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stiefmütterchen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stiefmütterchen n.

Bd. 18, Sp. 2807
stiefmütterchen, n., name der viola tricolor. älteste form (16. jh.) stiffmuttrigen, etwa gleichzeitig stiefmüterlein, stiefmutterle, s. u., im 17. jh. auch stiefmutter, s. o. der name wird gewöhnlich als bildhafte, auf dem pejorativen nebensinn von stiefmutter (1 b) beruhende ausdeutung der gegenseitigen stellung von blumenblättern und kelchblättern erklärt: 'die viola tricolor heiszt stiefmütterchen, weil jedes der gelben blätter unter sich ein schmales, grünes blättchen hat, wovon sie gehalten wird, das sind die stühle, welche die mutter ihren rechten lustigen kindern gegeben; oben müssen die zwei stiefkinder, in dunkelviolett trauernd, stehen und haben keine stühle' W. Grimm (1819) kl. schr. 1, 334; 'das unterste blütenblatt, das am buntesten gefärbte, ist die stiefmutter, die sitzt auf zwei stühlen (den grünen kelchblättern). oben sind ihre beiden rechten kinder und haben jedes ihren besonderen stuhl. in der mitte die beiden gröszten blätter sind die stiefkinder; sie haben dunkle kleider und müssen sich beide mit einem stuhle begnügen' Hoffmann v. Fallersleben volkswörter in: Wagners arch. 1 (1874) 276. diese erklärung ist heute im volksglauben anzutreffen, s. hwb. d. deutschen aberglaubens (1937) 8, 480. — die gleiche oder ähnliche anthropomorphe bezeichnungen der viola tricolor sind weit verbreitet. im deutschen mundartlich neben stiefmütterchen: stiefmühmchen Campe 4, 655, mecklenburg. steefmömekens bei Pritzel-Jessen 441, zu nd. stefmome stiefmutter; stiefkinder (Pinzgau), stiefkindlar (Zillerthal) a. a. o. in den andern germanischen sprachen: isl. stjúpublomi. mit dem worte für 'stiefmutter': norw. stifmór, stifmórsblóm, stykmorsblom, schwed. styfmorsört, styfmorsfioler u. ä.,n. stifmoder u. ä. Jenssen-Tusch nordiske plantenavne 265 f., Lyttkens svenska växtnamn 553 f.; so auch im italienischen: nordit. madrigne, plur. Pedrotti e Bertoldi nomi dialettali delle piante 440; besonders verbreitet im slav.: obersorb. macoška Majewski słownik nazwisk zoolog. i. botan. 2, 824b; tschech. maceška, schon im 14. jh., s. Gebauer slovník staročesky 2, 301; poln. macoszka, -i plur. seit dem 15. jh., s. Rostafiński symbola ad hist. natur. medii aevi 1, 239; Majewski a. a. o.; sloven. mačuha Šulek iugoslov. imenik bilja 216; im russ. mundartl. mačimačicha Annenkov botan. slovar2 382; es ist besonders bemerkenswert, dasz das deutsche nicht nur die bezeichnung als 'stiefmütterchen', sondern auch die form des deminutivums mit den westslav. sprachen gemeinsam hat. Brückner słown. et. jęz. polsk. (1927) 678 hält das polnische wort für eine lehnübersetzung aus dem deutschen. im slav. und balt. ist auch die bezeichnung als 'waisenkind' zu hause, vgl. o. stiefkinder: obersorb. syrotki, plur. demin., Majewski a. a. o.; poln. sierotki ebda; ukr. syritky Makowiecki słown. bot. 403; serbokroat. sloven. sirotica Šulek a. a. o. 353; lett. bārenĩte, zu bārene 'waise' Mühlenbach-Endzelin 1, 184; 273. andere anthropomorphe bezeichnungen sind: poln. wdowki, plur. demin., eigentlich 'witwe', im 15. jh., s. Rostafiński a. a. o.; lit. našláite 'witwe' oder 'waisenmädchen' Niedermann-Senn wb. d. lit. schriftspr. 2, 120; lett. atraĩtnĩte, zu atraĩtnis 'kleine witwe'. durch wörter für 'schwiegermutter' und 'schwiegertochter' bezeichnet: osttirol. schwiegermüatterl, s. Wiener zeitschr. f. volkskde 40, 81; südtirol. schwigerlen, s. Schlern 4, 255; schweiz. schwigerlischwägerli, s. Staub-Tobler 9, 1795; schnureli ebda 1286; italien. (Toscana, Abruzzen, Neapel, Sizilien) suocera e nuora Penzig flora populare italiana 1, 525. ferner: grootmoderbloom Mensing schlesw.