steinbruch,
m. ,
mhd. ebenso, nebenform steinbrucht,
m., Frisius 509
a. 11)
steinlawine: und schlug der st. zu Mansfeld einem beide beine entzwei denselben tag Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 479
b; anno 1331 ist ain grosser stainpruch ob Sannct Oszwald im dorf bei Bozen hernidergefallen v. Brandis
gesch. d. land. v. Tirol (1850) 47; den arbeitern ... sind die hend mit langen handschuhen (
bewahrt), damit nicht die steinbrüche, von den bruchstücken herabgefallen, sie verwunden Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 217; in den bergen gibts vil
stein- und felsenbrüch Guarinonius
grewel 443.
nur bis etwa mitte des 17.
jh. in diesem sinne gebräuchlich. 22)
vereinzelt = steinbrocken 3: dasz aber nicht das sand bald das sib durchlasse, so legt der wäscher darunder steinlin oder steinbrüch Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch 251. 33) '
ein berg oder grube, daraus steine gebrochen werden'
bergm. wb. (1778) 521; 'st.
nennt man die stelle eines gebirges, wo natürliche bausteine gefunden ... werden' Helfft
landbauk. 345.
glossiert: cotaria ein st., da man die wetzstein bricht Frisius 340
a; B. Faber
thes. 210
b;
lapicidina Diefenbach 318
b; Calepinus xi
ling. 793
b;
lapidariae Frisius 755
b;
lapifodina Diefenbach 318
b;
latomiae Calepinus xi
ling. 797
a;
perrarium Diefenbach 429
b;
petrifodina 432
a;
saxifraga nov. 328
a.
lage der steinbrüche: wenn das gestein ... nahe unter der oberfläche liegt, ... so findet der abbau in offenen steinbrüchen unter freiem himmel statt ... (
im andern falle) müssen unterirdische steinbrüche angeordnet werden Prechtl 16, 241.
das wort zu allen zeiten des nhd. üblich und zahlreich belegt: die ... auch im stainpruch stain zu sölichem pawe dinstlich prechen lassen
chron. d. dtsch. st. (
Nürnberg 1484) 10, 372; die steinbrüche, da man stein aus der erden grebt Heyden
Plinius (1565) 76; Mausolens grab, welches ... die kostbaren steinbrüche gantz Asiens erschöpffet Lohenstein
Arminius 1, 198
b; da die steinbrüche daselbst (
in Ägypten) ziemlich spät ... erfunden worden Gottsched
neueste 2, 330; das ganze weltwesen liegt vor uns, wie ein groszer st. vor dem baumeister Göthe 22, 332
W.; zwischen dem überwucherten geröll eines alten verlassenen steinbruchs Raabe
Horacker 86. a)
besonders zur gewinnung von marmor angelegt: das gebirge Elwend, dessen vater auch der Taurus, hat einen köstlichen st. von allerhand arth, sonderlich weissen marmel Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 256; als man die steinbrüche bearbeitet und an etlichen orten marmol gefunden Harsdörfer
secret. 2, 166; dieser ... quält sich die schönsten jahre durch in steinbrüchen nach marmorblöcken Göthe 49, 154
W. bildhauer beginnen dort ihre arbeiten: die giganten, nachdem sie blosz in rohen massen im steinbruche gehauen waren Welcker
alte denkm. 1, 196. b)
andere steinarten: st. heiszt ein felsz, woraus sowol baubrech-mauersteine als auch mühlsteine, ... alabaster, jaspis
etc. gebrochen werden
allg. haush.-lex. (1749) 3, 410; do hawet die gantz dorffgemein im steinbruch ein untern mülstein H. Sachs 9, 382
K.-G.; ein st. von guten sandsteinen Nicolai
reise 11, 23; ein st. von basalt
allg. dtsche bibl. anh. z. bd. 53-86, 681. c)
das '
brechen'
der steine auch durch moderne hilfsmittel ersetzt: steine, die in den nahen steinbrüchen mit pulver gesprengt werden Chamisso 6, 17. d)
als steinbrüche dienen auch verfallene gebäude und ihre theile: zu Schemnitz in Oberungarn zaigt man noch ein saul, dermahl aber fast einem alten st. gleich Abr. a
s. Clara
Judas 2, 16; da aber das gebäude (
des römischen amphitheaters) über sich selbst zusammengestürzt und wahrscheinlich mehrere jahrhunderte als st. behandelt war Göthe 33, 165
W.; da das theater von Orange ... das miszgeschick theilte, ... als st. zu dienen Samosch
prov. tage 22. e) st.
als zufluchtsort für thiere: hier zwingt sie (
die steinmerle) ... der mangel an felspartien ... in steinbrüchen einen zufluchtsort zu suchen Naumann
vögel 2, 353; in den steinbrüchen und holen bäumen stellten die ... bienen ihr weltliches regiment an Bastel v.
d. Sohle
Harn. aus Fleck. (1648) 125;
standort anspruchsloser pflanzen: die ruderalpflanzen ... auf den trümmerhaufen der steinbrüche Wimmer
gesch. d. dtsch. bod. 229;
fundort der spuren vorgeschichtlichen lebens: die organischen reste, die sich in den steinbrüchen ... vorfinden Göthe IV 32, 119
W.; aus einem verfallenen steinbruche klopfte er manches stück mit uralten resten heraus von kräutern und thieren G. Keller 5, 153. f)
bisweilen als bezeichnung einer bestimmten örtlichkeit: da sagte der kutscher: 'wenn wir nur nicht den steinbrüchen zu nahe kommen!' A. v. Droste-Hülshoff 2, 301; drauszen im alten st. liegt er erschossen H. Schmid
alte u. neue gesch. 331; ein vorstosz der 27. infanteriebrigade gelangte zwar (
bei Gravelotte) bis an den groszen
st. v. Alten
handbuch 4, 369.
daher auch häufiger ortsname Steinbruch Rudolph
ortslexicon 2, 4344
f. g)
da die arbeit sehr schwer ist (
s. oben unter steinbrechen),
ist st.
auch ein ort harter zwangsarbeit: ergastulum ein ort, da man vor zeyten die eigenleut eynschlosz und zum werck zwang als st., ärtzgrub und dergleichen Frisius 479
a; Maaler 386
a; viel heiliger merterer ... in ... wüste insulen vertrieben und daselbst in steinbrüchen und ander schwere erbeit wie die esel erbeiten Luther 30, 2, 194
W.; die drei, den das gefencknusz in dem st. bevolhen was Carbach
Livius 233
r;
berüchtigt in der geschichte die λατομίαι von Syrakus: Becker
weltgesch. (1801) 2, 201; Mommsen
röm. gesch. (1874) 1, 147. h)
bildlicher gebrauch: in diesem leben ist der st., im himmel aber wird kein hammerschlag an uns gehöret werden Herberger
Jesus Sirach 38
a; die mundarten der Oberdeutschen sind die steinbrüche, woraus unsere vorfahren die sprache gebaut haben Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 245; er führte ihn nicht in den st., vor die kalkgrube und auf den zimmerplatz der metaphysik Jean Paul
w. 15/18, 108
H.; im gehirn ist der st., welcher das material zu jenem stolzen dogmatischen baue liefert Schopenhauer 1, 539
Gr.; ganz selten in absichtlicher übertreibung im sinne einer schweren last, eines hindernisses (
vgl. stein II C 1
d) ich habe daher eine art ungeduld, mein haus los zu sein, das mir wie ein fels, ja wie ein st. am fusz hänget Gervinus im
briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 234. 4)
ganz vereinzelt = steinbrech:
saxifraga stainpruch Diefenbach
nov. 328
a. —