gewimmel,
n. ,
verbalsubstantiv zu wimmeln
s. d. 11)
ableitung, älteste belege. 1@aa)
aus althochdeutscher zeit sind für die in betracht kommende sippe zunächst verba bezeugt, vgl. wimjan, winmjan, wimidôn, wimizian
u. a. Graff 1, 852.
der bedeutungsinhalt ist fast durchweg mit lat. scatere
gekennzeichnet, das den begriff lebhafter bewegung
nach zwei richtungen spaltet, der behendigkeit
einerseits, der fülle
andererseits. unsere erweiterung der verbalform ist erst spät mittelhochdeutsch belegt: swaʒ der kristen starp, die wâren des gevreut, wan sie der helle wurden vor gehimelet. swaʒ ungetoufter dâ belac, die gewunnen an der sêl den andern slac. der wart sô vil daʒ wider einander wimelet ûf der rehten strâʒ gein helle.
Lohengrin 2766
Rückert. abgesehen von einem versuch der Berner glossen des 9.
jahrh. (
massa, gawimez. Steinmeyer-Sievers 2, 88)
fallen die ersten zeugnisse für substantivbildungen noch später (
vgl. mhd. wb. 3, 675
b. Lexer 1, 991):
die vereinzelte bildung ohne präfix, die anscheinend einen collectivbegriff zum ausdruck bringt (seiner clârheit wimel chains menschen sin begreifen mag.
M. Beheim,
s. Schmeller 2
2, 912)
und das nach analogie der collectiva mit dem präfix abgeleitete neutrum, das ein deutliches nomen actionis einführt: din wille werd hie uff erd ach wie gern ich daʒ gert das si werdent erhangen (
die ihn geprügelt und aus dem wirtshaus geworfen haben) so wAer eʒ mir wol ergangen als dir in dem himel ach wie ain gewimel und ain tretten was umb mich.
des buben klage 90
bei Laszberg
liedersaal 3, 553; 1@bb)
auch die neuhochdeutsche periode, die in der litteratursprache des 18.
und 19.
jahrhunderts dem substantiv eine ungewöhnliche verbreitung erschlieszt, setzt anfangs mit ganz spärlichen belegen ein. immerhin lassen auch diese wenigen beispiele aus H. Sachs
und Ayrer
die beiden richtungen der bedeutung hervortreten: die lebhaftigkeit der bewegung und das gedränge, in dem sie sich verdichtet. bemerkenswert ist auch hier in allen belegen die reimbildung auf himmel: sein (
gottes) wort ein sturme-wind erregt, und die grossen wellen bewegt, dasz sie (
die seefahrer) sam auff-faren gen himel, und darnach mit schwindem gewimmel abfarn sam in abgrund der hell. Hans Sachs (
psalm 107) 18, 418
Götze; meint jr, jr seit auff dem dorff drausz
unter den baurn in eim wirtshausz? hett ich gwist eur schreien und prumen, keiner solt mir rein sein kommen mit solchem lauffen und gewimmel. Ayrer (
ein landsknecht kommt in den himmel) 5, 2953
Keller; ob dem küng ersewfzten sie (
die frösche) dieff, erhueben ir stim mit gewimel pis auf zu dem gestirnten himel. H. Sachs (
fabel v. d. storch u. d. fröschen)
fab. u. schw. 2, 127
Götze. die spärlichkeit dieser belege überrascht, wenn man den häufigen gebrauch des verbums aus der gleichen zeit vergleicht, das allein schon in der verbindung krimmeln
und wimmeln (
vgl. theil 5,
sp. 2304)
aus dem 16.
jahrh. so zahlreich bezeugt ist. die ursache liegt wol darin, dasz als substantiv zunächst ein anderes wort eingebürgert war: getümmel,
vgl. oben sp. 4570
ff. von hause aus zielt getümmel
allerdings auf das geräusch, das mit der lebhaften bewegung von personen, thieren oder anderen factoren verknüpft ist, während gewimmel
ausdrücklich der bildwirkung sich zuwendet: und so verbringt, umrungen von gefahr, hier kindheit, mann und greis sein tüchtig jahr. solch ein gewimmel möcht' ich sehn, auf freiem grund mit freiem volke stehn. Göthe (
Faust II, 5) 41, 321. dass bei jenen musikwerken auch derjenige schon eine art von genusz davon trägt, der in schlaffer psychischer träumerei blos die ohren hinhält und sich dabei die augen von dem gewimmel hübscher choristinnen ... erfreuen läszt. Fr. v. Uechtritz
deutsche vierteljahrsschrift 1842. 4. 100
u. a. s. u. aber einerseits ist an getümmel
die abstreifung des akustischen momentes in weitem maasze zu beobachten (
vgl. sp. 4578
ff.)
