strafpredigt,
f.,
predica annoncia la pene Kramer
dict. 2 (1702), 230
a;
an invective, censorious, checking, rebuking or castigatory, sermon Ludwig (1716) 1885;
neben der gesetzpredigt (
th. 4, 1, 2
sp. 4083): gesetz-
sive strafpredigt
concio legalis, paraenetica Stieler (1691) 1471; wenn er die besserung der gemüther nur durch sogenannte gesetz- und strafpredigten erhalten will, ohne den verstand zu öffnen und zu überzeugen, so wird er
auch nicht mein pfarrer sein Laroche
fräulein v. Sternheim 34
lit. dkm. (
s. auch unten Dannhawer);
neben buszpredigt: werden wir aber die busz- und strafpredigten gottes zu hertzen nemen, wie Jonas gethan, und uns bessern, so ... G. Strigenicius
Jonas (1595) 91
a.
im eigentlichen sinne: ist auch hie zu merken,
dasz die straffpredigten der aposteln, in welchen sie das gottlose leben und laster ihrer predigkinder antasten, nicht dahin zu deuten sind, als ob sie lust hetten, die leut übel auszubringen Gretter
erklärung d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 720; straffpredigten sind unangenehm bey der welt Petri (1604) 1, F 1
b; denn als auf eine zeit etliche zu hofe die scharfen straffpredigten in den kirchen ungern vermerkten, ... G. Maier
hist. lustgarten (1625) 1, 669; bienen ohne stachel bringen kein honig; prediger ohne straffpredigten keine erbauung Neukirch
anfangsgründe (1724) 183; (
auf die nachricht von dem erdbeben in Lissabon 1755) lieszen es die gottesfürchtigen nicht an betrachtungen, ... an strafpredigten die geistlichkeit nicht fehlen Göthe 26, 42
W.; die leichenpredigt bey einem lasterhaften ist eine scharfe str.
allgem. deutsche bibl. 53/86, 129
anh.; (
weniger) seinen strafpredigten zulieb in die kirch (kommen) Schubart
br. 1, 151
Strausz. freier: (
vgl.str.
sermone invettivo, censorio, riprensorio Kramer
dict. 2 (1702), 993
c) str. seiner mutter J. Rann
cosmogr. (1599) 290; (
der meinung,) es hätte Belise noch kein ende in ihrer str. gefunden Chr. Weise
drei klügsten leute (1675) 224; ein vortrefflicher anfang zu einer str. Lessing 2, 132 (
schatz 3)
M. (J. H. Vosz
krit. bl. 1, 17); gegen die herrlichste sentenz einer str. ... widerwillen (fühlen)
schr. d. Götheges. 16, 300; wir wissen nicht, was gerade jetzt ihr die laune zur str. ... eingab Willibald Alexis
hosen des herrn v. Bredow (1846) 1, 21; 'ich bin mit ihrer aufführung äuszerst unzufrieden, madame'. eine str. also? Bauernfeld
schr. 6, 100 (
aus Versailles 3, 4)
vgl. auch 3, 153.
in verbalen wendungen: er hielt dem alten Christian eine lange str. Gellert
schr. 4 (1775), 438; (sie) hält ihrem gesinde solche strafpredigten drüber, dasz die nachbarn das geschrey davon hören
vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 363; (vorsatz,) den tauben eine str. zu halten
neuestes a. d. anmuth. gelehrsamk. (1751
ff.) 3, 299; (
der) schulmeister, der nach der bekannten fabel dem kinde im wasser eine str. hält Herder 1, 255
S.; der böse gehet also aus dem schauplatze, weit weniger geneigt übels zu thun, als wenn ihm ein ernster und strenger redner eine str. gehalten hätte 17, 187; zu mir ... tretend, hielt sie mir mit viel verstand und freundlichkeit eine str. Göthe 26, 269
W. (Laroche
frl. v. Sternheim 1, 122; Caroline 1, 367
Waitz); ein mann, der ... dann und wann die gelegenheit ergriff, ihm (
dem könig) eine str. zu halten Dahlmann
franz. revolution (1845) 88 (Gutzkow
ritter vom geiste 5, 434; Viebig
schlafendes heer 2, 499);
vereinzelt: (hirten,) die Ezechiel im namen gottes mit folgender str. anredet J.
M. Miller
predigten an d. landvolk 2, 30; um eine str. darüber (
über einen text) zu spannen Thümmel
reise 10, 314;
immer mehr verblassend, so einem briefe noch ein eigenes blatt zulegen, um dir noch eine besondere str. ... zu lesen fürst Pückler
briefw. 5, 248.
