lallen,
verb. mit ungelenker zunge und undeutlich sprechen, mhd. lallen
und lellen;
lallare laln, leln Dief. 316
b. 11)
intransitiv, von den sprechversuchen der kinder: wie ein natürlicher vatter mit seinen leiblichen kindern lallet. Mathes.
Sar. 53
a; die rede ist oft ein kindisches, abgebrochenes lallen. Schlosser
weltg. 5, 294; vom lallen und iauchzen des kindes. Göthe 20, 217; aber weisze schaumwellen zischten und es platschte immer ans ufer, und die wellen lallten wie kinder. Bettine
briefe 1, 38; da rieseln die bäche nieder ins sanfte gras und lallen wie wiegenkindchen.
tageb. 12; und nachts, wenn jeder ton verhallt, so hören wir ein kind,
das lallt. Göthe 11, 203; o seligkeit, den ersten ton, das lallen seines sohns zu hören! 232; ach, so jung, so bräutlich annoch, verlieszen wir jene, als wir zogen zum streit; und ein knäblein lag an der brust ihr, lallend, der nun wol schon in den kreis sich setzet mit männern.
Odyssee 11, 449; und so lang ihr die (
zeit) nicht völlig begreift, bleibt stets ihr lallende knäblein. Platen 316;
von dem stammeln eines trunkenen oder geistig zurückgebliebenen: (
gott) hat den teufel nicht lassen reden, mit ganzer freier zungen, sondern hat sie gebunden, das er durch den bapst mit halber und schwerer zungen hat müssen stolpern, stammeln und lallen, damit seine auserweleten ein zeichen und warnung hetten, daran sie merken kündten, das der teufel im bapst wonete, und durch jnen redet, die schrift mit seinem lallen so schendlich ausleget. Luther 8, 239
a; sie wollten den lallenden, schlafenden und blinzenden theil des publicums curiren, und sie fangen dabei an, dasz sie ihm seine puppe nehmen. Göthe 33, 11; (
der trunkene) auf allerlei pladert und lallt, sein weisz keim denn jm selbst gefallt. Kirchhof
wendunm. 75
a;
der zärtlichkeit: vergisz auch nicht Amors beredtes gefallen, die schlüpfrigen reden, das zärtliche lallen: hier zieren die fehler der sprache den mund. Günther 928;
eines kindlich frommen: ein guter gott ist er, dem unerschrockner muth und eines reinen herzens lallen mehr, als der jungen rinder blut und hekatombenstolz, gefallen. Gotter 1, 413;
von dem gebrochenen reden eines ausländers: ich nennete mich Janco und konte zimlich Teutsch lallen, aber ich liesze michs aller Böhmen brauch nach drumb nicht merken.
Simpl. 3, 14
Kurz; von einem undeutlichen, nur gemurmelten gerüchte: indessen aber muste dennoch Lissemo und Lissette ein lallendes gespräch in der plauderer und neider mund sein.
Salinde 141; die falschen zungen hab ich ghört und glaubet jhrem blosen lallen, des bin ich in grosz torheit gfallen. J. Ayrer 432
b (2170, 35
Keller); ich schlüge zorn und hasz und das verdammte lallen des murrenden gerüchts mit groszmuth in den wind. Günther 587;
es heiszt mit der sprache lallen: (
wenn ihr) die sprache würgt und kränkt, zermartert, krüpelt, stümmelt, so lächerlich damit lallt, stockert, stammelt, tümmelt. Logau 2, 68.
ablautspielend lillen und lallen: wann aber sie (
die gereisten junker) widerumb heimbkommen, so seind sie gäns und gaga vor wie nach, haben vil verzehrt, wenig gelernt, wissen nichts und können weder kicketzen noch kacketzen, weder lillen noch lallen. Albertinus
narrenhatz (1617) 230; (
bis die trinker) nimmer lillen noch lallen können. 232;
in der reimenden verbindung lallen und kallen: wir wissen das viel falscher propheten werden kohmen, gros lallen und kallen machen. Abt Paul (
von Zell) auff Luthers verantwortung
etc. (1533)
bl. D. 22)
transitiv, in derselben bedeutung; so in bezug auf unverständiges, thörichtes schwatzen: das du selbest nicht sihest, was du lallest und speiest. Luther 1, 361
a; der unsinnige narr, vom teufel besessen, verstehet nichts, weis nicht was er lallet. 8, 174
a;
von trunkenen, kindern, kindlichen, erregten: dieser lalt sein eigene schand. S.
