rosenfarb,
adj. die farbe von rosen habend, rosenroth, rosaceus, roseus. Dief. 500
bc. 11)
form. die lautgesetzliche und herrschende form im mhd. ist rôsenvar,
flectiert rôsenvarwe,
z. b.: so sach ich ir munt, ir wengel rôsenvar.
minnes. 2, 280
b Hagen; stolz ir wengel rôsenvar, und liljen wîʒ dar under.
ges. abent. 1, 20, 38; lache, ein rôsevarwer munt.
minnes. 1, 20
b Hagen. dieselben formen gelten im mnd. rosenvar blot.
Oldenb. gebetb. A. 106; myt den rosenvarwen blode der martirien.
Oldenb. missale 5
b bei Schiller-Lübben 3, 510
a.
der übergang von w
in b,
der im nhd. durchgedrungen ist, beginnt schon mhd. im bairischen: dâ gruoʒt in sâ an der stunt vil manic rôsenvarber munt. Ulr. v. Lichtenstein 169, 32.
dann tritt, ebenfalls in der übergangszeit vom mhd. zum nhd., eine ausgleichung im paradigma ein, indem das b
der flectierten formen auch in den unflectierten nom. eindringt; seit Luther durchgedrungen: insonderheit wird das pferd, welches, wie gehört, ein weisz schimmel, an viel orten rosenfarb, und mit blut bedeckt.
Amadis 1, 159 (79
Keller).
der nom. rosenvar
findet sich seitdem nur noch in bewuszt archaisierender sprache: ich sah das rosz des krieges zertreten stadt und land, dasz seine hufe wurden vom blute rosenfar. Rückert
ges. poet. werke (1882) 2, 428.
den umgekehrten weg der ausgleichung hat das nd. eingeschlagen, indem es auch in den flectierten formen das w
aufgibt: legghet jw tho synen (
Christi) rosenvaren wunden unde sughet dar uth honnich unde melk.
nieders. fastenandacht in Germ. 20, 343.
dann findet sich bei Luther
die form rosinfarb
durchgehends, vereinzelt auch noch später. diese ist wol nicht, wie man früher annahm (
s. z. b. Adelung),
von rosine
herzuleiten, sondern von dem adj. mhd. rôsîn
aus rosen bestehend, rosig, und also ähnlich gebildet, als wenn wir sagen würden rosigfarben (
vgl. Andresen
volksetym. 272
und rosenroth): das er zween lebendige vogel neme ... und rosinfarb wolle und Isop.
3 Mose 14, 4; und ich sahe das weib sitzen auff einem rosinfarben thier.
offenb. Joh. 17, 3; wie wir auch in des herrn Christi, und seiner pedellen oder diener füsse müssen rosinfarb oder kupfferrote blutstropffen haben. Mathesius
Sarepta (1671) 72
a; so glentzt herfür deins mundes röt, wie vor der sonn die morgenröt, mit rosinfarben wangen hübsch, lustig klar auffgangen. P. Melissus
bei Opitz (1624) 163; hat nicht dein rosinfarbes blut gelescht der höll erhitzte glut. Gryphius
ged. (1698) 2, 288.
in neuerer zeit ist der gebrauch von rosenfarb
durch die neubildung rosenfarben
eingeschränkt, die es aus den flectierten formen jetzt ganz verdrängt hat, während im unflectierten nom. auch rosenfarb
gesagt werden kann. flectierte formen finden sich bis spät ins 18.
jh.: der stengel (
des schweinbrots) stehet blosz ohn blätter .. auff welchem schöne rosenfarbe blumen wachsen. Tabernaemont. 1131
b; aber ich schreibe am rande des grabes, unter fast ununterbrochenen schmerzen, und bey einer gesunkenen gesundheit, wo freilich das rosenfarbe der einbildung, und der angenehme reiz der fröhlichkeit nicht mehr in meinem vermögen ist. Haller
Fab. u. Cato (1774)
vorr. 13; weil ich so ein schöner kerl bin, .. hab ein rosenfarbs angesicht. Ayrer 123, 8
Keller; er lobt vast euren rosnfarben mund.
Sterzinger spiele 1, 206, 394.
vereinzelt begegnet die kürzung rosfarb
oder roszfarb: indessen weynete jene noch immerfort, dasz kaum eine thräne der andern auf ihren roszfarben wangen entrinnen konte.
Simplic. 4, 76, 21
Kurz. 22)
verwendung von blumen: gerne wollt' ich dich (
die malve) begrüszen, blühtest du nicht rosenfarb. Uhland (1864) 54. rosenfarbes gesicht, mund, wangen
u. s. w.: weinend sie lieplich in sein arm schlosz, freundtlichen an ir rosenfarbes mündlein küsset. Steinhöwel
decam. (1535) 42. 111
b; ir secht, ich bin ein glerter man .. und hab ein rosenfarbes angsicht. Ayrer 2372, 23
Keller; es leben nimmermere (
nicht mehr) zwen rosenvarbe mund. Uhland
volksl.2 125 (76, 15). rosenfarb
als ausdruck der scham, freude u. s. w.: von schameden stunt sie rôsenvar. Albr. v. Halberstadt 16, 442; dô sie unser wart gewar, ir wengel wurden rôsenvar, sie hieʒ uns willekomen sî
n. 33, 296.
besonders ist rosenfarb
ein beliebtes beiwort des blutes: auf dasz sein piter marter, sein heiliges rosenfarbes blut und grimiger dot an euch ewiklichen verloren werd. Schade
sat. u. pasqu. 2, 100, 2; hat er .. uns mit im versnet, und das durch sin rosenfarb bluot. 3, 3, 27; si ist widersins und selten fro und oben gro und unden plo und leucht als ein rosenvarbes plut.
fastn. sp. 634, 14; das rosenfarb jungfräulich plut, euch (
den flöhen) also wol inn zänen thut. Fischart 2, 96, 3653
Kurz. von der kleidung: allein, so rosenfarb die gute frau sich kleid'te ... so wenig half es ihr! Wieland 17, 289; sey (
ein strumpfband) ihr das sinnbild seiner (
Amors) fesseln, geschmeidig, leicht und rosenfarb, wie sie! Gotter 1, 179. rosenfarb
ist in der alten zeit speciell die tracht des brautwerbers, s. J. Grimm
kl. schriften 5, 406
f.; aber auch des herolds, der krieg ansagt: dar zuo ist des streytes recht, daʒ man den veinten send ein knecht in einem rosenvarwen tuoch ... gesprenget ser mit rotem pluot. Wittenweiler
ring 201
Bechstein. übertragen, als farbe der freude: Bacchidion war eines von diesen gutartigen fröhlichen geschöpfen, in deren fantasie alles rosenfarb ist. Wieland 3, 71; das rosenfarbe der einbildung. Haller
Fab. u. Cato vorr. 13; ihro excellenz so eben hatten rosenfarb geträumet. Immermann 11, 196. 33)
das neutrum kommt auch substantiviert vor, wie andere farbenbezeichnungen (in grün gekleidet, mit roth bemalt
u. s. w.): das der warhafftige antichrist sitze im tempel gottes, und regire zu Rom, in der rechten Babylon, bekleidet mit scharlacken und rosinfarb. Luther 1, 58
b; und das weib war bekleidet mit scharlacken und rosinfarb.
offenb. Joh. 17, 4.