gleicherweise,
gleicherweis,
adv. ,
adverbiale genetivverbindung, aus mhd. gelîcher wîse,
das schon im späteren mhd. und dann in steigendem masze zusammengeschrieben erscheint. zum allgemeinen der auf -
weise gebildeten adverbialkomposita vgl. Wilmanns
gr. 2, § 458, 1,
über herleitung und formales verhältnis der -weis-
und -weise-
formen s. weise,
f., teil 14, 1045
f. bis ins 17.
jh. überwiegt die kürzere bildung, gelegentlich tritt sie, besonders im vers, noch im 19.
jh. auf, so gleicherweis
bei Rückert (1867) 2, 377, Storm (1898) 5, 245.
ein einzelnes gleichweis,
archaisierend für das 17.
jh., bei Fontane I 1, 19 (
s. u. 2 b),
ist wohl künstliche bildung; schlesisch einmal in der form glicherwesz (1367)
lehns- u. besitzurkden Schlesiens 2, 480. 11)
häufig, wie bei synonymem gleichergestalt, gleichermaszen
fast ausschlieszlich, in der rückbeziehung auf vorher gesagtes, wie gleicher weise
unter gleich III D 5
d. 1@aa) '
auf dieselbe weise, in ebenderselben art, ebenso',
vgl. gleicherweis
similiter Stieler (1691) 2483: item dass es auch gleicherweiss (1533 A: inn gleicher weise
Kohler-Scheel) inn dem fall, so eyn eheweib jren mann, oder die person, damit der ehebruch volnbracht hett, beklagen wil, gehalten werden soll
Carolina 120
Zöpfl; andere ... machen durch die aschen mit einer spindel drey oder vier löcher ... und legen auf den aschen einen schönen grünen wasen und durchlöchern den wasen gleicherweise Hohberg
georgica cur. (1682) 1, 371; denn so ist z. b. die fortsetzung des vorspiels: was wir bringen, zum andenken Reils in Halle aufgeführt, gleicherweise entstanden Göthe I 41, 1, 90
W.; wenn ich nur wüszte, ob sie gleicherweis empfunden hat Storm
s. w. (1898) 5, 245. 1@bb) '
ebenso'
in dem einer kopula angenäherten sinne von '
gleichfalls, ebenfalls': aigenschafft, natur und art, nit allain der menschen, sunder gleicherweiss der onuernünfftigen thier Schaidenreisser
Odyssea (1537)
vorr. 2; bald mant der adler auch mit fleisz, ein könig der vogel gleicherweisz (
wie der vorher genannte löwe) Eyering
proverb. cop. (1601) 1, 430; die gnädige frau hatte der schönen Marie noch einmal das kopfkissen zurecht gezogen und sich sodann gleicherweise ... entfernt W. Raabe
schüdderump (1870) 1, 102.
so auch in der verknüpfung zweier oder mehrerer sätze, soviel wie '
desgleichen'
oder auch nur '
ferner'.
in früher bezeugung: de wisen papen orkunden: hovart de sy up allen sunden wortele, eyn stam der missedat. ghelikerwis an den boken screven stat: otmot sy an alder eder an joget ... Brun v. Schonebeck
in: nd. jahrb. 30, 179
b; gliecherweysz soll man auch nit gestatten, dasz ainer ... sein aufgenomen arbait verrer vnd ainem andern verkauff (1532) Lori
baier. bergrecht 216; gleicherweise nehm ich auch das anerbieten von etwas älterem weine an Göthe IV 28, 191
W. 1@cc)
selten (
doch s. 2 a)
als '
ebensosehr, in gleichem masze': wenn schlanke lilien wandelten, vom weste leis geschwungen, wär doch ein gang, wie deiner ist, nicht gleicherweis gelungen G. Keller
ges. w. (1889) 10, 12; bis jetzt sind ... derartige steinsärge noch an keinem anderen orte gefunden ..., und darin eben beruht ein eigentümliches interesse, gleicherweise aber auch in der merkwürdigen übereinstimmung der in den marschen entdeckten mit denen in der alten schönen kirche zu Köln H. Allmers
marschenbuch 1/2 (1900) 148. 22)
auszerhalb der rückbeziehung auf früher gesagtes. 2@aa)
in jüngerem gebrauch mit deutlicher färbung der an sich modalen verbindung im sinne einer grad- und intensitätsbestimmung, '
im gleichen grad, im gleichen masze': der denker, der sein eigen licht hat, und der gemeine geist, der sein licht von der sonne borgt, müssen gleicherweis ihre zuflucht zur kunst nehmen, um den tod sich leidlich vorzustellen Hippel
lebensläufe (1778) 3, 1, 265; zudem gibts lagen, wo ein schritt voraus und einer rückwärts gleicherweis verderblich Grillparzer
s. w. 9, 63
Sauer; es gibt viele wege, die zu gott führen, und es gibt viele wege, die zu glück führen, dessen bin ich in meinem herzen gleicherweise gewisz Fontane I 5, 275. 2@bb)
in den zu gleich IV '
wie, ebenso wie, gleich als wenn'
gehörigen gebrauchsweisen; nur in älterer sprache, vereinzelt bis ins 17.
