Wossidia
Höll Hell
f. Hölle 1. nach dem biblischen Glauben der Ort der Qual für die nach dem Tode Verdammten a. ä. Belege: 'Unde werpet ene (den Schneider) an der helle grunt, Dar schal he ligghen so en hunt Unde an der ewighen hette braghen' Red. Ost. 1452; auch der Schankwirt kommt in die Hölle mit der Begründung: 'Du haddest ok ens deves dumen Bavene henget an de tunne. Dar mede hestu de helle wunnen' 1495; ebenso der Weber 1533; der Krämer 1590; 'darnegst geven de unsinnigen Papisten ... den Lden vor, idt syn veer Hellen und ein Hemmel ... Darentgegen ... ordenen de apostatischen Apostele alle, de van en vorbannet unde unsalich geachtet syn, in affgrundt der groten Hellen, darinne deslven ewige pyne lyden' Gry. Paw. V 1
a. b. volkstümliche Wendungen und Rdaa.: ein bös' Gesell führt den annern in de Höll; wer 't nich bäter weit, dee meint, in de Höll is 't ok got Schö; ungerechtfertigte Forderungen werden abgewiesen: so spälen s' in de Höll Ro; WaWaren@JabelJab; so danzen s' in de Höll Wa; ein großer Bösewicht
is in de Höll to slicht RoRostock@RibnitzRibn; ein gleichgültiger Mensch, an dem alle Vorstellungen abgleiten, hett 'n dick Fell, dee ward in de Höll nich sweiten Wa; in de Höll is Johrmark wenn Jemandem der Hintere juckt HaHagenow@GallinGall; ein gewandter Lügner lüggt sick in de Höll un wedder rut StaStargard@BlankenseeBlank; das unartige Kind wird bedroht:
mööst Füer böten in de Höll Wo.
V. 3, 1004; wenn du lüggst, kümmst in de Höll, ward'st mit Pick un Swäfel verbrennt 1061; Kinner möten kein Brotkräumel un kein Soltküürn verasen, süs kamen sei in de Höll 1994; Knaben bekräftigen ihre Aussagen häufig mit den Worten: ick will ewig in de Höll sin, wenn dat nich wohr is; öft. von starken, zugkräftigen Pferden: mit min führ 'ck dörch de Höll Lu; der Habgierige haalt för fif Penning sin Großmudder ut de Höll StaStargard@FeldbergFeldb; dee wahnt uppe letzt Station vör de Höll hat einen schlechten Hauswirt RoRostock@RibnitzRibn; auch von einer schlechten Dienststelle: dat is dat letzt Lock vör de Höll WaWaren@TressowTress; von einer mageren oder unwirtlichen Gegend: Broda (Lu@Broda) is dicht vör de Höll; Woold (unbewohntes zu WaWaren@FederowFed gehörendes Gehöft) hett de Höll warden süllt, de leiw Gott hett 't blot vergäten; oll Jungfern möten de Bück vör de Höll höden Ro; WaWaren@EldenburgEld;
s. Buck (2, 52); de ollen Jumfern möten de Höll utfägen SchöSchönberg@WarnowWarn; so häufig beim Geben oder Empfangen des Letzten: sast de Höll utfägen; Tacken kann ick gaut verdrägen, mööst œwer Nacht de Höll utfägen; ähnl. im Bittreim der Kinder: wer nicks gifft, sall de Höll utfägen; wie der
