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schnat

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schnat f.

Bd. 15, Sp. 1192
schnat, schnatte, f. 11) strieme, schmarre, schnittwunde, wundmal, mhd. snate, snatte Lexer mhd. handwb. 2, 1025, cicatrix, snatte Dief. 117a, snatt 639c, snatte o. wnden (wunden-) zeichen nov. gl. 88b, schnat quelle des 15. jh. bei Tobler 394a. quelle bei Schm.2 2, 584, schnatte, vibex Dasypodius, schnatten (die) streichmasz, vibex Maaler 359b, die schnatten oder zeichen vom herten binden oder knüpffen, orbita vincula. ebenda, cicatrico, ein schnatten auffeschlachen. Frisius bei Tobler 384a, ein schnatten, streichmaasen Calepin (1570) 162, schnatten, striemen von schlägen oder streychen, marque demourant au corps quand on a été blessé. Hulsius (1616) 286b, schnatte, vibex, strieme, streich von schlägen Stieler 1904, schnade, schnate, sfregio, segno di sferzate ò battiture di verghe. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 616c, schnatte 621a, schnatte (die, pro strieme, narbe) vibex Steinbach 2, 472, schnatte, narbe, schmarre Adelung, dort als oberd. bezeichnet und auch heute noch besonders in oberd. mundarten verbreitet: schnate, schnatte, wunde, narbe, auch allgemeiner einschnitt Schm.2 2, 584, schnatte, einschnitt in holz, in fleisch, wunde Schmid 472, strieme Stalder 2, 340, schnatta, schnittwunde Frommanns zeitschr. 4, 2 (Vorarlberg), kärnt. schnâte, f. vorgang des schnâtens, beschneidens, einschnitt Lexer kärnt. wb. 223, daneben schnatte, m. schnittwunde, risz, kerbe Seiler 259b, siebenb.-sächs. mit dort üblichem übergang von a in ue schnuet, f. striemen Kramer 120, schweiz. auch mit anderem suffix schnattwa, f. Bühler Davos 1, 125, schnättwe Stalder 2, 340 (Wallis), in Appenzell schnattera, f. Tobler 393a. man ist geneigt, das wort in etymologischen zusammenhang mit schneiden zu bringen und das a mit annahme ursprünglicher länge, wie sie im kärnt. vorliegt, aus ai zu erklären. Frisch 2, 212a. Adelung. Schm.2 2, 583. Lexer kärnt. wb. 223. der übergang von ai zu â ist allerdings sowol für das bair. als für das allemannische aus sehr alter zeit bezeugt und hat sich heute im ganzen bair. und einem theil des allemannischen gebietes festgesetzt. Weinhold bair. gramm. § 39. allem. gramm. § 34. der wandel des a zu uo im siebenb.-sächs. würde bei einer auffassung als etymologisch unverstandenes lehnwort aus dem oberd. damit zu vereinigen sein. als sicher kann diese herleitung des der heutigen schriftsprache fremden wortes jedoch nicht gelten: swâ diu band hin giengent, daʒ dâ schnatte wurdent. quelle bei Lexer mhd. hdwb. 2, 1025; grife mit Thoma in die schnatten siner fúnf wndon. quelle des 14. jahrh. in der Germ. 18, 69; wird einer mit rutten ausgehauen, das er grosz und tief schnatten gewinnt und das blut under der haut gerinnt, von stund an heisz im lassen. Braunschweig chirurg. (1498) 93b; uff das jn die net an leilachen, oder an dem hembd, nit wee thuoen, und jm nit schnatten im leib machen. Keisersberg seelenpar. 201c; von seinen (Christi) schnatten seind wir geheilet. brösaml. 