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sticheln

nhd. bis sprichw. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

RhWB
Anchors
11 in 11 Wb.
Sprachstufen
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26
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16

Eintrag · Rheinisches Wb.

sticheln

Bd. 8, Sp. 661
sticheln -iχ-, –e- (auch n. Benr.-L.) schw.: 1.a. kleine, aufeinanderfolgende Nähstiche machen, immerfort nähen ohne rechten Erfolg, ungeschickt mit der Nähnadel hantieren; dau stichelst un st. un brengst doch neist vor dich; an ebbes erumst. Rhfrk, Mosfrk, Rip. — b. langsam, ohne rechten Appetit essen, in den Speisen stochernd Kreuzn-Langenlonsh. — c. etwas st., aufstöbern Saarbg-NZerf. — d. ein Kartensp.; fünf Spieler, selten vier; jeder setzt 5 Pf in den Pott; ener jütt Karten, jedem drei; üəwərijən bliwən unverteilt im Stock (Haufen) (17 Karten). Dat Anspill hät der näkstə no dəm, der jəjeəwən het, es sei denn, dass einer enən Hurra hät, nämlich zwei gleiche Karten (zwei Buben, zwei Könige, zwei Achter, zwei Ässer usw.); dann fängt dieser an, muss aber sagen: ek zätte (setze) 5 Penək und legt diese in den Pott. Wer nun mitspielen will, muss auch 5 Pf. in den Pott tun, sonst passt er, d. h. jeht lopen (tut nicht mit). Wenn einer einen höheren Hurra hat, ruft der: ek zettə 10 Penək und zahlt diese ein; dann müssen die andern erklären, ob sie mittun wollen, also auch 10 Pf. setzen; meist laufen die dann weg; und der mit dem höheren Hurra hat gewonnen, bekommt den Pott. Reihenfolge der Karten, der Höhe nach: Ass, König, Dame, Buer, 10, 9, 8, 7. — Wenn das Spiel nicht mit einem Hurra anfängt, wird gespielt: es muss bedient werden (die Farbe), sonst eine (niedrige) schlechte Karte afšmitən. Wer den Stich kriegt, spielt weiter. Trumpf gibt's nicht; dafür kann aber jedes Hurra die Karte stechen, auch ein bis dahin gespieltes Ass. Dann legt man das Hurra hin, dass es die andern sehen: die eine Hurrakarte gehört zu dem Stich, die andere gilt als (für den zweiten bzw. dritten Stich) aufgespielt, die die übrigen zu bedienen haben. Es geht um den dritten Stich, den letzten Stich: wer den krit, krit den Pott. Wer den zweiten Stich bekommen hat, spielt für den dritten aus. Nun kann gətütət, jəkloppt, jəblüfft werden: tütət, kloppt, blüfft drittə Kaətə, d. h. man klopft auf den Tisch, sobald diese aufgespielt ist und ruft: ek zettə (kloppe) 5 Penək u. zahlt sie ein. Man braucht aber di opjəspiltə Kaətə nich kunnən (d. i. sie stechen zu können), man tut nur so, als ob die eigene dritte Karte eine höhere wäre als die ausgespielte und zwingt die andern durch das Klopfen (u. 5 Pf. setzen) dazu, sich zu erklären, ob sie Kartə halən, d. i. mittun wollen; wenn nicht, scheiden sie zum Gewinnen aus; wenn ja, müssen sie auch 5 Pf. setzen, und der nächste spielt seine dritte Karte (zu der aufgespielten) aus = legt sie auf; ist diese nun das betreffende Ass, so ist das Spiel aus: ihm gehört das Pöttchen. Ist es aber das Ass nicht, so kann ein anderer wieder tütən (blüffen) (kloppen): ek kloppə (zette) 5 Penək u. zahlt sie ein (von dem noch Mitspielenden); diesen kann man aber auch abtütən und rufen: ek kloppə tiən (10 Pf.); dann müssen wiederum die andern erklären, ob sie weiter mittun wollen oder nicht (lōpən johən), sobald einer auf den Tisch klopft (man weiss ja nicht, ob der tütət [blüfft, bloss so tut, als hätte er eine höhere Karte]) und ihrerseits auch 5 Pf., bzw. 10, immer das Doppelte, auch 20 Pf., einzahlen in das Pöttchen. Beim Tüten haben die Spieler gewöhnlich ihre dritte Karte vor sich auf dem Tisch liegen umgedreht verkirt, mit dəm Jezicht op dəm Dösch), haben sie sich aber gemerkt für das Tüten der andern. Die höheren Karten liegen ja oft in dem Stock, ohne dass das jemand weiss. Sind die andern weggelaufen, so braucht man seine dritte Karte nicht mal zu zeigen, denn man hat den Pott gewonnen; sonst sehen die übrigen, ob man getütet hat oder nicht. Fürs nächste Spiel ist es ja (psychologisch) wichtig zu sehen, ob man gerne ein Tütər ist oder nicht. Es geht stets um den letzten (dritten) Stich Gummb-Berghsn, Berg. — 2.a. einen, an einem, auf einen st., mit hämischen Worten reizen, Anspielungen machen; he hät su lang an em gestechelt, bes dat em dat ze bont wuərd; sech st. gegenseitig reizen, necken Sol-Leichl, u. so Rhfrk, Merz-Mitlosh Saarhölzb, Trier, Wittl, WEif, Rip, Eup, SNfrk, Mörs, Geld-Nieukerk, Klev-Cronenbg, Neuw, Siegld, OBerg, Sol, Ruhr. RA.: Ficks (Spitz, Stüpp), kumm, dem Paschtoar stichelt, sagg de Scheaper (Schäfer), es he mit sinem Houn (Hunde) in de Kirke wor un hoarden: »Ein guter Hirte bleibt bei seinen Schafen« sagt der, über den man in der Unterhaltung spöttelt MülhRuhr, Nfrk, Rip, Trier-Stdt. — b. reizen, beim Kartensp.; do fängs an te st. MGladb. — Abl.: die Stichel(er)ei, dat Gestichel(s).
4529 Zeichen · 70 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stícheln

