schwärzen,
verb. schwarz machen, schwarz werden oder sein, das erstere zurückgehend auf ahd. suarz(j)an, suerzen Graff 6, 901,
mhd. swerzen,
das letztere auf ahd. suarzên, -zôn (?) Graff 6, 900,
mhd. swarzen.
mhd. sind also die beiden verben noch durch den stammvocal unterschieden. auch im früheren nhd. hält sich das intransitivum mit gesondertem stammvocal neben dem transitivum (
s. unten 1,
b, und erschwarzen
oben th. 3, 977).
sogar Campe
führt es noch an, aber es erscheint in neuerer zeit doch wol nur mundartlich. Stalder 2, 361. Tobler 402
b. Hunziker 235,
bair. erschwarzen, derschwarzen Schmeller
2 2, 649.
die gaunersprache kennt noch verschwarzen,
sterben Avé-Lallemant 4, 606.
in der heutigen schriftsprache ist ein intransitiver gebrauch überhaupt selten geworden, wenn er gewagt wird, so lautet das wort auch dann schwärzen (
s. unten 5).
umlaut bei intransitivem gebrauch bezeugt für das nd. schon aus älterer zeit die glosse swerten,
nigrescere Diefenbach-Wülcker 848.
die entgegengesetzte erscheinung, umlautlosigkeit bei transitivem gebrauch zeigt schwarczen,
nd. swarten,
denigrare Dief. 173
b.
das regelmäszige transitive schwärzen (
in älterer schreibung schwertzen, schwärtzen)
wird von allen lexicographen verzeichnet. Maaler 367
b. Hulsius 292
a. Corvinus
fons lat. 1 (1660), 289
b. 431
b. Schottel 1412. Stieler 1956. Kramer
dict. 2 (1702), 702
c. Steinbach 2, 536. Frisch 2, 243
c. Adelung. Campe. 11)
intransitiv. 1@aa)
im sinne von schwarz I, 1,
dunkel, finster werden in erschwarzen: dasz der himmel darüber erschwarzen möchte.
s. th. 3, 977,
vgl. auch mhd. wb. 2, 2, 765
b. 1@bb)
im sinne von schwarz II, 2,
schwarze färbung bekommen oder haben: als daʒ taw allen frühten nütz ist und frumen pringet, alsô ist in der reif schad und verderbt die früht auf den paumen und auf den weinreben und durchgêt si sô gar, daʒ si vallent oder schwarzent sam si verprant sein. Megenberg 85, 10; sô daʒ geschiht, sô müezent die fruhtpluomen sterben und swarzen. 15; Augustinus spricht, der rab hât die art, daʒ er seineu kindel niht speist unz daʒ er siht, daʒ in die federn swarzent. 176, 29; allda blühen die rosen, weiszen die lilien, gelben die saffranen, schwartzen die balsame. Meyfart
d. himml. Jerusal. (1630) 1, 315; etslîchen swarzt deu halbe hant (
von dem wasser des zauberbrunnens). Heinrich v. Neustadt
Apollon. 11890; die reud (
die personificiert erscheint) thet an der zungen schwartzen. H. Sachs 1 (1558), 456
b.
vgl. auch erschwarzen
oben theil 3, 977
und nachschwärzen 1
theil 7, 120. 22)
transitiv. 2@aa)
im sinne von schwarz I, 1,
verdunkeln, verfinstern: den himmel schwärzte schon die stille mitternacht. Hagedorn 1, 26; sobald die luft ein feuchter südwind schwärzet.
derselbe bei Adelung; ein geweihter nyrthenwald, den geheime schatten schwärzen. Uz
bei demselben; den himmel mögen wolken schwärzen. Gotter 1, 384;
nach b überleitend: beliebter wald! beliebter kranz von büschen, der Hasels höh mit grünem schatten schwärzt. Haller 6, 2
Hirzel; die nacht schwärzt alles. Stieler 1956; gehe, und lasz dich schwärzen,
dicitur ei, qui suspicione facinoris laborat i. e. tege levitatem tuam tenebrarum ac parietum custode. ebenda. 2@bb)
im sinne von schwarz II, 2,
schwarz färben, machen. 2@b@aα) einen schwärzen,
ihm die haut schwarz färben: einer, der ain eeprecher ist, den sol man schwerzen als ainn morn.