auch: seine strafpredigt noch immer heftiger fortsetzen
vgl. Göthe
gespr. 1, 12
B.; in seiner str. fortfahren (O. Ludwig
schr. 1, 296); am besten, wenn wir (
kritiker) mit unsern strafpredigten inhalten Bodmer
crit. poet. schr. (1741) 1, 78; wegen all dieser verbindlichkeiten schenke ich dir denn auch eine str. J. v. Müller
w. 5, 256;
auf der andern seite: eine str. hören müssen (B. Auerbach
schr. 6, 173); eine wohlverdiente str. erhalten (G. Freytag
w. 1, 75); widerumb soll der ander ... solche str. freundlich und zu dank aufnemen St. Riccius
Terentii comödia Andria (1586) 144; durch seiner mutter str. gerührt werden Lohenstein
Arminius 2, 1473; durch deine strafpredigten getroffen (werden) Schmolke
trost- u. geistr. schr. 2, 374; ich bin von meines herrn vaters worten und str. überwunden
Holberg dänische schaubühne 3, 146; die str. verdient er gar nicht, denn er läszt alles drauf gehen
samml. v. schausp. (
Wien 1764
ff.) 7, 16; in der stadt würde man sie ... mit ihren strafpredigten auslachen
neue schausp. (1771
ff.) 7, 2, 6; doch dergleichen strafpredigten oder andere unfälle nehmen unsre dunkelmänner nicht allzuschwer D. Fr. Strausz
w. (1876
ff.) 7, 175;
vgl.dasz die welt ... ganz und gar nach keiner str. mehr fraget Pape
bettel- u. garteteufel (1586) C 6
b; ein schelmisches lächeln, das über das gesicht flog, zeigte, dasz die str. nicht sehr tief gehe Hauff
w. 1, 118.
ihre wirkung im vergleich: ein blick aus den schönen augen seiner gebieterin würkt mehr auf den jungen Sargines als alle strafpredigten des vaters Göthe 38, 384
W.; die schmachtenden augen deiner alten bekanntschaft gefallen dir besser als meine str. Klinger
w. 1, 164 (
falsche spieler 4, 6).
in präpos. verbindung: wider: es gehen doch die meisten strafpredigten in der schrift wider die clerisei Mathesius
Sarepta (1571) 152
a; wenn ich ihm wegen seiner, obgleich bisweilen falsch angewendeten, doch redlich gemeinten strafpredigten wider das theater grollte, so ... Holtei
vierzig jahre (1843) 3, 211.
gegen: durch das ganze herrscht überhaupt eine beständige str. gegen Wieland, Gleim und Jacobi Göthe 37, 197
W. über: die strafpredigten, welche Rousseau über die einrichtung des kriegstandes unserer zeiten hielt Abbt
w. (1768) 2, 89
anm. die str. des fremden über die unerkannte sünde der üblen laune Thümmel
reise 1, 86; (Addisons gespräche) zur lahmsten, lendenlahmsten str. über den übeln münzengeschmack unsrer zeit (machen) Herder 3, 415
S.; str. über die romane Klinger
w. 8, 208; (der junge jäger,) dem der freiherr eben eine str. über sein gestriges prahlen und haselieren hielt Stifter
w. 1, 233.
auf: vortrefflich aber tadelt Göthe die str. auf die anakreontiker Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 4, 223.
mit adject. bestimmung: beleidigende strafpredigten gegen den, dessen bitte du abzuschlagen entschlossen bist, (
sich nicht erlauben) Knigge
umgang (1796) 2, 224; der servilen majorität eine bittere str. (halten) Mommsen
römische gesch. 3, 353; mit einer derben str. ... über die vergessenheit der stubenmädchen J. J. Chr. Bode
Tristram Schandi (1774) 5, 108; mir eine derbe str. über meine unvernunft (halten) Tieck
schr. 5, 439; wohl eine stunde lang währte die drohende str., von der der zitternde Quanz ... ein unsichtbarer zuhörer war Becker
weltgesch. 9, 360; nach der langen, scharfen und ernsten gesetz- und str. Dannhawer
catechismusmilch (1657) 6, 278; (
die behauptung, dasz die satire) bey einer gewissen art von lastern beynahe nützlicher sey als die ernsthafteste str. Rabener
w. 2, 25; eine ernstliche str. Christi
theatr. diabol. (1569) 91
b; Hieronymus donnert gegen den nonnenverführer eine fürchterliche str. Zimmermann
über die einsamkeit 1, xxxviii; es ergosz sich eine fürchterliche str. des ehrwürdigen herrn über den jungen menschen T. Kröger
leute eigener art (1904) 206; er hielt mir aus dem stegreif eine gewaltige str. Göthe 27, 51
W.; die graunvolle str. Fouqué
zauberring 3, 158; ein bekannter hiesiger prediger hat gestern über die gedruckten neujahrswünsche eine grosze str. gehalten Gottschedin
br. 2, 173
R.; bei der harten str. Heinse
w. 5, 41
Sch. (Gentz
schr. 3, 109); eine kleine str., dasz man in England immer beym alten wege bleibt
neuestes a. d. anmuth. gelehrsamk. (1751
ff.) 7, 883; auf eine kleine str. muszt du dich gefasst machen L. A. Hoffmann
Wertherfieber 119 (O. Jahn
Mozart 3, 174
anm.); eine lange str. Holtei
erz. schr. 4, 81 (
vgl. Meinecke
generalfeldm. v. Boyen 2, 577); eine rechte str. J. E. Schlegel
w. (1761
ff.) 3, 393; eine sanfte str. über heimliches entweichen Holtei
erz. schr. 24, 163; wegen seiner scharfen strafpredigten G. Arnold
kirchen- u. ketzerhistorie (1699) 228
a; und solltest du wohl denken, dasz sie (
die philosophen) schaamlos genug sind, während sie das alles selber thun, die schärfsten strafpredigten ... zu halten? Wieland
Lucian 3, 130; allzuscharfe str.
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 155; heute hielt mir baase
N. eine tüchtige str. U. Bräker
der arme mann im Tockenburg (1789) 2, 153; den actum mit einer ziemlichen str. (beschlieszen) Chr. Weise
drei ärgsten erznarren 35
neudr.