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Pietsch

Lex. bis sprichw. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MeckWB
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4 in 4 Wb.
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Pietsch f.

Bd. 5, Sp. 399
Wossidia MeckWBNPietsch f. Peitsche; ein Lehnwort aus dem Westslaw., tschech. bič, poln. bicz, zu aslaw. biti schlagen; in der meckl. Mda. erscheint es erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrh. s; Reut., Bri., Egg. gebrauchen es nicht, es wird auch später von den Schriftstellern gemieden, als Fachausdruck (s. u.) verwendet es zuerst Stillfr. Köst. (1887) 1, 299; vorher ist es 1876 von Mi 63a gebucht; als Strafmittel gegen Leibeigene aber waren Sache und Wort in der hd. Verwaltung des Landes im 18. Jahrh. geläufig, erst 1802 hob die Regierung den 'Peitschenzwang' auf, vgl. H. Witte Kulturb. 1, 18; 124; Mag. 200. Dieses Instrument aber war eine schwere Knute mit einem dicken Lederriemen, in dessen dünneres Ende kegelförmige Knoten eingebunden waren, s. Mag. 201 Fußn. 42. 1. die Peitschenschnur wurde aus vier Strängen gewunden (ut vier Sträng' sleng't Schw); jeder Strang war aus 3 bis 4 Fäden flässen Goorn (Garn aus bester Flachsfaser) so zusammengedreht, daß einige Fäden durch Abreißen gekürzt wurden, wodurch die Stränge die Form einer langschwänzigen Wurzel (Wörtel Mohrrübe) erhielten. Ans Ende kam eine Klapp, Knarz oder Zwick; diese Peitsche wurde für Kühe gebraucht, wo es nur auf das Knallen ankam. Manchmal wurde zwischen dem Ende der Schnur und der Zwick noch ein Stück eingefügt, das Vördreiher hieß. Auch aus Streifen von Aalhaut wurden Peitschen geflochten; in SO war der Name Adder für eine unten spitz zulaufende Schnur gebräuchlich, s. Bd. 1, 68. Der Peitschenstock wurde aus einem annähernd drei Finger dicken Stock einer Tag'wid' (zähen Weide) in der Weise hergestellt, daß dieser vom dicken Ende her in neun Streifen gespalten und diese fein säuberlich glatt geschnitten wurden, so daß sie oben weit schwächer wurden als unten, damit Zug und Schlag in den Stock kam. Das ungespaltene Ende blieb gegen zwei Handlang. Dann wurden zwei aneinander liegende Streifen zusammengedreht, der dritte blieb frei, ebenso geschah es mit den noch übrigen Streifen. Darauf wurden die drei doppelstreifigen Stränge zusammengedreht und zuletzt die drei Einzelstreifen in die leer gebliebenen Rillen gewunden; so erhielt der Stock wieder eine runde Form. An der Stockspitze wurde schließlich mit Pechdraht eine Lederkappe befestigt und die Schnur eingebunden. Noch wuchtiger schlagen konnten die Twölfterpietschenstöck, auch Twalfter LuLudwigslust@BlievenstorfBliev genannt; diese waren in zwölf Streifen (Schänen) gespalten (upklöwt) und je drei davon zu einem Strang verbunden. Das ungespaltene Ende, woran man den Stock faßte, hieß Kül. Eine kurzstielige Peitsche mit langer dicker Schnur (Swäp) hatten die Pungenknechts auf dem Müllerwagen, womit sie besonders laut knallen konnten (Knallpietsch) HaHagenow@BelschBelsch; eine gleiche gebrauchten die Knallknechts beim Heischegang am Pfingstmorgen; diese Peitsche nannte man auch Knurr oder Knodder; für die Schnur wurde auch Swäp gebraucht, das aber gemeinhin mit Pietsch gleichbedeutend war; andere Benennungen dafür waren Klapp2, Knarr 3. 