fastn. sp. 310, 15
Keller; welcher man ain frauenschender ist, den schol man schwerzen als ainn morn. 705, 23;
mit bezug auf verfärbung der haut durch sonnenbrand: die sonne hat mich geschwärtzt,
sole adustus sum, nigredinem ex sole duxi Stieler 1956. 2@b@bβ) etwas schwärzen: die haare mit kaselsrahm schwärtzen,
capillos fuligine denigrare Steinbach 2, 536,
mit sächlichem subject: eʒ (
das silber) hât auch die art, wie weiʒ eʒ an im selber ist, krizt man ain ander dinch dâ mit, eʒ swerzt eʒ. Megenberg 476, 30; die mauern des alten herrenschlosses sind geborsten, oft hat fremdes kriegsvolk darin gelagert, ihr feuer hat die trümmerhaufen geschwärzt. Freytag 17, 7.
passivisch: beim ersten strahl des tags hab' ich's besehn, mit heiszem, trocknem aug durchforscht die lampe: kein hunderttheil des öles war verbrannt, der docht nur kaum geschwärzt. Grillparzer (1887) 6, 94. 2@b@gγ)
in gewerklicher sprache: leder, felle schwärtzen,
tignere [
di nero]
cuoi, pelli Kramer
dict. 2 (1702), 702
b. Adelung; die schuhe schwärtzen,
negrare le scarpe a. a. o. Steinbach 2, 536. Adelung,
vom schuhmacher gesagt, aber auch mit bezug auf das wichsen der schuhe; das holtz schwärtzen,
lignum denigrare Steinbach 2, 536; das eisen schwärzen,
bei den schmieden und schlossern, es in erhitztem zustande mit pech oder mit leinöl überziehen, wodurch es eine glänzendschwarze farbe erhält. Frisch 2, 243
c. Jacobsson 4, 87
b; die kupferstecher schwärzen den weichen grund oder firnisz, den sie auf die kupferplatte getragen haben, mit rauch von drey bis vier dicken lichtern von gelbem wachs. Jacobsson 7, 87
a; den kohlenmeiler schwärzen,
ihn mit erde oder kohlenklein dicht und fest belegen. Scheuchenstuel 165. 221. 2@cc)
im sinne von schwarz I, 3,
in die bedeutung des beschmutzens übergehend: die hände von (
heute: mit) dinte schwärzen,
infuscare manus atramento Stieler 1956; schwärzen, als wäsche,
usu sordidum reddere et squalidum Frisch 2, 243
c Adelung. 2@dd)
in unsinnlichem und freierem gebrauch. 2@d@aα)
im werthe herabsetzen, schlecht machen. vgl. schwarz II, 1. 2@d@a@aaαα)
ausgeführte bilder gleich den folgenden leiten zu dieser anwendung über: swer niht enswerzet sîn getât mit swarzem peche der missetât. Thomasin v. Zirkläre
welsch. gast 6699; wil er der minne liehten schîn mit falschem muote swerzen. Konrad v. Würzburg
troj. krieg 2485; es liebt die welt das strahlende zu schwärzen, und das erhab'ne in den staub zu zieh'
n. Schiller 11, 336. 2@d@a@bbββ)
objectiv, minderwerthig machen: die wahrheit schwärtzt kein schimpff, den mond erschreckt kein bellen. Günther 419; (
du) wirst der stunde unsrer wollust fluchen, wenn dich einst der name bastard schwärzt. Schiller 1, 228; seit dieser that, die euer leben schwärzt, habt ihr nichts lasterhaftes mehr begangen.
