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schlummer

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlummer m.

Bd. 15, Sp. 813
schlummer, m. sopor, zu schlummern gehöriges substantiv, wie dieses erst im späteren mhd. belegt. mhd. slummer, engl. slumber, n. schwed. slummer, vgl. dazu ags. sluma Bosworth-Toller 886a. der plural ist selten, nur in dichterischer sprache belegt: warum decket der schmerz mit mitternächtlichem flügel dann mein haupt, und begräbt mich hinab in die schlummer des todes? Klopstock Mess. 4, 800; also sprach sie, und sank in tiefere schlummer. 12, 474; die, wie Homers Nepenth, der sorgen angedenken in sanfte schlummer hüllt. Wieland moral. briefe 7, 196; da, wo die schlummer nie dem neid der sorgen weichen. 7, 216. bedeutung. 11) das nur in gehobener sprache gebräuchliche wort bezeichnet gewöhnlich einen leisen, sanften schlaf, auch den beginn desselben: schlummer, somnus levis, somni initium Frisch 2, 202b. demgemäsz wird es mit entsprechenden beiwörtern versehen: erster schlummer, zugleich als zeitbestimmung: dô wart in der selbin nacht wol in dem êrstin slummere ein sô grûwlich gedummere vornumin obin in der luft. Nicl. v. Jeroschin 24780. sanfter schlummer: sanfter schlummer labe dich in meinem arm. Stolberg 1, 407; und du mein rosenhag, wo in der kindheit tagen mich sanfter schlummer oft beschlich. Geibel 8, 69. leichter schlummer: diese (die jungfrau) meint im leichten schlummer, immer höre sie die lehre von der erde, von dem himmel. Mörike (1889) 1, 183; Klärchen weckt den vetter schleunig, der im leichten schlummer nickt. Lenau 2, 19 Koch. aber auch tiefer, fester schlummer: vielleicht behalte ich dann noch sein liebenswürdiges bild mitten in meinem tiefen schlummer vor augen. Weisze trauersp. 4, 193; Eduard im tiefsten schlummer warf sich auf Ottiliens schwelle, die er mit seinen thränen benetzte. Göthe 17, 388; denn mein herz ist liebevoll selbst im tiefsten schlummer. Götting. musenalm. 1777, 112; oder es (das glück) kam in nächten tief da ich festen schlummer schlief, und ist vorübergezogen. Geibel 2, 29. dichterisch wird auch der tod als tiefer schlummer bezeichnet, vgl. unter 3. der schlummer ist erquickend, süsz, lieblich, hold: wie ist euch? ihr schlieft einen erquikenden schlummer. Schiller 2, 65 (räuber 2, 2 schauspiel); alles wiegt die stille nacht tief in süszen schlummer. Körner 165 Streckfusz; sie athmet in lieblichem schlummer und es durchglühet ihr hauch mir bis ins tiefste die brust. Göthe 1, 266; und beim ersten morgenschimmer reizt mich aus dem holden schlummer die geschäftig frühe fliege. 2, 101. aber auch bang, trüglich, stöhnend: weil sie (Ariadne) eben anjetzt aus trüglichem schlummer erwachend ach die arme! verlassen am einsamen strande sich findet. Voss Ovids verwandl. (1828) 2, 352, 56; 'was will das fürchterliche bild?' so fährt sie auf vom bangen schlummer. Tiedge (1841) 2, 34; die stirne netzt unschuldiger schlaftau ihr und die brennenden glieder drängen die decke zurück im stöhnenden schlummer. Mörike 1, 387. dem schlummer gibt man sich gern, willig hin: und als er im willigen schlummer so lag, bewegt es sich unter dem bette. Göthe 1, 196. aber auch in allgemeinem gebrauche gleichbedeutend mit schlaf: dein edles hertz, betrübtes haupt! fühlt ja auch mehr als einen kummer, du wirst verschwärtzt, gedrängt, beraubt und hast mehr ärgernisz als schlummer. Günther 160; disz mein unaufhörlich