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kauern

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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9 in 9 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kauern

Bd. 11, Sp. 314
kauern, coxim sedere, wie das zweite kauchen: alsbald kauerte er, wie ein tonkünstler der sich vors clavier setzt. Göthe 36, 36; sie kauert sich zum knaben. 7, 125; sitzen in einem kreise, alle gekauert wie die eichhörnchen. 13, 93; doch sagt, was in der höhle dort bei schwachem licht sich dreifach hingekauert? 41, 154; du nur willst sitzen hier gekauert, in deinen sorgen eingemauert. Tieck 4, 131; nie werd ich mehr verdrieszlich mich in eure winkel kauern. Platen 212; beschirmt mich vor den kalten regenschauern, seid gastlich, trümmer ihr der alten zeit. wo klafft ein spalt, wo kann ich unterkauern? Chamisso ged. (1852) 419 (die ruine); ich als sphinx neben ihm kauernd. Bettine br. 2, 100: unke kauert im sumpf, igel im grase duckt. Annette v. Droste ged. 71; tief im gebüsch das berghuhn läuft, es stutzt, es kauert sich, es pfeift. 459; in einer ecke lag ... ein galizischer handelsmann zusammengekauert auf dem strohsack. Freytag soll und haben 1, 66. wie bei knien, ducken, hocken und ähnlichen heiszt es sowol kauern als sich kauern, dieses indess sagt mehr sich niederhocken, jenes mehr gehockt sitzen. deutlicher sich hinkauern, sich niederkauern u. a. Merkwürdig ist die geschichte des wortes. erst wbb. des vorigen jh. führen es an, der Schlesier Steinbach (1734) 1, 836 ich kauere (mich), sich niederkauern seine nothdurft zu verrichten; bei Frisch (1741) 1, 503c nur als 'pöbelwort, etwan in Schlesien und anderswo gebräuchlich', offenbar nur aus Steinbach, er kannte es also nicht aus seiner heimat (Oberpfalz) und nicht aus dem gebildeten gebrauche seines bereiches. noch Adelung weist es dem gemeinen leben zu, Heynatz antibarb. (1797) 2, 174 äuszert sich wie verdrieszlich, 'wird für hochdeutsch ausgegeben, möchte sich aber in dieser eigenschaft kaum behaupten können'; selbst Campe noch bezeichnet es als zu den 'niedrigen' wörtern gehörig. und nun sehe man die dichterstellen vorhin wieder an! Göthe scheint es geradezu als schriftfähig in gang gebracht zu haben, und jetzt ist es das neben hocken, das nicht so sinnlich malend ist, fast allein; denn die landsch. kauchen, kauzen, hauchen, hauern u. a. sind der schriftsprache fremd. Aus welcher mundart aber kam es empor? im mittlern Thüringen heiszt es volksm. vielmehr kauzen (das denn auch Stieler hat, aber kauern nicht), oberd. rhein. kauchen, auch hauchen, hauern, oberlaus. käffern, voigtl. häufeln, auf der Eifel sich kutschen, nd. götting. hurkûzen, braunschw. in der hûke sitten, u. s. w. aber in Sachsen z. b. ist es heimisch, das hessische katzenstühlchens schleifen sp. 302 (s.kascheln) heiszt bei Leipziger kindern käurichen schusseln, sich kauern kauermätzchen machen, oberlaus. kauermännel (s.kauermännchen), erzgeb. kauerhäufel (thür. käuzchen); ein haschspiel, wobei der haschende kauert, sächs. kauerhaschens (thür. kauzhaschens). Entstehung aus g'hauern (Frisch) erlaubt die mundart nicht, das verhältnis von kauern zu hauern (mhd. hûren) musz sein wie bei kauchen : hauchen u. a., s. sp. 306. auch müssen es die Angeln und Sachsen schon mit übers wasser genommen haben, denn engl. cower, schott. cour (auch curr) entspricht dem kauern genau, altengl. bei Chaucer knele and coure, knien und kauern; daneben northumbr. cowl to cower down Halliw. 276a, sodasz r und l nur bildend scheinen, vgl. cow einschüchtern, eig. niederducken? Campe gibt sogar ein kauen (?) gleich kauern, und allerdings würde deminutive bildung zur sache trefflich passen. auch schwed. dial. kura sich kauern, besonders um sich zu verbergen, oder faulenzen,n. dial. kure, norw. kura, altn. isl. kûra unthätig sein, sich still verhalten, isl. kûra f. unthätige ruhe. vgl. auch finn. kuuru schlupfwinkel, kuuruinen versteckter, istun (ich sitze) kuurussa, 'in latibulo contractus sedeo', also gekauert.
3815 Zeichen · 80 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kauern

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Kauern , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, sich auf die Fersen niederlassen, auf den Fersen sitzen, im gemeine…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    kauern

    Goethe-Wörterbuch

    kauern Part ‘kaurend’ 48,97,1 a in geduckter Haltung sitzen; sich anschmiegen [ Scherenschnitt von LDuttenhofer 1) ] Cha…

  3. modern
    Dialekt
    kauernschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    kauern schw. : 1. 'zusammengekrümmt sitzen, sich ducken', kaure [verbr.]; vgl. kaudern 1 , Kauer 2 . — 2. 'wehleidig tun…

  4. Spezial
    kauern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    kau|ern I vb.intr. sté acoaté, sté ingromé II vb.refl. sich kauern se acoaté (pro valgügn); se tigní toch (pro valgügn).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kauern

3 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von kauern 2 Komponenten

kau+ern

kauern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kauern‑ als Erstglied (2 von 2)

Kauer (Name)

Wander

kauer·name

Kauer (Name) Kauer (Name). Kauer, Reihe, Rabsen, Herrndorf, Beich(au) und Schlatzm'n (Schlatzmann). – Schles. Provinzialbl., 1862, 569. Eine…

Kauernik

Meyers

Kauernik , Stadt im preuß. Regbez. Marienwerder, Kreis Löbau, an der Drewenz und der Staatsbahnlinie Broddydamm-Deutsch-Eylau, hat eine kath…

Ableitungen von kauern (1 von 1)

verkauern

DWB

verkauern , verb. kauernd die zeit verbringen, daher übertragen, unbeachtet bleiben: was hat man mit einem seltnen talente, wenn es in sich …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „kauern". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kauern/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „kauern". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kauern/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kauern". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kauern/dwb.
BibTeX
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