-holst. 2, 490; niederrhein. olle wiewer, s. zeitschr. d. allg. dt. sprachver. 32, 233; poln. siostra z bratem, eigentlich 'bruder und schwester', im 15. jh., s. Rostafiński a. a. o.; poln. und russ. bratki, s. Brückner słownik et. jęz. polsk. 39; Makowiecki słownik bot. lać.-małoruski (1936) 402; engl. godfathers and godmothers, eigentlich 'gevattern und gevatterinnen', s. Britten and Holland dict. of engl. plantnames (1886) 208. — gegenüber der auf die blütengestalt zielenden erklärung (s. o.) sah Jac. Grimm (kl. schr. 5, 239ff.) die ursache der angenommenen übertragung aus den namen für stief- und schwiegerverwandte darin, dasz das nicht leibliche verwandtschaftsverhältnis im brauchtum durch bunte tracht gekennzeichnet wurde, und die buntheit der blüte das auffallendste merkmal der viola tricolor ist. das verhältnis der aufgezählten germ., slav., balt. und roman. bezeichnungen zueinander ist noch zu klären. die parallelen machen wahrscheinlich, dasz der deutschen bezeichnung stiefmütterchen eine anthropomorphe vorstellung als ursprünglich zu grunde liegt. jedoch ist für eine erklärung von stiefmütterchen vielleicht die bedeutung der pflanze für die volkstümliche heilkunde zu beachten, sowie das gleichbedeutende, ebenfalls noch unerklärte hohemutt: herba trinitatis, jacea, viola tricolor, herba clavellata, dreifaltickeittblomen, freysamkraut, hohemutt Caspar Ratzenberger herbar. (v. 1592) 56 Kessler, dafür später stiefmutterle, s. u. mundartlich stiefmütterchen auf nd. und md. gebiet, gegenüber dem obd. stiefmütterlein, s. Mensing 4, 816; Frischbier preusz. wb. 2, 345b; Federking Hahlen b. Minden 30; Nieszen rhein. volksbotanik 1 (1936) 240; zeitschr. d. ver. f. volksk. 10, 213 (nordthür.); Kehrein Nassau 1, 392. — seit dem 16. jh. bezeugt: jaceam vocatam quibusdam herbam, vulgo trinitatis herbam ... Germani vocant stiffmuttrigen Mich. Barth in: Virgilii bucol. comment. (1570) 112; stiefmüttrichen Steinbach (1734) 2, 95; art des gebrauchs der stiefmütterchen wider den ... milchgrind allg. dt. bibl., anh. zu 37-52 (1771) 187; wie ein vieh, ... das mit den hörnern vorwärts sich immer weiter in die fette wiese hineinfriszt, ohne rechts und links von den moralischen und allegorischen kuhblumen, stiefmütterchen, vergiszmeinnicht, je länger je lieber notiz zu nehmen Tieck schr. 3, 262; ein blumenflor sproszte im schloszhof in reicher fülle und seltener farbenpracht; es waren stiefmütterchen Gaudy 5, 17.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    stiefmütterchenn.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    stiefmütterchen , n. , name der viola tricolor. älteste form (16. jh. ) stiffmuttrigen, etwa gleichzeitig stiefmüterlein…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stiefmütterchen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Stiefmütterchen , s. Viola .

  3. modern
    Dialekt
    Stiefmütterchenn.

    Pfälzisches Wb.

    Stief-mütterchen n. : 1. 'die Blume Viola tricolor', Garten- bzw. Feldblume, -middeʳche [allg., Gal-Dornf Josbg], -midde…

  4. Spezial
    Stiefmütterchen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Stief|müt|ter|chen (Viola sp.) n. (-s,-) ‹bot› viola da trëi corusc f. , möta vedla f.

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Wortbildung

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Ableitung von stiefmuetterchen

stiefmutter + -chen

stiefmuetterchen leitet sich vom Lemma stiefmutter ab mit Suffix -chen, mit Umlaut-Wechsel.

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