und andererseits bildet sich auch gewimmel
im verlauf der entwicklung zum ausdrucksmittel für die mit geräusch verbundene bewegung aus: und ich, der ich betäubt von dem gewimmel des drängenden gewühls, von so viel glanz geblendet ... durch stille gänge des palasts, an deiner schwester seite schweigend ging. Göthe (
Tasso 2, 1) 9, 137.
u. a. s. sp. 5838.
so lehnen sich die gebrauchsformen von gewimmel
fast in allen einzelheiten an die von getümmel
an, mit dem es auch die reimbildung auf himmel
gemein hat. die entwicklung (
s. 2)
läszt das jüngere substantiv nicht nur in der häufigkeit der anwendung weit über das ältere concurrenzwort vordringen; es wird sich auch zeigen, dasz die ihm innewohnende bedeutung den verwendungskreis nach verschiedenen richtungen erweiterte. 1@cc)
die wörterbücher, die freilich vom verbum ebenso spät erst kenntnis nehmen, lassen gewimmel
lange zeit hinter getümmel
zurückbleiben. die ersten zeugnisse entstammen dem 17.
jahrh.: wimmelung, das wimmeln, das gewimmel,
multitudo, abundantia, copia turba. Stieler 2586;
die buchung kennzeichnet das substantiv als ein nomen actionis, umschreibt es aber durch collectivbegriffe, die alle auf das vielfältige an der bewegung zielen und von denen nur einer (
turba)
das ungeregelte andeutet. in diesem rahmen halten sich auch spätere wörterbücher längere zeit, bis zu ende des 18.
jahrh. die function des nomen actionis stärker zur geltung kommt, die sich zuvor aus solchen buchungen, die das subject der am collectivbegriff verdunkelten bewegung kennzeichneten, wenigstens erschlieszen läszt. auch für dieses subject hatte Stieler
schon die hauptlinien gekennzeichnet sowol beim verbum (der käse wimmelt von maden ... es krimmelt und wimmelt von soldaten),
als auch beim verbalsubstantiv s. unter γ). 1@c@aα)
einseitige auffassung als collectivbegriff: gewimmel,
folla, abondanza, formicolamento, foule, abondance, fourmillement. Rädlein 383
a; gewimmel,
copia, abundantia. Aler 936
a; Steinbach 2, 995; Matthiae 2, 181
a;
ähnlich Hederich 1, 1423; gewimmel,
abondance, foule. Frisch
nouveau dict. des passagers 2, 279. 1@c@bβ)
auf ein nomen actionis weist unter den fremdsprachlichen wörterbüchern schon Kramer im
teutsch-ital. dict. (1702): ein gekrimmel und gewimmel 2, 1349
b;
vgl. auch gewimmel, gewemel, gekriel, krieling. Kramer
deutschholländ. wb. 2, 97
a.
zur geltung kommt das nomen actionis seit Adelung,
dem namentlich die fremdsprachlichen wb. hierin nachfolgen: 1@c@b@11))
neben dem collectivbegriff: gewimmel,
la multitude, confuse, abondance, foule; it. l'action de fourmiller, de grouiller. Schwan 1, 745
b;
ebenso (
mit umgekehrter rangordnung) Rondeau 2, Uu 3
c; gewimmel,
a swarm, crowd, a crawling. Arnold
compl. vocab. 2, 427; gewimmel,
a continual und confused moving ... of living beings; a multitude of beings in motion, a swarm, throng, crowd. Hilpert 2, 1, 464
b. 1@c@b@22)) Adelung
erkennt keinen collectivbegriff an: gewimmel ...
plur. car. ein anhaltendes oder starkes wimmeln, verworrene bewegung vieler dinge auf und unter einander. 2, 662;
ebenso Campe 2, 363
b,
der aber für den poetischen stil auch die bedeutung eine wimmelnde menge
bucht. die neueren festsetzungen suchen meist engsten anschlusz an das verbum, vgl. z. b.: gewimel
friesch woordenb. 1, 455
a. 1@c@gγ)
wo dem verbalsubstantiv ein logisches subject angegliedert ist, tritt die function des nomen actionis eigentlich am deutlichsten hervor. auch hier aber wird sie in den ältesten buchungen verdunkelt. die beiden hauptgruppen, die schon Stieler
kennzeichnete, kehren auch später wieder, gewimmel der menschen, thiere.