jh. —
mit folgendem dativ, s. gleich IV A 1: ouch guzet bewilen der werde (
gott) reyne glicherwis den vlyzen (
effundit imbres ad instar gurgitum)
Hiob 13709
Karsten. mit folgender vergleichspartikel, s. gleich IV A 2: die süllen pessern gleicherweise als ain samenunge (15.
jh.)
Nürnberger polizeiordnungen 36
Baader; wiewol er gleicherweisz umb sich schlug, als wie ein löw
buch d. liebe (1587) 22
c.
besonders konjunktional, gleicherweise als, wie
an der spitze eines nebensatzes, s. gleich IV B 1: die (
geldschulden) sol der egenante herzog Johans herzog Conrad von der Olsen geben und uszrichten (
wenn der eigentliche gläubiger, herzog Niclas, gestorben sein sollte), glicherwezz als er dem obgenanten herczog Niclas vorpunden was (1367)
lehns- u. besitzurk. Schlesiens 2, 480; Constantinopel ... die des römischen cristenlichen keiserthums gegen uffgang hauptstatt was, glicherwiss wie Rom des römischen keiserthums gegen nidergang hauptstatt ist Äg. Tschudi
chron. Helvet. (1734) 2, 574.
auch ohne folgende vergleichspartikel, s. gleich IV B 2: vnd sy (
die cherubim) sein in jn selber verflochten gleicherweys sich rad in rad verwelczet
erste dtsche bibel 3, 32
vorr. 1
Kurr. im gefüge korrespondierender sätze, s. gleich IV B 3: glicherwis als ich bin und mir ein ieglich keiser na uber die werlt hie unde da herre ist mit gewaldes hant, sus wil ich daz ez si gewant umme die reinen pfafheit
passional 70, 24
Köpke: gleycherweys als xxii buochstaben seint durch die wir schreyben ... also seint auch xxii bücher
erste dtsche bibel 5, 3
Kurr.; gleicherweisz wie an dem ort da viehl artzeney ist, auch viel artzte seind, da befinden sich überflüssige kranckheit; also auch wo viel gesetze seind, daselbst grünet die gerechtigkeit am allermeisten Lehman
floril. polit. (1662) 4, 148. gleicherweise als ob,
s. gleich IV C 2: er hielt sich ganntz vnbeweglich, gleicherweiss, als ob er todt were
hertzog Aymont (1535) k 5
a.
vgl. noch archaisierend für das 17.
jh.: kam es zu einem generalpardon, 'gleichweis als ob die geschichte nie geschehen wäre' Fontane
ges. w. (1905) I 1, 19.
hierher auch oder zu gleich IV D '
gleichsam': geleicherweyse
fere, quasi, ferme oder vilnahent
voc. theuton. (1482) k 7
a. 33)
vereinzelt im sinne von '
beispielsweise',
zu gleichnis D:
verbi gracia glijchnisz
vel glijcherwijsz (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 612
a; gleicherweys: (
veluti:) wan ob der (
N.) wirt richter oder ratgebe, den (
tunc) so gelobstu mir zu geben zehen guld (
bair.-österr. hss. 15./16.
jh.)
summa legum d. sogen. Raymundus 445
Gál.