2, 64; seine (des reichen mannes) hembder waren von scherter und von weichem tuoch, das die netlin nit schnatten in seinen leib schnitten. evang. (1522) 51a; als wan man ein wunden heilet, so bleibt ein schnatten da. 101a; als Beda saget, wan ein ritter umb des gemeinen nutzs willen wund wer worden, und ein bewerter artzt spricht, wöllen ir geheilt sein on zeichen und schnatten oder nit, so sprech er machen mich gesunt mit eim zeichen, das ich es zögen mög, wan ich wil ir eer haben. ebenda; Christus hat sein wunden, nit allein die schnatten, aber die wunden wöllen behalten. 103c; der selb sammeten rock was innwendig gefütert mit fynem wyssen zarten scherter, uff das es jm weych anläg, und jm nit schnatten in die huot truck. postille (1522) 3, 40a; einem schnatten oder blauwe maasen auffschlahen, sunderlich im angesicht, suggillare, indere cicatrices alicui, cicatricare. Maaler 359b; als ich indem obsich sich, drift er mich in das angesicht, das es voller schnatten ward. Fel. Platter 121; dann wie den väldflüchtigen knächten, so man sy nach der flucht widerumb ergriffen hat, die hant mit streichen, ruoten und geiszlen zerschlagen, gantz gefläcket unnd voll schnatten wirt: also sind desz vogels fäderen allenthalben, fürausz auff dem rugken, underscheiden und gmalet. Gesners vogelbuch übersetzt von Heuszlin (1582) 207b; [] mancher der wurd vil schnatten han, ging yedem eebruch sollch plag nach als dann Abymelech geschach. Brant narrensch. 33, 30 Zarncke; dem narren gschicht warlichen recht, der uf sin ars ein ruoten flecht, das im zuom ersten werd der lon, bisz schnatten in sim hindern ston. Murner narrenbeschw. 248 (nr. 87) Gödeke; wil hauwen drin, daszs gibt ein schnatten, dann ich kan schandtwerck seuberlich. tragöd. Johannis R 5. 22) halm, reis, rispe, schnade, f. ein haferhalm oder stengel, oder vielmehr der haferstrausz, chalumeau d'avoine, gambe, ò calamo d' avena. Hulsius (1616) 286b, schnade, et schnate, f. culmus vel calamus avenae, a schneiden, quia quasi in partes et ranunculos discissus cernitur. Stieler 1904; schnade (die, forsan pro schnate) culmus vel calamus avenae. Steinbach 2, 472, schnate, f. surculus 473, schnat, schnate, f. reis Adelung, als schlesisch bezeichnet, bis heute besonders in md. mundarten verbreitet: schnat, f. (mit dumpfem a) junger zweig, kürzlich aufgeschossener keim, pfropfschnat, propfreis, setzreis, setzling Schmidt 201, haber-, roggenschnat 202, schnâde, rispe der grasarten, namentlich des hafers, oberhess. Vilmar 360, westerwäld. neben schnade auch schnare, schnore, haferrispe, haferähre Kehrein 1, 358, siebenb.-sächs. mit übergang von a in ue (vgl. 1) schnuet, jahrestrieb, propfreis Kramer 120. die von Stieler vermutete verwandtschaft mit schneiden nimmt auch Weigand4 2, 614 an, der schnate, schnatte nur im sinne von 'junges reis' aufführt und als ursprüngliche bedeutung 'abgeschnittenes reis' ansetzt. zu dem wandel von ei zu a vgl. 1. doch ist weder der zusammenhang mit schneiden noch mit schnate, schnatte, schmarre zweifellos. ältere schlesische schriftsteller bieten das wort im sinne von 'reis, propfreis': von pfropffreisern oder schnatten. Colerus öconom. (1680) 1, 194a; die besten schnaten verlieren ihre güte, wenn man sie auf einen herben stamm propfet. Lohenstein Armin. 1, 281; der köstlichsten beume gebrochene schnaten, sind weiland dem gärtner im propfen gerahten. Scherffer ged. 143; aus schnaten werden bäume. Günther 502; dein stamm-baum schlage täglich aus, bis einst die nach-welt schnaten bricht, und um der enckel kronen flicht. 