rächen,
verb. vindicare, ulcisci. II.
die form. I@11)
das verbum ist, wie unter rache sp. 14
hervorgehoben, ein altes gemeingermanisches rechtswort, die verurtheilung zur landesverweisung in folge landfriedensbruches bezeichnend, nachher in den allgemeinern sinn strafend vertreiben, verfolgen, verlaufen: goth. vrikan (jabai mik vrêkun, jah izvis vrikand,
εἰ ἐμὲ ἐδίωξαν,
καὶ ὑμᾶς διώξουσιν Joh. 15, 20), gavrikan (
ἐκδικεῖν), fravrikan (
ἐκδιώκειν);
altnord. reka
aus vreka,
treiben, vertreiben, dän. vrage,
verwerfen, verschmähen, schwed. vräka,
hinwerfen, schmeiszen, verschmähen; ags. wrecan,
ausstoszen, vertreiben, strafen, auch ausstoszen von reden, engl. wreak,
rächen; fries. wreka, wretsa,
stoszen, rächen; altsächs. altnfr. wrekan,
vergelten, strafen, mnd. mnl. wreken, wreeken,
rächen; ahd., unter abfall des anlautenden w, rehhan,
ulcisci, vindicare, retribuere, punire, mhd. rechen,
strafen, rächen, aber vereinzelt findet sich auch hier noch das anlautende wr
in späten denkmälern: die heilige christenheit heiʒit zu rechte Chana, wane sie wrichit sich selben. Schönbach
altdeutsche predigten 1 (1886), 155, 25 (14.
jahrh., mitteldeutsch),
oder es ist zu fr
geworden: vindicare, frechen Dief. 620
a,
vergl. unter r 1,
sp. 1;
in den alten sprachen und noch im mhd. ist das verbum nur ablautend gebraucht, erst im nhd. haben, wie bei den andern heutigen verwandten, sich schwache formen ergeben, welche die starken bis auf das part. prät. gerochen
der gehobenen rede zurückdrängten. I@22)
die altberechtigte schreibung rechen
weicht erst im 17.
jh. der neueren mit ä,
die man wählte, um den zusammenhang mit rache
hervorzuheben; Schottel
gibt nur rechen,
vindictam sumere, Stieler
nur rächen,
vindicare, ulcisci. die starke form bedingt das präs. du richst, er richt,
was noch Steinbach 2, 274
als selten vorkommend kennt: selig ist der mensch, .. der sich umb keiner sach willen, die im geschehen ist, richet. Keisersberg
irr. schaf 2
b;
und das bis ins 17.
jahrh. vorkommende prät. rach: des jars liesz der kunig Lasslaw dem jubernator auch den kopf abslahen, rach den tod des von Zilli.
d. städtechron. 10, 225, 20; aber unsers Gurgelstrossa Lastmaul rach allen unbill.
Garg. 147
a; hierumb Apollo erzürnt, sich an jm rach. Forer
thierb. 47
b; die alten haben pflegen zu sagen, wer schweigt der bleibt, wer vertrug, hatte genug, wer raach, dem gebrach. Schuppius 309; der verrätrei er rach dermasz, das mancher sein leid sach.
Teuerdank 91, 75; darümb das er dj warhait sprach, ain poszhaft weib sich an jm rach. Schwarzenberg 156
d;
neben roch,
plur. rochen: als vil er vor erschlueg und sein tod roch.
d. städtechron. 3, 55, 4; dasz sich die Jüden an allen jren feinden rochen.
buch der liebe 299
b; ich roch (
neben rächete) Stieler 1505;
das part. prät. gerochen
ist bis ins 17.
jahrh. allein gebräuchlich. die überführung des wortes in die schwache conjugation, indem man es wie ein denominativ zu rache
ansah, ist bereits in der sprache Luthers
gewöhnlich, der von der starken for nur noch part. gerochen,
dieses aber durchaus, braucht: reche uns an unsern verfolgern.
Jer. 15, 15; reche nicht meine sünde.
