spülen,
verb. schwenkend reinigen. wort des westgermanischen sprachgebietes: ahd. spuolen
in irspuolen Notker
ps. 95, 6 (
s. die stelle unten 3),
mhd. spüelen,
prät. spuolte,
mnd. spôlen,
mnl. spoelen, spuelen,
diluere, colluere, eluere, sordes tollere. Kilian;
die nächste grundlage des wortes bildet das mnd. subst. spôl,
spülwasser: popisma spol darm (
da man) dey schotel inne waschet. Dief. 447
b;
popisma, papisma i. squalor spoul dar me scottelen inne heft gewasschen.
nov. gloss. 298
a;
weitere bezüge, namentlich solche zu spule,
sind ganz unklar. das wort besagt 11)
als küchen- und wirtschaftsausdruck, mit spülwasser hantieren, spülend reinigen: lavare spulen,
nd. spolen Dief. 321
a;
squalere, spuelen, spulen 549
b; splen, durch ein wasser ziehen,
diluere, erwäschen,
colluere, luere, eluere, proluere. Maaler 382
c;
absolut: ich aber dich nit anders denn in schlechter unnütziger kleydung in der küchen gesehen hab, spülen und holz tragen.
Galmy 238; die Muszkünn wirt in noch leern das er musz spüln, haizen und kern.
fastn. sp. 786, 21; ich trag holz, pet, ker, spuel, und thue ab haspen.
meisterlieder der Berl. handschr. s. 23,
nr. 89; ich kan eim wol ein kuchen versehen, mit kochen, spüln und kehrn. J. Ayrer
singspiele 162
b. 22)
mit acc., der die hausgeräte und haustheile angibt, die spülend gereinigt werden: den esterich si spuolten.
kaiserchron. 14687
Schröder; die holländischen klinker, womit der boden gepflastert war, sahen so feucht und frisch gespült aus. Storm
ges. schr. 3 (1884), 14; gefäsze spülen; ists aber ein ehern topff, so soll man jn schewren, und mit wasser spülen.
3 Mos. 6, 28; das hültzen fasz sol man mit wasser spülen. 15, 12; wenn die köchin einen hafen spielet. Luther 12, 591 12
Weim. ausg.; die gleser oder anderley geschirr splen,
vascula eluere. Maaler 382
d; schussel spulen und wintel waschen.
fastn. sp. 123, 21; flink mir die gläser gespült! Voss 1, 166 (
Luise 3, 423); wäsche, zeuge, kleider spülen: den züber ûf ir houbt si nan, und zogte zuo dem bach hin dan, und spuolt ir tuoch. Boner
edelstein 48, 71; am meeresufer in der abendglut siehst du die weiber ihre wäsche spülen. Heyse
ged. (1889)
s. 279;
auch erweitert: ein glas rein spülen, die wäsche sauber spülen; sie spülte am wasser den saum des durchnäszten gewandes rein. Freytag
ahnen 1, 227;
und statt des persönlichen mit sächlichem subject: unter schwätzen und lachen spülte frisch und leicht die welle die schönen kleider rein. Göthe 57, 315. 33)
von dieser engeren verwendung aus freierer gebrauch; so in bezug auf menschlichen leib und menschliches innere, wofür auch reflexive fügung eintritt, sich spülen, sich rein spülen; so dû dih irspuolest, so bist dû scône fore imo. Notker
ps. 95, 6; die sonne uns im dunklen läszt, im meere sich zu spülen. Eichendorff 1, 240;
sonst leib, mund, zähne, eingeweide spülen: den mund spülen,
os perluere Stieler 2107; wen die zähn wacklin, musz man sie nie mitt opiat noch mitt nichts reiben, aber den mundt offt mit wein spüllen. Elis. Charlotte 3, 292;
mit sächlichem subject: wasser ist zum denken gut, spült den kopf und kühlt das blut. W. Müller
ged. (1868) 2, 78;
in festen verbindungen, einem die gurgel spülen,
reichlich zu trinken geben: von diesen seinen vettern gieng er zu andern freunden, denen er oft die gurgel gespület, und ihnen aus nöhten geholffen hatte. Schuppius 224; sich die gurgel spülen,
reichlich trinken; da gieng es frölich fort, wir spülten so den schlund, bis dasz der liebe trunk das hertz bracht in den mund. Rachel
satyr. ged. 87
Drescher (7, 103); das essen in den magen spülen,
im gemeinen leben für trinken. Adelung;
in erweiterter fügung: die speisen hinunter spülen; als ich in den gasthof kam, spülte ich sie (
meinen vorrat von witzen) mit einem glas wasser hinunter. Gotter 3, 212; den mund, die zähne rein spülen; trink, Götze, 's ist von dem bittern Zerbster (
bier), das spült den magen wieder klar. Alexis
hosen des herrn v. Bredow 137; es (
das wasserbecken) schien gemacht, die badlust zu erwecken. der ritter hatte kaum die augen hingewandt, so fiel ihm ein, sich hier ein wenig abzukühlen, und seinen schönen leib vom sommerstaub zu spülen. Wieland 17, 22 (
Idris 1, 18);
mit verstandenem object: wühlendes, spülendes, kühlendes tränkchen! Göthe 11, 149;
bildlich: sie fassen hyn und her der andern sünde auff, das sie yhr maul damit spülen wie die sew auff der gassen dreck auffraffeln. Luther 16, 524, 19
Weim. ausg. 44) spülen,
durch spülen entfernen: den schmutz von den tellern spülen; die köche die daʒ fleisch dâ suten swaʒ die von waʒʒer und von labe gespuolten maneger schüʒʒel abe, daʒ wart ûf in gegoʒʒen. K. v. Würzburg
Alexius 688;
bildlich: ein laster ab jm splen und verthädigen,
diluere crimen. Maaler 382
b; wenn ... der nektar ihres kusses alle spuren des verdrusses aus der seele tiefen spült. Gotter 1, 128; die an der quelle des Lethe becher auf becher nun schlürfen, die gichtischen schmerzen der liebe aus den gliedern zu spülen. Göthe
ged. 3, 123
Strehlke; die mir mit ihrem leisen wehn die wehn, so mich bezwungen aus der seele spülen. Rückert 250. 55)
erst in neuerer sprache wird spülen
auch von dem lebendigen wasser, der welle, woge, dem flusse und meere gebraucht: der see spület schilf, schaum aus ufer. Campe; das wasser hat holz vom ufer gespület.
