leiblich,
adj. 11)
persönlich: wenn unser herre, der römische künige oder sein nachkomen nicht leiplich zu Nüremberg wern, daʒ sie dann dieselben vesten nyemanden eingeben noch befülhen dann uns dem rate der stat zu Nüremberg.
d. städtechr. 1, 198, 20 (
von 1401); derhalben ich aus der maszen gerne were selbs zu euch komen leiblich (
statt nur zu schreiben). Luther 5, 13
a; so wolt ich ja herzlich gerne (wie auch wol billig) leiblich um euch sein.
ebenda; hab ich doch nicht lassen mögen mein leiblich abwesen .. zu entschüldigen. 14
a.
vom teufel (
vergl. dazu leibhaftig 2): do schlag der leiplich teufel zuo. Murner
schelmenzunft 37
b,
auch noch in der heutigen sprache nicht ganz vergessen, als ein sinnlicherer ausdruck für das in gewöhnlicher rede herschende persönlich: der ihr leiblich nah darf bleiben. Rückert
liebesfrühl. 1872
s. 63;
selbst in bezug auf worte, den äuszerungen der eigenen person: gesindel, sei still, oder trolle dich fort! ich höre kaum selber mein leibliches wort. H. Heine 15, 32. 22) leiblich,
in die bedeutung des wirklichen, wahren übergehend (
wie leibhaft
und leibhaftig
sp. 601
fg.): Matthesius nennet ihn (
den Jotham) einen weisen, einen groszen regenten, und leiblichen heiland in Israel. Schuppius 843;
auch von dingen und hier einem blosz gedachten gegenstande gegenüber: das deine tegliche und leibliche wunderthaten hierausz .. erkandt werden. Mathes.
Sar. 27
b; andere glauben, das die strafe gottes durch solchen brennenden schwefel-pful gleichniszweise bedeutet werde, weil die sele ein geist und von dem leiblichen feuer nicht könne gekwählet werden. Butschky
Patm. 565; sy glauben alles, so in den propheten verheiszen, leiplich. Frank
weltbuch 122
b. 33) leiblich,
in der sprache des neuen testaments als irdisch, vergänglich, dem geistlichen, himmlischen entgegengesetzt (
vgl. dazu auch fleischlich): doch werden solche leibliche trübsal haben. 1
Cor. 7, 28; so wir euch das geistliche seen, ists ein gros ding, ob wir ewer leibliches erndten? 9, 11; denn so die heiden sind jrer geistlichen güter teilhaftig worden, ists billich das sie auch in leiblichen gütern dienst beweisen.
Röm. 15, 27; jr knechte seid gehorsam ewren leiblichen herrn.
Eph. 6, 5; denn so der ochsen und der böcke blut .. heiliget die unreinen zu der leiblichen reinigkeit, wie viel mehr wird das blut Christi .. unser gewissen reinigen.
Ebr. 9, 13; auch so wir haben unser leibliche veter zu züchtigern gehabt, und sie geschewet, solten wir denn nicht viel mehr unterthan sein dem geistlichen vater? 12, 9;
und danach sonst: einer (
éine art krieg) gehet zu mit stechen und brechen .. das ist ein leiblicher krieg. Luther 3, 180
a (
vorher: ein geistlich krieg sols sein); gott aber hat diesem leiblichen groben volk, leibliche verheiszung fürgeschlagen, sie solten aber darunter verstanden haben die geistliche zusagung. 4, 506
a; sol verbrennen und verzeren solchen leiblichen streit.
ebenda; er gibt aber im newen testament nicht leiblich der heiden erbe, wie er den kindern Israel gab, sondern geistlich, das ist, wo vorhin heiden gewest, gewonet und geerbet haben, da sind nu christen. 5, 214
a. 44) leiblich,
den körper, seine theile, seine bedürfnisse, eigenschaften, gebrechen angehend: wenn er (
der vogel lucinia) seineu air prüett, sô singet er die langen naht mit gar süeʒem gesang und ist sein mainung, er well seineu air lebendig machen mit gesang und mit leipleicher hitz. Megenberg 204, 2; also schluog ouch got einen dort mit der ruoten lyblicher krankheit. Keisersberg
bilg. 75
a; (
dasz der notar) das, so er mit leiblichen sinnen vermerkt .. in seinem protocoll aufschreibe.
ordnung der notarien, Cöln 1512 § 6; er uberwand aber das schreckliche wesen, nicht mit leiblicher macht, noch mit waffen kraft, sondern mit dem wort warf er sich unter den plager.
weish. Sal. 18, 22; Jhesus aber saget von seinem tode, sie meineten aber, er redet vom leiblichen schlaf.