2. besondere sprachliche Wendungen: Pietsch un Mest (Messer) Is dei Jungens ehr Best SchwSchwerin@PinnowPinn; frömd' Pir un eigen Pietsch dat führt gaut (1890) RoRostock@RibnitzRibn; (1935) MaMalchin@StavenhagenStav; wenn de ierst Pietsch in de Hand warm worden is, willn se (die Jungknechte) nicks mihr lihren StaStargard@NeustrelitzNStrel; übertr. auf das Regiment in der Wirtschaft: wenn de jungen Lüd' (jungen Bauern) de Pietsch to tidig in de Hand krigen, ist es um die Altenteiler schlecht bestellt (1885) RoRostock@KühlungsbornKühl; se (die Ehefrau) hett de Pietsch in de Hand ebda; Vergleiche: dat geiht, as wenn dei Düwel mit dei Pietsch mank is Wa; denn' fleigen dei Würd' so tau, as wenn dor einer mit dei Pietsch hinner is Wa; he sitt mit de Pietsch hinneran der strenge Dienstherr Schw. 3. Brauch: die Gänsehirten durften sich keine Peitschen halten; sonst machten sich die Hirtenjungen Peitschen aus Binsen; zur Abwehr der Kraniche von Saaten band man einen Stein in die Peitschenschnur und schleuderte diesen unter die niedergegangenen Zugvögel WaWaren@LiepenLiep; bei Schweinejagden knallten die Treiber mit Peitschen oder machten mit Klappern Lärm Finck; wenn ein Gewitter heraufzog, durften die Jungen nicht mit de Pietsch knappen LuLudwigslust@QuastQuast; Hühner soll man nicht mit der Peitsche schlagen, sonst legen sie Windeier HaHagenow@WittenburgWitt; wenn die Sau zum Eber getrieben wird, soll man sie hin und wieder mit einer Peitsche schlagen, in die soviel Knoten gebunden sind, als sie Ferkel werfen soll Wi; eine Snakenangel (Schlangenzunge, s. Bd. 1, 312 Angel1 3) wird in die Peitschenschnur gebunden, dat sall gaut führen die Pferde antreiben wie ein Schlangenstich (1895) Ro NHagD; wenn sich ein Knecht auf dem Markt vermietet hatte, trug er die Peitsche über der Schulter HaHagenow@NostorfNost; bevor die Pferde aus dem Teich saufen, muß man mit der Peitsche dreimal kreuzweise aufs Wasser schlagen Bey. Lp. 54; vom Teufel heißt es, daß er mit der roten Peitsche ins Stroh schlage und es in Brand setze GüGüstrow@LaageLaage. 4. übertragene Bedeutungen a. dei hölten Pietsch wird für den Dreschflegel gesagt: dei hölten Pietsch treckt 't Mark ut dei Knaken WaWaren@RogeezRog. b. ein Reit- bügel, womit die Netze gepeitscht werden, um sie von Seegras zu reinigen RoRostock@WarnemündeWarn; vgl. pietschen, utpietschen. c. ein Bindfaden mit Stock, der durch die Endschlingen des Garns gezogen wird; diese werden auf dem Stock ausgebreitet und der Stock danach in die Längsrille des Garnbaums gedrückt PaParchim@GarwitzGarw. d. knütten mit dei Pietsch s. knütten (Bd. 4, 489); lit. Beleg: Du knüttst mit de Pitsch? Stillfr. Köst. 1, 299. e. penis: dei Pietsch utknallen SchöSchönberg@KlützKlütz; RoRostock@WarnemündeWarn. 5. Zss.: Bagen-, Buck-, Gewitter-, Hatz-, Hœker-, Hunn'-, Klopp-, Knall-, Mœhlen-, Ossen-, Slenk-, Twölften-, Twölfterpietsch; übertr. und bildl.: Fleigen-, Flöh-, Hunger-, Knurr-, Scheper-, Waterpietsch; Knullpietsch Kaulquappe; in dem Namen des Schlammpeizgers, cobitis fossilis, Kurr-, Kull-, Kollpietsch, ist das sorb. piskoŕ an das deutsche Wort angeglichen. — Br. Wb. 3, 324; Dä. 348b; Da. 156a; Kü. 2, 544; Me. 3, 1022.
5941 Zeichen · 81 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Pietsch

