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schlucker

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlucker m.

Bd. 15, Sp. 803
schlucker, m. , zum verb. schlucken gebildet wie schlaucher (s. dieses sp. 509) nd. slûker zu dem verwandten schlauchen, nd. slûken; nld. slocker, helluo Kilian, zu slocken, schlucken. 11) zunächst in der jetzt verschollenen bedeutung von schlemmer, prasser, vielfrasz, säufer: schlucker, fraasz, schlemmer, gluto, bibax, compotor Maaler 357a; schlukker, gulo, helluo Schottel 1402; gluto, schlucker, groszer fresser Corvinus fons lat. (1660); ein schlucker, im schimpf, comedo, gulo Frisch 2, 202a. leicht entwickelt sich die bedeutung von schmarotzer, parasit, die z. b. Stieler 1831 verzeichnet; ebenso: schlucker, gulo, nepos Steinbach 2, 453; thut busz, ehe denn mit seinem pfeil der schrecklich todt euch ubereil, und ewre seel in einem nu, zum reichen schlucker führen thu. Ringwaldt treue Eckart M 2b; Hansz Fratz, ein schlucker und zechbruder, der stehts gelegen in dem luder. Weckherlin 825; ein schlucker, ein naschbruder. Comenius sprachenthür 820 (übers. von Docemius). ebenso nd. slukker, fresser, schmarotzer brem. wb. 4, 846. Dähnert 432a. Mi 81a. 22) eine zeit, die die freuden der tafel und des bechers mit derber sinnlichkeit zu würdigen verstand, muszte den sinn von schlucker mildern, sodasz sich unter umständen gar kein tadelnder begriff mehr mit dem worte verbindet; denselben vorgang beobachten wir bei schlemmer, vgl. sp. 627; besonders wird in älterer sprache der ehrliche und eifrige trinker ein guter schlucker genannt. diese milderung tritt besonders in der wendung guter schlucker hervor. zwar kann auch ein schärferer sinn sich zeigen: es ist ein guoter schlucker, es ist jm acker und wiesen durch den bauch gefaren. Franck sprichw. 2, 48b; gute fresser, gute schlucker, Venuskinder, ... spötter, verächter, und verfolger des wort gottes. Mathesius Sar. 9b, vergl. Schmeller 2, 506. gewöhnlich aber in milderem sinne mit heiterem klange: der guot schlucker meinet, die glock wer jetzund schon halb gegossen. Wickram rollw. 75 Kurz; es waren aber etlich guote schlucker, die sich desz stegenreifs dazuomal ernarten. 54; lieben gesellen, wölt ir darvon? nempt mich guotten schlucker auch mit. Lindener schwankb. 101 Lichtenstein; ihr meine schlampampische gute schlucker, kurtzweilige stall unnd tafelbrüder. Fischart Garg. 17a; der säuffer unnd guten schlucker pfingstag. 83a; o der guten schlucker: o der durstprünstigen kunden. 102a; darzuo die guoten gulden rot, die hulfen dem guoten schlucker ausz aller not. Uhland volksl.2 289; ach mein herr, seit mir nicht so resz! ich bin jo auch ein guter schlucker. H. Sachs fastn. sp. 3, 127, 97 neudruck; dann er ein guoter schlucker ist, dem nimmer küler wein gebrist. Grobian. 49 neudruck; sprich, guoter schlucker der ist hausz. 1837; ich bin der gott Bacchus genannt, den guten schluckern wohlbekannt. wunderhorn 1, 482 Boxberger; der guten schlucker, fressig hauff, ein lehr wil ich euch geben. Kirchhof wendunm. 1, 236 Österley; und schmeckt ihm weder bier noch wein wenns schon vermenget wern mit zucker, er hab denn bei sîch gute schlucker. Pape Christiani hominis sors et fortuna (1617) 4a. in gleichem sinne durstiger schlucker: auff das ihm die durstige schlucker nicht drein fülen. Fischart Garg. 55b. ehrlicher schlucker: in Cölnerhoff seind ehrlich schlucker, die Weiszen Schmidtmar Welserischen. Schmelzl lobspruch 88. lieber schlucker: mein lieber schlucker dasselb thu. H. Sachs 2 (1570), 4, 82c. mit völlig verblaszter bedeutung: er ist ein guter schlucker, satis tractabilis est Stieler 1831. leicht erhält die