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Schröpfen

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schröpfen

Bd. 3, Sp. 1660
Schröpfen, verb. reg. act. welches in zwey dem Ansehen nach verschiedenen Bedeutungen üblich ist. 1) In der Landwirthschaft schröpfet man das Getreide, wenn man es, ehe es in die Kiele tritt, mit der Sichel abschneidet, damit es nicht zu stark und voreilig wachse. Den Weitzen schröpfen, in einigen Gegenden, ihn vergrasen. Es wird in dieser Bedeutung gemeiniglich schrepfen oder schräpfen geschrieben. 2) Mitzen; eine nur noch in einigen Fällen übliche Bedeutung. In den Küchen schröpfet man die Äpfel, wenn man sie in vier Theile schneidet, die Oberfläche rings herum mit einem Messer subtil ritzet oder aufhacket, und sie hernach in Wein kocht; geschröpfte Äpfel. Die Gärtner schröpfen kranke Bäume, wenn sie die äußere Rinde derselben mit einem Messer aufritzen, damit der Saft Luft bekomme. Am üblichsten ist es von einer Art des Aderlasses, da man ehedem die Haut mit einer Lanzette mehrmals aufritzte, um das zwischen Fell und Fleisch befindliche Blut abzuzapfen; welches die älteste Art des Schröpfens ist. Jetzt bedienet man sich statt der Lanzette eines eigenen Schröpfschneppers zu den Einschnitten, und zur Aussaugung des[] Blutes der Schröpfköpfe, da denn der Nahme des Schröpfens geblieben ist, obgleich die Onomatopöie bey dieser Erfindung verloren gegangen. Figürlich ist jemanden schröpfen ihn auf unbillige Art um sein Geld bringen. Der Wirth schröpft seine Gäste, wenn er sich die Zeche zu theuer bezahlen läßt. So auch das Schröpfen. Anm. Dieses Zeitwort, welches den Niederdeutschen und den mit ihnen verwandten Sprachen fremd zu seyn scheinet, indem die ersten das Schröpfen der Wundärzte Köpfe setzen nennen, ist in beyden Fällen eine Nachahmung des Lautes, so wie die Niederdeutschen schrapen, schrubben u. s. f. ähnliche Laute, obgleich ganz verschiedene Handlungen, bezeichnen. Frisch leitet es daher in der letzten chirurgischen Bedeutung sehr unschicklich von dem Lat. scarificare her; ohne Zweifel weil ihm die übrigen Bedeutungen unbekannt waren. Im Oberdeutschen wird es häufig schrepfen und schräpfen geschrieben, weil man daselbst so spricht, im Hochdeutschen hingegen sticht, wenigstens in der zweyten Bedeutung, das ö merklich hervor.
2168 Zeichen · 23 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schröpfen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schröpfen , verb. reg. act. welches in zwey dem Ansehen nach verschiedenen Bedeutungen üblich ist. 1) In der Landwirthsc…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schröpfen

    Goethe-Wörterbuch

    schröpfen einmal subst Inf lokal begrenztes (iU zum Aderlaß mäßiges) Entziehen des Blutes durch flache Hauteinschnitte u…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schröpfen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schröpfen ( Scarificatio ), örtliche Blutentziehung durch seichte Einschnitte in die Haut und Anwendung des Schröpfkopfe…

  4. modern
    Dialekt
    schröpfenschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    schröpfen schw. : 1. 'zur Ader lassen, Schröpfköpfe, Blutegel ansetzen', veralt., meist nur noch in Wend. (s. u.), schre…

  5. Sprichwörter
    Schröpfen

    Wander (Sprichwörter)

    Schröpfen 1. Der schröpft andere schlecht auf dem Schienbein, der nicht weiss, wie's thut. 2. Erst schröpfen, dann köpfe…

  6. Spezial
    schröpfen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schröp|fen vb.tr. 1 ‹med› (zur Ader lassen) sanlascé (-scia) 2 ‹pop› (ausnützen) sfruté (sfrüta), nen aprofité.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schroepfen

4 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

schroepfen als Zweitglied (1 von 1)

abschröpfen

DWB

abschröpfen , scalpello sanguinem detrahere, abziehen: einem das blut abschröpfen; in der landwirtschaft die spitze des getraides absicheln:…

Ableitungen von schroepfen (3 von 3)

entschröpfen

DWB

entschröpfen , sanguinem detrahere, durch schröpfen blut entziehen.

verschröpfen

DWB

verschröpfen , verb. ' durch unrichtiges oder zu starkes schröpfen verderben '; der weizen ist verschröpft worden. Campe. vgl. schröpfen 1, …

Zerschröpfen

Campe

Zerschröpfen , v. trs . durch Schröpfen überall verwunden. Einem den ganzen Rücken zerschröpfen , durch aufgesetzte Schröpfköpfe. D. Zerschr…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schroepfen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schroepfen/adelung?formid=S02880
MLA
Cotta, Marcel. „schroepfen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schroepfen/adelung?formid=S02880. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schroepfen". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schroepfen/adelung?formid=S02880.
BibTeX
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