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Stief

mhd. bis sprichw. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
14 in 11 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Stief

Bd. 4, Sp. 369
Stief, ein für sich allein längst veraltetes Wort, welches nur in der Zusammensetzung mit gewissen Verwandtschaftsnahmen üblich ist, Stiefbruder, Stiefschwester, Stiefsohn, Stieftochter, Stiefmutter, Stiefvater, Stiefkind u. s. f. durch die zweyte Heurath zugebrachte Personen dieser Art zu bezeichnen, welche in manchen Fällen auch durch das Wort halb bezeichnet werden, Halbbruder, Halbschwester, Halbgeschwister, an einigen Orten auch Halbmutter; alles im Gegensatze der vollbürtigen, leiblichen Personen dieser Art, welche in einigen Fällen auch durch voll ausgedruckt werden, der Vollbruder, die Vollschwester, Vollgeschwister. Siehe die mit Stief- zusammen gesetzten Wörter. Anm. Dieses alte Wort lautet schon bey dem Raban Maurus stuph, in dem alten Gedichte auf den heil. Anno stif, im Schwabenspiegel, stiuf, im Nieders. steef, im Angels. steop, im Engl. step, im Schwed. styf, bey den ältern Schwed. stiup und mit einem andern Endlaute stiugh. Da dieses Wort nie allein vorkommt, sondern nicht nur im Deutschen von den ältesten Zeiten an, sondern auch in allen jetzt gedachten verwandten Sprachen, nur in den oben angeführten Zusammensetzungen üblich ist, so bleibt dessen Abstammung noch ungewiß und dunkel, ob sich gleich mehrere Begriffe mit Wahrscheinlichkeit angeben lassen, welche in demselben die herrschenden seyn können. Hier sind die vornehmsten Ableitungen dieses Wortes. 1. Viele, und unter andern auch Gramm, sehen es als eine Figur von steif an und erklären es durch hart, strenge, weil Stiefältern sehr oft diese Eigenschaft gegen ihre Stiefkinder haben, daher auch Stiefmutter und stiefmütterlich noch in manchen Fällen für hart, lieblos, gebraucht werden, und Opitz sagt zu Gott: Hör auf und zeuch doch wieder ein Dieß strenge Stiefgemüthe. Gramm bemerket, daß man daher in den mittlern Zeiten dieses Wort gern vermieden, und dafür in Schweden Fosterfader, Fostermoder, Fosterson, u. s. f. gesagt, (von Angels. foster, Nahrung, Schwed. fostra, ernähren, erziehen) so wie die Engländer noch jetzt Father in law, Mother in law u. s. f. gebrauchen. Allein diese Vermeidung ist doch nicht so allgemein, als Gramm glaubt, und wenn stief in einigen obgleich wenigen Fällen den Begriff der Härte hat, so ist es nur ein figürlicher und übergetragener Begriff, der auf die meisten Zusammensetzungen, z. B. Stiefkinder, Stiefsohn, u. s. f. nicht passet. Zu geschweigen, daß steif und stief, das Angels. stef und steop u. s. f. auch im Laute sehr verschieden sind. 2. Wachter leitet es von dem Angels. stow, der Ort, her, und erkläret Stiefvater u. s. f. der an des Vaters Statt ist, einen Vice-Vater. 3. Dietrich von Stade fällt auf das Zeitwort stiften, ordnen, verordnen, so daß Stiefvater u. s. f. ungefähr mit dem Engl. Father in law. u. s. f. gleich bedeutend seyn würde. 4. Fast ähnlich ist Frischens Ableitung, dem dabey das Böhmische Stipeni, Einpfropfung, stipiti, pflanzen, säen, einfällt, und ihm bedeutet stief eine Person, welche der andern Hülfe, Beystand leistet; worin ihn die Zittauische Chronik bestätiget, wo die Kirchväter oder Kirchenvorsteher Stiefväter, und die Brautjungfern auf Hochzeiten der Braut Stiefschwestern heißen. 5. Nach dem Junius, dessen Meinung auch Ihre beypflichtet, ist das Angels. stepan, berauben, Asteple, Steppchild, eine Waise, das Stammwort. Stiefvater, Stiefmutter, würde also einen Vater,[] eine Mutter eines oder mehrerer Waisen und Stiefkind, ein verwaisetes Kind bedeuten. Allein, zu geschweigen, daß in jenen Stief ein Substantivum, in diesem aber ein Adjectivum seyn würde, so ist der Begriff zu allgemein und unbestimmt, und passet überdieß auch auf Stiefbruder, Stiefschwester, u. s. f. nicht. Wenn man alles zusammen nimmt, so scheinet stief vielmehr etwas unächtes zu bezeichnen, welches dem ächt, wahr und völlig entgegen gesetzt ist; ob sich gleich bey dem hohen Alter dieses Wortes, welches vornehmlich auch daraus erhellet, daß es seit so vielen Jahrhunderten für sich allein, in fast allen bekannten Sprachen veraltet ist, dessen nächste Verwandten noch nicht haben auffinden lassen wollen. Auf ähnliche Art wurde die Lateinische Endung -aster gebraucht, Poetaster u. s. f. Daher das Französ. -atre und Italien. -astro, jaunatre, gelblich, selbst in den Verwandtschafsnahmen, welche wir mit Stief- zu machen pflegen; die Stiefmutter, Französ. Maratre, Ital. Madrastra, der Stiefvater, Ital. Padrastro, der Stiefbruder, die Stiefkinder, der Stiefschwager, Italien. Fratellastro, Filiastri, Suocerastro u. s. f.
4488 Zeichen · 76 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    STIEF