bei der zweiten gruppe lösen sich bestimmte feste verbindungen in bemerkenswerter regelmäszigkeit ab: 1@c@g@11)) gewimmel des volkes,
frequentia populi, multitudo hominum. Stieler 2585; gewimmel der soldaten,
militum globi. ebenda; gewimmel der leute,
turba hominum. Steinbach 2, 995; Hederich 1, 1423; gewimmel des volcks,
calca, folla, diluvio di populo. Kramer
teutsch- ital. dict. 2, 1349
b; ein gewimmel oder gedräng des volcks,
a crowd, throng, press, or multitude of people. teutsch-engl. wb. 2 (1716), 773. 1@c@g@22)) gewimmel heuschrecken,
locustarum nubes. Stieler 2585; gewimmel der frösche,
vis maxima ranunculorum. Steinbach 2, 995; Hederich 1, 1423; das gewimmel,
turba, der würme,
vis magna vermium. Frisch 2, 449
a; gewimmel und gekrimmel von ameisen,
a swarm of emmets. teutschengl. wb. 2 (1716), 773; ein gewimmel ameisen,
un infinità di formiche for micolanti. Kramer 2, 1349
b;
ähnl. Campe 2, 363
b u. a. 1@dd)
der litterarische gebrauch, der sich seit der mitte des 18.
jahrh. ungewöhnlich steigert, bringt fast durchweg ein nomen actionis zur geltung, freilich nicht oft so ausgesprochen, wie im folgenden: oft wählen sie zu diesem posten auch eine hübsche, witzige und freundliche dirne, welche den lockvogel macht, und oft mehr, als zehn journale, wirkt, indem sie mit jedem sprechlustigen anbindet, und nach geendigtem gewimmel oft noch zu etwas besserm zu gebrauchen ist, als zum dürftigen zählen und rechnen. E.
M. Arndt
reisen (
bruchst. einer reise durch Frankreich 2) 5, 174.
meist vielmehr mischen sich collective züge bei, insofern es ein ganzes ist, ein gesammtbild, das der blick umspannt —
aber entscheidend für die auffassung wird weniger der rahmen, als die lebendige bewegung, die ihn erfüllt: die königin bewillkommte ihre neue freundin und stieg mit ihr und ihren übrigen gespielinnen in den altan hinab, indesz der könig in der mitte der beiden männer nach der brücke hinsah und aufmerksam das gewimmel des volks betrachtete. Göthe (
märchen) 15, 255; die ganze schöpfung scheint zu trauren, zwecklos zu geniessen und nicht genossen zu werden — wüste, ödes gewimmel! der puls der schöpfung harret. Herder (
älteste urkunde 11, 2, 6) 6, 248
Suphan. 1@d@aα)
wo das verbalsubstantiv auf lebewesen zurückweist, drängt sich der collectivierende zug nur selten vor; am ehesten vielleicht in einigen belegen, die enge an eine ähnliche ent wicklung von getümmel (
vgl. sp. 4578)
anknüpfen: es packte einer den andern beim haaren, rang ihn zur erde, die gäste mischten sich darein, schlugen wacker mit fäusten zu, und stiegen ganz kommod auf die zu boden liegenden spielleute herum. der komissar der noch immer da war, brachte endlich das gewimmel auseinander, und liesz sie insgesamt, bis auf zwei, die dem rummel entwischten, durch die mitgebrachte wache in's polizeistockhause liefern.
der hausball (
Wiener neudr. 3, 22);
dagegen bemerkte ich an der ecke des hauses einen knäuel von menschen, den immer neuer zulauf vermehrte. dies erregte meine neugier; ich schritt auf das gewimmel zu. Friedrich Halm (
die Marzipanliese) 4, 20
Schlossar; in vollem galop stürzt eine grosze masse solcher edlen thiere (
pferde) heran, sie werden durch reitende hüter gelenkt und zusammengehalten. an dem wanderer sprengt das ungeheure gewimmel vorbei. Göthe (
Wilhelm Meisters wanderjahre 2, 9) 22, 152; in ihren durchbrochenen byzantinischen kleinen fenstern beherbergten sie (
die münsterthürme) ein wahres gewimmel von raben und dohlen. K. Gutzkow
der zauberer von Rom 4, 58.
