grindig,
grindicht,
adj. ,
schon ahd. als grintohtir
yrurchus Diefenbach 310
a;
der icht-
form scheint seit alters das md. mehr zuzuneigen; sie ist im 18.
jh. in Norddeutschland geradezu die bevorzugte schriftform; die seit Adelung
öfter wiederholte trennung grindicht '
dem grinde ähnlich', grindig '
mit dem gr. behaftet'
ist haltlos. seltenere formen: grinnicht
scaber Diefenbach 514
c; grinniger
scabrosus 515
b; gründicht Sebiz
feldbau (1579) 601; gründig
s. u. 1 a, c; grundig
scabidus Diefenbach 515
a (
nd., vgl. grind). 11)
fast ausschlieszlich zu grind 2, '
mit ausschlag behaftet',
wobei die bedeutung entsprechend dem grundwort schwankt: scabiosus ... grindicht, schebicht, reudicht Alberus
dict. (1540) 59
a; grindochte
alopiciosus Diefenbach 25
c;
espidus (
statt hispidus) scharpffer, gryndiger, kretziger 210
c; grindig
glaber 264
a; kretzig o. grindig
impetiginosus 288
c; grinticht
pruriginosus 469
b;
ulceratus, ulcerosus Kirsch
corn. 2, 159
a. 1@aa)
zumeist auf menschen bezogen: der grindig Guggoch Wittenweiler
ring 143, 23; ich bin der sklav eines jeden bürgers, der mir einen grindigen buben anvertraut Schubart
br. 1, 100
Strausz; als scheltwort: grindiger schuft
Shakespeare 7, 168;
gern substantivisch: die gründigen werden sich selbst beissen, grammen
und fressen Fischart
praktik 29
neudr.; weitere belege unter b;
man wird in den meisten fällen an den grind
κατ' ἐξοχήν,
den ausschlag des kopfes, zu denken haben; vgl. und was das grindige, schorbige haupt begehre, das thun die andere glieder Schupp
schr. (1663) 327; ich ... liesz kinder mit grindichten köpfen das abece lesen Winckelmann 11, 98;
aber auch, wenngleich seltener, von andern körpertheilen: und beissen dich die grindig hend, so kratz dich fluchs am selben end Scheit
Grobian. v. 466
neudr.; grindige schenckel, ein grindig maul Kramer
teutschital. 1, 566
a; ein grindicht gesicht Schmidt
gestrieg. rockenphilos. (1706) 2, 215; schründig in dinen henden und grindig by dinem gemecht
buch d. beisp. 76
lit. ver. 1@bb)
von thieren, vielfach synonym mit räudig: ist es, das der habich gryndig oder reydig ist Mynsinger
von den falken 43; ich als ein grindiger guckuck aussahe Grimmelshausen
Simplic. 311
neudr.; würt eyn pferdt schebig oder grindig Herr
feldbau (1551) 191
a; so eyn rind grindig wirt Sebiz
feldbau (1579) 128; zu welchem orthe die schafe reudicht oder grindicht seyn Böhme
vieharznei (1682) 19; damit nit so faul, grindig und unrein vieh geschlachtet werde
Frankfurter zunfturk. I 1, 382; (
wo er) den grindigsten der hunde trinken sah Hebbel I 1, 125;
auch als schelte: du grindicher hund! Follmann
lothr. 216
b. 1@cc)
wie das subst. in zahlreichen sprichwörtern u. redensarten; wieder tritt der enge zusammenhang zwischen grind und laus zutage: wer lausig ist, der wirdt baldt grindig Henisch 1746; es heiszt eben prediget, wie man eim grindigen lauszt, obenhin Schmidt
elsäss. 155
b aus Zell;
weiteres unter lausen 1,
th. 6, 358; sonst lust ein grindiger dem anderen
d. h. ein bemakelter schilt den andern Clemen
reform. flugschr. 1, 238,
ein vielcitiertes sprichwort; auch variiert: ich lacht schier gern, dasz ein grindiger dem andern so sanft krauelt Schade
sat. u. pasqu. 2, 76;
in neuerer ma.: da will ich lieber einem grindigen lausen als Fischer
schwäb. 3, 840; es hat mir alles wöler gethan als den reudigen das strigelen und den grindigen das strälen Fischart
geschichtklitt. 211
neudr.; dem grindigen kopf ist immer bang, man werde ihn kämmen Otho
evang. krankentrost 1342; der furchtsam fürcht sich, wie ein grindiger kopf vor der laugen Lehmann
florileg. polit. 1, 253;
indessen: auf ein grindigen kopf gehört ein scharfe lauge Petri
d. Teutschen weisheit 2, J 5
b; wenn ein haupt grindig oder schäbig ist, so hawt mans doch nicht ab Lehmann 1, 465; barmhertzige mütter ziehen lausige oder grindige töchter 2, 809; ein schön angesicht verkaufft wol einen grindigen leib Petri 2, Y 3
b; grindige haut blutet bald 2, G g 6
a,
und ähnlich nach Wander 2, 138
auch in jüngeren sprichwörtern; im ganzen aber ist deutlich, wie mit der krankheit selber auch der bunte reichtum dieser wendungen zurückgegangen ist; von thieren ist seltener die rede: grindige, schwache oder unnütze katzen leben lang Petri 2, G g 6
a; ein grindig schaf macht die ganze herd grindig 2, V 3
a. 1@dd)
weiterhin auch '
grindartig, vom grind herrührend': benimpt auch die bösen grindigen flecken im angesicht Lonicerus 114
b; (
wenn) an der stirn immer rothe, grindigte, schwindartige flecken aufzufahren anfangen Hufeland
makrob. 22, 124; so ... die grindige rud zuo einem ammal kommen ist Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 56
b. 22)
nur im alem. auch zu grind 3, '
eigensinnig': sonder sy werden durch getig ermanung in iren herten nack nür deszt stärrer und gryntiger Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. (1852) 6;
vgl. Staub-Tobler 2, 769.