952: die nympfen sammelten die theuren ambra-tropffen, sie brachen hier und dar die besten schnaten ab. 1069. bildlich, wie 'sprosz, kind': räume nur dem neuen gaste einen gipffel von dem aste deines stamm-baums willig ein. denn der erstling deiner schnaten, kan der Phoebus glücklich rathen, wird ein Alexander sein. 1047. 33) schnat, schnate, f. grenze Adelung, als in Ober- und Niederdeutschland sehr verbreitet bezeichnet, bei Schm.2 2, 585 als nebenform zu schnait erwähnt, anscheinend aber besonders auf nd. und md. sprachgebiet üblich: mnd. ist bezeugt de snaeth, nom. und den snaeth, acc. sing. Schiller-Lübben 4, 269b, nnd. snaat Strodtmann 218. brem. wb. 4, 883. 891, snâd, durch den wald gehauener durchgang, grenze der hauung Schambach 198b, snd, grenze, gehauene schlucht, linie Woeste 245a, in Lippe schnât, schneôt, f. grenze Frommanns zeitschr. 6, 480, an der Oberweser und Diemel schnât, f. grenze, soll auch gebraucht werden für schnur (meszschnur, womit die grenze abgemessen wird) Vilmar 361: die snaat beteen, die grenze beziehen Strodtmann 218; die schnait, schnat begehen, die grenze Adelung. schnat als flurname scheint hierher zu gehören Schmidt 202. Schmid 473. Höfer 3, 104. vergl. auch heimschnat oben theil 4, 2, 581, dessen dort aus Mösers osnabr. geschichte angeführte erklärung nicht mit der Adelungs als 'grenze einer dorfflur' übereinstimmt. snaat, snede hat nach J. Grimm kl. schr. 2, 36 'sichtbar den begriff des einschnittes, sei dadurch ein zeichen in stein, baum oder blosz in den erdboden bewirkt worden'. die annahme einer verwandtschaft mit schneiden, die wie Adelung auch Weigand4 2, 614 bietet, hat auch bei niederd. lautstande schwierigkeiten. vgl. 1 und 2, deren verhältnis zu schnat, schnate, grenze bei dem fehlen einer sicheren etymologie nicht festzustellen ist. der gebrauch im sinne von 'linie, strich, masz' hängt augenscheinlich eng mit der bedeutung 'grenze' zusammen: 't mott timmert sin nà mt un snd. quelle bei Woeste 245b. vgl. auch Schiller-Lübben 4, 269a. 44) schnate quoque alià dialecto schnende dicitur, et idem [] est quod schneisze, avium captura. Stieler 1804, schneide, schnaide, vulg. schnaat, in sächsischen und benachbarten gegenden, aucupitum in fructicibus, in kleinen bögen an den bäumen mit schlingen oder donen, sprengeln, lauff-schlingen auf der erden, u. d. g. Frisch 2, 214b. Schmeller 2, 585. vgl.schnede, schneise, durch den dichten mittel- und niederwald gehauener weg, der im hess. früher, als dort noch der fang von krammetsvögeln betrieben wurde, zum aufhängen der sprenkel, dohnen diente. Vilmar 361, wonach sich ein zusammenhang mit 3 denken läszt. 55) nd. snd, snëd, snöæd, der hölzerne stiel, der in das eisen des sîd hineingesteckt wird, sensenstiel, ags. snæd, falcis ansa, engl. sneed Schambach 199, snd Woeste 245a, snât, snâth, snâd, sichelstiel, -griff ten Doornkaat Koolman 3, 240b. 66) westfäl. ist snât auch das von der sense abgehauene, in einer langen bahn liegende gras. 77) ebenda snd weiter 'eingeweide des hasen', vgl. ags. snædel Woeste 245. heranziehen liesze sich geschnattel, abfälle von speisen u. s. w. Schm.2 2, 584, geschnaitel, grob geschnittenes, in saurer brühe gekochtes ingeweide von schlachtthieren Höfer 3, 103. 88) in der gegend von Schweidnitz heiszt schnte, schnôte, schnake, lustige erzählung, wahrscheinlich zu schnattern, schnâdern gehörig Weinhold 87a.
10022 Zeichen · 180 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schnat