aus anderer richtung mündet hierher die poetische personifizierung ein, die Campe (
s. o.) im auge hatte: als der poete Melissus gestorben, welcher ein ewiges lob hat erworben, ist der herr Neükrantz erst kommen ins leben welchem der himmel Phebus gewimmel, das ist die rühmliche dichtkunst gegeben. Joh. Rist
neuer teutscher parnass (
auf Neukrantz) 580; nun erklang die posaune: 'erscheinet, schande der menschheit! ob ihr moosige hütten, ob goldpaläste bewohntet, all' ihr niedrigen menschen, erscheint, die das stumme verdienst, ihr, welche die besten eures geschlechts unedel entehrten!' auf den gebietenden ruf erschien gewimmel. sie stiegen, schwer mit sich selber belastet, herauf und wurden gerichtet. Klopstock (
Messias 18, 510) 4, 66
Boxberger; dem meere folgen seine bewohner, kleine eszbare schnecken, einschalige patellen, und was sonst noch beweglich ist, besonders die taschenkrebse. kaum aber haben diese thiere an den glatten mauern besitz genommen, so zieht sich schon das meer weichend und schwellend, wie es gekommen, wieder zurück. anfangs weisz das gewimmel nicht woran es ist, und hofft immer, die salzige flut soll wiederkehren. Göthe (
ital. reise) 27, 145. wie dieses jahr kein blatt sich weisz zu retten unter'm himmel vor diesem Ahrimansgeschmeisz, dem krimmelnden gewimmel; verwünsch' ich diese frühlingspracht, so nehm' es euch nicht wunder: komm, herbst, und mach' in einer nacht ein end' all' diesem plunder! Friedr. Rückert (
haus u. jahr, 4.
reihe, mailieder 109) 2, 371. 1@d@bβ)
näher liegt die entwicklung des collectiven zuges bei sachlichen vorstellungen, die in bewegung erfaszt werden: dort, wie oft die nadeln bei kystallbildungen, schosz ein gewimmel mächtiger joche und rücken gegen einander und schob einen derben gebirgsstock empor. Stifter (
studien 1:
der hochwald 1) 1, 211
Sauer; acht tage vor dem feste pflegte sich der Dresdener altmarkt mit einem ganzen gewimmel höchst interessanter buden zu bedecken. Kügelgen
jugenderinnerungen (2, 2) 79,
vgl. auch einige beispiele auf sp. 5837.
ganz selten ist hier die poetische personification: blicke (
der mond) ruhig von dem bogen deiner nacht auf zitterwogen mildeblitzend glanzgewimmel, und erleuchte das getümmel das sich aus den wogen hebt. Göthe (
Faust II, 2) 41, 158. 1@ee)
formen. 1@e@aα)
zur schreibung und lautform. 1@e@a@11))
das substantiv ist, obwol nach analogie der collectiva gebildet, doch nirgends mit auslautendem e
bezeugt. die bildungssilbe, mit der das verbum abgeleitet ist, hat einen vocal nach der liquida nicht aufkommen lassen. vgl. gewinsel. 1@e@a@22))
wie beim verbum ist der kurze stammvocal fast ausnahmslos (
weil erst neuhochd. verbreitet, vgl. dagegen gewimel
bei Laszberg,
selbst noch bei Spreng)
durch nachfolgende verlängerung des consonanten gekennzeichnet. 1@e@bβ)
zum formengebrauch. das festhalten an der function des nomen actionis kennzeichnet sich vor allem auch daran, dasz das substantiv noch nicht im plural belegt ist. 22)
abgrenzung von gewimmel
gegen getümmel. 2@aa)
der sichtbarste gegensatz zwischen beiden gebrauchssphären ist in der auswahl der substantiva zu erkennen, mit denen sie sich in beiordnung verbinden. 2@a@aα)
die gruppe der auf ein geräusch zielenden verbalsubstantiva, die mit getümmel
als synonyma verbunden werden, tritt zu gewimmel
mehr als ergänzung: es war auf den dunklen gassen grosz gewimmel und gejauchze. Th. Storm (
chron. von Grieshuus) 6, 94;
das gleiche gilt anfangs wol auch für die meist belegte verbindung mit getümmel,
bis die gegensätze sich später verschleiern: die nacht darauf war grauenvoll; in dem lager der fremdlinge war ein unendliches gewimmel und getümmel, und ein geschrei, das nicht winseln und wehklagen glich, sondern einem dumpfen und thierischen gebrülle ... und die Römer ergriff furcht und Marius bangigkeit. E.
M. Arndt
ansichten ... der teutschen gesch. (1814) 11; gewimmel und getümmel, geheckel und gepäcke
s. oben sp. 4582; das mag ... auch so'n gewimmel und getümmel gewesen sein (
in Noahs arche). Sohnrey im
grünen klee 126;
dazu vgl.: eine art wohllüstigen getümmels und gewimmels in der ganzen seele. Göthe
oben sp. 4582;
vgl. auch die reimbindung gewimmel: getümmel
bei A. W. Schlegel, Schenkendorf, Gerok. 2@a@bβ)
als synonyma verbinden sich substantiva mit gewimmel,
die das ungeordnete, regellose der bewegung kennzeichnen, woraus sich dann auch der begriff des gedränges, der masse ergiebt. 2@a@b@11)) unsre erde mit all ihrem gekrimmel und gewimmel ist wirklich zu einem kleinen ameisenhaufen herabgeguckt worden. E.
