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Hiring

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MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Hiring

Bd. 3, Sp. 706
Wossidia Hiring a. Spr. Hering, Haring m. Hering, clupea harengus: 'ene last haringes' (1352) UB. 13, 246 und öft.; halec vel halex 'Herinck' Chytr. 388; de Hihring, Hierk Siemss. Fische 65; Hiring Mi 33b. 1. Sachliches, bes. Wirtschaftliches; als allgemeines Volksnahrungsmittel ist der Hering seit Gründung unserer Seestädte eine ihrer wichtigsten und einträglichsten Handelswaren; im ganzen Mittelalter ergab wie noch heute der Heringsfang an Mecklenburgs Küste meist gerade so viel, daß damit der Eigenbedarf des Landes gedeckt werden konnte, doch für eine Ausfuhr nichts übrig blieb; deshalb holten sich Schiffer und Kaufleute als 'Schonenfahrer' ihre Heringsladungen aus dem dänischen Fanggebiet; auf Schwedens südlichster Halbinsel, Schonen, hatten sie, bes. in Falsterbo und Skanör, ihre Fitten (s. d.), Arbeits- und Stapelplätze, wo die Heringe gesalzen, in Tonnen verpackt und nach der Heimat verladen wurden; von hier gingen sie weit ins Binnenland, nach Holstein, der Mark und Thüringen; vgl. auch das alte Wiegenlied: Hürse, bürse, leewes Kind, Din Vader dee fangt Hiring, Din Mudder dee sitt an den Strand, Vader dee kümmt bald to Land Mit de Fuhr (de Boot vull, dat Schipp vull) Hiring (Vadder führt dörch 't ganze Land Mit 'n Föder Hiring) Wo. V. 3, 15 a; Beschäftigung und Lebensunterhalt fanden außer den Fischern, Großkaufleuten und Schiffern durch den Heringshandel Heringswäscher, Makler, Träger, Fuhrleute, Böttcher, Heringshöher, Wraker (s. d.) sowie die Kleinhändler (Haken); vgl. Genzmer 35; Warnemünder Fischer dehnten im 15. Jahrh. ihre Fangreisen auch bis Schonen aus, wo sie neben den Rostockern ihre Fitte hatten F. Barn. Warn. 227; die Zeit der seeräuberischen Vitalienbrüder am Ende des 14. Jahrh. brachte eine ungeheure Preissteigerung mit sich; während 1273 in Wi für die 'Last' Heringe 5 Mark gezahlt wurden, so 1395 in Ro 45 und 48 Mark; vgl. UB. 4, 222 Anm.; 22, 490; für 1371 verzeichnet das UB.: '3 tunne harynghe vor 5 marc' 16, 615; für 1372: '2 tunne harynghes vor 3 mark' 18, 127; '1 Wall (80 Stück) 11 ß' (Ro 1522) Beitr. Rost. 1, 3, 107; 'dan von glaubwürdigen alten Bürgern gesagt wird, daß auch bei ihrem Gedenken zu Schwerin ... zehen hole Hering umb 4 pfenning ... gekaufft worden sey' (1598) Hed. D 4b; auf dem Fischlande kostete ein Wall frischer Heringe 1795 einen Schilling N. Monschr. 4, 364; 1840 vier Schillinge Dolb. Fisch. 97, 3b; Weiteres über Heringsfang, -verarbeitung und -versand s. Fisch 1 (2, 922); vgl. ferner Land. Ann. 1821, S. 532; Dolb. Fisch. 93; 97; 98; 100; auf dem Lande, bes. auf den Gütern, war der Hering vielfach ständiger Bestandteil der Leutekost, so heißt es von GüGüstrow@WoserinWos: dat gew jeden Abend Hiring, sünndaags 'n suern Hiring, bloß an 'n iersten Festdag gew dat Wust Lenz; suern Hiring gab man, bes. im S, den Erntearbeitern gern aufs Feld mit; in der Stadt hieß der Hering seit alters bezeichnenderweise Snider- oder Schausterkarpen, bei den Seeleuten, wo er gleichfalls einen Hauptteil ihrer Kost ausmachte, Seekarpen, Seekadett, Butenbuurdskolleg', aber auch Schinnerknecht Wo. Seem. 1, 163; als gräunen Hiring wird der frischgefangene Hering im Straßenhandel feilgeboten; der eingesalzene ist der solten oder Solthiring, in a. Spr. auch Pekelhering; der geräucherte heißt Spick-, ist er ausgenommen, Flickhiring; Schellhiring ist frischer, selbstgesalzener Hering, Rokhiring selbstgeräucherter Salzhering; Flaumhiring heißt der Fetthering, doch auch der Milchner. 