Tob. 3, 3; das die, so von jnen zuvor beleidigt waren, sich nicht an jnen recheten.
weish. 18, 2; lies allenthalben des Juda anhang und freunde suchen und fur sich bringen, das er sich an jnen rechet. 1
Macc. 9, 26; und rechete den, dem leide geschach.
ap. gesch. 7, 24;
und nach ihm: dasz sie sich an jhrem vatter .. so schwerlich recheten.
buch der liebe 279
c;
das part. gerächet
aber erst bei Stieler.
nur schwache form wollte Gottsched (
kern d. sprachk. 157)
billigen, indem er auch das part. gerochen
gegen gerächet
verwarf, wogegen Adelung
beide formen zuliesz, dem sprachgebrauche seiner und späterer zeiten entsprechend, die neben dem schwachen sich das starkformige part. erhalten haben: sich gerächet zu sehen,
dazu sollen sie nicht zu spät gekommen sein. Lessing 2, 85; strafe, wodurch das verbrechen an dem thäter gerächt .. wird. Kant 5, 299; du sollst auf das grimmigste gerächt werden. Göthe 10, 63; so sind wir alle auf einmal gerächt. 11, 19; diesz schwert, das nur den bösen schrecklich blitzet, hat unschuld stets gerächt und schönheit oft geschützet. Wieland 17, 96 (
Idris 2, 47); es ist bekannt, wie hart sich Alcibiades desfalls soll gerochen haben. Lessing 11, 260; o tugend, du bist gerochen! Wieland 2, 212; sollst du dich noch durch meine hände an dem gerochen sehen, der dich in diesen zustand versetzt hat. Göthe 34, 143; so ward auch Asters scherz durch seinen tod gerochen. Hagedorn 2, 60; Erwin! schau, du wirst gerochen. Göthe 10, 300; erzürnter geist, du wirst gerochen! Schiller
hist.-krit. ausg. 6, 412;
weitere beispiele im folgenden verstreut. I@33)
eine nebenform rächnen, rechnen
in schriften des 16.
und 17.
jahrh.: ulcisci, rechnen Dief. 625
a; ich rechne,
ulciscor Alb.; wer mir gram und bitter ist, der martert sich, und rechent mich an jm selber. Luther 6, 8
b; den Griechen leids zuthun, und sein unschuld zu rechnen. Alberus
ehebüchl. G 1
b; wie jener könig .. seine feinde pfleget reich zu machen, an denen er sich rechnen wolte. Mathesius
Sar. 38
b; rechen dich nicht, der zorn sei dann erst fürüber. Andreae Gartneri
dicteria proverbialia (1598) 117
a; ein kriegsmann wär nicht ehrenwerth, wann er geschlagen wird zur erd, dasz er nicht widr tret auf die bein, sich rächnet an dem feinde sein. Opel
u. Cohn 102, 16. IIII.
bedeutung. II@11) rächen,
einen übelthäter oder feind verfolgen und austreiben (
vgl. dazu unter rache 1
sp. 14),
im goth. und altnord. hauptbedeutung, ist auch ahd. noch nicht vergessen: er sluag sie sâr joh sie rah; ni uuas ther sih furburgi;joh branta ouh irô burgi. Otfrid 4, 6, 22;
auf sie stützt sich die allgemeinere bedeutung des strafens (
nachher 2),
die nur selten noch im ältern nhd. mit persönlichem acc. verbunden erscheint: sihe an den reichen man, Luce 16, welcher, ob er wol den armen Lazarum, teglich vol schweren sahe für seiner thür liegen, noch hat er nicht so viel barmherzigkeit, das er jm hette ein bund stro gegeben, oder die brosamen unter seinem tisch gegönnet, aber sihe wie hoch ist er gerochen, das er in der helle gerne hundert tausent gülden dafür gebe, das er möchte einen faden rhümen, den er jm gegeben hette. Luther 5, 356
b;
nicht unmittelbar hierzu gehört Klingers: nun wärst du eingeschlafen! nun in meiner gewalt! ich hätte dich zu rächen.
theater 4, 257,
wo nur ein gesucht nachlässiger ausdruck für ich hätte mich an dir zu rächen
vorliegt. II@22) rächen
mit der that, wegen der man einen verfolgt oder straft, in enge verbindung gebracht, ein in der alten sprache schon häufiger gebrauch; in bezug auf gott, als obersten richter und herrn (
vergl.rache 3),
oder Christus: alts. hie ni welda thôh thia dâd wrekan, grimma an thêm Judeon.