Himmel, so ist auch die Hölle überfüllt, eine Vorstellung, die zu launigen Bildern reizt: in de Höll kannst nich kamen, dee is von all' de Preesters vull bet an de Luk Ha; de Höll is vull, dor is de Kölzowsch Köster mit 'n Kopp in, de Noors kickt rut RoRostock@GresenhorstGres; ..., de Letzt kickt mit de Bein rut GüGüstrow@GülzowGülz; ..., Bielefeld (ein Zimmermann in HaHagenow@GoldenbowGold) is all hen un buugt ne Eck to an SchwSchwerin@CrivitzCriv; nach anderen Anschauungen is de Höll vull Zuckerröben plant't WaWaren@ZiddorfZidd; de Höll is utdämmt mit Preesterköpp Wa; eine alte Seemannsregel lautet: dri Dag' nah de nie Man mutt de Wind West gahn, oder de Höll mutt basten Wi; in vielen Wendungen mit dem Teufel, dem Höllenfürsten, verbunden: de Düwel fäägt de Höll ut bei Schneefall SchwSchwerin@PinnowPinn; hüt friert de Düwel noch vör de Höll dot bei strenger Kälte Wa; ein bösartiges Weib is den Düwel ut 'n Tornüster sprungen, dree Schritt vör de Höll Wi; ein kräftig blasender Musikant blöst 'n Düwel ut de Höll rut StaStargard@NeustrelitzNStrel; Weiteres
s. Düwel II D 2 (2, 616); mit Himmel gepaart: dat lücht't (blitzt), as wenn Himmel un Höll in eensen ritt GüGüstrow@GülzowGülz; öft. in Antworten auf die Drohung du kümmst nich in 'n Himmel: Un du ward'st Scheper vör de Höll RoRostock@AltheideAHeide; Nee ick will sœben Mil achter de Höll, wo all' de fetten Bullenkalwer henkamen SchwSchwerin@CrivitzCriv; Nee, in de Höll gifft 't 'n grötteren Sluck WaWaren@EldenburgEld;
s. Himmel 4 b. c. Volksreime und Spiele: Dor kümmt de Köster mit 'n Rummelwagen Un will uns all' in de Höll rinjagen im Bimbamreim Wo.
V. 3, 427; Leihn mi dinen Lilliwagen, Will ick nah de Höll rinjagen im Bastlösereim 4, S. 78; Jogen Mit de groten Ogen, Mit de groten Botterflöten Kann he 'n Düwel ut de Höll stöten 50 a; auch sonst im Neckreim. Bei einem Spiel 'Himmel und Hölle' wird ein aus Papier gefaltetes vierteiliges Salzfaß von einem Kinde so gefaßt, daß Daumen und Zeigefinger jeder Hand in je eins der vier Näpfchen greift, deren nicht sichtbare Gegenseiten rot und blau bemalt sind, indem die rote Farbe die Hölle, die blaue den Himmel darstellt. Ein anderes Kind muß eine Zahl nennen. Nun wird durch Bewegung der Finger abwechselnd Himmel und Hölle geöffnet, bis die genannte Zahl erreicht ist Pa Parchim@WulfsahlWulfs. Bei einem anderen Spiel des gleichen Namens zeichnen die Kinder mit einem Stock ein rechteckiges, zehnfächeriges Feld in der Art auf die Erde, daß Fach 1 bis 3 hintereinander, Fach 4 und 5 nebeneinander, Fach 6 alleine, Fach 7 und 8 wieder nebeneinander liegen, dahinter folgen Hölle und Himmel. Nun wird ein Stein in Fach 1 geworfen. Ein Kind geht durch alle Fächer, wobei es weder auf den Strich noch auf die Hölle treten darf und auf dem Rückweg den Stein mitnehmen muß, den es nach fehlerloser Begehung in Fach 2 wirft. Wenn es einen Fehler macht, so ist es ab und muß, sobald es wieder an der Reihe ist, an dieser Stelle fortfahren. Bei der 2. Tour muß die Aufgabe laufend, bei der 3. auf einem Bein, bei der 4. mit gekreuzten Beinen, bei der 5. mit geschlossenen Augen gelöst werden. Im Himmel ruht das Kind aus. Wer alle Gänge durchgeführt hat, bekommt ein Haus,
d. h. er macht sich ein Kreuz in einem Fach, wo er dann ebenso wie im Himmel ausruhen kann. Ein fremdes Haus muß übersprungen werden PaParchim@WulfsahlWulfs.