kräncken läst mir keinen schlummer zu. 181; nimm ihr nicht der tage frieden, und der nächte schlummer nicht. Gotter 1, 13; hast du eine mutter gesehn, wenn sie schlummer dem kinde kauft mit dem eigenen schlaf? Schiller 11, 71; wie schlaf wird auch schlummer mit sinnverwandten ausdrücken verbunden: ihr seyd zeugen, ihr sterne! ihr habt mich so oft in der todenstille der nacht beym klaviere belauscht, wenn alles um mich begraben lag in schatten und schlummer. Schiller räuber 1, 3 schauspiel; aufgeschreckt staun' ich fremden entzückungen lang', und möchte sofort schlummer und traum erneun! Voss ged. 3, 57; dort ist mühsal, drang, verfolgung, noth und kummer, hier ist frieden, eintracht, stille, ruh' und schlummer. Rückert (1882) 7, 76. auch schlaf und schlummer Göthe 2, 128, vgl. den beleg weiter unten. schlummer und traum: zur mitternachtstunde lasz schlummer und traum. Bürger 33a. es heiszt einen schlummer schlafen. Schiller 2, 65; in schlummer sinken, liegen: vom zauber überwältigt sanken sie zurück in tiefen schlummer. Geibel 2, 188; wo mein haupt im schlummer lieget, wird dein bildnis hängen. Rückert (1882) 1, 604; wo der freund auf seiner schütte noch in tiefem schlummer lag. Geibel 2, 77; übertragen: schon liegt die welt in allgemeinem schlummer. teutsch. Merkur (1774) 6, 24; selten schlummers liegen: da lag ich einsamen schlummers fern in dem lande, wo jo klinget zugleich mit dem ja. Arndt (1860) 174. in schlummer gehüllt sein: in schlummer gehüllt war jedes gesicht. Bürger 33b. in schlummer singen, bildlich: der adel ist schwürig. des pöbels herzen sind mein. die tyrannen hab' ich in schlummer gesungen. Schiller Fiesko 2, 18; der schmeichler richtet euch zu grunde, wenn er den schmerz in schlummer singt. Lenau 2, 254 Koch. in schlummer wiegen: sie (die kindheit) gleichet wohl dem süszen mai, liebt süsze gesänge und kein geschrei, mag still schauend in blumen liegen und läszt sich spielend in schlummer wiegen. Arndt (1860) 55. aus dem oder vom schlummer erwachen: erwache aus dem schlummer, der dich drückt und lobe deinen gott. Hölty 120 Halm. vom schlummer auffahren: bis aus dem schlummer fährt empor der mann, der's vaterland verlor. Lenau 1, 26 Koch; doch kaum fuhr er vom schlummer auf, hat er den traum versungen. 1, 144. jemanden aus dem schlummer reizen, ihn aufwecken Göthe 2, 101 (vgl. oben); aus dem schlummer rütteln: hat euch die geschichte nicht aus dem schlummer gerüttelt. Schiller räub. 4, 5; aus dem schlummer stören: diesen wurm aus seinem schlummer stören müssen! Schiller dom Karlos 2, 13. sich vom schlummer aufraffen: wenn du dann mit neuer kraft dich vom schlummer aufgerafft. Rückert ged. (1841) 13. oft wird der schlummer persönlich gefaszt: ich schlief wie du. jetzt meidet mich der schlummer. Gotter 1, 175; schwebe nieder, holder schlummer, himmlisch wie die lieb' und mild. Tiedge (1841) 2, 153; erquickt nun bin ich aufgewacht, mich hat der schlummer diese nacht mit balsamhauch gesegnet. Rückert (1841) 613; der schlummer sinkt aus nachtgeschwärzten lüften und seinen mohnsaft trinkt die schöpfung nun. Rückert (1882) 5, 82; Pan, der hirte, spielt und säuselnd geht der schlummer durch die haine. 5, 245; und dem schlummer, dem lieblichen kinde, leise und linde flüstert sie zu. Grillparzer 1, 11; legst den schlummer ihm an die seite, und der knabe lächelt und — schläft. 