Joh. 11, 13; der ist gleich einem man, der sein leiblich angesichte im spiegel beschawet.
Jac. 1, 23; leibliches vermögen,
vis corporea Stieler 1133; leiblicher besitz,
possessio corporalis Frisch 1, 600
b; der ritter Edmund war ein frommer christ, doch hatt er nicht das leibliche vergessen: so war er eben auch zu jener frist mit frau und kindern an den tisch gesessen. Uhland
ged. 449; und der heilige geist fuhr ernidder, in leiblicher gestalt auf jn, wie eine taube (
σωματικῷ εἴδει ὡσεὶ περιστεράν,
corporali specie sicut columba).
Luc. 3, 22;
ein falscher heiliger Franziskus spricht: dochter, ich wünsch dir heil und gnad und komm zu dir den abent spat leiblich, wie ich dir oft erschin. J. Ayrer
fastn. sp. 136
b (3018, 20
Keller);
und so von erscheinungen: libliche erscheinunge,
fantasia. voc. inc. theut. m 4
a; sie liesz mich zwar, in sanct Andreas nacht, den künftgen liebsten leiblich sehen. Göthe 12, 51.
in der formel etwas mit leiblichen augen sehen
steht leiblich
beim substantiv nur noch verstärkend: wenn er auch vor meinen leiblichen augen verschwindet. Bettine 1, 44. 55) leiblich,
mit geschlechtlichem beisinne: wenn die hennen ze vil airnt, sô sterbent si schier. alsô beschiht den läuten, die sich ze vil underwindent leipleicher werk. Megenberg 193, 20; leibliche lüste,
voluptates carnis. Stieler 1133. 66) leiblich,
in bezug auf geburt und verwandtschaft: leiblicher bruoder, natürlicher bruoder von vatter und muoter,
germanus frater Maaler 269
d; leibliche schwester,
germana. Stieler 1133; meine leibliche mutter,
mater mea naturalis. Steinbach 1, 1027; leibliche kinder,
liberi germani, ex iisdem parentibus nati Frisch 1, 600
b; leiblicher vater,
qui natura pater est, naturalis. ebenda; wann ich dich an eins lyblichen bruders statt lieb gehabt hab.
Terent. deutsch (1499) 16
a; ein leiblicher sohn des Odysseus.
Odyss. 1, 208.
s. eheleiblich. 77)
der leibliche eid
ist der feierliche, mit anrührung der körper der heiligen oder mit zu gott emporgerichteten fingern geschworen, im gegensatze zum schlechten eide,
bei dem nur die eidesformel gesagt wird (der .. sollichs bei seinen schlechten eide, unaufgerockt, aussagen wurde. Haltaus 1635,
v. 1490): de gesichert und geschworen hant zu den heiligen, de se leiflich geroirt hant. Haltaus 1246 (
von 1334); an den hylgen gesworen mit upgerichten lifliken vlesliken vingeren und statten (
l. staften) eiden.
ebenda (
von 1393); die schwuren einen leiblichen eid für den bapst, das der bischof nicht verhungert. Henneberger 451; wiewol er und seine spieszgesellen den herzogen ausz Schwaben und Franken leiblich geschworen, trew zu sein. Zinkgref
apophth. 1, 35; wenn einer auf universitäten kombt, musz er sich alsbald bei dem rectore angeben, und einen leiblichen eid schweren, dasz er die leges und statuta academica observiren wolle. Schuppius 265. 88) leibliche sterne,
bei Paracelsus
sterne, die einflusz auf die körperbeschaffenheit des menschen haben: alle leibliche sternen sind der weisze geneigt.
opp. 1, 521 C.
s. leibstern.