2. weiterer sprachlicher Niederschlag a. verbunden mit Adjektiven: des Straßenhändlers Ruf haalt gräunen Hiring verlängern die Straßenjungen: söß för 'n Groschen, Dinger as Ossen Ma; vom Schwätzer heißt es: dee räd't de grönen Hiring' ut de grot See rut Wa; die Äußerung mi grug't wird durch die Frage abgefertigt: vör 'n solten Hiring? Wo. Sa.; der Ablenkung und Beruhigung dient die Frage: hest 'n solten Hiring in 'n Galopp riden seihn? HaHagenow@RedefinRed; von unentgeltlich geleisteter Arbeit oder einem wenig einträglichen Geschäft sagt man: dor heff ick keinen solten Hiring bi verdeint SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; gegen Seekrankheit verordnet der Seemann: 'n solten Hiring upfräten mit Hut un Hoor, dat helpt RoRostock@RibnitzRibn und im Scherz dem Schiffsjungen: mööst 'n solten Hiring in 'n Mund nähmen ebda oder gar mit dem Zusatz: 'n Sägelband an 'n Swanz binnen, heil dalslucken un ümmer wedder trüggtrecken Wi; auch: 'n solten Hiring ... unner in den Stäwel leggen Wo. Seem. 1, 73; de Ingeweid' von 'n solten Hiring dalslucken ebda; in Vergleichen: bedräuwt sach hei ut, as en solten Hiring, de virtein Dag in Sur legen hett Derb. 2, 12; vom mühsam, schleppend sich Fortbewegenden heißt es: dei geiht as 'n utkählten Hiring RoRostock@KlockenhagenKlock; vom Unruhigen, stark Erregten: dee löppt rüm as 'n wahnsinnigen Hiring Wi; sick freuen as 'n naakten Hiring HaHagenow@RedefinRed; vom Überängstlichen sagt man: hei is bang' vör 'n dodigen (lahmen) Hiring ebda; ironisch: dee is nich bang', dee geiht mit 'n apen Metz up 'n dodigen Hiring los StaStargard@HeinrichswaldeHeinr; To 'n lahmen Hiring Krugname (1887) MaMalchin@DargunDarg. b. als armer Leute Nahrung: dee hebben 'n Hiring an 'n Bœhn hängen, wo se all' an licken Wa; ähnl. spottend über die Bewohner von HaHagenow@MoraasMor: dei Moraasser hebben 'n Hiring an 'n Bœhn hängen hatt, dor hebben sei dei Maustüffel an afwischt Wo. Sa.; Beispielsprw.: was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden, hett dei Snider seggt, hadd' 'n Hiring wedder tauhop neigt (1887) PaParchim@DobbertinDobb; der Maurer, der sich im Sommer stolz nach dem Preise des Gänsebratens erkundigt, fragt im Winter bescheiden: wat kost't de Hiring? RoRostock@DoberanDob; im Sommer fragen die Maurer: wat kost't Mäkelborg? und im Winter stippen s' mit ehr Brot an 'n uphängten Hiring HaHagenow@BelschBelsch; hierzu auch die Rda.: nah Hiring lihrt man sacht gahn, œwer wit kiken PaParchim@PlauPlau. c. sonstige Rdaa.; vom Durstigen sagt man: em jœkt de Hiring HaHagenow@WittenburgWitt; vom Geizigen: dee lett sick för 'n Sößling 'n Hiring dörch 'n Noors trecken Wa; spöttische Abweisung: dor liggt de Stäwelknecht, dor snid' di eenen Kanten Hiring rut RoRostock@RibnitzRibn; Beispielsprw.: wo 'n allerwäägt hengeraden kann, säd' de Hiring, dor würd' he in Essig leggt ebda; in Vergleichen: utseihn as de Hiring in 'n Rockluhr (Roquelaure, Reiserock) Reut. 4, 393; 6, 388; ironisch vom Dünnen, Schmalbrüstigen: dee is so breet twischen de Schullern as de Hiring twischen de Ogen Ro. 3. Wetterglaube; bei Wetterleuchten sagt man: de Hiring laikt (1890) Wa; über das Nordlicht: dat Nuurdlicht kümmt dorvon her, wenn de grön Hiring laikt, dat smitt sonn' Blaß an 'n Häben Wo. Seem. 2, 159. — Mnd. hârinc, hêrinc. — Br. Wb. 2, 625; Dä. 189b; Kü. 1, 727; Me. 2, 759.
6575 Zeichen · 92 Sätze

