Muse ‘Muße’ u ‘Mußen’ GWBB1,45,20u24
; mehrfach (pl) neben ‘Grazie(n)’ bzw ‘Charitinnen’ 1
Göttin der schönen Künste a
als antik-mythol Figur: eine der olympischen Gottheiten (in Gefolgschaft Apollos); mehrfach als Gegenstand bildkünstlerischer Darstellung, einmal für eine Nymphe der Olymp mit seinen Göttern, eingeführt durch die M-n, geschmückt durch die Grazien GWB36,313,18 Zu brüderlAndenkWielands 1813 Nun kann es..einen gewissen Kreis, einen Cyklus von Gegenständen geben, die zusammen gleichsam einen mystischen Gegenstand ausmachen, wie die neun M-n mit dem Apoll GWB47,92,20 ÜbGegenstände bildKunst Nehmet
an..zwey steinerne Massen seyen neben einander gestellt, deren eine roh..die andere..durch die Kunst zur Statue..ausgebildet worden. Wäre es eine göttliche, so möchte sie eine Grazie oder
M. vorstellen [
nach Plotin, Enneaden V 8] GWBB19,55,11 Zelter 1.9.05~48,196,16 MuR(634) bei'm anschaulichen Nachbilden Tanzender..ihre Gestalten in der Luft schwebend auf einfachem Grunde gehalten..Auf solche Weise steigert auch Tischbein sein idyllisches Bestreben; auf leichtem Rohrgezweige hebt er seine
M. empor [
vgl Abb MA 13.2,86] GWB49
1,324,25 TischbeinsIdyllen 11 49
2,27,18 HomersApotheose 37,13 AnAnnetten 3 T2,294,19 v 9.5.00
uö für ein plastisches Kunstwerk der Musendarstellung Marmorne Statuen und Büsten standen auf Piedestalen..Er [
Wilhelm] erkannte eine
M., die seinem Großvater gehört hatte GWB23,154,22 Lj VIII 2 Von Rom hab ich eine sehr schöne
M. in einen Sardonix geschnitten erhalten GWBB9,14,7 ChStein 31.8.88 32,328,24 ItR
uö(selten) b
in Aufnahme u Anverwandlung der antik-mythol Figur α
als schöpferische, ein künstlerisches u besonders poetisches Werk erst ermöglichende Macht; oft in textimmanenter poetologischer Reflexion; auch mit Attr wie ‘hold, hehr, heilig’ Welches Schicksal erfahr' ich! Es löset scherzend die
M.,|Amor löset, der Schalk, mir den verschlossenen Mund GWB1,261 Vs 463 RömEleg XX Über die Wiege Virgils kam mir ein laulicher Wind:|Da gesellten die M-n sich gleich zum Freunde; wir pflogen|Abgeriss'nes Gespräch GWB1,307 Vs 17 VenEpigr 2 Richtet den herrschenden Stab auf Leben und Handeln, und lasset|Amorn, dem lieblichen Gott, doch mit der
M. das Spiel! GWB1,351 VierJahresz 39(796)~5
1,223 Xen 127(796) 15
1,135 Faust II 7567 2,23 DtParnaß 11 B8,134,15 Herder 13.1.87
uö in Anrede od (implizitem) Ausruf, auch als Ausdruck kunstbegeisterter Ergriffenheit; einmal in alchemistischem Zshg im Hinblick auf eine die Lebensqualität erhöhende schöpferische Produktivität Daß ich die Alten nicht hinter mir ließ..|Daß ich Natur und Kunst zu schaun mich..bestrebe,|..Solcher Fehler, die du, o
M., so emsig gepfleget,|Zeihet der Pöbel mich..doch du,
M., befiehlst mir allein GWB1,293 HermDor Eleg 9u12 So, ihr lieben M-n, betrogt ihr wieder die Länge|Dieser Weile, die mich von der Geliebten getrennt GWB1,254 Vs 347 RömEleg XV [
Wandrer beim Anblick der antiken Ruine:] Ihr M-n und Grazien! [
Frau:] Das ist meine Hütte GWB2,172 Der Wandrer 49 B2,97,12 Kestner [Mitte Jul 73 Korr DjG
33,41] 2,96 Die Musageten 2 5
1,290 XenNachl 143(629)