M. Arndt
schriften f. m. l. d. 4, 160; so lange nur noch einiges leben in Paris wach ist, fehlt es diesem platze nie an gewimmel und gestrudel der menschen.
reisen (
bruchstücke einer reise durch Frankreich 2) 5, 380; belügen wollen wir die herrschaften weder mit der musik noch mit den gezähmten thieren, aber nothwendig wird es sein, dasz ihr hiesiges gewimmel und gekrabbel, das gebelfer und gezwitscher nicht gefährlich erscheint. K. Gutzkow
ritter vom geiste (9, 2) 9
2, 35; gewimmel und unruhe (Gervinus)
s. u. 2@a@b@22)) der tag brach an, wir befanden uns vor der stadt in dem grösztmöglichen gewirr und gewimmel. alle arten von wagen, wenig reiter, unzählige fuszgänger durchkreuzten sich auf dem groszen platze vor dem thor. Göthe (
campagne in Frankreich 1792) 30, 134.
dazu vgl. auch: diesem komischtragischen gewühl dieser ungestümen glükeswelle diesem possenhaften lottospiel diesem faulen fleissigen gewimmel. Schiller (
an Weckherlin) 1, 181. 2@a@b@33))
mit gewühl
bringt Maasz (
ergänzung zur Eberhardischen synonymik 2, 254) gewimmel
in nächste verbindung, deren berührungspunkte nach ihm in der 'unordentlich durcheinander gehenden bewegung'
liegen. die abgrenzung wird hier in den logischen subjecten gesucht: gewimmel
soll von 'kleinen geringfügigen dingen', gewühl
von 'grossen und in grosser bewegung befindlichen'
ausgehen. in der wirklichkeit fällt die abgrenzung meist anders: gewimmel
ist insofern ein weiterer begriff als es die ungeregelte bewegung in allen ihren äuszerungen deckt, während gewühl
im besonderen auf das einkeilen im gedränge
eingeschränkt ist. in syndetischer verbindung erscheinen beide substantiva nur selten, zur concurrenz vgl. menschengewimmel, menschengewühl;
vgl. auch Wieland (
Shakespeare 4, 280)
gegen Schlegel,
s. auch unter gewühl. 2@a@gγ)
unter dem einflusz der gebrauchsformen von getümmel
steht die vereinzelte beziehung auf den kampf,
die schlacht: aber auf dieser hohen spitze, in diesem herrlichsten kampf und gewimmel aller kräfte war auch die gränze. von hier ist es reiszend abwärts gegangen bis auf den letzten tag, den wir erlebt haben. E.
M. Arndt
geist der zeit (1)
2 104.
dazu vgl. schlachtgewimmel theil 9,
sp. 247 (
bei Maasz
war diese verbindung noch als unwahrscheinlich gekennzeichnet worden gegenüber von schlachtgetümmel). 2@bb)
in der unterordnung von substantiven (
unterordnung unter andere substantiva ist für gewimmel
nur ausnahmsweise belegt: der markt des redenden gewimmels. Jean Paul
s. u.),
die auf den ausgangspunkt der verbalthätigkeit zurückweisen, schlieszt sich gewimmel
am engsten an getümmel
an; es findet in dessen verwendungskreis schon die gruppen vor, die es seinerseits wieder erweitert: als logisches subject der bewegung (
andere verhältnisse rufen selten die unterordnung eines substantivs hervor, vgl. das gewimmel des jünglings. Stifter
s. u.)
erscheinen nicht nur lebewesen, menschen, thiere und als lebend gedachte phantasiegestalten, sondern auch concreta aller art, in übertragenem gebrauch auch abstracta. 2@b@aα)
als logisches subject sind lebewesen und phantasiegestalten gekennzeichnet oder vorausgesetzt: 2@b@a@11))
personen: 2@b@a@1@aa)) der ewig got vom höchsten himel uof dise welt hœrnider schaut: aller menschen-kinder gewimel mit augen warnemend anschaut. Paul Schede Melissus
psalm 33, 7
s. 119
Jellinek; ich dachte, ohne zweifel will sie dich allein genieszen. wen fand ich? ein gewimmel von dreiszig, oder vierzig personen. Gotter (
der schöne geist 2, 5)
ged. 3, 210; gewimmel arbeitender menschen. Schiller (
s. u.); überhaupt gewährt Triest ... einen ausserordentlich schönen anblick. das meer in seiner herrlichkeit, die zahllosen masten der schiffe, das gewimmel von menschen aller kleidung und sprache, alles ist ansprechend und neu. Grillparzer (
tagebuch auf der reise nach Italien) 19
5, 198; darunter die dächer der stadt mit unzähligen schornsteinen, der reinliche marktplatz mit dem rathause im abenteuerlichsten zopfstiel, das gewimmel der menschen in den gassen, alles lautlos, klein und fremd, wie in einem zwergenmärchen. Paul Heyse
moral. novellen: anfang und ende (
s. 237); die bäume am wege sollten mit volk beladen sein, unzählbare menschen sich auf ihre ankunft müde warten, und der staub, von ihrem gewimmel erregt, bis an die decke des himmels steigen. Wieland
übers. Shakespeares (
Antonius u. Kleopatra 3, 4:
raised by your populous troops; erregt vom volksgewühl. Schlegel (3, 6) 4, 280.