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    * Die Schnat , oder Schnate, plur. die -n, ein provinzielles, nur in einigen Gegenden übliches Wort. 1) In Schlesien bed…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schnat

98 Bildungen · 97 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von schnat 2 Komponenten

sch+nat

schnat setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schnat‑ als Erstglied (30 von 97)

Schnatbaum

DRW

schnat·baum

Schnatbaum, m. zur Markierung einer Grenze dienender Baum bdv.: Scheidebaum, Schnedebaum vgl. Schnedeeiche fines signati et distincti sunt l…

Schnater

Wander

schna·ter

Schnater 1. De Schnater steit hum nêt stille. – Kern, 548. Von einem Schwätzer. Schnater steht für Mund. 2. De Snater steît em nich ên Ogenb…

Schnatjagd

DRW

schnat·jagd

Schnatjagd, f. (feierliche) Besichtigung und Feststellung der Grenzen einer Jagdgerechtigkeit, idR. gemeinsam durch die Grenznachbarn die sc…

Schnatkreuz

DRW

schnat·kreuz

Schnatkreuz, n. (in Stein oder Holz) gehauenes Kreuz als Grenzzeichen bdv.: Schnedekreuz eine neuwe geschnittene eikensaule, warauf ein schn…

Schnatmal

DRW

schnat·mal

Schnatmal, n. Schnittnarbe ein schnadtmal auf der backen 1588/92 Beck,DanzigerNehrung 146

Schnatpfahl

DRW

schnat·pfahl

Schnatpfahl, m. Grenzpfahl bdv.: Scheidpfahl snatpal 1560 Schiller-Lübben IV 269 Faksimile ist an der andern seiten der Embse ... bey H. der…

Schnatpfost

DRW

schnat·pfost

Schnatpfost, m. Grenzpfosten hinunter biß auf die Embs, alwoh folgenden tags ein schnadtpost gesetzt worden, weisend durch die Embse 1653 We…

Schnatstein

DRW

schnat·stein

Schnatstein, Schnadstein, m. Stein als Grenzzeichen bdv.: Grenzstein, Scheidestein, Schnedestein daß von der beecke an ... biß jegen die obr…

Schnatsäule

DRW

schnat·säule

Schnatsäule, f. eine Grenzmarkierung bdv.: Scheidsäule die becke entlanges eine geschnittene schnaetsaul gefunden, so noch guet, anno 1656 d…

schnattbaum

DWB

schnatt·baum

schnattbaum , m. grenzbaum, grenzpfahl: wenn einer einen schnatbaum abhauet, wie hoch derselbe solle gestrafet werden? weisth. 3, 285, 24; d…

schnattchern

PfWB

schnattchern schw. : = PfWB schnattern 1, schnattchere (šnadχərə) [ KU-Wolfst ]. — Intensivableitung auf -chern zu PfWB schnattern ; vgl. Pf…

Schnatte

Campe

sch·natte

† Die Schnatte , Mz. — n , in manchen O. D. Gegenden, ein Schnitt, eine Wunde. »Durch welches Schnatten jr sind (seid) gesund worden,« Schwe…

schnattelarbeit

DWB

schnattelarbeit , f. bergmännisch gewinnungsarbeit mittelst eisernen werkzeugs, schlägel-, eisenarbeit Veith 424 . vgl. DWB schnatten , verb…

schnatten

DWB

schnat·ten

schnatten , verb. scindere, bei Butschky bezeugt im compositum einschnatten, s. dieses oben theil 3, 282. kärnt. heiszt tâsún schnâtún mit d…

schnatter

DWB

schnat·ter

schnatter , m. f. , zu schnattern gehörig. 1 1) im sinne von 3 1@a a) als m. geschwätz, vgl. mndl. snater, garrulitas, loquacitas inepta Kil…

Schnatteränte

Adelung

Die Schnatteränte , plur. die -n, S. Adelung Schnarränte .

Schnatterbretlein

Wander

schnatter·bretlein

Schnatterbretlein A îs ofs Schnoat'rbrâtla kumma. ( Oesterr.-Schles. ) Peter, I, 446 u. 452. Er hat zu Ende gewirthschaftet, es ist bald aus…

schnatterbrettlein

DWB

schnatterbrettlein , n. in östreich.-schles. redensart: a îs ofs schnoat'r-brâtla kumma, er hat zu ende gewirtschaftet, es ist bald aus mit …

schnatterbüchse

DWB

schnatter·buechse

schnatterbüchse , f. plappermaul, schwatzhafte person; besonders oberd., schnatterbüchsen Schm. 2 2, 584, schnatterbüchs' Schöpf 638 , schna…

Schnatterchirseⁿ

Idiotikon

Schnatterchirseⁿ Band 3, Spalte 482 Schnatterchirseⁿ 3,482 u.

schnatterei

DWB

schnatte·rei

schnatterei , f. zu schnattern, im sinne von 3: mhd. snaterîe, geschwätz Lexer mhd. handwb. 2, 1026 , schnatterey, schnatterung, das schnatt…

schnatteren

ElsWB

schnat·teren

PfWB LothWB RhWB schnattere n , schnatere n [nàtərə Roppenzw. Sier. Ensish. Geberschw. Logelnh. M. Str. Ndrröd. Wh. Dehli. ; nàtrə Su. Co.…

schnatterente

DWB

schnatte·rente

schnatterente , f. schnatternde ente, besonders als bezeichnung einer entenart, die stärker schnattert als die gemeine ente, die schnarrente…

schnat als Zweitglied (1 von 1)

heimschnat

DWB

heim·schnat

heimschnat , f. : heimschnat ist insgemein in der gemeinen mark ein strich, welcher zwar zur viehweide allen genossen offen ist, zum plaggen…