Heliand 5541;
ahd. ni rih suntâ, druhtîn, mîno in thiu. Otfrid 3, 1, 29;
mhd. nhd. dar an gedenke, brœdiu welt, und wiʒʒest daʒ er (
gott) danne sînen anden richet (
den ihm verursachten zorn). Singenberg 217, 11
Wackernagel; donoch an dem 90 tag rach got Dietriches bosheit, daʒ er gehes starb.
d. städtechron. 8, 31, 26; jauchzet alle, die jr sein volk seid, denn er wird das blut seiner knechte rechen. 5
Mos. 32, 43; und sie ruften gott an, das er das arme volk, welches von jederman geplagt war, ansehen wolt, .. und die lesterung seines namens rechen. 2
Macc. 8, 4; und nu mein herr sei mir gnedig, und reche nicht meine sünde.
Tob. 3, 3;
auf heidnische gottheiten gewendet: es leben götter, die den hochmuth rächen! Schiller
Maria Stuart 3, 4;
vom strafamt der menschen: die biderben versmâheten sie (
die töchter der unzucht) und rachen die sunde.
veter buch 47, 30
Palm; so sagt der herr der gott Israel, ... das blut aller knechte des herrn reche (
die vergieszung desselben).
2 kön. 9, 7; denn die waffen unser ritterschaft sind nicht fleischlich, sondern mächtig fur gott, .. und sind bereit zu rechen allen ungehorsam (
ἐκδικῆ σαι πᾶσαν παρακοήν,
goth. fraveitan all ufarhauseinô).
2 Cor. 10, 6;
gewöhnlicher, und in der neuern sprache durchaus, übergegangen in die bedeutung einer heftigen vergeltung erlittenen schadens oder unrechts auszerhalb eines strafamtes (
vergl.rache 5): daʒ er ir wât zerfuorte,diu vrouwe eʒ grœʒlîchen rach.
Nib. 619, 4; sînes sunes tôt wold er gerne rechen. 969, 4; die Samen wâren bereit, zû rechen ir herzeleit, daʒ in was geschehen.
livl. reimchron. 4032; also recheten diese den mord an jrem bruder begangen. 1
Macc. 8, 42; und als er vername, dʒ Florens die zween könige erwürget hatte, wolte er den schaden rechen.
buch der liebe 16
d; dasz sie (
eine vergewaltigte frau) allezeit mehr bedacht das ubel zu rechen, denn sich von gefengknusz zu ledigen. 312
d; der die schmachreden nicht gerochen, sondern deren bald vergessen. Butschky
kanzl. 359; beleidigungen die gerochen werden müszten. Garve
anmerk. zu Cic. off. 1, 241; mir (
wir) wellen das mit nichte lan. mir wellen es rechen mit der hant.
fastn. sp. 415, 32; die pewrin mich grob anzannen (
spricht der bettelmann), jagen mich oft mit stecken dannen, noch darf ich der schmach keine rechen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 121, 215; (
ich) wil diesen hochmut wider rechen. Ringwald
spec. mundi (1590) H
a; so geduld als zeit verstrich und ich schwur, den trug zu rächen. Hagedorn 3, 89; und kanns der sohn vergessen, dasz der vater mit hunden in die messe ward gehetzt? ein volk, dem dás geboten wird, ist schrecklich, es räche oder dulde die behandlung. Schiller
Wallensteins tod 1, 5;
mit kühnerer kürze in der angabe des objects: du greifst gewaltsam durch die gesetze, die ich gerächt habe (
d. h. deren übertretung). Klinger 7, 170; böses musz mit bösem enden; an dem frevelnden geschlecht rächet Zeus das gastesrecht (
die verletzung desselben). Schiller
das siegesfest. II@33)
es heiszt etwas an einem rächen,
älter mit der bedeutung der strafenden vergeltung: et in nomine domini vindicavi in eis. unde in gotes namen rah ih iʒ an in, einuueder so mit conversione poenitentiae, alde mit futura ultione. Notker
ps. 117, 12; des nam sich Octavianus, Julius schwester sun, an und rach das mord an den Römern.
d. städtechron. 4, 284, 11; herre, ich bin der do gesündet het. rich es an mir und an minen fründen und nüt an den armen lüten. 8, 270, 15; denn ich will auch ewres leibs blut rechen, und wils an allen thieren rechen, und wil des menschen leben rechen an einem jglichen menschen, als der sein bruder ist.
