stranden,
vb. , '
auf den strand oder eine untiefe geraten'.
von strand
gebildet, wie landen
von land.
im deutschen seit dem 15.
jh. bezeugt; nl. seit dem 16.
jh., s. Verwijs-Verdam
mnl. wb. 7, 2269;
engl. strand;
schwed. stranda,
vielleicht aus dem mnd., s. Hellquist
svensk et. ordb.21085. —
mundartlich bei den meeranwohnenden, s. Doornkaat-Koolman 3, 333; Mensing
schlesw.-holst. 4, 877; Dähnert
pomm. u. rüg. 466; Fischer
Samland 155. —
das perfect wird heute mit sein
gebildet, in älterer sprache jedoch häufig mit haben: wo er gestrandet hat Hohberg
d. habsburg. Ottobert (1684) B 1
b; ein ufer ... an welchem ich gestrandet habe (26. 6. 1769) Schubart
br. 1, 139
Strausz; s. auch Kluge
seemannsspr. 763.
unabhängig hiervon ist ein anderes denominativum von strand,
in der bed. '
strandgut bergen, suchen',
vgl.strand 1 a.
nur mundartl. bezeugt: stranden
gestrandetes auffischen Mensing
schlesw.-holst. 4, 877; strantjen
durch strandrecht gewinnen Krüger
Emden 68; strandjan
auf den strand
ziehen Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 333; strantjen Molema
Groning. 409; stroînien '
strandgut bergen' Jensen
nordfries. 591;
norw. stranda, '
am strand entlang gehen, sich dem untergang nähern (
von der sonne)',
s. Torp 723,
jüt. strande,
bornholm. strana
strandgut suchen. —
ein drittes denominativum wäre stranden '
zu schiff an der küste entlang fahren',
jedoch kaum lebendig: stranden
costeggiare Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 996
c; stranden, neben an der seeküste hinfahren
costeggiare Rädlein (1711) 849
b.
bedeutung und anwendung. 11)
eigentlich. 1@aa) '
unter einwirkung des windes die gewalt über das steuer verlieren und mit dem manövrierunfähigen schiffe auf dem meeresstrand fest geraten',
dasselbe wie scheitern, schiffbruch leiden. 1@a@aα)
das schiff als subject: szo ein schiff und gut aus der sehe in ungewitter und ungstumickeit keme gestorczt und strante ... sal solch schiff ... frey folgen und gelassen werdenn
qu. d. 15.
jh. in:acten der ständetage Preuszens 5, 389
Toeppen; aus welcher unordnung denn das schiff unvermeidlich in gefahr des strandens und schifbruchs gerathen musz Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1318; das schiff sitzet auf dem strande fest, oder es ist gestrandet, d.i. auf den flachen strand gelaufen Gottsched
beobachtungen (1758) 250; ein gestrandet schiff Kramer
dict. 2 (1702) 997
a; mein fürst! mit leichtem muthe knüpft der arme fischer den kleinen nachen an im sichern port, sieht er im sturm das grosze meerschiff stranden Schiller 12, 380
G.; verluste, welche in neuester zeit durch die dänische sperre und durch stranden des schiffes 'Altorf' mit ladung gesteigert worden sind
quelle a. d. j. 1851;
ebenso von fischen: also dasz alle walfische, die bey derselben vorüber schwimmen, stranden und sterben müssen
O. Dapper Africa (1670) 186
b; (
das reich) in seiner unbehülflichkeit einem gestrandeten walfisch vergleichbar war Döllinger
akadem. vorträge (1888) 1, 132; eine gelegenheit, wo kleine fische ... stranden, läszt sie (
