schauerlich,
adj. 11)
adjectivisch, schauer verursachend, zunächst von körperlich erregendem, z. b. dem wetter: schauerliche luft,
aer praegelidus Stieler 1766; schauerliche kälte; alle jene blüthen sind gefallen von des nordes schauerlichem weh'
n. Schiller 11, 6; die winde schwangen leise flügel, umsausten schauerlich mein ohr. Göthe 1, 75.
bisweilen, besonders bei Göthe
auch in abgeschwächter bedeutung wie schauer (
s.schauer 8,
d sp. 2327): die morgenluft so erquickend, der duft zwischen den felsen so schauerlich. die sonne so golden blickend als je.
briefe 3, 45
Weim. ausgabe. freier, von allem, was gefühle des grauens erregt; von zeitabschnitten: mein erstes gleich nach dem schauerlichen verlobungsabend war ... Hebbel 9, 21 (1891); in dieser seltsam schauerlichen stunde. Bettine
tageb. 213.
von einem anblick: im heidenlager erhuben sich schauerliche baniere (
signa horbilia). Dahlmann
dän. gesch. 1, 59; brausend stürzt der gieszbach herab durch die rinne des felsen .. wild ist es hier und schauerlich öde. Schiller 11, 90; wüsten öd' und schauerlich lichten sich in deiner stralenquelle. 1, 295; tanzt im schwarzen kleid von eisen, tanzet schauerliche weisen, schlingt sich kalt um ihre glieder. Uhland 219 (1864); noch leuchtet keiner hohen thaten bild auf meinem schild; zwölf richter thronen, hoch und schauerlich, die werthen nicht des heldenmahles mich. 200; das gebäude war eine schmale seitencoulisse und die flammen wurden durch herausgeblasenes colophoniumfeuer dargestellt; damals aber schien es mir von schauerlicher naturwahrheit. Grillparzer 15, 13.
im vergleich: die gedanken, die ihn beunruhigt hatten, wichen wie ein heer schauerlicher vögel von ihm. H. v. Kleist 4, 158
Hempel. von dingen, deren anhören schauer erweckt: eine schauerliche geschichte. Campe; jetzt öffnen sich die strenggeschlosznen lippen, es tönen worte, schauerlichen klangs, aus Sapphos munde. Grillparzer 3, 240; um die zarten nerven der leser zu schonen, beseitigte er aus den ersten entwürfen manchen zug genialer frechheit, der zum wesen der gespenstischen fabel gehörte, sogar das schauerlich schöne blutlied der dämonen: wo flieszet heiszes menschenblut, der dunst ist allem zauber gut. Treitschke 4, 412.
von abstracten dingen, ahnungen, gedanken: schauerliche ahnungen einer verhüllten zukunft. Bettine
tageb. 47; er sieht auf dem altar ein messer und eine opferschale, ein schauerlicher gedanke durchdringt ihn. H. Heine 6, 103
Elster; es ist doch schauerlich .. an einer stelle zu sitzen, wo der mord .. sein fürchterliches geschäft verrichtete. Hebbel 9, 105.
im superlativ: ebenso war mir ein volksmährchen in die hände gefallen, wo die letzte enkelin .. vermöge ihrer ähnlichkeit mit der als gespenst umwandelnden urmutter zu den schauerlichsten verwechselungen anlasz gab. Grillparzer 15, 62.
auf die empfindung selbst bezogen: der bote trat ein und verkündigte ihm, er müsse .. sterben. er sank zurück, die kalte vernichtung schlang sich um seinen leib .. er wollte sich dieser schauerlichen empfindung entreiszen. Klinger 5, 117;
schauer empfindend: furcht macht schauerlich,
timor est algificus Stieler 1766; mir ist so schauerlich. Campe;
substantiviert das schauerliche: das schauerliche (
des raumes) wurde übrigens durch eine wirkliche, lebende bevölkerung vermehrt, durch ratten nämlich. Grillparzer 15, 6. 22)
als adverb, schauerlich
horride Stieler 1766. 2@aa)
activ, auf eine weise, bei der schauer erregt wird: er suchte lange nach kezern, konnte keine finden. bis er vernahm, in einer felsengrotte, die schauerlich von der natur gebaut, in einem walde stand, versammeln sich die kezer. Schubart 2, 49 (1787); ich wollte, ich erlebte eine (
sonnenfinsternis), wo sich der mond prächtig vor die mittagssonne hängt, wo der lärmende tag auf einmal verstummt ... und wo es schauerlich thauet und nebelt und kühlet. J. Paul
Kampanerth. 44. 2@bb)
passiv, auf eine art und weise, bei der man schauer empfindet: und beide schauen sich an mit wechselseitiger verwunderung, schauerlich entzückt. H. Heine 6, 104
Elster.