten verträumten Keller 5, 36.
die erinnerung an träumen
ist ganz geschwunden: ich .. habe mit musterung der blätter, .. des ganzen wuchses der bäume und pflanzen manche müszige stunde verträumt Herder 16, 550. 22) '
auf angenehme art über unangenehmes hinwegkommen, es vergessen und verschmerzen': wo wie vor süszen zaubereien der bürger seinen gram verträumet Herder 23, 335; (
der) sein eigen schicksal in fremdem schicksal verträumt Schiller 2, 348; um des tages last und hitze zu verträumen Hippel
kreuz- und querzüge 1, 576; lege dich noch einmal aufs ohr und verträume deine gefangenschaft Hauff 1, 94. 33)
mit übergang zu üblem nebensinn, '
mit nichtsthun verbringen, verlieren, verscherzen': mir aber ist itzt nicht selten das ganze leben so ekel — so ekel! ich verträume meine tage mehr, als dasz ich sie verlebe Lessing 18, 46 (
briefe); er hat sein glück vertreumet Stieler; der in Karthago säumt, und den verheisznen thron im arm der lust verträumt Schiller 6, 396 (
Äneide 335); die schwärmerin verträumet gar oft den glockenschlag Uhland
ged. 1, 51. 44)
part. prät. '
ausgeträumt': so ist's — ja traum ists — bald verträumter traum Lavater
bei Morris
der junge Göthe 4, 107. '
träumend zugebracht': es geht im menschlichen leben so manche verträumte stunde verlohren Knigge
umgang 1, 99. '
träumerisch, versonnen': ringend in geheimer lust kommt das wunderbare singen an die süsz verträumte brust Eichendorff
werke 1, 686; sein blick irrte verträumt in die dämmernde unendlichkeit Viebig
das schlafende heer 2, 291.
mit richtungshinweis: Kathrina ganz in seinen anblick verträumt Karl Hauptmann
bergschmiede 36. 55)
reflex. gebrauch, '
sich träumend verlieren, vergessen': schlaf und träume dich voll — verträume dich und schenke .. deine seele mir maler Müller
Fausts leben 163 (99, 31
neudr.); du lieber gott, sie verträumte sich ja! sie sollte doch in die kirche hinauf Ginzkey
geschichte einer stillen frau 33.
schlieszlich auch intrans.: dessen seele da oben in der stillen heide in gefahr gewesen war, in dämmerung zu verträumen Frenssen
Hilligenlei 507.