verbindung guter schlucker dann einen mitleidig - verächtlichen nebensinn: es scheinet die guten schlucker können keine als die letzte (komödie). A. Gryphius 1, 727; hahaha! guter schlucker, mit spek fangt man mäuse. Schiller räuber 2, 3 schausp. seltener sind die fälle, in denen zugleich ein zusammenhang mit der ursprünglichen bedeutung von schlucker fühlbar wird, indem sich mit dem jüngeren begriff des wortes die vorstellung eines begehrlichen menschen verbindet: Eurylas sasz in seiner grandezze und asz quitten; der gute schlucker gegenüber verwandte kein auge von ihm, und hatte gröszere lust als eine schwangere frau. Weise erzn. 121 neudruck (dieselbe person wird kurz vorher ein vernaschter kerl und etwas weiter unten ein armer schlucker genannt); wenn er, der henker weisz was als? gelösz't hat, schmekts meinem guten schluker freilich, einmal auf süsz wasser zu graben. Schiller kab. u. liebe 1, 1; so reiszt hernach das starcke bier tisch, bäncke, krug und ofen nieder, und schreyt: auf! bruder, auf! ein weib, ein reiches weib bringt alles wieder. verspitzt' euch nur ihr guten schlucker! wir sind nicht eben alle tumm. Günther 433; der gute schlucker suchte hier ein pflaster für den leeren magen. Lichtwer (1828) 12. in entsprechender weise verläuft die bedeutungsentwicklung bei der wendung armer schlucker. die ursprüngliche bedeutung (nach 1 hinweisend) eines menschen, der gierig auf speise und trank ist, ist in neuerer sprache völlig verblichen, während sie im älteren gebrauche der verbindung aufgewiesen werden kann; so z. b. in der oben erwähnten stelle aus Weise: da war der arme schlucker so geitzig, als wolte ihm iemand die quitten nehmen, und steckte sie auf einen bissen in das maul. erzn. 121 neudr.; noch Campe bezeichnet mit armer schlucker einen, der aus not alles schluckt, was er bekommt, seinen hunger an fremden tischen zu stillen sucht. verblassend, einen öconomisch bedrängten, in der socialen ordnung niedrig stehenden bezeichnend: armer schlucker, paupertinus, capite census, perpauper .. alias hungerleider Stieler 1831; ein armer schlucker, homo miser Steinbach 2, 453, vgl. Frisch 2, 202a; in diesem sinne wird die verbindung bald mit gutmütig-humoristischem, bald mit mitleidigem, bald mit verächtlichem klange gebraucht: o heiliger herr sanct Nicolae, bescher mir armen schlucker ... ein hundert goldgülden. Kirchhof wendunm. 1, 132 Österley (ein landsknecht betet); aus den stärksten karakterzügen eines abgeschmackten pedanten, eines sofistischen taschenspielers, eines armen schluckers, ein zerrbild zusammenzusetzen. Wieland 33, 115; dieser unverschämte bube, der gegen seine obern so geschmeidig, so kriechend ist, glaubt einem armen schlucker, wie ich bin, ungestraft ein bein unterschlagen zu können. Schiller paras. 1, 2; da er mich nach meinem aufzug für einen armen schlucker halten mochte. Göthe 25, 352; zwei bürgerliche arme schlucker. Mörike Nolten3 1, 207; die reformierten landgeistlichen der Schweiz waren keine armen, demütigen schlucker, wie ihre amtsbrüder im protestantischen norden. Keller werke 1, 15; ich lauff da her üeber das feit, den winter kalt ich hab kain gelt, wo solt ich armer schluecker naus den after winter halten haus. H. Sachs fastn. sp. 5, 84 neudruck; ausz dem groszen satzungs-buche, plündert mancher mehr die leute als vielleicht ein armer schlucker, ausz dem pusche fischet beute. Logau 3, 31, 47; ach! Adlerkant! du armer schlucker, du! Göckingk (1781) 2, 222. guter armer schlucker: als der rund napff vor dem domm zu Speir welchen man zu jedes bischoffs eintritt mit wein füllet, und gute arme schlucker sich redlich darum rauffen läszt. Fischart Garg. 237b. indem