gewürfelt. I .
participiales adjectiv zu dem subst. würfel (
s. d.);
von dem es wohl unmittelbar abgeleitet ist; denn die verbalformen zu dem ebenfalls abgeleiteten würfeln (
vgl. mhd. wb. 3, 741
b; Lexer 3, 1007)
halten sich —
soweit die belege erkennen lassen —
einseitig an das würfelspiel und seine bethätigung, während das particip der form des würfels gilt. das gleiche tritt bei den synonymen geschacht (
s. oben sp. 3813), geschachtet (
theil 8
sp. 1966)
als ableitungen zum schach(
brett)
noch deutlicher hervor, weil die verba schachen, schachten (
s. theil 8
sp. 1959, 1966)
hier als spätere zusatzbildungen zum particip nachgewiesen werden können. 11)
die ältesten zeugnisse für gewürfelt
entstammen den wörterbüchern, die die form in fast lückenloser überlieferung anmerken. 1@aa) Dasypodius
bucht noch keine verbalformen. für das später so viel hier angezogene tesselatus setzt er ein: getheilt ... von viereckigen steinen
lat.-deutsch. wb. Q o 3
c. 1@a@aα)
tessella ... etwas viereckets wie ein würfel ... gevierts stückle oder gewürflet Cholinus-Frisius
Zürich 1541
s. 855
b;
vgl. dazu Maaler 180
b; gewürfflet
quadratum ... Henisch 1610; gewürfelt,
tessellatus J. Felbinger
nomenclat. lat.-germ. (1646) R 3
a;
tessellatim ... gewürffelt G.
M. König
gazoph.-lat. (1668) 1171 (
ebenda: tessello gewürffelt machen); gewürffelt,
tessellatus Aler 1, 944
a;
desgl. (
tessel. cubicus) Kirsch 2, 152
b ; (
tessel. cub. laqueatus) G. Matthias 182
b.
bei Stieler
ist gewürfelt
nur als verbalform zu würfeln (
talis ludere)
angeführt, vgl. s. 2549;
anders Steinbach: ich würffele,
tesseris ludo, talos jacto ... gewürffelt
tessellatus, cubicus 1033; würfeln,
tesseris ludere; gewürfelt,
in forma cubi factum Frisch 2, 460
b. 1@a@bβ)
die neusprachlichen wörterbücher halten noch ausschlieszlicher die bedeutung würfelig (
vgl. würfelicht, würfelet)
fest: gewürffelt,
quarré en forme de dez Hulsius (1614) 165
a; gewürffelt,
quarré, faconné en forme de dez, tessellatus, vel quadratus, quadrangularis Duez
dict. germ. gall. (1664) 200
a; gewürffelt,
quadro etc. Rädlein 385
b; gewürfelt,
fait a carreaux en échiquier Rondeau 2, Uu 4
b; gew.,
de figure cubique, quarré, en forme de dez J. L. Frisch
nouv. dict. d. pass. 2, 280; gewürfelt, würflicht,
fait en petits careaux Schwan 1 (1783) 750
b;
vgl. auch gewürfelt,
cubic, cubical Arnold
compl. vocabulary4 427
b. 1@bb)
unter den verbindungen sind im wesentlichen zwei typen gebucht. 1@b@aα)
der eine erscheint schon in der ältesten buchung und ist seitdem fast durchweg wiederholt: tessellatus mit vierecketen oder gewürfleten steinen oder zieglen besetzt, gewürflet Cholinus-Frisius (1541) 855
b;
tesserulae gewürflet stein, oder andere stückle 855
b;
desgl. (
pavimentum tessellatum) Maaler 180
b;
das gleiche Hadr. Junius
nomenclat. (1595) 107;
tessella, gewürffelter einlegstein
N. Frischlin
nomenclat. triling. (1586) 179
b;
die gleiche verbindung (
tess. emblema) Emmel (1592) 364; (
lapis quadrang.) Henisch 1610; (
quarreau à paver, tessera vel tessella, quadrata pavimenti tegula, Duez 200
a; (
quarreau) Hulsius 165
a; (
quadro, mattone, un quarreau) Rädlein 385
a; gewürffelter boden,
pavimentum tessellatum Aler 1, 944
a;
desgl. Steinbach 1033;