uö im Hinblick auf eine besondere Affinität zur Morgenröte (als unbeschwerte, für die künstlerische Aktivität günstige Zeit); einmal in sprichwörtl Anklang1) Dich, Aurora, wie kannt' ich dich..als Freundin der M-n! GWB1,250 Vs 273 RömEleg XIII 3,126 WTischbeins Idyllen 122
im Wortspiel mit dem Namen des Schriftstellers JCAMusäus kehret zum Pindus,|Fraget dorten die Neune, der Grazien nächste Verwandte!|..Ich darf euch versprechen:|Anders sagen die M-n und anders sagt es Musäus GWB2,264 PhysiognReisen 15 β
in (traditioneller) rhetorisch-poetischer Funktion, als Adressatin einer Invokation (zu Beginn einer Dichtung); im lyrischen Gedicht u im Epos Sage,
M., sag' dem Dichter|Wie er denn es machen soll? GWB3,164 Schlußpoetik 1 M-n, die ihr so gern die herzliche Liebe begünstigt,|..Helfet auch ferner den Bund des lieblichen Paares vollenden GWB50,256 HermDor IX 1 Singe
M. mit Lust den Liebeshandel des Ares GWB5
2,385 Aus Odyssee 8 Vs 1 1,82 FrühzFrühling 31 41
1,289,13 Ilias Ausz 11 B34,138,2 Knebel 21.2.21
uö in Verabschiedung Fort jetzt, ihr M-n! Fort, Poesie! Du Göttin des Marktes,|Deutliche Prosa, empfang' deutlich den deutlichen Gast [
ChFNicolai] GWB5
1,277 XenNachl 53(246) Es ist wieder Eis Bahn, adieu ihr M-n, oder mit hinaus auf die Bahn, wohin ihr Klopstocken [
als Odendichter] folgtet GWBB2,220,16 Boie 23.12.74 Nun, ihr M-n, genug! GWB1,271 Alexis u Dora 155
in Begründung narrativer Verschweigung wir müssen diesen Fall unter diejenigen rechnen, über welche die M-n auch wohl einen Schleier zu werfen sich die Schalkheit erlauben GWB24,308,21 Wj II 4 γ
als Figur in Drama od (seltener) Lyrik Die Muse tritt auf und prologirt, begleitet von zwei Genien als Knaben, welche trophäenartig die Attribute sämmtlicher Musen tragen.|
M.| In tiefe Sklaverei lag ich gebunden.. GWB41
1,36,21u24 Anz:Epimen [
dramatische Darstellung von Schillers ‘Glocke’] Die Glocke schwebt so hoch, daß die
M. ..unter ihr hervortreten kann GWB40,121,13 SchillersIfflandsAndenk Spiegel der
M.|Sich zu schmücken begierig verfolgte den rinnenden Bach einst|Früh die
M. hinab GWB2,133 Titel u Vs 2 16,488,2 Maskenz 1818 Plp 16,159 KünstlersApotheose redPers vor 179
uö δ
als allegorische Figur, auch in der Funktion einer Schicksalsgöttin Ich erinnere mich..eines Gedichtes..in welchem die
M. der tragischen Dichtkunst und eine andere Frauengestalt, in der ich das Gewerbe personificirt hatte, sich um meine werthe Person recht wacker zanken GWB21,42,2 Lj I 8 Äsop; die
M. der Fabel kömmt zu ihm, krönt, bekränzt ihn GWB49
1,74,23 Philostrat 35,157,8 TuJ 1803 21,42,26 u 43,10 Lj I 8
als Bezeichnung für eine weibliche Gestalt (auf einem allegor Gemälde)2) eine ideale Frauenfigur..die eine Lichtschere nach einer Kerze hinbewegte..Frage..ob diese seltsame
M. das Licht zu putzen oder auszulöschen gedenke? GWB27,156,15 DuW 8 ε
als Karnevalsmaske [
Maskenball] So zeigen sich hier..die tragische
M., die
M. der Geschichte GWB32,263,17u18 ItR 2
sinnbildl, seltener bildl a
als eine die Kunst fördernde, zur künstlerischen, meist dichterischen Tätigkeit befähigende Instanz; oft pl in (stereotypen) Wdgn wie ‘Gunst, Beistand, Besuch, Gesellschaft, Gaben der M-n’, ‘den M-n treu sein, danken, huldigen, etw ablocken’, je einmal ‘der Liebeswerke mit den M-n pflegen’ u (in Wunschformel) koordinierend ‘M. und Eingebung’ (statt „Eingebung der Muse”) Es scheint, als bedürfe der Dichter nur sein selbst und horche am sichersten in der Einsamkeit auf die Eingebung der M-n GWB42