ebenda; das meer spült eine leiche ans land; als zuerst seine bisherige welt von ihm gerissen, und er wie auf ein fremdes ufer gespült ward. Novalis 2, 22
Meiszner; er sah mit verschränkten armen in das wasser ... es rauschte vom damme und spülte die erde zur tiefe. Freytag
verl. handschr. 3, 308; wo das geröll, welches unter ihnen (
den wurzeln) lag, vom wasser fortgespült war.
ahnen 1, 9; die wogen, ... die unser ufer hohl spülen. J. Paul
kom. anh. z. Titan 1, 18; am klaren wässerlein, welches dort seine ränder zu einem breiten becken auseinander gespült hatte. Immermann
Münchh. 3, 90; regiert nicht eine windsbraut oft, und rührt in einen garstgen brey die liebe welt zusammen, setzt euch in einem huy das gröszte schlosz in flammen, bricht dämme durch, spült manchen schönen ort mit jung und alten weg, reiszt ufer, wälder fort? Wieland 10, 315 (
schach Lolo 33); da sah er ein bret von brandenden wellen hin und her gespület zwischen den felsen. Stolberg 3, 290; so scheinbar still die see, so wellenlos, doch spült sie weiter stets den kahn hinaus. Uhland
ged. 173; das blümchen spülen aus der hand, der sinkenden, die wogen. Platen 3
a;
in bildern: rettend spülen dich die wellen in des herzens stille welt. Eichendorff 1
2, 342; wer jeden blitz beschwor, ihn zu zerstören, und jeden strom, dasz er hinweg ihn spüle, mit allen qualen, die sein herz empören. Platen 99
b; und wenn die ganze hölle sich gösse über euch, ihr spült sie, wie die welle das sandkorn, weg von euch. Arndt
ged. (1840)
s. 506. 66)
ebenso der neueren poetischen sprache angehörig ist spülen,
wenn es nur die kreisförmigen, schwankenden bewegungen der wellen und des bewegten wassers bezeichnen soll: der flusz spült an die mauer,
benetzt in seiner wellenförmigen bewegung die mauer Adelung; vor einem spycher stund ein fäszchen mit ungelöschtem kalk, bis dorthin spülte das wasser unbemerkt. J. Gotthelf 4, 16
Vetter; und wie er erwachet in seliger lust, da spülen die wasser ihm um die brust. Schiller 14, 271 (
Tell 1, 1); die fluthen spülen, die fläche saust. Göthe 2, 37; seh ich einen bach sich durch die felder wühlen, zwischen blumen tanzen, über kiesel spülen. Platen 21
b; mit schlummerton das wasser spülte drunter an den sandstrand. Freiligrath
dicht. 6, 176; wo drunten wogen spühlten. Droste
ged. (1873)
s. 328; wenn klatschend an die binsensträuche das grünliche gewoge spült. Strachwitz
ged. 62;
übergreifend in den sinn 5: der marschbewohner ... der ihn (
den heimatboden) jahr aus jahr ein mit ungeheurer kraft und ausdauer behaupten und vertheidigen musz gegen die wilden, ewig nagenden, ewig wühlenden und spülenden fluthen. Allmers
marschenb. 10; seine (
des rohres) wurzelschlangen packen in kurzer zeit so sehr alles erdreich, dasz dasselbe bald den spülenden fluthen trefflich zu widerstehen vermag. 16;
selten für das transitive umspülen: (
wenn) der west das schlaffe seegel kühlet, und matter schaum das ruder spület. Gotter 1, 224. 77)
die eigenthümliche bedeutung des reinen und vollständigen ausraubens, die bei spülen
einige mal im 16.
jahrh. hervortritt, ist wol der sprache der landsknechte entnommen, die diese thätigkeit unter dem bilde des schüsselspülens faszten: kamen zwen solcher tropfshelse (
landsknechte) hinein und spületen mir den balken mit würsten. Pape
bettel- u. garteteufel P 2
a; er satzte die krone auff, und macht sich zum könige in Egypten, raubt, plündert und spület das gantze land Egypten. Luther
vorrede über den propheten Daniel, bibel 7, 374
Bindseil; nicht allein aber spület und schendet der schendliche Antiochus den tempel, sondern unterdrückt auch den schevet oder sultan.
schriften (
Jena 1558) 8, 86
a; da Antiochus die stedte in Egypto besetzt hatte, und seiner weise nach geplundert und gespület. Jonas
Melanchthons proph. Daniel ausgelegt (
Wittenberg 1546)
s. 148.
vgl. unter ausspülen
theil 1,
sp. 981,
und: er (
ein verschwenderischer bischof) hat alle schlosz und höfe des stiffts ausgespület und versatzt. Frisch 2, 311
c (
aus Bratuffs
chron. von Merseburg).