schmählich,
adj. beschimpfend, entehrend, verächtlich, mhd. smæhelîch, smæhlîch, smâchlîch
mhd. wb. 2, 2, 420
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 998,
ahd. smâhlîch Graff 6, 821,
mnd. smalich Schiller-Lübben 4, 258
a,
im älteren nhd. noch schmächlich
oder schmechlich: man helt bei uns nindert die juden so smêchlich, als wir domals veracht sind gewesen. Aventinus
chron. 1, 814, 12; so ainer dem andern in ainem zorn schmächlich zueredt.
tirol. weisth. 4, 703, 29; es ist gar schmächlich allen priestern in wollust, fressen, sauffen unnd unkeusch zuo leben. Franck
chron. (1531) 384
a; schmächlich,
probrosus Maaler 357
c (
noch Kramer
im teutsch-ital. dict. schreibt schmächlich,
wol aus theoretischen gründen, neben schmählich).
ohne umlaut: spottlich und smahlich. Maximilian
an kurfürst Friedrich von Sachsen (1518).
mit verdunklung des stammvocals: als ob der inen was schmolich.
Zimm. chron.2 4, 198, 4; -lichen
entstellt zu -ling (
vgl. gramm. 2, 356): kein todt kan tugentliche sachn, wie schmelich er ist, schäntlich machn, aber die unschult erhebt sich und macht ein schmeling todt ehrlich. Ayrer 494, 11
Keller. Hulsius
diction. (1616) 285
b schreibt schmälich,
ebenso Schottel 1403, schmähelich Stieler 1860. 11)
im ahd. glossiert smâhlîh
vilis, entsprechend der alten bedeutung des adj. smâhi,
gering, klein (Graff 6, 821);
social niedrig stehend: sy were ym czu der ee czu smAelich.
altd. bl. 1, 304;
von kümmerlicher, ärmlicher lebenshaltung, doch zugleich mit dem nebensinne des schimpflichen: lebten etliche tage in schmähliger armuth. Schweinichen 2, 50; von dem mitleiden der armen kümmerlich und schmählich leben. Klinger 7, 244; sich schmählich behelfen,
ärmlich; eine schmähliche mahlzeit,
karge mahlzeit Adelung. 22)
schmach zufügend, erniedrigend, zur schmach gereichend, schimpflich; in älterer sprache im sinne von '
schmähend, verachtend',
besonders in beziehung auf worte, haltung, geberde, adj. und adv.: schmähliche verspottung,
insultatio Dasyp.; schmächlich, mit schmaachworten,
maledice, contumeliose, schmächlich oder lasterlich einem zuoreden, einem schmächlicher weysz etwas fürwärffen Maaler 357
c; schmähig, schmälig,
injuriosus Schottel 1403; schmäheliche,
et schmähafte briefe,
literae dentatae, aculeatae; schmäheliche worte,
verba acerba contumeliosa Stieler 1861; und alsô ist einem menschen etwenne swêrer ze vertragen ein kleineʒ smêhelîcheʒ wort.
myst. 2, 563, 2; wanneer wij wijslike bidden, so en sal unse leve here uns nyne smelike antworde gheven. J. Veghe 69, 17
Jostes; darumb nennet sie Ezechias auch schmelich nehystan. Luther 3, 528
a; bey euwerem leib nicht, juncker, sagt der abt, redet also schmehlich auff die heiligen väter. Kirchhof
wendunm. 1, 488
Österley; nichts schmählichs, paszquillisch, oder andere weise, wie das namen haben möchte. Schuppius 674; und antworte ime smêlîche unde frevilîche. Lamprecht
Alexander 488 (
Straszb. handschr.); sie sehent smâhlîche dar und nement sîn ungerne war.
Barl. u. Jos. 126, 15; pennyg du bist ein vientlich man! siech, wer dich nit gehaben kan, den siet man smelichen an wo er steit bi den rîchen. Muskatblüt 94, 23; das mul würfft er uff schmehelich, als ob er sprech: 'kenstu mich nicht?' Murner
narrenbeschw. 12, 29, das ir üch so schmehelich (
hochmütig) machen und schamendt üch der armen gemein. 44, 74.
nd. se sut smelik uut,
wirft einen stolzen, verachtenden blick herab. brem. wb. 4, 854; etwas schmählich aufnehmen,
mit verachtung, verächtlich aufnehmen: da nam die äptissin die botschaft gar schmälichen auf und gedacht ir, es wär ein trugenheit.