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    STIEF s. STIUF.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stief

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Stief , ein für sich allein längst veraltetes Wort, welches nur in der Zusammensetzung mit gewissen Verwandtschaftsnahme…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stief

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Stief -, nur in Zusammensetzungen gebräuchlich, bezeichnet das Verwandtschaftsverhältniß, welches in aufwärts und abwärt…

  4. modern
    Dialekt
    Stief

    Lothringisches Wb. · +2 Parallelbelege

    ElsWB ElsWB PfWB PfWB RhWB RhWB Stief- [štíf- fast allg.; šdìf- Ri. Ha. ; štéïf- D. Si. ] in den Zss.

  5. Sprichwörter
    Stief

    Wander (Sprichwörter)

    Stief Stêf öss nich lêf. – Frischbier 2 , 3630. Vom Verhältniss zwischen Stiefältern und Stiefkindern.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stief

323 Bildungen · 314 Erstglied · 9 Zweitglied · 0 Ableitungen

stief‑ als Erstglied (30 von 314)

Stiefbruder

SHW

Stief-bruder Band 5, Spalte 1417-1418

Stiefeltern

SHW

Stief-eltern Band 5, Spalte 1427-1428

Stiefkind

SHW

Stief-kind Band 5, Spalte 1427-1428

Stiefmutter

SHW

Stief-mutter Band 5, Spalte 1427-1428

Stiefsohn

SHW

Stief-sohn Band 5, Spalte 1421-1422

Stiefvater

SHW

Stief-vater Band 5, Spalte 1421-1422

stief

KöblerMhd

stief... , Adj. nhd. nicht unmittelbar in leiblicher Verwandtschaft stehend, stief... Hw.: vgl. mnd. stēf E.: s. germ. *steupa-, *steupaz, A…

Stiefältern

Adelung

stief·aeltern

Die Stiefältern , sing. car. durch Heirath zugebrachte Ältern, in Rücksicht auf die Stiefkinder, und im Gegensatze der rechten und leibliche…

stiefahne

DWB

stief·ahne

stiefahne , f. , soviel wie stiefgroszmutter, stiefmutter der mutter G. H. Heberlin hist. relat. (1685) 10 . —

stiefahnfrau

DWB

stief·ahnfrau

stiefahnfrau , f. , stiefahnherr, m.: es soll auch kain praitgang ( bräutigam ) ... auf seiner hochtzeit den geladen nit mer dann drei mal z…

Stiefahnherr

DRW

stief·ahnherr

Stiefahnherr, m. Stiefgroßvater bdv.: Stiefaltvater es soll auch kain preitgang ... auf seiner hochtzeit den geladen nit mer dann drei mal z…

stiefaltmutter

DWB

stief·altmutter

stiefaltmutter , f. , stiefaltvater, m.: die stieffkinder, da gleich die rechte kinder vor beeden elttern gestorben gewesen, an ihrer stieff…