die bedeutung von schlucker mehr und mehr verblaszt, wird die anwendung von armer schlucker eine freiere und kann die beziehung auf öconomische notlage, niederen stand völlig verlieren; so ganz allgemein als ausdruck eines überlegenen mitleides z. b. bei geistigen mängeln: der arme schlucker! er kann seine rolle nicht lernen; Spiegelberg im gefühl seiner überlegenheit zu seinen gesellen: seht arme schluker! auch so weit mus man hinausdenken. Schiller räub. 1, 2 schauspiel; von dem liebhaber, den das mädchen im korb heraufzieht und in der luft hängen läszt: der arme schlucker schwebte zwischen himmel und erde (gleich darauf: den halb erfrornen schlucker). Fr. Müller 1, 313; gegen ihn bin ich nur ein armer schlucker (im schieszen). Göthe 8, 170. mit beziehung auf die sinnliche bedeutung: wettermacher, armer schlucker! du bestehst auf deinem kopfe, wart', ich will dich lehren schlucken, dasz dich feuer reiszt im kropfe. Brentano ges. schr. 3, 110. in verbindung mit andern adjectiven: da geht er, der barmherzige schlucker. das maul ist grosz genug an ihm, aber wenn es dazu kömmt, dasz er das, was er glaubt, mit thaten beweisen soll, da zittert das alte weib. Lessing 1, 401; ja ich habe die römische geschichte gelesen, um bei der vergleichung recht lebhaft zu fühlen, was für ein armseliger schlucker ich bin. Göthe 16, 204; sie sind nun mal vernarrt in derlei dumpfe träumer, blöde schlucker. Grillparzer 6, 31; in der folgenden stelle scheint der von alters her dem worte zukommende begriff des begehrlichen wieder hervorzutreten: (einige mädchen) hatten nicht so viel besinnungskraft, den keckheiten unser jungen schlucker zu steuern, die sehr beschäftigt zu seyn schienen, alle die ängstlichen gebete, die dem himmel bestimmt waren, von den lippen der schönen bedrängten wegzufangen. Göthe 16, 35. in neuerer sprache auch ohne weiteren zusatz; für einen menschen von kümmerlicher öconomischer lage: die weideländer sind klüger als wir schlucker auf der heide. Möser patriot. phant. 1, 211; der arme studiosus der schlucker, der vor lauter hunger verse machte. Kotzebue dram. sp. 2, 325; im wortspiel: doch ich ward dort kein schlecker, sondern blieb ein schlucker. Rückert poet. werke 11, 379. verächtlicher: 'nun!' sprach der junker, .. 'laszt den schlucker laufen'. H. v. Kleist 4, 8 Hempel. auf persönliche armseligkeit bezogen: auch habe ich schon den 2ten theil von Riedels philos. bibl. dem schlucker juckt auch die haut. Lessing 12, 229; und sind einmal die edlen helden kalt, so kann man sich an schluckern wärmen. Göthe 56, 101. 33) als name verschiedener vögel: caprimulgus europaeus, wol so genannt, weil er seiner beute, insecten, mit aufgesperrtem schnabel entgegenfliegt und sie so verschlingt Nemnich; pelecanus carbo, der wasserrabe, seerabe. ebenda (von seiner gefräszigkeit): disen nennend etliche ein wasserrappen, die Teutschen ein schaluchorn, als ein schlucker. Geszner - Heuszlin vogelbuch (1582) 46b; der seerabe oder schlucker mit seinem langen hakenschnabel, seiner schwarzen livree und dem gelben beutel am halse, ist ein gar widerlicher geselle. Hartwig leben des meeres (1857) 143. nach Nemnich auch als bezeichnung der tauchergans, mergus merganser. 44) als pflanzenname. a) polygonum bistorta (schweiz.) Pritzel-Jessen. b) nd. slucker, slunker, ehrenpreis, veronica triphyllos Schambach 196a. 55) landschaftlich in gleicher bedeutung wie schlucken, m. (die bildung ist zu verstehen wie hopser, jauchzer u. ähnl.): ach deinen schlucker hast du einmal wieder. Ludwig (1891) 2, 156; schlucker, daneben schluckert, der schlucken Frischbier 2, 289b.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlucker

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Schlucker , des -s, plur. ut nom. sing. von dem Zeitworte schlucken, gierig essen, eigentlich ein Mensch, welcher vi…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schlucker

    Goethe-Wörterbuch

    Schlucker auch -kk-, einmal GenPl ‘Schlukkers’ (in ‘Werther’) 1 bedauernswerter, (materiell od geistig) mittelloser Mens…

  3. modern
    Dialekt
    Schlucker

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Schlucker [ʿSlùkər Liebsd. Roppenzw. Su. Scherw. Bf. ] m. 1. Schlund Su. 2. armer Tropf. Dë r arm S. het nit emol g e nu…

  4. Sprichwörter
    Schlucker

    Wander (Sprichwörter)

    Schlucker 1. Arme Schlucker können keinen Wein trinken. Poln. : Nie pij wina, boś chudzina. ( Lompa, 23. ) 2. Arme Schlu…

  5. Spezial
    Schlucker

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schlu|cker m. (-s,-) 1 (Trinker) sboaciun (-s) m. 2 dlotadú (-dus) m. ▬ armer Schlucker ‹pop› püre cosce m. ; püre malan…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlucker

27 Bildungen · 17 Erstglied · 10 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von schlucker

schluck + -er

schlucker leitet sich vom Lemma schluck ab mit Suffix -er.

Zerlegung von schlucker 2 Komponenten

sch+lucker

schlucker setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlucker‑ als Erstglied (17 von 17)

Schluckerbir(eⁿ)

Idiotikon

Schluckerbir(eⁿ) Band 4, Spalte 1496 Schluckerbir(eⁿ) 4,1496

schluckerchen

DWB

schluck·erchen

schluckerchen , n. , dim. zu schlucker, m.: da konnten wir armen schluckerchen nicht selten unsere bitteren thränen darüber vergieszen. Imme…

schluckerei

DWB

schlucke·rei

schluckerei , f. , gewöhnlich mit anlehnung an die spätere bedeutung von schlucken in übertragener bedeutung: pro egestate et indigentia vil…

Schluckereⁿ

Idiotikon

Schluckereⁿ Band 9, Spalte 541 Schluckereⁿ 9,541

schluckerfasz

DWB

schluckerfasz , n. das länglicht-runde gefäsz des mähers, in dem er den wetzstein und etwas wasser aufbewahrt Schmidt 192 . Frischbier 2, 28…

schluckerig

DWB

schlucke·rig

schluckerig , adj. 1) gern schluckend, genäschig ( vgl. das folgende wort ); nd. sluckerig Woeste 242 a , nld. slockerigh, vorax Kilian. 2 )…

schluckerisch

DWB

schlucke·risch

schluckerisch , adj. gern schluckend, leckerhaft, genäschig: aber allhie werden die tollen, vollen, thorichten, wilden, wüsten, seuischen, p…

schluckerkopf

DWB

schlucker·kopf

schluckerkopf , m. wackelnder, zitternder kopf; auch von einer person Schmidt 193 ; s. schluckern 2.

schluckerlein

DWB

schlucker·lein

schluckerlein , n. , dimin. zu schlucker, m.: wie zu Augspurg ein guts eynfeltigs herrgott schluckerleyn viel altvätterischer märleyn, erger…

schluckerte

DWB

schluckerte , n. mehlspeise, halb brei, halb klosz, die sich glatt und schnell schlucken läszt Kehrein 353 . Pfister 256 ; oder gehört das w…

schlucker als Zweitglied (10 von 10)

Bränzlischlucker

Idiotikon

Bränzlischlucker Band 9, Spalte 540 Bränzlischlucker 9,540

Gëltschlucker

Idiotikon

Gëltschlucker Band 9, Spalte 540 Gëltschlucker 9,540

Kaldaunenschlucker

Campe

kaldaunen·schlucker

Kaldaunenschlucker , des — s , d. Mz . w. d. Ez. in der niedrigen Sprechart ein Mensch, der ärmlich und von geringen Nahrungsmitteln lebt.

kamelschlucker

DWB

kamel·schlucker

kamelschlucker , m. was kamelschlinger, von rabulisten: dise daukawer, muckenkawer, kamelschlucker ... die recht sprechen, nicht recht thun.…

Kamēlverschlucker

Idiotikon

Kamēlverschlucker Band 9, Spalte 539 Kamēlverschlucker 9,539

Wī(n)schlucker

Idiotikon

Wī(n)schlucker Band 9, Spalte 540 Wī(n)schlucker 9,540