ähnl. Schwan 1, 750
b. 1@b@bβ)
viel später ist die in der litteratur so viel belegte beziehung auf stoffe und zeuge angemerkt: gewürfflete röck,
tessellatae tunicae Aler 1, 944
a; ein gewürfelter kattun von allerhand farben,
chacart, chales Rondeau 2, Uu 4
a; gewürfelt zeug
a chackered stuff Arnold
4 427
b; karrirte oder würfelige, gewürfelte, quadrillirte zeuge,
étoffes quadrillées, étoffes à carreaux, checks Karmarsch
handbuch d. mech. technol. (2
5) 992; beim gegitterten stoff sind die streifen ungleich breit, wechseln dagegen lauter streifen von gleicher breite mit einander, so ist der stoff gewürfelt Bucher
reallexik. d. kunstgewerbe 133. 1@b@gγ)
mehrfach wird auf heraldische formeln verwiesen: quaedam tesselatae, eclequetés, gewürffelt, geschachtet Im. Weber
examen artis heraldicae2 (1690) 53; gewürffelt
s.geschachtet Chomel 4, 1065; Jablonski (1767) 1, 535
b; Zedler 10, 1400; Schwan 1, 750
b; Querfurth
kritisches wb. d. herald. term. 54. 1@cc)
die mundartlichen wörterbücher, die fast alle gewürfelt
anmerken, bringen jedoch nur selten belege zu dieser bildung: e blau un roth gewerfelt — gestreiftes sackduch (
nach der Frankfurter laterne 1876) Askenasy
Frankfurter mda. 106; gewürfelt ... mit würfelartigen figuren versehen Lenz
Handschuhsheimer dialect. nachtrag 13; gewürfelt Jecht
Mannsfelder mda. 42
a.
alle andern buchungen gelten der bedeutung gewandt,
vgl.gewürfelt II. 22)
der litterarische gebrauch, soweit er nicht ebenfalls der letzt belegten richtung folgt (
s. u.),
zeigt reichere und andere linien, als die buchungen vermuthen lassen. 2@aa)
der gew.
boden ist verhältniszmäszig wenig bezeugt, vgl. das pflaster dieses saals ist klein gewürfelt Phil. Hainhofer 70
s. H. Fischer
schwäb. wb.; der offene saal mit einem gewürffelten estrich,
tesellato pavimento Comenius
orbis sensal. pictus 137; und wie kommt der gewürfelte boden zum symbol der höhern weisheit? Herder (
kl. schr. 1779 ff.) 15, 74;
dazu vgl.: allhier war ein lustiger brunnen, der auss einem marmorsteinern elephantenschnabel in ein künstliches gewürffeltes becken sprang Opitz
Barclays Argenis 7 (2), 271; die weite, flache ebene mit ihren buntgewürfelten äckern Paul Heyse (
die eselin) II, 10, 151. 2@bb)
aus der sprache der mathematik vgl.: die soliditas, die wir imaginiren, hat 144 gewurffelte eln ... ein gewurffelte eln nenne ich hie einen cubum imaginatum Mich. Stifel
die coss Christ. Rudolphs ... gebessert (1533) 369
a; die soliditas helt 933312 gewurffelte schuch 368
b. zu ende ... ist gleichfals eine tafel von schieffersteine, mit kleinen gewürffelten zeichen unterschieden die rechenkunst zu lernen Opitz
Argenis 2 (2) 121. 2@cc)
vielgebraucht ist das particip in der sprache der kochbücher, von der die buchungen keine kenntnisz nahmen: gepetts prot und gewirfelt darein
Tegernseer kochbuch (
Germania 9) 206; gewürz und gilbt und gwierffelt prot 202
u. a.; thut man ochsenmarch oder klein gewürffelt speck daran
der frantzös. koch (1665;
lard ... tranché ... comme de dez à jouer bei Bonnefons,
delices d. l. campagne 104)
s. 27
u. a.; vgl. auch: nim das hart gsotten eiesweisz schneids würflet
buch '
von allen speisen' (
Straszburg 1530) C 3
b u. a.; schneid würflet drein C 2
b.