Stiefaltvater

DRW

stief·altvater

Stiefaltvater, m. Stiefgroßvater bdv.: Stiefahnherr die stieffkinder, da gleich die rechte kinder vor beeden elttern gestorben gewesen, an i…

Stiefatt

Idiotikon

Stiefatt Band 1, Spalte 586 Stiefatt 1,586

stiefbase

DWB

stief·base

stiefbase , f. , in älterer sprache ' schwester eines stiefelternteils ', s. Stieler stammb. 100 ; Kramer 2 (1702) 970 a . wohl eher zu base…

stiefbeherrscher

DWB

stief·beherrscher

stiefbeherrscher , m. , stiefväterlich harter fürst, s. stief- 2 a: nachdem dich ( Neapel ) jetzt nicht mehr ein unterkönig drücket ..., der…

stiefblick

DWB

stief·blick

stiefblick , m. , böser, verderbenbringender blick, s. stief- 2 b: du brüderlicher noch, als brüder sind zu nennen! hat uns denn also bald e…

stiefbruder

DWB

stief·bruder

stiefbruder , m. , seit ahd. zeit bezeugt, s. unten 1. mnl. nl. stiefbroeder; mengl. stēopbrōthir ( ca. 1440), engl. stepbrother; älter dän.…

stiefbruder

FWB

1. ›Stiefbruder, Bruder aus 1 gemeinsamen Elternteil, Halbbruder‹ oder (aus den Belegen kaum entscheidbar) ›nicht verwandte männliche Person…

Stiefbruderenkelin

DRW

stiefbruder·enkelin

Stiefbruderenkelin, f. Enkelin des Stiefbruders (I) [der mann soll nit haben sein] stiefbruder- oder schwestertochter oder -enicklein 1563 K…

Stiefbruderkind

DRW

stiefbruder·kind

Stiefbruderkind, n. Kind des Stiefbruders (I) das die stieffbruͤder ir yeder ein erbteil nemm nach den houptern, aber die stieffbruͤderskind…

Stiefbrudersohn

DRW

stiefbruder·sohn

Stiefbrudersohn, m. Sohn des Stiefbruders (I) [das weib sol nit haben iren] stiefbruder- oder schwestersohne 1563 Kurpfalz/Sehling,EvKO. XIV…

Stiefbrudertochter

DRW

stiefbruder·tochter

Stiefbrudertochter, f. Tochter des Stiefbruders (I) [der mann soll nit haben] stiefbruder- oder schwestertochter 1563 Kurpfalz/Sehling,EvKO.…

Stiefbrueder

ElsWB

stief·brueder

PfWB LothWB RhWB Stiefbrueder m. Halbbruder Ensish. Logelnh. U. — Idiotikon Schweiz. 5, 422.

stief als Zweitglied (9 von 9)

geistestief

DWB

geiste·stief

geistestief , tiefen geistes: prof. v. Köstlin schilderte in einer gedankenreichen und geistestiefen rede das wesen und die bedeutung Hölder…

grabestief

DWB

grabe·stief

-tief : grabetief Denis lieder Sineds d. barden (1772) 254 ; grabtief Scheffel ges. w. (1907) 3, 51 . c c) in substantivischen, seltener adj…

haustief

DWB

haus·tief

haustief , adj. und adv. : hier steckt was, riechs so halb und halb. heraus soll mirs, lägs auch haustief begraben. Fr. Müller 3, 199 .

lebenstief

DWB

leben·stief

lebenstief , adj. : um mir die schmerzen der lebenstiefen verwundung nicht zu erneuen. Tieck Cerv. 1, 396 .

mannestief

DWB

manne·stief

mannestief , mannstief , adj. tief nach dem masze eines ausgewachsenen mannes: was aber nit schwimmen konnte, lag manns tief unter dem wasse…

nagelstief

DRW

nagel·stief

nagelstief, adj. mit Vorstufen des Kompositums von Wunden: so tief wie ein Nagel (I) (dh. das Fingerglied mit dem Nagel), als Kriterium für …