d. Sagenzüge: fleißige Handwerker mögen auch in der Hölle nicht müßig sein, erregen jedoch bei Ausübung ihres Berufes häufig den Unwillen oder das Mißtrauen des Teufels, so die Maurer, welche eine neue Decke in der Hölle aufziehen wollten und bei dieser Arbeit, die zum Teil rückwärts gehend verrichtet werden muß, die kleinen auf dem Fußboden spielenden Teufelskinder auf die Finger traten; dor hett de Düwel de Murers rutsmäten ut de Höll, un sitdäm kümmt kein Murer in de Höll Wo. Sag. 1, 164; auch kein Schuster, weil der Teufel fürchtet, er könne seinen Schwanz als Drahtstriker benutzen 165; ebensowenig wird der Weber dort geduldet, weil sein Handwerkszeug zu viel Raum einnimmt ebda; die Seeleute sind ebenfalls aus der Hölle verbannt, denn sie haben, als man sie zum Gesang aufforderte, etwas zum Ziehen verlangt, in Ermangelung eines anderen geeigneten Gegenstandes den Schwanz des Teufels ergriffen und ihm diesen ausgerissen ebda. 2. in übertr. Bedeutung von dunklen, engen, oft auch heißen Räumen a. im alten Bauernhause der enge Raum hinter dem Ofen zwischen diesem und der Wand: Hille, Helle, Hölle Horn Selmsd. 2, 18; dat hett he hinner de Hell rutsöcht von starken Lügen Ma Malchin@Groß HelleGHelle; de hett ok all hinner de Hell säten ist nicht mehr so unschuldig StaStargard@GrammertinGramm; sett di mal 'n bäten hinner de Hell im Webergruß; das Kind erhält auf die Frage wo sall ick sitten? die Antwort: sett di in de Hell, dor is 't warm SchwSchwerin@PinnowPinn; Hinner uns' Hell Hüppt 'n swart Gesell (im Flohrätsel) Wo.
V. 1, 60 i; Wenn se mi nog treckt hebben, kam ick von de Stell, Möt ick hinner de Hell (im Rätsel vom Spinnrad) 94; öft. im Neckreim: Hinnrich Pinnrich Puttergesell, Stig' up 'n Aben un kik inne Höll 4, 90; Martin Luther Slög' sin Mutter Mit 'n Hamer In de Kamer, Mit de Kell Hinner de Hell Sta Stargard@AhrensbergAhr. b. im alten Bauernhause auch der völlig dunkle Bodenraum über den Kammern, der entsteht, wenn die Kammern in den Decken höher und durch eine Querwand von den Hillen getrennt sind. Von der Diele aus gelangte man dorthin mittels einer Leiter durch eine kleine Luke, doch wurde dieser Raum selten betreten und benutzt, weil er nur kaum einen Meter hoch ist Meckl. 18, 22; wo krupen un wöhlen Hierhen un dar dörch Winkel un Hell de Dinger (Zwerge)
so ängstlich Wilke 120. c. ein Raum im Vorderschiff zur Aufbewahrung von allerhand Sachen Jb. 39, 175.
d. der Raum unter dem Schneidertisch, in welchen der auf dem Tisch sitzende Schneider die Beine steckt und in dem er nach der Volksmeinung Stücke des anvertrauten Zeuges verschwinden läßt: un denn möst du dor man för sorgen, Snider, dat du de siden Inkleedung em antaumäten kriggst, een Stieg Älen Sidentüg fallen dor denn ok sacht in din Bilad' von af. Worans is dat, ne Höll hest du jo woll? Bri. 3, 58; hierher dem Sinn nach wohl auch: de Wäwer hett in de Höll wäwt Garn für sich verbraucht Pa. e. Höll nennt der Schmied den Raum zwischen den beiden Feuern, wohin die glühende Schlacke kommt GüGüstrow@BützowBütz.
f. der Rauchansammler in der Ziegelbrennerei Ha. 3. ON. und FN.: de lütt Höll das Dorf Ma Malchin@Klein HelleKHelle; in Diedrichshagen bei Kröpelin is ne Lunk, dee heit Höll Wo. Sag. 1, 156; auch eine Bucht in de Wohlenbarger Wiek bei Wi führt diesen Namen. — Mnd. helle
f., zu
got. halja
eig. 'die Hehlende, Bergende' . — Br. Wb. 2, 651; Dä. 188
b; Kü. 1, 738; Me. 2, 911; Schu. 23.