schlaudern,
verb. schleudern, schlenkern, nachlässig verfahren. in schlaudern
sind wahrscheinlich 2
etymologisch verschiedene worte zusammengefallen. II.
nebenform zu schleudern,
vgl. das., ableitung zu schlauder,
bez. slûder,
der ältern form von schleuder,
vgl. schlauder 1.
es taucht, wie dieses, im 15.
jahrh. auf an stelle des früheren schlenkern,
und ist von unbekannter herkunft. I@11)
transitiv, slaudern,
funda jacere. voc. von 1482
bei Lexer
handwb. 2, 990; ich schlauder, schiesz,
lapidem tormento iacio. Alberus; schlaudern, schlenkern,
mittere lapides in aerem. voc. von 1663
bei Schöpf 618; schlaudern, schleudern,
et schlautern ...
projicere, lapides in aërem mittere fundâ, tela excutere, et librare saxa et glandes. Stieler 1817;
vergl. Weigand 2, 589. Schm. 2, 506.
eigenthümlich ist fränk. schleudern,
prät. schlaudert,
part. geschlaudert. Frommann 3, 405, 35.
im 16.
jahrh. ist schlaudern
noch ganz üblich: da sol uns der teufel mit rasendem geitz besitzen und treiben, das wir gülden schauffeln und hacken, und ein tausent gülden nach dem andern hin schlaudern nach den todten beinen. Luther 2, 451
a;
bildlich: gott hat uns Deudschen dahin geschlaudert, das wir unser gold und silber müssen in frembde lender stoszen, alle welt reich machen, und selbs bettler bleiben. 481
b; warff stein mit der obern fläche des fuszes, fast stein zwischen die zähen und schlaudert sie.
Garg. 179
b; folgends liesz er des von Schnaderentlingen cörper ehrlich bestatten, aber des Truckdendilen leichnamsstück uber die mawren schlaudern. 264
a; on ordnung trag all ding hinwegk, und lasz halb fallen in den dreck, und schlauders in die winckel nein. Scheidt
Grobian. s. 26
neudr., 564. I@22)
intransitiv, sich hin und herbewegen, schlenkern, lose hin und herfahren. Schm. 2, 506: mit den armen schlûder nit her und dar.
quelle bei Lexer
handwb. 2, 990; nur euch zu hindern schlaudert der degen. Göthe 10, 253.
so in handwerksausdrücken: eine spule schlaudert,
wenn sie in der bewegung um ihre achse sich zugleich seitwärts hin und her bewegt; ebenso schlaudert das holz auf der drehbank. der schlitten schlaudert,
wenn er im fahren mit einem schwunge seitwärts gleitet. Adelung. IIII. schlaudern, schleudern,
et schlautern,
propr. est dissoluto et vago animo esse, de nulla re magnopere laborare, nihil pensi habere. Stieler 1817,
vgl. Steinbach 2, 439.
dieses wort mit dem vorigen zu vereinigen, würde die bedeutung vielleicht zulassen, zumal wenn man von '
schlendern' (
s. u.)
ausgeht. aber man wird nicht umhin können, dieses schlaudern,
älter slûdern
mit dem mhd. slûr,
das herumstreifen, faulenzen, eine träge, faule, leichtsinnige person Lexer
handwb. 2, 992,
in zusammenhang zu bringen, und darin eine umgestaltung eines ältern slûren, schlauren
in anlehnung an das erste schlaudern
zu sehen. der annahme, dasz dies slûr, slûren
eine frühe contraction aus slûder, slûderen
sei, steht entgegen, dasz letzteres erst viel später auftritt, und dasz die formen ohne d
sich fast nur in der ältern sprache und nur in dieser bedeutung finden. vgl. Weigand 2, 589. Kluge
5 327
a (
s. v. schleudern). Schm. 2, 506,
sowie schlaraffe
und Zarnckes
anm. zu Brant
narrensch. 108.
allerdings begegnet auch mhd. slûr
einmal in dem sinne '
das schleudern, der stosz': van wormes bisz und wyndes sluyrdir telgen hang gar heszlich sy tzuspyret.
s. Cersne
minne regel, anh. 3, 17
und dazu Germania 7, 495.
hier liegt augenscheinlich secundäre contraction vor, s. schleudern,
vgl. auch schlottern.
jetzt ist schlauren
noch im schweiz. erhalten, s. daselbst; die obiger annahme widersprechenden nd. formen slûdern
und sluddern
sind nicht beweisend, da hier bei der schwankenden natur des d
zwischen vocalen eine vermischung besonders leicht eintreten konnte, theils gehören sie wol auch eher zu schlottern. II@11)
die ursprüngliche bedeutung ist wol '
schlendern',
nachlässig gehen, vgl. nd. sludderen ten Doornkaat Koolman 3, 210
f.; preusz. schludern: er schludert den ganzen tag herum. Frischbier 2, 290
a; begehrt jemand beweis, der schlaudre durch die gassen. Günther
bei Steinbach 2, 429.
gewöhnlich indes übertragen: ah, dasz wir doch solch herrlich werck der göttlichen barmhertzigkeit ein wenig betrachteten, und nicht so dahin schlauderten. Luther
tischr. 71
a. II@22)
in freierer verwendung: (
mutter zum sohne:) dein vatter wirft mir teglich für, ich sey die gröst ursach an dir, das du also kumpst in das schlaudern (
prassen, verschwenden, liederlichkeit?) Cl. Stephani
geistl. action (1568) C 6
b; drum plaudre nicht — und schlaudre nicht — und zaudre nicht — und schaudre nicht! Rückert
ges. poet. werke 11, 551. II@33)
jetzt besonders in dem sinne '
übereilt, nachlässig verfahren, unsorgfältig arbeiten'. Schm. 2, 506. Schöpf 618. Albrecht 201
b.
schweiz. schwäb. schludern Stalder 2, 331. Schmid 465,
preusz. schlûdern, schluddern Frischbier 2, 290
a. II@44)
eine ware unter dem preise verkaufen, vergl. schleudern, schleuderpreis, verschleudern. Schmeller 2, 506. Schmid 465 (schlaudern,
von dem mundartlichen schludern,
s. 3,
geschieden). Albrecht 201
b. Frischbier 2, 290
a. II@55)
sonstige mundartliche verwendungen. II@5@aa)
schweiz. schludern, schlüdern,
unreinlich essen und trinken. Stalder 2, 331
f. II@5@bb)
in einer halbdicken flüssigkeit umrühren. Hunziker 224. II@5@cc)
reden, als ob man brei im munde hätte. ebenda. II@5@dd) es schludert,
schneit und regnet durch einander. ebenda. II@66)
nd. slûdern. a)
sich verwirren, zusammenziehen, von fäden. Danneil 196
b. b)
plaudern Dähnert 430
a. Schütze 4, 122.
dazu sluderhaftig
ebenda. IIIIII.
zu schlauder 2,
eine mauer durch anker oder strebehölzer befestigen; einschlaudern,
durch eiserne zapfen oder keile in der mauer befestigen. Schm. 2, 506.