2,13,10 Freitagsges 9.9.91 Wie schwer ist es daher, dem Talente jeder Art und jeden Grades begreiflich zu machen: daß die
M. das Leben zwar gern begleitet, aber es keineswegs zu leiten versteht GWB41
2,377,8 WohlgemeinteErwiderg~B49,216,12 Meyr 19.1.32 Beilage Ich..will sehen ob ich der
M. dort [
in Jena] etwas ablocken kann GWBB13,99,6 Knebel 18.3.98 Sonst habe ich aber auch nicht den Saum des Kleides einer
M. erblickt, ja selbst zur Prosa habe ich mich untüchtig gefunden, und weder Production noch Reproduction ließ sich im geringsten spüren GWBB11,261,1 Schiller 12.11.96 Nur durch die Gunst der M-n schließen sich|So viele Reime fest in Eins zusammen! GWB10,116 Tasso 272 B1,179,24 Oeser 9.11.68 B40,36,8 Kanzl Müller 29.8.25 B4,233,20 Maler Müller 12.6.80 35,260,1 TuJ 1806
uö(häufig) im Topos der vergeblichen Bitte um Beistand; in Gelegenheitsgedichten Herzlich bat ich die
M. mich liebliche Worte zu lehren|..doch sie erhörte mich nicht.|Besser lehrt mich das Kochbuch ein esbares Opfer zu bringen GWBB6,188,4 ChStein [25.8.83]~4,119 Vs 1 4,33 Vs 4 In dStammb dFr vSpiegel 25.2.24
im Hinblick auf freie, auch friedliche u unbehelligte Zeit als Gelegenheit für schöpferische Tätigkeit Langeweile! du bist Mutter der M-n gegrüßt GWB1,313 Vs 132 VenEpigr 27~B34,65,5 Meyr 2.1.21 Nachricht eines ausbrechenden Krieges..alles ging durch einander, und die stilleren M-n hielten den Lärm nicht aus GWB52,48,11 ThS IV 10 B10,84,1 Knebel 2.7.93 B24,217,4 Miltitz 4.[4.]14 K N2,297,17 FlP Abschl
‘unselige M.’ für eine Zeit der Krankheit GWBB51,372 Sartorius 20.10.15 b
als persönlicher Schutzgeist, Inspirationsquelle eines Dichters; meist ‘jds M.’; auch für die Eigenart u Begabung eines Künstlers Die Aufnahme des Epimenides wird ausweisen ob die Früchte meiner
M. [〉Bemühungen], wie ich so sehr wünsche, auf dem Berliner Theater gedeihen können GWBB25,382 BAWeber 30.1.15 K Var [
Z]Werner theilte außerdem noch seinen projectirten Prolog zur Friedensfeier in Berlin mit, welcher abermals die sämmtlichen Tugenden und Mängel seiner
M. dem Aufmerkenden bethätigte GWB36,392,27 TuJ 1807 Plp versetzte Wilhelm..meine
M. hat noch kein so angenehmes Geschäfte gehabt, als zum Lob eines Fürsten..auch nur stammelnd sich hören zu lassen GWB21,269,13 Lj III 6 wenn ich mich seiner großen Persönlichkeit [
Byron] zu nähern wünschte, von seiner
M. mich völlig zu entfernen drohte GWB36,108,6 TuJ 1816 B39,79,5 Nees [10.]1.25 B32,250,7 Houwald 18.4.20 K 41
2,330,10 Zu:Müller,Dem Könige die Muse
uö zugl als schicksalhafte Macht um den Grundsinn seiner Gesänge ihm [
Goethe] einzuflößen, waren zwei lebendige M-n unentbehrlich: seine Seele und seine Zeit GWB41
2,190,2 Anz:Oeuvres dramat de G
im Topos vom Dichter als Liebling od Schüler der Musen, einmal im Hinblick auf den Musenkuß An die Cicade..Ja, dich lieben alle M-n,|Phöbus selber muß dich lieben GWB2,110 An die Zikade 12 Wie sehr ich (und gewiß mit Unrecht) glaubte,|Die Muße liebte mich und gäb mir oft|Ein Lied. Es klang von meiner Leyer zwar|Manch stolzes Lied, das aber nicht die M-n,|Und nicht Apollo reihten GWBB1,45,24u26 JJRiese 28.4.66 wie unter der Menge|Einen die