1 Mos. 9, 5; ich weiʒ wol daʒ er richet an mir mîn ungewiʒʒenheit. im ist mîn ungevüege leit.
Iwein 859; was war nun mein verbrechen, was meine fehl und sünd? an mir wollt ich sie rächen, so nur ichs wissen könnt. Spee
trutzn. 47, 271
Balke; in der mhd. formelhaften frage: waʒ ist an mir gerochen?
für welche schuld habe ich strafe empfangen?: nu schrei der burger sêre: zêther immer mêre, waʒ ist an mir gerochen? mîn bein ist mir zebrochen, und der arm ouch enzwei.
Wiener meerfart 447; doch pist du garder sünden par; was ist an dir gerochen?
Erlauer spiele 6, 381
Kummer; aber auch, und in der neuern sprache durchaus, im sinne der leidenschaftlichen vergeltung eines unrechts oder übels: wie sêre si daʒ rach an ihr næhsten mâgen,die in sluogen sint!
Nib. 19, 2; gerad also sol mann am thäter kein iniuri rechen, sondern groszmütig verachten. Agr.
spr. 364; füret sie mit uns in unser land, denn meinen schaden wil ich an jnen rechen.
buch d. liebe 27
b; an dem adel rächte er (
Granvella) seine eigne niedrige abkunft. Schiller
hist.-krit. ausg. 7, 103; gewisser maszen das interesse ihres ganzen geschlechts (
die verletzung desselben, vergl. oben 2
a. e.) an dieser verführerin gerochen zu sehen. Wieland 2, 219; solt ich das nit wol an im rechen, ee wolt ich nimer wort mit frauen sprechen.
fastn. sp. 758, 9; der kefer wardt verachtet gar von dem hoffertigen adlar; .. das wolt der kefer an jm rechen. B. Waldis
Esop 2, 26, 6; so wolt ich an den stolzen frechen meines bruders todt mit ernst rechen. J. Ayrer 64
b (334, 24
Keller); an ihnen soll das volk, was insgeheim geschehn, bei lichtem sonnenschein mit schmach gerochen sehn. Hagedorn 2, 6;
für die person nach an
steht eine mit derselben eng verbundene sache: (
würden) nicht deine brüder die erlittne schmach an deinem leben rächen? Gotter 2, 490;
in gleicher stellung die präp. in: rächen will sie in unserm tode jetzt ihrer kinder, ihre eigne schmach. Fr. Müller 2, 258. II@44) rächen,
mit blosz verstandenem sächlichen object: iur (
des kaisers) hant ist krefte und guotes vol: ir wellet übel oder wol, sô mac si beidiu rechen unde lônen. Walther 11, 35; es lebt ein gott, zu strafen und zu rächen. Schiller
Tell 4, 3; wohl dem, der frei von schuld und fehle bewahrt die kindlich reine seele! ihm dürfen wir nicht rächend nahn.
kraniche des Ibykus. II@55) rächen
mit persönlichem acc., der aber nun, ungleich den fällen unter 1,
erst hinter dem acc. der that steht, und den bezeichnet, zu dessen genugthuung etwas böses gestraft oder verfolgt wird. auch diese fügung in der alten sprache: deus qui das vindictas mihi ... du bist got, du mih richest. Notker
ps. 17, 48; eʒ sprâchen sîne (
Sigfrids) reckenûʒ Niblunge lant: in sol immer rechenmit willen unser hant.
Nib. 968, 2; reche den elenden und den armen.
spr. Sal. 31, 9; dein gott, der sein volk rechet.
Jes. 51, 22; die götter aber haben meiner stiefmutter jre falsche untrew vergolten, und mich gerochen.
buch der liebe 182
b; gott wirdt mich wol rechen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 31, 308; heil euch, mein edler herr! ihr habt mich wohl gerochen, ruft Angela. Wieland 22, 118 (
Oberon 3, 38); weine um den bruder, ich will mit dir weinen, und mehr noch — rächen will ich ihn! Schiller
braut von Messina v. 2522;
häufig mit an
und folgendem dat. der person (
vergl.rache nehmen an einem
unter rache 6): rüstet unter euch leute zum heer wider die Midianiter, das sie den herrn rechen an den Midianitern.
