Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
niozan
prät. ginozzan), im Abr und zahlreichen wei-
teren Gl, in MH, Ch, bei O, Oh, Ol, in NBo,
Nps, Npw und HHö: ‚Gebrauch machen, ge-
brauchen, behandeln, nutzen, bebauen, benut-
zen, sich zu Nutzen machen, nehmen, anneh-
men, ergreifen, genießen, in den Genuss von
etw. kommen, abnutzen, zu sich nehmen, ver-
zehren, verbrauchen, fressen, vernichten, zu-
grunde richten; abuti, accipere, capere, colere,
comedere, consumere, (copiam) concupiscere,
couti, frui, fungi, perfrui, perfungi, possidēre,
potiri, sortiri, sumere, terere, tractare, usur-
pare, uti‘, im Part.Präs. ‚Anteil habend, potitus;
brauchbar, utensilis‘, unkûsko niozan ‚miss-
brauchen, zugrunde richten; abuti‘, brunnen
niozan ‚trinken; ex aqua bibere‘, diu weida nio-
zan ‚weiden; pasci‘, diu weida gimeinlîcho
niozan ‚die Weide gemeinsam abweiden; ag-
rum compascere‘, dera heimwisti niozan ‚die
Gastfreundschaft genießen, im Hause bleiben;
manēre‘ <〈Var.: -ie-, -eo-, -ia-; -zz->〉. – Mhd.
niezen, niezzen st.v. ‚inne haben und sich zu-
nutze machen, gebrauchen, benutzen, genießen,
als Nahrung zu sich nehmen, verzehren‘, bes.
vom Liebesgenuss z. B. in er nôz ir jungen süe-
zen lîp, nhd. mdartl. schweiz. niessen st.v. ‚es
sich schmecken, wohl sein lassen‘, oft in der
alliterierenden Paarformel nutzen und niessen,
els. †niessen ‚genießen, kosten‘, bad. †nießen
st.v. ‚nutzen‘, schwäb. †niessen st.v. ‚genießen,
zu sich nehmen‘, vorarlb. †niessen st.v. ‚den
Nutzen von etw. haben‘, in der Wendung nut-
zen und niessen, tirol. niessen st.v. ‚genießen‘,
in der Wendung nutzen und niessen, pfälz.
nießen st.v., nur in der Wendung nutze und
nieße, ohess. nießen st.v. ‚genießen‘. Gegen
Ende des 17. Jh.s gerät das Simplex außer Ge-
brauch und wird wohl nach dem Vorbild ge-
brauchen hochspr. völlig vom komp. Verb ge-
nießen (s. giniozan) verdrängt (mit der Aufgabe
des Aspekts gegen Ende des Spätahd. war gi-
als urspr. Aspektmarker funktionslos geworden
und hat sich nur in wenigen Paaren wie brau-
chen und gebrauchen erhalten).