die lachmöve) nie unbenutzt Naumann
vögel 10, 287; stranden
wird heute mit an
und auf
verbunden, älter jedoch auch anders: die am land stehen, die sehen den stein oder felsen, darwider ein schiff gestrandet, viel besser, als die in dem schiff selbsten Zinkgref
apophthegmata (1628) 299; hatten also die gefährliche straszen überstanden oder hinter uns, vor uns aber drey sand-bäncke, auf welchen die schiffe leichtlich stranden
qu. v. 1726
bei Kluge
seemannsspr. 763; auf der küste stranden Adelung
umst. lehrg. d. dtsch. sprache 2, 162; und steuerlos an tückischen gestaden sah ich mein schiff auf schlechter sandbank stranden Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 6, 8; ein ... mit steinen beladenes schiff strandete sonnabends an einem pfeiler der Dresdner brücke Göthe IV 23, 347
W.; wenn nicht ... eine karthaginiensische pentere an der bruttischen küste gestrandet ... wäre Niebuhr
röm. gesch. 3 (1862) 675; schwere wolken lagerten am himmel wie gestrandete schiffe Ric. Huch
kampf um Rom (1925) 304. 1@a@bβ)
die ladung und besatzung des schiffes als subject: (
wie) mit den gestranten schiffen und güttern es for bas solde gehaltenn werdenn (1482)
acten der ständet. Preuszens 5, 389
Toeppen; die gestrandete güter ihrer verunglückten schiffe auf der küste frei und ungehindert ... zu sich zu nehmen
O. Dapper Asia 1 (1681) 291
a; ein Franciskanerkloster, in welchem gestrandetes gut unter dem schutz der gottesmutter geborgen wurde G. Freytag
ges. w. 18 (1888) 251;
heute besonders häufig mit persönlichem subject: wanneer die schipper durch onweder in noeden kumpt, dat he syn goett moett werpen, oder he strandet, oder schip unde goett vorgeitt
waterrecht von Aurich (16.
jh.)
in: nd. jahrb. 7, 61; sindemal diese nicht allein schiffbruch, sondern auch eine langwierige gefängnisz unter dem volck, an dessen ufern sie gestrandet, ... erleiden müssen E. Francisci
das alleredelste unglück (1670) 73; wenn du ... an dem unwirthbaren ufer dem fremden strandenden rückkehr und heil bereitest? Göthe I 39, 328
W.; unbekümmert ob ich strande, ob ein sturm mein schiff zerschellt Hoffmann v. Fallersleben
ges. w. (1890) 1, 360;
auch von luftfahrern: nun so geleit euch denn auf euerm wolkenkinde, ... gott Aeolus der vater aller winde, damit ihr ja nicht etwa stranden müszt! Kretschmann
s. w. (1784) 2, 301; Ikarus, gestrandet, bedauert vom geretteten vater Göthe I 49, 69
W. 1@bb)
vorsätzlich mit einem schiff am offenen meeresufer, ohne landeeinrichtungen, landen; in seenot wird das stranden
als letzter ausweg gewählt, vgl. auf strand setzen (
sp. 836): ein schiff ist gestrandet, wenn es durch sturm, zufall oder auch vorsätzlich, um einer gefahr zu entgehen, auf den strand oder auf untiefen der see gerathen ist und daselbst festsitzt Röding
allg. wb. d. marine 2, 738; stranden, wen man das schiff in zeit der noth lesset auff den strand lauffen Schottel (1663) 1424; doch strandeten freiwillig seiner dreirudrigen schiffe drei H. Klee
berümter leute leben (1589) 1, 386.
im sinne von '
landen',
ohne seenot, vereinzelt im 16.
und 17.