4 Mos. 31, 2; nachdem der herr dich gerochen hat an deinen feinden.
richt. 11, 36; du bist gerochen worden an deiner feindin.
buch der liebe 182
b; also würd ich ohn allen zweifel an Petosiri gerochen. 208
a; jr sind gerochen worden an der Arsace. 217
d; sie haben mich an einem eifersüchtigen gerochen. Wieland 12, 194; so rufet er zornig: herr Schill! herr Schill! ich an den Franzosen euch rächen will! Arndt
ged. 198;
wie mhd.: ich biut mich iu ze füeʒen,sprach des küniges wîp; rechet mich an Hagnen,daʒ er verliese den lîp.
Nib. 1703, 4;
häufig passivisch und formelhaft, ich bin gerochen, ich werde gerochen: o tugend, du bist gerochen! Wieland 2, 181; er schwor mit brüllender stimme, dasz er gerochen sein wollte. 8, 176; wir sind beide hinlänglich dadurch gerochen, dasz ihnen ihre doppelte absicht fehl geschlagen ist. 11, 361; du entbehrst sie nun, und Prokris ist gerochen. 10, 238; Erwin! o schau, du wirst gerochen. Göthe 10, 300; doch jetzt, da ich befriedigt wiederkehre, ihr reich zerstört, mein sohn gerochen ist. 9, 13;
königin. bin ich gerochen?
chor. göttin, du bists! 11, 195; natur, dein ewiges gesetz hab ich gebrochen; jetzt beb ich vor dem sohn; natur — du bist gerochen. Gotter 2, 25; der fromme dichter wird gerochen, der mörder bietet selbst sich dar. Schiller
kraniche des Ibykus v. 173; wir sind gerochen.
don Carlos 5, 10; einen gerochen sehen: Tifan, der vor ungeduld brannte, die gemiszhandelten Scheschianer an ihren tyrannen gerochen zu sehen. Wieland 7, 156; ehe dir der athem ausgeht, sollst du dich noch durch meine hände an dem gerochen sehen, der dich in diesen zustand versetzt hat. Göthe 34, 143;
für die rächende person steht das ausführende glied oder werkzeug: mein arm, mein schwert soll ihn an dem verbrecher rächen; an spröden, die mir hohn gesprochen, hat mich noch allezeit ihr eignes herz gerochen. Wieland 10, 146;
statt der gerochenen person etwas persönlich gedachtes: am rohen glück will ich das edle rächen. Schiller
die begegnung. II@66)
nun auch reflexiv, sich rächen,
für etwas einem selbst zugefügtes böses vergeltung üben: der iemer der uuârheite huotet, rihtendo dien unreht tolenden, nals sih rechenten. Notker
ps. 145, 7; (
das thier) wirt gar snell zornig, daʒ eʒ sich richt. Megenberg 142, 6; rich dich, swie dich dünket guot. Hartmann 1.
büchlein 579; ich wil mich rechen, und sol mir kein mensch abbitten.
Jes. 47, 3; darumb, das die Philister sich gerochen haben.
Hes. 25, 15; nur dieses scheint mir wider die klare und helle vernunft zu laufen, dasz derjenige, welcher sich rächen will, seinen gegner so viel in die hände gibt, als er selbst kaum hat. Chr. Weise
erzn. 21
Braune; ich .. dachte nur die ganze nacht, wie ich mich rächen wollte. Göthe 34, 228; weil ich mich vertheidigt und gerochen hatte, wenn man uns etwas unangenehmes erzeigen wollte. 230; ist denn so viel verbrochen, wenn ein verletzter fürst rechtmäszig sich gerochen. A. Gryphius (1698) 1, 50; wie grausam rächst du dich! Wieland 9, 93; sich rächen an einem: so lônôn ih peccatoribus die mîne fienda sint, unde richo mih an in. Notker
cant. deut. 41 (
werke 2, 632
Piper); (
er) wil sich mit der wârheit vil wol an iu gerochen hân swaʒ ir im leides habt getân, und hât sich ouch gerochen wol.
Iwein 5001; und wird sich an seinen feinden rechen.
