rosenrot,
adj. roth wie eine rose, roseus. Stieler 1625,
mhd. rôserôt
und rôsenrôt;
auch mittelengl. rosered.
selten begegnet ein comparativ: heller, goldner, rosenröther bricht uns dieser morgen an, als das erste licht, da äther mutter Tellus lieb gewann. Bürger 1
b.
auch hier finden sich die nebenformen rosinrot, rosinenrot,
ja sogar rosinienrot,
die erste besonders bei Luther (
vgl.rosenfarb): und der priester sol cedern holtz und isopen und rosinrote wolle nemen.
4 Mos. 19, 6; färben soll sein (
des kleinen Schmerzenreich) unschuldig blut rosinroth diese kammer.
maler Müller 3, 255; ist der apfel rosinroth. Lehmann 170 (
bei Uhland rosenrot,
s. unten); das blümli das ich meine, das ist rosinenrot, ist herzentrost genennet. Uhland
volksl.2 84 (54, 3); darzu war sein küriszrock von gleicher farb, von gutem kermessin, rosinienrot und weisz.
buch d. liebe 242
c. 11)
von rosen und blumen überhaupt: und ein röslein rosenroth pflanzt mein schatz nach meinem tod. Erlach
volksl. 4, 143; alle blümchen von der au', sollen seinen wagen schmücken, rosenroth, und weisz und blau.
musenalm. 1798, 145.
von früchten, besonders äpfeln: und is de appel rosenrot, de worm de is darinne. Uhland
volksl.2 42 (17 A 6); äpfelchen rosenroth beiszet dein zahn. Arndt 340.
von edelsteinen: im andern (
auge) glüht' ein rosenrother stein, recht wie des knaben frisches wangenblut. Uhland 172.
von der farbe des menschlichen gesichts, sowol dauernd als vorübergehend (
ausdruck der freude, scham u. s. w.): ir rôsenrôtiu varwevil minneclîchen schein.
Nibel. 281, 2; der rede im antwürte bôt mit liehtem munde rôsenrôt Engelhart der süeʒe. Konr. v. Würzb.
Engelh. 4350; dürft' ich sie umfahn und küssen auf den rosenrothen mund. Uhland 234; es lacht ihr rosenrother mund. Hölty 146
Halm; ewer pracht und stoltzes prangen jhr jungfrawen so jhr führt
in den rosen-rothen wangen. H. Albert
in den ged. der Königsberger dichterkr. 50
neudruck; sennin, o wie reizend blüht deine wange rosenroth. Lenau 73
Barthel. bildlich: in kühler morgenstunde, da der junge tag mit rosenrothen wangen noch auf den bergen lag. Geibel 2, 202; ir schœneʒ antlützedaʒ wart rôsenrôt.
Nib. 240, 1; ir einer ich mîn küssen bôt: diu wart dâ von gar rôsenrôt. Ulr. v. Lichtenstein 280, 6; 'der teufel hörts!' — 'und gott auch', versetzte Walt; und fügte dann leise, rosenroth, und abgewandt hinzu ... J. Paul
flegelj. 4, 160.
als farbe der gesundheit und des blühenden lebens: ir varwe rôsenrôt wart in kurzen zîtenvon trinken und von spîse.
Gudrun 1046, 2; unsers lebens zier brüstet sich zwar heute und ist rosen-roht, morgen kranck und todt. S.
Dach in den ged. d. Königsberger dichterkr. 240
neudr. von der kleidung u. dergl.: sie (
die schulmädchen) waren alle weisz oder rosenrot gekleidet. Keller 6, 17; rosenrot ist, was sie deckt, pechschwarz, was sie drüber streckt. Dan. Czepko
bei Palm
beitr. (1877) 285; schön geschmükt mit rosenrothen schlaifen deckte mich der unschuld schwanenkleid. Schiller 1, 227.
von wunden: uns in reimen lasset zwingen Daphnis (
Jesu) wunden rosenrot. Spee
trutzn. 224, 6
Balke. von der farbe der morgen- und abendröthe, des tages u. s. w.: über dem frühlingsbräunlichen grün lag der warme wiederschein des abendhimmels wie ein rosenroter florschleier. Ludwig 2, 619; die luft glüht rosenroth. Geibel 1, 138; wollen klagen mit hellem schlag bis an den rosenrothen tag. 2, 133.
bildlich: in trüber dämm'rung sieht sie (
die liebe) schon den rosenrothen morgen. 1, 196. 22)
übertragen, rosenrothe küsse: reich mir her dein mündlein voll küsse rosenroth. Arndt 72. alles in rosenrothem lichte sehen,
als zeichen heiterer, optimistischer stimmung (
vergl. in rosigem lichte, rosige laune).
ähnlich: die ganze welt erscheint mir nun in rosenrother schminke. Karl Müchler (1802)
der kritikaster u. der trinker (
studentenlied). 33)
das neutrum substantiviert, sehr oft bei Luther: und solt einen furhang machen von geler seiden, scharlacken und rosinrot.
2 Mos. 26, 31; der weis zu arbeiten an gold, silber, ertz, eisen, stein, holtz, scharlacken, gelseiden, leinen, rosinrot.
2 chron. 2, 14; ihre bläszlichen wangen hatten sich mit dem schönsten rosenrothe gefärbt. Göthe 25, 357; Elysium sein (
Jupiters) blik, sein schimmernd angesicht mit rosenroth purpurisch durchgewoben. Schiller 1, 320; sieh, süsze maid, wie das rosenroth auf frischen wangen spielet! Arndt 36. rosenroth auf kattun, auf seide
u. s. w. Jacobsson 3, 448
b. 7, 98
b. ein sanftes, zartes rosenroth: die dämmerung vom sanften rosenroth und dem golde der untergehenden sonne umfloss das verwegene, trunkene paar. Klinger 10, 118; und auf der eingesunknen wange bot ein sanftschattirtes rosenroth der todesblässe trotz. Gotter 1, 69.
mit lilienweisz
verbunden: ach, jene sanftgemischten farben von rosenroth und lilienweisz. Bürde
bei Campe
s. v. lilienweisz.
von Aurora gesagt: nehmt noch dazu die zärtlichste der farben die dieser göttin eigen ist, das süsze rosenroth das ihren leib umfliesst. Wieland 10, 215.
freier gewendet; als anrede an Maria: o rosenrot, o lilienweiʒ Wackernagel
kirchenl. 2, 541, 2.