jh. bezeugt: hierauff ... lieffen sie mit vollem segel dermaszen fort, dasz sie in kurtzer zeit an der seiten der andern Balearischen inseln in Minorca strandten kundten Opitz
Argenis (1644) 426; derhalben sie ihr bestes theten, dasz sie möchten auff der flandrischen seiten stranden oder an landt kommen E. v. Meteren
hist. beschr. des niderl. krieges (1614) 224
b. 1@cc)
gelegentlich von anderen dingen '
an land kommen': der bornstein ag allein in Preussen strendet und ist eine materia von der sonnen im sande gewirckt Grunau
preusz. chron. 1, 49
Perlbach; anders, wie o. a),
im sinne des scheiterns: man könnte meinen, eine mine wolle stranden Franz graf Zedtwitz
tiergesch. (1936) 195. 22)
uneigentlich im allgemeinen sinn von '
scheitern, miszerfolg haben'. 2@aa)
in allgemeiner anwendung ausgeführter bilder der seefahrt auf verschiedene menschliche tätigkeiten: (
der verfasser) schifft in gefährlicher gegend, sein fahrzeug schwebt über untiefen und läuft gefahr, jeden augenblick zwischen den zwei leidigen syrten, sinnlichkeit und mystik, ohne rettung zu stranden Göthe I 48, 176
W.; dasz zu einer fahne ein sprecher gehöre, wenn man mit derselben aufziehen wolle, und die wahl dieses sprechers war es, die das siebenbemannte schifflein fast hätte stranden lassen G. Keller
ges. w. 6 (1889) 307;
vom schiff der hoffnung, schiff unserer wünsche
usw.: wie meiner hoffnung schiff gleich glücklich solte landen, so must es bey dem port ohn alle hülfe stranden Neukirch
bei Hoffmannswaldau
u. anderer Deutschen ged. 2, 133; hier das ufer? — hier in diesen grotten stranden eurer wünsche stolze flotten? Schiller 1, 342
G.; persönlich gewandt: Gott lasz fürs künftige sorgen. denn wer da fragt gleich nach dem hafen und landen, der wird verzagt schier bei dem auslaufen stranden E.
M. Arndt w. 5, 241
Rösch-M.; die traurige vernunft eines dichters, der niemals das ufer verläszt und aus groszer furchtsamkeit strandet Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 72; wer sein ziel kennt und die navigation im strom der welt, der kann nicht stranden Werfel
Bernadette (1948) 391. '
unfreiwillig an land gehen': was thut ein mensch nicht, der sich vor dem stranden fürchtet! ... ich denke wenigstens noch die ersten besten zehn jahre nach lust und belieben auf dem ocean des lebens herumzusteuern Merck
ausgew. schr. 139
Stahr; scherzhaft: doch Erin ist natürlich wiedermal dreiviertel über bord, will sagen, total betrunken, strandet an einer orangenbude Wilh. Raabe
Abu Telfan 3 (1868) 186. an klippen, sandbänken stranden
an hindernissen scheitern: so must du denn nunmehr, mein armes hertze, stranden auf klippen, die ein kalter sinn gemacht Happel
cav. im irrgarten (1738) 451; dasz alle projecte ... an denen klippen des geistes des unfriedens stranden müssen
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 270
Gottsched; du sagst, ich sei an der klippe der wollust gestrandet, wenigstens sollst du mich nicht an der klippe des unsinns stranden sehen Klinger
w. (1809) 5, 383; dasz Valer an der klippe scheitern wird, woran ihr gestrandet seid? J. Fr. Löwen
schr. (1765) 4, 145; wie lange ist es wohl schon, mademoiselle, dasz mein herz an den sandbänken ihrer güte gestrandet hat? Gottsched
dt. schaub. (1741) 2, 292; so waren wir im begriff auf den sandbänken der neuesten dramatischen litteratur zu stranden Göthe IV 22, 345
W. 2@bb)
in unmittelbarer übertragung, ohne ausführung des bildes, im sinne von '
scheitern': die vorsicht theilt ja lust und pein zu unserm eignen vortheil ein, damit der mensch in keinem strande Günther
ged. (1746) 87; ich war dem abgrund nah und fieng schon an zu stranden: ich lebte wie ein vieh, und fragte nicht nach gott Angelus Silesius
cherubin. wandersmann 147
ndr.; häufig von abstracten: es strandet zuweilen eine von meinen hofnungen Joh. El. Schlegel
w. (1761) 5, 199; du wirst einen gesetzten muth vor dir finden, an dem dein ganzer lasterhafter witz stranden wird Nicolai
literaturbriefe (1759) 7, 23; dasz ihr urteil diesmal gestrandet Musäus
physiogn. reisen (1778-79) 2, 168; das ganze leben ist ein ewiges stranden alles heiligen Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 2, 365;
von plänen: dasz manches grosze project und dessein gestrandet und zu wasser worden, und dasz sich der feind unverrichteter sachen zurück ziehen müssen v. Fleming
vollk. teutscher soldat (1726) 100; wie weh mir es thut, wohlüberdachte pläne stranden zu sehen Göthe IV 27, 177
W.