gewürfelt II
ist 11)
vor allem aus mundartlichen buchungen zu belegen: 'n gewörfelter (verschlagener, gewandter) kerl, der sich zu drehen und zu wenden weiss K. C. L. Schmidt
Westerwäld. idiot. 333; gewörfelt, gewürfelt, gewerfelt (
rhein., unterrhein.) in geschäften, im leben gewandt, wie ein oft gebrauchter würfel, wie ein gewandter würfelspieler Kehrein
nachtr. z. wb. 18 (
s. aber unten zu 3); gewirfelt Reinwald
Henneberg. idiot. 2, 52; gewürfelt K. Regel
Ruhlaer mda. 193; gewürfelt (gewärfelt) gewandt, geschickt, flink, gescheid Spiesz
beitr. z. Henneberg. idiot. 78; jewürfelt Jecht 42
a (
s. auch gewürfelt I); gewift ...
ähnlich gewürfelt ... gewerfelt Albrecht
die Leipziger mda. 122
b; gewüärfelt (
Zwickau) durchtrieben ... gerissen Müller-Fraureuth 418; kewaerflt, gewandt im leben und im geschäft Lenz
Handschuhsheimer mda. nachtr. 13; e gewirfelter laadediener Charles Schmidt
wb. d. Straszburger mda. 41
b; gewürfelt, was sich leicht bewegt; munter, verschmitzt Schmid
schwäb. wb. 539; des ischt a 'gwürflets mále
Ulmer redensart bei Unseld
in ztschr. hochd. mda. 1, 102; ein gwerfts mädlein, ein gewandtes, tüchtiges (
Hohenlohe) H. Fischer
schwäb. wb. 3, 640. 22)
auch litterarische belege gehen vor allem vom boden der mundart aus: da sah der Zundelfrieder zu, wie ein windiger gewürfelter gesell sich zu dem dicken mann stellte Hebel (
erzähl. rheinl. hausfr.: tabacksdose) 3, 235; es liesz sich nicht sagen, ob sie mehr gescheit oder mehr gut ist. sie ist eigentlich beides zusammen und gewürfelt wie nur eine B. Auerbach
edelweisz (8.
cap.) 63;
doch vgl. auch: wenn nicht die abenteuer eines gewürfelten weiberjägers, sondern die sinnigen träume eines unschuldigen jünglings der gegenstand der erzählung sind Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung 1
4, 26. 33)
unter den neueren mundartlichen forschern ist Ph. Lenz
der einzige, der dieses gewürfelt
vom subst. würfel
und dem zu diesem gehörenden verbum abrückt; er denkt an mhd. gewirbig, thätig,
bair. gewerbig (
vgl. oben sp. 6110; 5599).
besser aber geht man auf Schmids
westerwäldisches idiot. zurück: wörfeln, fein würfeln, das getreide durch das werfen reinigen ... häufig klug, pfiffig, gescheidt machen: de sall en schun wörfeln, gewörfelt mache 333;
vgl. auch Kehrein
volksspr. u. volkssitte 448,
der diese bedeutung für das part. gewörfelt gewerfelt
bestätigt. dazu vgl. worfen, geworfelt,
ventilare, evannare ... worfelicht,
ventilans, vibrans Stieler 2549; gewurffelt ... das getreide wurffeln Steinbach 1033; das wurfen oder wurfeln Frisch 2, 460;
bei dieser anlehnung des zweiten (
mundartlichen)
particips an worfeln,
worfen erklären sich auch die mannigfachen schwankungen des stammvocals (
überwiegend umlautformen zu o,
in der schrift u, ü)
am ungezwungsten, zumal bei dem sichtbaren bestreben, das part. an würfel
anzulehnen. auch die bedeutung bietet bessere anknüpfungspunkte als das subst. unter dem gesichtspunkt der bewegung (vibrans)
springt der zusammenhang mit gewift (
s. o.)
in die augen, doch lieszen sich auch für die bedeutung getreide reinigen
in gesiebt, ausgesiebt
parallelen beibringen.