Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Grimasse f.
Grimasse f.
Grimasse f. ‘Verzerrung des Gesichts, Fratze’, eine Entlehnung von gleichbed. frz. grimace, wird, zuerst vielleicht als Theaterausdruck, Ende des 17. Jhs. üblich. Es erscheint bis über die Mitte des 18. Jhs. hinaus nur in der Pluralform und häufig noch mit frz. Schreibung (Grimacen), anfangs auch in allgemeinerem Sinne für ‘groteske Körperbewegungen, auffällige Gesten’. Mfrz. grimace (nachweisbar seit Ende 14. Jh.) geht durch Suffixtausch aus afrz. grimuc(h)e ‘Fratze, groteske Figur’ hervor. Dieses ist wohl nicht mit nhd. Grimm (s. d.) zu verbinden, sondern (wegen des vorauszusetzenden langen Stammvokals) an ein germ. Substantiv mit der Bedeutung ‘Maske’ (ursprünglich ‘tarnende Gesichtsbemalung’, zu ie. *ghrēi- ‘darüberstreifen, bestreichen’, Erweiterung der Wurzel ie. *gher- ‘hart worüber streichen, zerreiben’) anzuschließen, vgl. ahd. grīmo m. ‘Maske’ (10. Jh.), aengl. grīma m. ‘Maske, Helm, Gespenst’ (engl. grime ‘Ruß, Schmutz’ aber wohl deverbativ zu engl. to grime ‘beschmutzen’), mnl. grīme f. ‘Maske’ (südnl. grijm n. ‘Ruß’), anord. grīma f. ‘Maske, Nacht, Drachenkopf am Schiffssteven’. Span. grimazo ‘perspektivisch verkürzte Darstellung einer Figur’ (nur vereinzelt im 17. Jh.) ist entgegen früherer Annahme nicht Vorstufe von frz. grimace, sondern ebenso wie engl. grimace, nl. grimas aus dem Frz. entlehnt; vgl. 2, 788. Auf der im Dt. seit Ende des 18. Jhs. gebräuchlichen Fügung Grimassen schneiden (älter Grimassen machen, auch grimassieren) beruht Grimassenschneider m. ‘wer das Gesicht unnatürlich verzerrt’ (um 1800).