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Stícheln , verb. reg. act. welches das Iterativum und Diminutivum von stechen ist, oft und mit kleinen Stichen stechen. …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    sticheln

    Goethe-Wörterbuch

    sticheln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    sticheln

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    sticheln selten echt mda. stickeln 1. eig. mit spitzem Instrument in etwas einstechen: Torf sticheln Sta Mir für übliche…

  4. Sprichwörter
    Sticheln

    Wander (Sprichwörter)

    Sticheln Auf jemand sticheln. Frz. : Donner de vives attaques à quelqu'un. ( Kritzinger, 244 b . ) – Donner un coup de d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sticheln

6 Bildungen · 2 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von sticheln 2 Komponenten

stic+heln

sticheln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

sticheln‑ als Erstglied (2 von 2)

stichelnaht

DWB

stichel·naht

stichelnaht , f. , zu sticheln 1 f, ' eine naht oder art zu nähen, ... wo die nadel bei jedem stiche besonders durchgezogen wird, weil das t…

stichelname

DWB

stichel·name

stichelname , m. , ' spitzname ', seit Campe lexik. gebucht 4, 535 b ; Mozin wb. d. franz. spr. (1856) 2, 327 a ; Birlinger volkstüml. a. Sc…

sticheln als Zweitglied (1 von 1)

ansticheln

DWB

anstich·eln

ansticheln , carpere, aculeatis dictis attingere: was stichelst du mich an? du stichelst immer auf dieselbe sache an. vgl. anzapfen .

Ableitungen von sticheln (3 von 3)

besticheln

DWB

besticheln , perstringere, bespötteln: lasz den witzling uns besticheln! glücklich, wenn ein deutscher mann seinem freunde vetter Micheln gu…

versticheln

DWB

versticheln , verb. 1) zu sticheln ' mit kleinen stichen nähen ', nach dem muster von vernähen, versteppen ( s. d. ) ' mit kleinen stichen v…

Zersticheln

Campe

Zersticheln , v. trs . mit vielen kleinen Stichen zerstechen. S. Zerstechen. D. Zersticheln .