M. Stuart 1, 4. 2@d@a@ggγγ)
subjectiv, verleumden, beschuldigen, als schlecht darstellen. vgl. schwarz II, 1,
e und anschwärzen
oben theil 1, 451, einen schwärtzen bey jemand,
infamare, vituperare uno appreso alcuno Kramer
dict. 2 (1702), 702
c. Avé-Lallemant 4, 606: wer ander leut schwärtzt, ist darumb nit weisz. Fischart
groszm. 105; den der neider schwärtzen wil, pflegt er gerne vor loben. Logau 2, 120, 2; wo ehrgeiz und betrug sich nicht dem strohdach naht, noch gift dem irdnen krug; wo anmuth witz gebiert, und witz ein sichres scherzen, weil niemand sinnreich wird, um seinen freund zu schwärzen. Hagedorn 1, 48.
mit anderen objecten: der kirch und gottesdienst mit halben reden schwärzet und niemals williger als über priester scherzet. Haller 95, 163
Hirzel; sanft freundliche stimmen die voll schmähsucht und neid die reinsten tugenden schwärzen. Zachariä
bei Adelung; wie konnt' ich über andrer sünden nicht worte gnug der zunge finden! wie schien mir's schwarz, und schwärzt's noch gar. Göthe 12, 188. 2@d@bβ)
trübung des geistes bezeichnend: keine ahndung ferner übel schwärzet deinen freyen unbewölkten sinn. Wieland 9, 340; wer will auch ergründen des himmels licht, als wem der Dewe schwärzt das gesicht? Rückert
Firdosi 1, 406.
aber auch mit weniger deutlicher bildlichkeit: ich bin herr und meister über mich, und steh hier still, wo ich dinge seh, die meinen geist schwärzen? Klinger
theat. 4, 184. 2@d@gγ)
im anschlusz an die vorige anwendung wie '
betrunken machen', schwärzen
etiam notat inebriare, potu aliquem obruere Stieler 1956, einen schwärtzen, dicht schwärtzen,
annerare, cocere, cioè ubbriacare uno, brindeggiarlo tanto, fargli tanti brindisi che alla fine è cotto Kramer
dict. 2 (1702), 702
b.
vgl.schwarz II, 4. 2@d@dδ) wahren schwärzen,
schmuggeln Adelung (
als oberd. bezeichnet). Jacobsson 7, 289
b. Klein 2, 146 (
bair.-östr.). Höfer 3, 127. Schm.
2 2, 649. Schöpf 659. Hügel 145
b. Tobler 403
b.
vgl.schwarz I,
g und einschwärzen
oben theil 3, 288.
ohne object: lernet, wie man schwärzen musz, wie ein armer lautner schwärzt, dasz drüher scherzen musz selbst der strenge mauthner. Rückert (1882) 2, 15.
freier: die ketzer sinds, die hexenmeister! und sie verderben stadt und land. die willst du nun mit frechen scherzen in diese hohen kreîse schwärzen. Göthe 41, 16. 33)
das veraltete intransitiv schwärzen
wird zum theil ersetzt durch sich schwärzen,
das häufiger begegnet. 3@aa)
im sinne von schwarz I, 1: bald aber schwärzet sich die heitre himmelsluft. Hagedorn 2, 40; die thäler schwärzten sich: die frohe stunde kam, da im redoutensaal der ball den anfang nahm. Zachariä 163; der himmel schwärzet sich, ein dicker hagelschauer verheert die reife saat. Uz 260, 278
Sauer; einst lebt' ein mann, ... der nie das haus verliesz, wenn sich der himmal schwärzte. Gotter 1, 315; stracks schwärzt der himmel sich, es löschen alle sterne. Wieland 23, 15 (
Oberon 7, 17). 3@bb)
im sinne von schwarz II, 2
und 3, sich [mit fleisz] schwärtzen im gesicht mit kohlen, rusz. Kramer
dict. 2 (1702), 702
b, sich [ungefehr] schwärtzen im gesicht.
ebenda; sich schwärtzen an einem kessel.
ebenda; sich schwärtzen an der sonne,
scolorir si, abbrunarsi il viso e le mani al sole. ebenda: sie hatte sich verstalt und geswerzet.
quelle bei Lexer
mhd. hdwb. 2, 1368; Horn schwärzte sich um die augen. Rückert (1882) 12, 329.