Frank laster d. trunkenh. d ij; (
die opfer) von deren entstehung der scharfsinnigste geist nichts zu lallen vermag, wenn er keinen positiven befehl gottes annehmen will. Göthe 33, 85; es konnte diese geschraubte kraft nichts als dunkle ahnungen hervordrängen; sie lallten sie aus, niemand verstund sie. 56, 243; wirft aber der ewige geist einen blick seiner weisheit, einen funken seiner liebe, einem erwählten zu, der trete auf, und lalle sein gefühl. 245; lasz dir keine liedchen vorlallen. Bettine
briefe 1, 289; wer selber nit weiszt was er lallt, und doch jm selbst darmit gefallt. Kirchhof
wendunm. 399
b; daher ist meine pflicht ein kind der dankbarkeit, und lallt ein schlechtes lied, weil kinder gerne singen. Günther 574; nun lallt alles volk entzückt die sprache der Franken. Göthe 1, 364; als namen der geliebten sie (
zwei worte) zu lallen. 2, 19; als du noch voll unschuld .. aus dem vergriffnen büchelchen gebete lalltest. 12, 199; manches hab ich nicht verstanden, das ich wagte nachzulallen. Rückert 340;
mit directer rede: schwätzern seid ihr (
grazien) nicht da; dennoch lallt, lispelt zierlich ihr mund: grazjen, o hört, hört uns, wir liebeln euch! Klopstock 2, 96; er springt und stampft und kann noch kaum sein hoch! mit schwerer zunge lallen. Hagedorn 3, 122; sein perlend glas emporhob einer, und lallte fromm und feierlich: ich mach es, traun, wie der Lateiner, — kein tag vergeht mir ohne strich! Freiligrath
dicht. 2, 197. 33)
bairisch heiszt lallen
auch saugen, schnullen am sauglappen. Schm. 1, 1469
Fromm. (
vgl.lullen);
schwäbisch ist das umgelautete lällen
die zunge aushängen lassen. E. Meier 201;
schweiz. lällen,
die zunge herausstrecken, wie es erhitzte hunde thun, aber auch vom feuer, züngeln, fackeln. Stalder 2, 153; lälla,
lechzen, auch vom feuer Tobler 290
b,
bei Maaler 260
c lälchen
allambere; dazu schweiz. die lälle
oder das lälli (Stalder), die lälla (Tobler)
zunge, bair. der leller,
zunge, und der lalli,
fem. die lallen
laffe, maulaffe, unausrichtsame person. Schm.
a. a. o., schweiz. lalli Tobler;
älter lale,
zu welcher form wol lalli
als deminutiv steht: ist im Schweizerlandt ein gemein scheltwort, das man sagt du lale. Thurneiszer
magna alch. 2, 71;
als fingierter name: noch blibst ein narr so wol als ich, dem Lali ztief im rodel stehst. J. Gotthart
zerstörung Trojas (
Solothurn 1598) 2
ter tag, 3.
act. vgl.das lalenbuch,
gedruckt zu Lalenburg (1597);
der lällenkönig,
ein grotesker, mit einer krone versehener kopf, der an einem thorthurme Basels angebracht war, und durch einen mechanismus, welcher vom uhrwerke des thurmes aus in bewegung gesetzt ward, eine lange zunge herausstreckte und einzog. eine ähnliche figur am weiszenthurmthor in Straszburg hiesz lalenkönig. 44) lallen,
ein lautmalendes wort, findet sich in verschiedenem sinne weiter verbreitet: altnord. lalla
to toddle, as a child beginning to walk (Vigfusson 370
b);
engl. loll,
nachlässig liegen, hängen, die zunge herausstrecken, mundartlich verzärteln, spielen; auf die sprache bezogen in dän. lalle,
schwed. lalla
lallen, lat. lallare
lallen und trällern, griech. λαλεῖν schwatzen, reden; im sanskr. lalalla
vom laute eines lallenden (
vgl. Fick2 s. 175).