5 Mos. 32, 43; dis ist der tag des herrn Zebaoth, ein tag der rache, das er sich an seinen feinden reche, da das schwert fressen und von jrem blut vol und trunken werden wird.
Jer. 46, 10; darumb, das sich Edom am hause Juda gerochen hat, und damit sich verschuldet mit jrem rechen.
Hes. 25, 12; jedoch wil ich von diesem hof nicht, ich hab mich denn an dem schändtlichen verrähter gerochen.
buch der liebe 255
b; jhre ander könig Lamissio ... hat sich an den Wenden wol gerochen, und sie wiederumb in die flucht gejaget. Micrälius
altes Pommern 1, 89; mag ich mich an meinen feinden rechen, mit krieg in gweltiglich abprechen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 31, 303; wir wölln uns scherpfer an jm rechen und jm beide augen auszstechen. 3, 121, 227; das sei euch heut bei Jovi gschworn, ich will mich an meim vatter rechen. J. Ayrer 61
d (321, 34
Keller); dasz er sich nicht an mir kan rechn. 57
d (302, 17);
auch sich rächen an etwas,
indem die sache wie eine person aufgefaszt wird: Udus seuft den ganzen tag, wenn er drüber wird besprochen, spricht er: einen halben tag hab ich mich am durst gerochen. Logau 3, 205, 86; sollt aber dein und unser feind an dem, was dein herz gut gemeint, beginnen sich zu rächen. P. Gerhard 218; die stadt macht manchen fromm: bemerkt scheut man verbrechen: man ziehet auf das land sich an dem zwang zu rächen. Cronegk 2, 103;
oder indem die fügung mit an
werkzeug oder ursache ausdrückt: Visconti wollte deinen künftigen ruhm tödten — wollte sich an dem rächen, den du schon erworben hast (
durch zerstörung desselben). Klinger 1, 7; sich an einer that rächen,
ulcisci aliquod factum. Maaler 323
b; in der erst hab ich gehoffet seer, die Sabinen soltn sich bemühen, den könig allhie uberziehen (
mit krieg) und sich rechen an dieser that (
dem raub der weiber). J. Ayrer 17
b (100, 19
Keller); sich rächen über einen (
wie an einem): suchst all glegenheit und fug, dasz du dich richst uber mich armen. J. Ayrer
fastn. sp. 79
d (2738, 31
Keller);
wie mhd. auch bei transitivem rächen (
oben 2)
gesagt wird: daʒ sol ich hînt rechenalsô über dich, daʒ dir dîn zorn erhilletsô lûte nimmer mêre.
Gudrun 1278, 2; sich rächen wegen etwas, für etwas: er rächte sich für seine zurücksetzung; sich rächen durch etwas, mit etwas: Lindus ward in einem glach oft mit worten angestochen, gleichwol aber hat er sich noch mit wort noch that gerochen. Logau 1, 220, 9; mich däucht (erwiedert sie) du rächest dich zu hart für selbst gemachte liebesschmerzen. Wieland 9, 19;
der grund des rächens durch einen genitiv ausgedrückt: die wolte durch das schwerdt sich rechen ihrer nöthen. Opitz 2, 175;
wie mhd.: ô wê, wes hât sich diu liebe an mir gerochen?
minnes. 1, 89
a Hagen. II@77)
anders ein unpersönliches sich rächen,
rache, vergeltung finden: die vernachlässigung der wunde rächte sich, die hand schwoll an; denn alle schuld rächt sich auf erden. Göthe 18, 218. II@88) rächen,
ironisch gemeint (
vergl. dazu rache 7),
vergeltung für ein unrecht durch wolthat üben: ihr könnet allen euren feinden keinen ärgern possen thun, als wenn ihr euch durch gutthat an ihnen rächet. Schuppius 314. II@99) rächen,
nach dem vorbild des franz. revancher, schlechthin vergeltung üben, etwas gleich machen; in der form rechnen (
vergl. oben I, 3): das verlangen, demselben zu dinen, hat mich angefrischet, ihn, das er mich diser gunst würdigen möchte, hirmit zu behelligen: hingegen versichernde, das ich euserste bemühung um gelegenheit, mich zu rechnen, anwenden werde. Butschky
kanzl. 36.