heiligenleb. (1472) 184
b.
diese bedeutung ist dem entwickelten nhd. fremd, hier wird schmählich
gebraucht als zur schmach gereichend, beschimpfend, entehrend; so erscheint schmählich
auch schon in älterer sprache, übergang von der ersten bedeutung her findet statt in wendungen wie einen schmählich behandeln, aus dem lande treiben, schlagen, tödten
u. ähnl. in älterer sprache waltet hier noch die active bedeutung des zufügens der schmach, in neuerer die des erleidens: wie die von Troeye
[] hetten die kunigin Helene geroubet und us dem lande smehelich gefürt.
d. städtechron. 8, 289, 21; das er den keiser Cajum on schuld schmächlich liesz an ein creuz schmiden.
Valer. Max. übers. von H. von Müglin (1489) 124
b; (
sie) haben mich schmehlich auff meine backen geschlagen.
Hiob 16, 10; (
sie) werden ... gantz schmehlich, und wie die hund, gehalten. Kirchhof
wendunm. 1, 47
Österley; schmählich halten,
verachten: jetzo werden sie (
die handwerke) von vielen schmählich gehalten, als wären sie unsauber. Schuppius 737; jemanden schmählich halten,
auf eine kränkende, verächtliche weise. Adelung; sô hieʒet ir si banden und smæchlichen handeln. Ottokar
reimchr. 14623; dasz ir euwer got getodet hot so smelich.
Alsfelder passionssp. 6333;
nd. unde hadden se gans smêlîken.
nd. passional (
s. vruwenlof. van Sunte Marinen herausg. von Schröder 15, 50).
zur ausbildung der bedeutung '
zur schmach gereichend, schimpflich, entehrend'
vgl.: es ist jm schmächlich unnd auffhablich,
criminosum hoc ei est Maaler 357
c; einen schmälichen tod anthun. Hulsius
dict. (1616) 285
b; schmählich sterben,
probrosa morte perire Steinbach 2, 456; schmähliche feigheit. Logau 2, 93, 79; mit gefahr eines schmächlichen todts.
Simpl. 4, 342, 7
Kurz; so hätte ich doch versichert seyn können, nicht so schmählich zu sterben.
Felsenb. 1, 84; dessen niedere abkunfft, hoher stand, muthwilliges leben, und schmähliger tod eben recht notabel und merkwürdig waren.
Plesse 3, 267;
gemildert: indem ihr mein tagebuch ... von seinem schmählichen untergange rettet. Thümmel
reise 5 (1794), 145; stampft eine kleine welt in ein schmähliches grab. Göthe 16, 76; Pentheus behandelt nun daher die vom Bacchus als chor eingeführten lydischen frauen auf das schmählichste. 46, 59; aus der versammlung gestäupt mit schmählichen geiszelhieben. Voss
Ilias 2, 264; der donnerfrohe Kronion schreckte zu schmählicher flucht die unsrigen.
Odyssee 14, 269; ein schmählich denkmal der gefallnen grösze. Schiller
Wallenst. tod 3, 11; so hoch er stand, so tief und schmählich sey sein sturz.
Maria Stuart 4, 5; käm' er los, wir würden es alle gar schmählich empfinden. Göthe 40, 65; vollende faust! und rettung schmählich hinke nach. 395; soll ich heiliges vertreten gegen schmählichen verdacht? Müllner
die schuld 2, 4. 33)
bemerkenswert ist die abschwächung, die das wort im gebrauche der neuern sprache erfährt: dem höchst verdrieszlichen mann, dem sein vergnügen so schmählich vereitelt worden. Göthe 26, 20 (
in so ärgerlicher weise, ähnlich wie garstig);
dann aber lediglich verstärkend (
als adv.)
oder als adj. im sinne von grosz, heftig, zunächst, wo ein geringerer grad erwünschter wäre, weiterhin aber ganz allgemein: es ist schmählich kalt, eine schmähliche hitze; schmählich grosz Adelung; das kostet ein schmähliches geld; er hat schmählich viel geld; das war ein schmähliches vergnü
gen. Frischbier 2, 293
b; das ist in diesem jahre ein schmähliges korn,
der roggen ist gut geraten (
zugleich bedeutet in Ostpreuszen schmêliges korn
solches, das viel mit schmêle,
unkraut, durchsetzt ist)
ebenda; du hast dich aber schmählich geputzt. Albrecht 203
a;
vgl. Danneil 197
a.
nd. korrespondenzbl. 13, 85
b.