als contrastbegriff vgl. scheibelig
theil 8,
sp. 2390;
vgl.bletter,
die scheibelicht geschnitten seind
von allen speisen C 2
a u. a. 2@dd)
am reichsten ist die gruppe der verbindungen mit gewandstoffen belegt und weit früher, als die buchungen schlieszen lieszen: item es mag ein jeder wol ain gewürfleten oder vergleisten ziechstul haben
Augsburger weberacten (1549)
s. Birlinger
Augsb. wb. 195;
vgl. gewürfelte zeuge H. Fischer
schwäb. wb. 3, 640; roth gewürfelt,
everlasting (ein zeug) G. Chr. Lichtenberg
aphor. (D 136) 2, 114
Leitzmann. 2@d@aα)
in bezug auf gewandstoffe erweckte das part. den eindruck der üppigkeit, nahm aber dann mehr die richtung auf das auffallende, sonderbare: die hosen, wammes theten sein vierecket, gsprecklet, gwürfflet fein ... kein henn so gsprecklet gwürfflet ist. J. Frischlin
hohenzollersch. hochz. 99; ein alter gewürfelter mantel A. v. Arnim 1, 6
Grimm; obwohl mein vater zwei samtröcke, einen rothen und einen roth und weiss gewürfelten, immer für meinen bruder und mich aufhob, damit wir ein mahl bei hofe darin anständig erscheinen könnten; der gewürfelte war für mich bestimmt Meusebach
an brüder Grimm (1.
mai 1830) 130; von den andern, mehr anmutigen erfindungen gefiel vorzüglich ein donauweibchen und ein junger hanswurst in trauer mit schwarz und weiss gewürfelter jacke Mörike (
maler Nolten 1) 4, 58
Krausz; es schien beinahe, als ob eine verkleidete junge frau in dem schwarz-weiss gewürfelten anzug stecke Sudermann
hohe lied (14) 168. 2@d@bβ)
auf wäsche dagegen —
vor allem auf bettwäsche —
wird das particip namentlich bei der schilderung des haushaltes der niederstehenden bezogen: betschwestern, bei denen die frommen kapuziner den kaffee trinken und ihre gewürfelten schnupftücher gewaschen bekommen H. König
die clubisten in Mainz 1, 44; das blau gewürfelte schnupftuch 83; blau und weiss gewürfelte ... tuch 208; das reissen krümmte ihn (
den lotsen) in den rot und weiss gewürfelten kissen noch etwas mehr zusammen G. Engel
Hann Klüth 7; die kissen ihres blau und weiss gewürfelten bettzeuges
leute von Moorluke s. 188; wohlig und behaglich nistete sie sich wieder in dem ungeheuren rotgewürfelten bette zurecht 198; sie trat ... an das bett, in dem die mutter auf rot gewürfeltem kissen lag C. Viebig
die wacht am Rhein (1, 1) 3
u. a. 2@d@gγ)
unter den einflusz des ebenfalls vom subst. würfel
abgeleiteten verbums mündet das particip erst neuerdings in verbindungen mit präpositionalbestimmungen ein: das ganze, zu welchem die einzelnen bunt durcheinander gewürfelten züge vollständig sich rundeten Laube
neue reisenovellen 1, 408;
zu: eine zusammengewürfelte gesellschaft
vgl. auch das folgende.