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  1. modern
    Dialekt
    Hiring

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    Hiring a. Spr. Hering, Haring m. Hering, clupea harengus: 'ene last haringes' (1352) UB. 13, 246 und öft.; halec vel hal…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hiring

45 Bildungen · 45 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von hiring 2 Komponenten

hir+ing

hiring setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hiring‑ als Erstglied (30 von 45)

Hiringband

MeckWB

hiring·band

Hiringband m. eine gewisse Art, die Tonnen der Schiffsfracht zu binden, mit 4 oder 8mal 3 Reifen: '1 last ossemunt, was herinckbant' Rost.-O…

Hiringbrügg'

MeckWB

hiring·bruegg

Hiringbrügg' a. Spr. Heringbrügge f. Verkaufsstand für Heringe; in Ro städtisches Eigentum, für dessen Benutzung die Fischer gemeinsam eine …

Hiringhus

MeckWB

hiring·hus

Hiringhus a. Spr. Heringhus n. Gebäude, das der Verarbeitung und Lagerung von Heringen diente, vornehmlich im Besitz der Hiringwäscher ( s. …

Hiringpenning

MeckWB

hiring·penning

Hiringpenning a. Spr. Haringpenning m. Heringszoll; nur in lateinischen Urkunden mit Abfall des h als arincpenning erscheinend: 'quod vulgar…

Hiringpuurt

MeckWB

Hiringpuurt a. Spr. Heringporte f. ein Stadttor des alten Wi: 'porta vulgariter dicta Herinkporte' (1414) Jb. 66, 108.

Hiringsbrägen

MeckWB

hiring·s·braegen

Hiringsbrägen m. Heringsgehirn; bildl. Kleinigkeit: in Hiringsbrägen hett mal ein oll Fru ehr Eddelgaut in upäten Gü Laage ; ähnl. Ro Kühl .

Hiringsbuer

MeckWB

hiring·s·buer

Hiringsbuer m. Bezeichnung für einen Bauern in Ro Dierh , der Heringe ins Landesinnere fuhr.

Hiringsdur

MeckWB

hiring·s·dur

Hiringsdur a. Spr. Heringdor n. Heringstor; neben Lazarettdur bis um 1900 lebendige Bezeichnung für das Strandtor, das einst die Grubenstraß…

Hiringsgesell

MeckWB

hiring·s·gesell

Hiringsgesell m. Spottname für einen Handlungsgehilfen bei einem Lebensmittelhändler Ro Klock .

Hiringsgranikum

MeckWB

Hiringsgranikum n. eine Pelargonienart, pelargonium inquinans, Zimmerpflanze, nach ihrem Geruch so benannt Schill. Kr. 2, 25 a ; Schildt 21.

Hiringshimmel

MeckWB

hiring·s·himmel

Hiringshimmel m. Zimmerdecke der Leutestube, scherzend so benannt nach den Hiringsseelen ( s. d. ), die von den Knechten zu ihr hinaufgeschl…

Hiringshöger

MeckWB

hiring·s·hoeger

Hiringshöger m. Heringshöher; städtischer Angestellter, meist gelernter Böttcher, mit vermutlich gleichen Aufgaben, wie sie die Hiringswrake…

Hiringshoff

MeckWB

hiring·s·hoff

Hiringshoff m. einst Spottname für das Gut Nisbill bei Wi War Wo. Sa.

Hiringskannidat

MeckWB

Hiringskannidat m. Spottname für einen angehenden jungen Kaufmann, bes. den Lehrling bei einem Lebensmittelhändler Wo. Sa.

Hiringsklump

MeckWB

hiring·s·klump

Hiringsklump m. mit Salzhering zubereiteter Kloß; im Volksreim: Middaags gifft dat Hiringsklümp Wi Meckl.

Hiringskopp

MeckWB

hiring·s·kopp

Hiringskopp m. Heringskopf; von einem herzlosen, grundschlechten Menschen heißt es: dei hett kein Hart, bloß 'n Zigarrenkasten, dor liggt 'n…

Hiringslak

MeckWB

hiring·slak

Hiringslak f. Heringslake, Salzflüssigkeit auf den eingesalzenen Heringen; a. Spr.: 'Ok stynkstu na der herink lake' Red. Ost. 1575; früher …

Hiringsog'

MeckWB

hiring·sog

Hiringsog' n. Heringsauge; Scherzrede: wenn 'n Hiringsogen ett, denn ward eenen nich up 'n Hiring dösten (sondern auf Heringsaugen) Wa; Volk…

Hiringsquartal

MeckWBN

hiring·s·quartal

Wossidia Hiringsquartal n. Geselligkeit der Maurer im Winter, wo sie nur wenig verdienen Schw; vgl. Swiensbradenquartal.

Hiringsrentje

MeckWB

Hiringsrentje (Hauptton auf erster, Nebenton auf letzter Silbe) m. Heringsrentier, Spottname des Kleinrentners Ro Kröp ; Wa.

Hiringsseel

MeckWB

hiring·s·seel

Hiringsseel f. Heringsseele, Schwimmblase des Herings; von einer Dienststelle mit magerer Kost heißt es: dor hängen dei Hiringsseelen up 'n …