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Pietsch , Ludwig , Schriftsteller und Zeichner, geb. 25. Dez. 1824 in Danzig, bezog 1841 die Berliner Kunstakademie, tra…

  2. modern
    Dialekt
    Pietschf.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Pietsch f. Peitsche; ein Lehnwort aus dem Westslaw., tschech. bič, poln. bicz, zu aslaw. biti schlagen; in der meckl. Md…

  3. Sprichwörter
    Pietsch

    Wander (Sprichwörter)

    Pietsch Das ist Pietsch. (S. Aussehen.)

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit pietsch

30 Bildungen · 29 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von pietsch 2 Komponenten

piet+sch

pietsch setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

pietsch‑ als Erstglied (29 von 29)

pietschen

PfWB

piet·schen

pietschen schw. : ' ein wenig weinen ', pietsche [ BZ-Rambg ]; vgl. piensen . Rhein. VI 892 pitschen II.

pietschen1

MeckWB

pietschen 1 mit der Peitsche schlagen, die Pferde vorm Wagen, Pflug u. a., vgl. Pietsch 3; die Kuh pietscht schlägt mit dem Schwanz zum Verd…

pietschen2

MeckWB

pietschen 2 trinken: eenen pietschen (1889) Sta Wulk . Wslaw. pić.

Pietschenband

MeckWB

pietschen·band

Pietschenband Pl. -bänn' m. Peitschenschnur; sie wurde knüppelt geflochten Wa Solz . Vgl. Kü. 2, 544.

Pietschenfett

MeckWB

pietschen·fett

Pietschenfett n. iron. Peitschenschläge: Buer N. smeert sin Brakvœgel mit Pietschenfett, d. h. wenn die Hakeisen (Brakvœgel) schlecht geschm…

Pietschenfutter

MeckWB

pietschen·futter

Pietschenfutter n. Lederfutteral zum Einstekken der Peitsche neben dem Kutschersitze des Bänkwagens Nd. Jb. 47, 70.

Pietschenklapp

MeckWB

pietschen·klapp

Pietschenklapp f. das Ende der Peitschenschnur, womit geknallt wird, s. Pietsch 1; Karte ob. Klapp 2 (Bd. 4, 298).

Pietschenknallen

MeckWB

pietschen·knallen

Pietschenknallen n. am Silvesterabend wurde mit Peitschen geknallt (1921) Ma GVarchow ; in der Parchimer Gegend war das Peitschenknallen der…

Pietschenstäl

MeckWBN

pietschen·stael

Wossidia Pietschenstäl m. wie Pietschenstock Lu Ludwigslust@Ziegendorf Zieg ; 'n Pietschenstäl slengen Schw Schwerin@Rubow Rub .

Pietschenstock

MeckWB

pietschen·stock

Pietschenstock m. Peitschenstiel, s. Pietsch 1; man nahm dazu junge Heister Bär. Ges. 3, 1, 141; oder Stöcke von Weiden oder Wacholder (Knir…

Pietschenzwick

MeckWB

pietschen·zwick

Pietschenzwick f. das gedrehte Endstück an der Peitschenschnur, welches das Knallen verursachte, s. Pietschenklapp .

Pietscher

MeckWB

piet·scher

Pietscher m. Peitscher; scherzhaft Lehrer; Zss.: Katten-, Mutten-, Nah-, Oorspietscher .

Pietsch II

RhWB

Pietsch II -īə- = Pfirsich (s. d.);

Pietsch III

RhWB

Pietsch III -ī- = Drossel, zimperlicher Mensch s. Pitsch;

Pietschker Berg

Meyers

Pietschker Berg , Berg auf der Pommerschen Seenplatte, nordwestlich vom Jassener See, im Kreise Stolp, 181 m hoch.

Pietsch, Ludw

DWBQVZ

Pietsch, Ludw. *1824 Danzig †1911 Berlin.

Pietschmann

Meyers

pietsch·mann

Pietschmann , Richard , Ägyptolog und Historiker, geb. 24. Sept. 1851 in Stettin, Sohn des Bildhauers Eduard P., studierte in Berlin und Lei…

Pietschmelk

MeckWB

pietsch·melk

Pietschmelk f. eine Schale dick Melk wurde in einen tweiührigen Topf gegossen und mit einer birkenen Rute geschlagen; mit Mausketüffeln Haup…

pietsch als Zweitglied (1 von 1)

Kurrpietsch

MeckWB

Kurrpietsch Kull-, -o-, Kullerpietsch f. 1. Schlammpeizger, cobitis fossilis; Kurpietsch Monschr. 4, 336; Kurr- Siemss. Fische 49; E. Boll H…