2, 58 sprach er nicht, als er mir's gab, dasz in dieser kleinen wiege schlummernd drin der schlummer liege? ach, der schlummer! ja, der schlummer. 3, 111. schlummer und schlaf werden vom dichter als zwei brüder gedacht: schlummer und schlaf, zwey brüder, zum dienste der götter berufen bat sich Prometheus herab seinem geschlechte zum trost, aber den göttern so leicht, doch schwer zu ertragen den menschen, ward nun ihr schlummer uns schlaf, ward nun ihr schlaf uns zum tod. Göthe 2, 128. 22) übertragen finden wir schlummer der sinne, des geistes, der seele: er (der mensch) kommt zu sich aus seinem sinnlichen schlummer, erkennt sich als mensch, blickt um sich her, und findet sich — in dem staate. Schiller 10, 279; in welche (ästhetik) die vernunft von selbst und zwar unvermeidlich geräth, und dadurch .. vor dem schlummer einer eingebildeten überzeugung .. verwahrt .. wird. Kant 2, 331; des kalten gleichsinns eckler schlummer ist unvergnügter tausendmal. Haller 83 Hirzel; auf! sprenge dieses schlummers bande, der deinen geist gefesselt hält. Gotter 1, 223; der seele, die im schlummer lag, liebkostest du und flohest als sie aufgewacht; o fleuch uns nicht! Rückert (1882) 5, 227. schlummer der elemente, der winde und wellen: in schlummer sinken die wellen und winde, und über den wassern ist tiefe stille. Lenau 1, 263 Koch; aus dem schlummer weck' den ostwind, sein gefieder mache neu! Rückert (1882) 5, 204. 33) der tod wird als schlummer bezeichnet: ein besseres leben nimmt euch auf, habt ihr des todes schlummer geschlummert. Klopstock Mess. 11, 106; stumm und taub ists in dem engen hause, tief der schlummer der begrabenen. Schiller 1, 180. der todesschlummer ist tief und eisern: und ihren (der toten) schlummer, tief und eisern, bricht der morgenglocke klang, der vögel chor, im dumpfen schoosz der düstern wohnung nicht. Matthisson 2, 203; also sank er daselbst und schlief den ehernen schlummer. Voss Ilias 11, 241; so schlummert er den tiefen schlummer. Uhland (1864) 244. der tod heiszt auch der letzte oder ewige schlummer: was hätt ich euch für müh und kummer villeicht auf erden noch gemacht, wofern mich nicht der letzte schlummer so zeitig in die ruh gebracht. Günther 231; die (die küsse) sie (die enkelin) dem kalten hügel opfert, wo ich den ewigen schlummer schlafe. Hölty 107 Halm; da kam die ruh', und drückte zu dem letzten schlummer sein thränenmüdes auge zu. Tiedge (1841) 10, 148. auch der todesschlummer ist süsz, erquickend: wenn sink' auch ich im süszen schlummer des blumentodes still dahin? teutscher Merkur (1774) 6, 9; früh ermüdet von dem kummer dieser wallfahrt, schlief sie ein; süsz erquickend müss' ihr schlummer, heiter ihr erwachen seyn. Gotter 1, 105; schläft man etwan einen süszern schlummer unter ehrensäulen, als der landmann unter seinem rasen? Hölty 50 Halm. mit persönlicher auffassung des todes: deckte dir der lange schlummer, dir der tod die augen zu. Schiller 11, 207. 44) im folgenden ist schlummer soviel wie müdigkeit: die augen fallen ihr aus schaam und schlummer zu. Günther 453; dieser bedeutung nähert es sich auch in der wendung sich den schlummer aus den augen reiben oder streuen: wie schnell bin ich zum grusz bereit, indes sie (Jorinde) sich nur erst geschwinde den schlummer aus den augen streut. Mörike 1, 28. 55) in kühner wendung: bis heut zu ehren deiner braut ich ihnen süszen schlummer bräute. Rückert (1882) 11, 403.
10128 Zeichen · 136 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlummer

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Schlummer , des -s, plur. car. ein leiser, leichter Schlaf, wobey die Seele sich der Dinge außer sich noch dunkel be…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schlummer

    Goethe-Wörterbuch

    Schlummer pl 41 1 ,405 Var ; öfter in poet Sprachduktus 1 Schlaf; mehrf im Hinblick auf Erholsamkeit, öfter attribuiert,…

  3. modern
    Dialekt
    Schlummerm.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Schlummer m. : ' (leichter) Schlaf, Halbschlaf ', Schlummeʳ (šluməʳ) [LU-Opp, mancherorts, Lambert Penns 135 Krämer Gal …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlummer

104 Bildungen · 103 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von schlummer

schlumm + -er

schlummer leitet sich vom Lemma schlumm ab mit Suffix -er.

Zerlegung von schlummer 2 Komponenten

sch+lummer

schlummer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlummer‑ als Erstglied (30 von 103)

schlummerathmen

DWB

schlumm·erathmen

schlummerathmen , n. das athmen im schlummer: und als ich nun lauschend mit dem ohr mich neigte, hört' ich wirklich aus dem fenster unter mi…

schlummerbalg

DWB

schlummer·balg

schlummerbalg , m. scheltwort für einen menschen, der fortwährend schläft: ich kann doch den schlummerbalg nicht immer im hause behalten und…

schlummerbaum

DWB

schlummer·baum

schlummerbaum , m. baum, auf dem die vögel des nachts schlummern: dort auf ihrem schlummerbaum sangen vöglein abendsang. Lenau 1, 177 Koch.

schlummerbecher

DWB

schlummer·becher

schlummerbecher , m. becher mit einem schlummertrunk, bildlich: gieb mir, tod! den schlummerbecher! Göckingk lied. zweier lieb. (1779) 138 .

schlummerbetäubt

DWB

schlummer·betaeubt

schlummerbetäubt , adj. vom schlummer überwältigt: neidisch sah der barbar; und um selbst urheber so groszer milde zu sein, empfängt er den …

schlummerbetäubung

DWB

schlummer·betaeubung

schlummerbetäubung , f. , subst. zu dem vorigen: gleich als hätt' ich der Lethe getränk voll schlummerbetäubung mit heiszer kehl' hinabgesch…

schlummerbinde

DWB

schlummer·binde

schlummerbinde , f. : fühl' ich nicht wie ihre ( der nacht ) schlummerbinde mich umhüllet, wie mit mutterhänden sie mein fallend augenlied m…

schlummerblume

DWB

schlummer·blume

schlummerblume , f. : blos um eure stirnen blühet er ( der epische kranz ) ohne welkende schlummerblumen. Herder 24, 289 Suphan.

schlummerbringer

DWB

schlummer·bringer

schlummerbringer , m. : doch auch den ring — thut erst der schlummerbringer das seinige, so ziehst du ihn vom finger. Kind ged. 3, 146 .

schlummerchen

DWB

schlumm·erchen

schlummerchen , n. , demin. zu schlummer: auch mich von so vielen übeln abgemattet, hatte jetzt ein kleines schlummerchen angewandelt. Heins…

schlummerdecke

DWB

schlumm·erdecke

schlummerdecke , f. decke, die beim schlummer gebraucht wird: an Clara (im namen einer freundin, mit einer schlummerdecke). Geibel 2, 114 . …

schlummerduft

DWB

schlummer·duft

schlummerduft , m. duft, der zum schlummer reizt: ein unsichtbarer regen von schlummerdüften stärkt der schönen dulderin matt schlagend herz…

schlummerdunst

DWB

schlummer·dunst

schlummerdunst , m. dunst, der einschläfert: sehr weislich rafft demnach mein fräulein sich zusammen, legt ihre schwere last von schlummerdü…

schlummerechtig

DWB

schlumme·rechtig

schlummerechtig , adj. wie schlummerig, schlaff, vergl. mnld. sluymerachtigh, somniculosus, somnolosus Kilian : die blätter sind etwas breit…

schlummerer

DWB

schlumm·erer

schlummerer , m. dormitator Steinbach 2, 454 : verlangt daher, dasz schlummerer, sobald er erwache, mit ihm in schritt ab- und nach der Laus…

schlummerfeld

DWB

schlummer·feld

schlummerfeld , n. feld, auf dem man schlummert. übertragen, gräberfeld: weh! dieses dumpfe schlummerfeld ist schlimmer viel als todtenbahre…

schlummerglocke

DWB

schlummer·glocke

schlummerglocke , f. glocke, welche die zeit des schlummers anzeigt. bildlich: eh auf den ruf der dunkeln Hekate der hornbeschwingte käfer, …

schlummergott

DWB

schlummer·gott

schlummergott , m. gott des schlummers: das ist süszer, als der kette, süszer als der geierpein an Prometheus rauhem stein, in des schlummer…

schlummergrab

DWB

schlummer·grab

schlummergrab , n. grab, in dem die toten schlummern, übertragen: und auf das schlummergrab entschlaffner wünsche stiegen die träume still h…

schlummergruft

DWB

schlummer·gruft

schlummergruft , f. wie schlummergrab: schwebt herab aus kühlen lüften, schwebet aus den schlummergrüften, helden der vergangenheit! Hölderl…

schlummerhalle

DWB

schlummer·halle

schlummerhalle , f. dichterisch für ein gruftgewölbe: ach, die hier in fröhlichkeit treuer liebe bund geweiht, drunten in der schlummerhalle…

schlummerhauch

DWB

schlummer·hauch

schlummerhauch , m. hauch, der zum einschlummern reizt: oft wenn der freund zu blöde war beim wachen, weht' ich die freundin an mit schlumme…

Ableitungen von schlummer (1 von 1)