freier: der mantel, welchen mir des vaters tod bestellt, hat sich aufs neue jetzt zu schwärtzen angefangen. Günther 666. 3@cc)
bildlich, vgl. schwarz II, 1: untz daʒ er sich swerzen tuot mit der hoffart manegerwîs ... erst so siht diu werlt in an als ir kint und macht in rich.
liedersaal 3, 290, 60
Laszberg. 44)
der gebrauch des part. kommt bisweilen dem des adj. schwarz
nahe oder gleich. 4@aa)
dem unter I, 1
erwähnten: ein steuermann, in den gefahren des grausen schiffbruchs oft erfahren, zieht doch geschwärzter wolken flor, der sturm verkündigt, jener stille, wo kunst erliegt und guter wille, und nichts das schiff beweget, vor. Gotter
im Gött. musenalm. auf 1770 53, 82
Redlich; wie aus geschwärzter luft die heuschreckwolke herunterfällt. Schiller
jungfrau prolog 3. 4@bb)
dem unter I, 2
erwähnten: hingegen Silvie brennt heimlich und verstohlen: denn ihr geschwärtztes aug' läst wie verloschne kohlen, darinnen gleichwohl feur und glut verborgen sitzt.
Hoffmannswaldaus u. and. Deutschen ged. 2 (1697), 32. 4@cc)
dem unter II, 1
erwähnten: geschwärztes gewissen. Adelung. 55)
substantivierter infinitiv. 5@aa)
intransitivem oder reflexivem gebrauch entsprechend (sich
fehlt ja auch beim substantivierten infinitiv eines reflexivs): das schwärzen der säulen hatte man dabei (
bei der pechbeleuchtung) nicht zu fürchten, da das ganze gebäude .. ein dunkelgraues ansehen hatte. Gutzkow
ritter v. geiste 3, 77. 5@bb)
intransitivem, reflexivem oder allgemein transitivem gebrauch kann je nach der auffassung der infinitiv gemäsz sein in der sprichwörtlichen wendung: er ist fertig bis aufs schwärzen,
occisus hic homo est, actum est de eo Stieler 1956,
egli e spedito, fallito, rouinato Kramer
dict. 2 (1702), 702
c; (
leute, dienstboten) die einen durch treu und fleisz in bälde reich machen oder im gegentheil, wann sie mauszköpffe seyn, durch hinschluderige fahrlässigkeit, faulheit und untreu fertig machen können bis auffs schwärtzen!
Simpl. 4, 36, 4
Kurz. ähnlich noch heute landschaftlich: hinum sein bis zum schwärzen,
nichts mehr anzuziehen haben, von kleidern entblöszt sein. Spiesz 230.
die erklärung bei Spiesz
weist auf eine reflexive auffassung: '
so arm sein, dasz man, um des leibes blösze unauffälliger zu machen, sich schwarz färben musz'.
doch könnte solche auffassung erst secundär sein. es ist weiter möglich schwärzen
intransitiv zu fassen: so weit sein, dasz man (
vor hunger? oder wie ein todter?)
schwarz wird. vgl. verschwarzen,
sterben, oben unter dem formalen. das verb hat hier aber schon im älteren nhd. umlaut, auch deutet die form des ausdrucks eher auf entlehnung aus gewerklicher sprache, etwa vom schuhmacherhandwerk, weil das schwärzen des schuhs das letzte bei der herstellung ist, wonach das verb also hier allgemein transitiv zu fassen wäre. 5@cc)
transitivem gebrauch entsprechend, unsinnlich (
nach 2,
d, α,
γγ): er hatte ohne schwärzen und schminken viel gutes, aber nicht hastig gesagt und man hatte seinem auseinandersetzen ruhig zugehört — er hatte weder geschmeichelt noch beleidigt. J. Paul
Tit. 2, 43; und doch flucht ihre lust zum schwärzen — da seht die thorheit ihrer herzen! seht klagen sie nicht blos zum schein? doch fluchen sie auf dich, o wein! Lessing 1, 87.