M. sich wählt, freundlich die Lippen ihm küßt GWB2,127 Erwählter Fels 8 2,150 An Zachariä 31 B1,238,5 Hetzler dJ 14.7.[70] K
uö(selten) c
für Kunst, besonders Dichtung selbst, auch für schöngeistige Kultur u Bildung, Pflege der Künste im allg; vereinzelt im Topos von der Verleihung der Unsterblichkeit Wie ich..Gegenwärtiges aus dem alten, der Liebe, der Freundschaft und den M-n höchst günstigen Gartenhause [
Goethes Gartenhaus an der Ilm] bey..heiterstem Himmel zutraulich ablasse GWBB44,318,20 Kanzl Müller 22.9.28 Wir Deutschen, rief er [
Wilhelm] aus, verdienten, daß unsere M-n in der Verachtung blieben, in der sie so lange geschmachtet haben GWB21,294,22 Lj III 9 Nur die
M. gewährt einiges Leben dem Tod GWB1,285 Euphrosyne 122 B9,155,18 AnnaAm 18.10.89 B40,30,16 Kanzl Müller 26.8.25 5
1,293 XenNachl 166(742)
uö für ein Genre, eine bestimmte Kunstrichtung; mit näherer Bestimmung wie ‘dramatische M-n’ für Schauspielkunst, ‘vaterländische/deutsche M-n’ für deutschsprachige Dichtung, ‘ländliche M.’ für Landschaftsmalerei; auch ‘antike M.’ für die Dichtung der griech Antike; einmal zugl als Theaterfigur (vgl 1bγ) [
Premiere der ‘Fischerin’] In Tiefurt haben die dramatischen M-n eine Erscheinung gemacht GWBB6,30,14 JFFritsch 5.8.82 er [
Goethe] hat von der antiken
M. sich eindringliche Accente zugeeignet [
bei der Arbeit an ‘Iphigenie’] GWB41
2,189,28 Anz:Oeuvres dramat de G Meine Absicht ist..das Schauspiel, die Schauspielkunst, die
M., die Beherrscherin des vielseitigen Dramas auftreten zu lassen GWBB34,378,5 Gf Brühl 30.4.21 K 37,285,6 FGA Geßner,Idyllen 21,244,17 Lj III 2 B18,73,17 Prz August [Sommer 96] K
iron, mit Anspielung auf die Zs ‘Kalender der Musen u Grazien’ (vgl 3) M-n und Grazien in der Mark GWB1,146 Titel d
für ein Kunstprodukt, ein poetisches Werk Wenn ich nun..bey dem allgemeinen „Glück auf!”..auch Ihre bergmännischen M-n [
Gedichte] freundlich begrüße, so wird es Ihnen nicht unangenehm seyn GWBB49,98,2 AHerder 30.9.31
für einen (mit dem mythol Eigennamen) bezeichneten Gesang von ‘Hermann u Dorothea’ Montags gehen die vier Ersten Musen ab, indeß ich mich mit den fünf letztern fleißig beschäftige GWBB12,87,14 Schiller 15.4.97 B12,85,24 Böttiger 11.4.97 B12,122,17 WHumboldt 14.5.97 K 3
für eine kunstbegeisterte, Kunst fördernde u/od selbst künstlerisch tätige Person [
Ottilies Freundinnen] Grüße die verehrten Sibyllen, die heitern M-n und was sonst froh und nützlich vereint seyn mag GWBB29,103,10 Ottilie 26.3.18 Die M-n und Grazien von Oberroßla hatten Ihre Gegenwart mehr gewünscht als gehofft, das Wetter war gar zu übel GWBB13,255,25 Schiller 22.8.98 Ich wünsche dem Orden der Theaterdichter..Glück..daß er an Frau Strumpel eine so himmlische
M. gefunden hat GWBB13,221,14 Prz August 20.7.98 K B19,463,5 Meyer 27.11.07
uö(selten) → GWB
Lieblings- Syn zu 2a und c
GWB
Musenschwester zu 2a
GWB
Camöne 1) vgl Wander 3,732 s v Morgenröthe Nr62) vgl FWKreuchauf, Oesers neueste Allegoriegemälde, 1782,32: „der Kunst treueste Führerin, die Erkenntniss” Elke DreisbachE.D.