dazu vgl.: das ungeheure panorama von Paris und seinen umgebungen, mit dem ganzen beweglichen gemälde des menschengewimmels, lag plötzlich, in glühender abendbeleuchtung, vor mir aufgethan. Fr. Matthisson
erinnerungen (10) 2, 233; man findet diese maschinen selten bei tage und in den lebhafteren gassen, weil der transport dort wegen des menschengewimmels und der pferdefuhrwerke noch langsamer gehen würde. E.
M. Arndt
reisen (
bruchst. einer reise durch Frankreich 2) 5, 211;
vgl. menschengewimmel
bei Bodenstedt, Gerok
s. u., vgl. menschengewühl theil 6,
sp. 2051; was zieht für ein gewimmel von volk das haus vorbei; wohl niemand als der himmel weisz, wer ein jeder sei. Friedr. Rückert (
zeitgedichte 1814/5:
der deutsche groszvater); die vögel unterm himmel, mein sohn, sie sind ein bild von diesem volksgewimmel, das unaufhörlich schwillt.
ebenda; vgl. gewimmel der menge. Platen (
s. u.); der menschenfreund wird sich nach der lösung des groszen rätsels sehnen: wie erwächst aus einzelnen menschen ein volk, wie aus dem völkergewimmel endlich die menschheit?
F. L. Jahn (
deutsches volksthum) 1, 153
Euler; mitten im gewimmel fremden volksthums bewahrten die tapferen stämme der Alpen und des Donauthales getreulich ihre deutsche art. Treitschke
deutsche gesch. 1, 10; 2@b@a@1@bb)) hier war noch alles voll getümmel, als durch das thor, das weit geöffnet stund, mein Scherasmin sich mitten ins gewimmel der klosterleute stürzt; denn auf geweihtem grund ist's, wie er glaubt, so sicher als im himmel. Wieland (
Oberon 2, 35) 22, 76; und zwischen diesem all der verwirrung wickelt sich das gewimmel der käufer und verkäufer durch. E.
M. Arndt
reisen 4, 240; o mutter, wie stürmen die flocken vom himmel, es wird uns in schnee noch begraben, und mehr noch als flocken im dorf ein gewimmel von reutern, die reiten und traben. Friedr. Rückert (
zeitged. 1816/7:
die gottesmauer) 1, 164; als ich den hof der alten herberge betrat, der jetzt nicht mehr vom stampfen und wichern schellenbehangener kärnerpferde und dem gewimmel von vetturinen und kellnern erscholl. Paul Heyse
ital. nov. 2 (
die frau marchesa)
s. 294;
dazu vgl. (
s. u.): gewimmel der zurückgelassenen (Blumauer); von bekannten (Kleist); der reisenden, der passagiere (Raabe). 2@b@a@22))
für die thierwelt werden an stelle der in den wörterbüchern aufgeführten festen verbindungen vom litterarischen gebrauch andere formen gepflegt: schrecket nicht den bauersmann, paucken-brummen, mordgetümmel, eulen-augen, krötenzucht, schlangen-zischen, wurm-gewimmel? Joh. Prätorius
Blockes-berges verrichtung (2.
th., c. 5) (1668) 316; noch immer wehte der odem des lebens von den lippen des logos, und siehe! die erde regte sich vom thiergewimmel, der gährenden erdscholl' entwand sich der löwe. zum beseelten hügel thürmte sich der elephant. das kaninchen spielte im grase. Schubart (
ein blick ins all) 330
Hauff; das gleiche bei Rückert (
s. u.). auch kleinere schwarze vögel mit storchartigem schnabel sahen wir, die wie mit hellem kriegsschrei durch das gewimmel der groszen möven hin- und herschossen. Storm
halligfahrt (
werke 4, 20).
vgl. auch roszgewimmel (
aus Kleist)
theil 8,
sp. 1262,
vgl. das gewimmel von fröschen (Wieland)
s. u.; dort unter jenem alten götterhimmel fand Goethe seines busens höchste gäste, die tugend Iphigeniens, Tasso's wunden. und eben dort hat Platen beim gewimmel von minorenner scorpionen neste aus sympathie den Oedipus gefunden. K. Immermann (
der im irrgarten der metrik umhertaumelnde cavalier) 17, 482
Hempel. 2@b@a@33))
phantasiegestalten: und ich befand mich, ohne zu wissen wie, von einem gewimmel kleiner amoretten umschwärmt, in einem lauen bade. Wieland (
Peregrinus Proteus 1, 3) 27, 201; und wenn er nun so sasz auf der rednerbühne, wie einst, wenn die sonnenfläche der haide vor ihm zitterte und sich füllte mit einem gewimmel von gestalten, wie einst, und manche daraus ihn anschauten mit den stillen augen der geschichte, andere mit den seligen der liebe. Stifter (
studien 1:
das haidedorf 4) 1, 199
Sauer; ebenso 178; vergebens hegten Amphitritens nymphen weit im ocean, in flüssen, bächen, bis zum fels hinauf, gewimmel leicht bewegter wunderbrut. Göthe (
theaterreden: prolog. Halle, den 6.
august 1811) 11, 371; und wir schweben nach den höhen, wo die jungen lerchen singen, wo der sphären töne klingen; in der seligen gewimmel trägt er uns durch sieben himmel bei der sternenlichter schein grad' in's paradies hinein. Wilh. Müller (
die reise in's paradies)
ged. 161
Hatfield. vgl. seelgewimmel theil 10, 1,
sp. 46;
vgl. gewimmel der götter (Göthe.
F. Schlegel
s. u.); Phœbus gewimmel (
s. o.); der töchter des Oceans (Wieland
s. u.); traumgewimmel (Gerok). 2@b@bβ)
ungewöhnlich weit ist der kreis concreter vorstellungen, an die der neuere sprachgebrauch das verbalsubstantiv anknüpft. es sind zwei richtungen, in denen die vorstellung einer lebhaften, regellosen, gedrängten bewegung nahe gebracht wird. auf der einen seite rege menschliche thätigkeit, die die objecte in bewegung setzt, auf der anderen seite die naturgewalten, deren wirkungen im bilde eines gewimmels erfaszt werden. 2@b@b@11))
das erste gilt am reinsten von der so häufigen anknüpfung an umfassende vorstellungen wie erde, welt
u. a., bei denen das verbalsubstantiv nicht so sehr die sinnlich wahrnehmbaren veränderungen und bewegungen, als die durch den irdischen, weltlichen rahmen begrenzte thätigkeit des menschen kennzeichnet. was ruft der erde gewimmel hinauf ins selige grab. Rückert 358; und, als strömt' aus gottes offnem himmel tugendkraft auf mich herab, werd' ich fliehen und vom erdgewimmel fernen meinen pilgerstab. Hölty (
die laube)
ged. 109
Halm, ebenso (
trauerlied) 114. (
der tod) 94,
s. oben theil 3,
sp. 770; nein! freut euch, dasz, wenn aus dem erdgewimmel ihr euern blick nun über wolken hebet, ihr dort auch lächeln seht bekannte züge. Friedr. Rückert (
liebesfrühling: Agnes 29) 1, 349,
ebenso 2, 514; der mensch lacht, wenn man ihn lobt; lacht, wenn man ihn schilt; ich glaube er würde lachen, wenn man ihn prügelte. ja, wer zu allem in dem gewimmel der welt lachen könnte, was ihm lächerlich vorkommt! Bräker
der arme mann im Tockenburg 271
Bülow; schon hier vereint in lieb' und recht sei aller welt gewimmel! wir sind ja eines staubs geschlecht, bedeckt von einem himmel. Joh. Heinr. Voss (
Luise 1) 1, 19
Hempel; tief unten der welt gewimmel, forst, flur und stromeslauf, und oben thut der himmel die goldnen pforten auf. Freiligrath
Nebo; ich bin gestorben dem weltgewimmel, und ruh' in einem stillen gebiet. ich leb' in mir und meinem himmel, in meinem lieben, in meinem lied. Friedr. Rückert (
liebesfrühling 5, 29) 1, 567 (1, 57) 1, 396;
anders das folgende: es zücket und schimmert das weltengewimmel mit feierndem leben von nah' und von fern!
F. L. v. Stolberg
lobgesang, s. werke der brüder Stolberg 2, 95.
dagegen vgl.: ich habe mich wohl gehütet, in dem gewimmel des lustigen lebens darüber zu moralisieren. E.
M. Arndt
bruchstücke einer reise durch Frankreich 2;
ebenso (
s. u.): gewimmel des lebens (Eichendorff), des weltlaufs (Gerok). 2@b@b@22))
bei der engeren beziehung auf örtlichkeiten kreuzen sich die richtungen. 2@b@b@2@aa))
ausschlaggebend ist die menschliche thätigkeit: nicht durchlief ihr blick die reihen der schiffe, der zelte, spähete nicht im gewimmel herum des geschäftigen lagers. Göthe (
Achilleïs) 40, 359; drum wandl' ich auch in süszem frieden durchs leben hin, geh' immer, in der brust den himmel, geraden pfad, durchtaumle niemals das gewimmel der goldnen stadt. Hölty (
der misogyn) 90
Halm; er lehnte sich jetzt aus dem groszen fenster und überschaute das gewimmel der lebhaften strasze. Tieck (
dichterleben) 18, 133. 2@b@b@2@bb))
ausschlaggebend ist die bildwirkung der objekte: 'nun lasz gehen', sagte Clarissa lächelnd; — über dem gewimmel dieser wälder, seeen und knochen (
deiner erzählung) hat dir diese rose (
der stickerei) ein häszlich eck bekommen'. Stifter (
studien 1:
der hochwald 1) 1, 224
Sauer; das erste war eine grosze stadt von oben gesehen, mit einem gewimmel von häusern, thürmen, kathedralen, im mondlichte schwimmend. (
der condor 4) 1, 35; zur rechten aber lebt und leuchtet alles vom gewimmel hellrother ziegeldächer. Allmers
marschenbuch 195; o heiliger abend, mit sternen besä't, wie lieblich und labend dein hauch mich umweht! vom kindergetümmel, vom lichtergewimmel aufschau ich zum himmel in leisem gebet. Karl Gerok
palmblätter (
am hl. abend) 117. 2@b@b@33))
dieser zweite zug macht sich natürlich in der beobachtung der naturerscheinungen geltend: ihr habt einen bewunderungswürdigen griff, immer neue reize aus dem gewimmel der naturerscheinungen herauszuheben. Vosz
an Bürger (28. 8. 1777);
atmosphärische bewegungen wie der wolkenflug, die schneeflocken, gelegentlich auch staub und wasserbewegung, lassen neben dem begriff der beweglichkeit
auch den der fülle und des regellosen hervortreten. dieser überwiegt bei blatt und laub. das gleiche moment bildet wol auch den anknüpfungspunkt bei der viel angezogenen sternwelt. 2@b@b@3@aa)) im feld sie sahen mit gewimel, auff gehn den dicken staub gen himel, die reuter brachen ein mit eil, in lüfften fuhren her die pfeil. Spreng
übers. d. Aeneis (12, 407
ff. jam pulvere caelum stare vident) 253
a; und das wolkengewimmel, das drauszen flieht, ass' ich klanglos und fühllos vorüberziehn. Strachwitz (
aus dem nachlasz: lichtgedanken bei nacht)
ged.8 330
Weinhold; das gewimmel der schneeflocken wurde dichter, sie sahen ihn noch in die stadt hingehen. Theodor Storm (
unter dem tannenbaum) 1
10, 189; und da sind sie alle aufgestanden, aber dem einnehmer hat's, wie er aufstand, vor den augen wie schneegewimmel im sturme geflirrt. E. Helmer
prinz Rosa-Stramin (
cap. 14) 71
Brümmer; vgl. auch schattengewimmel
theil 8,
sp. 2257. 2@b@b@3@bb)) frische flur, du reiner himmel, frischer athm' ich hier und reiner, kaum bewuszt der welt und meiner, vom gewimmel des baums umweht. Joh. Heinr. Voss (
ländl. stille) 242
a; hell durch laubgewimmel blinkt der frühlingshimmel. Matthisson
ged. 180;
ebenso Vosz
s. theil 6,
sp. 296.
vgl. gewimmel der blätter (Platen
s. u.); denn erschlieszt ihr nicht die thür zu des frühlings blumenhimmel? hinter euch drängt ein gewimmel lichter kinder sich herfür. O. H. v. Loeben (
himmelschlüssel)
ged. 53
Pissin; könnt' ich schwingen mich als gast mit den vögeln unter'm himmel, sucht ich andern landes rast, das zu meinem sinne paszt, wo in blüth' und strahlgewimmel nicht der tag so trüb' verblaszt. Friedr. Rückert (
im regenwetter) 2, 409;
vgl. blütengewimmel
theil 2,
sp. 179; er bisz sich auf die lippen und schaute vor sich hin in das gewimmel ergrünender blättchen. Hermann Sudermann
der katzensteg (16) 301; die blumen ziemlich, wie im walde diese, doch grüngelbstreifig jeder tropfen thau. und über der kouleuren lustgewimmel stand taubenhälsig-schillertaftner himmel. K. Immermann (
Merlin; der Gral) 4, 320
Maync. 2@b@b@3@cc)) nicht der lichter glanzgewimmel zeigt des firmamentes höh', und dem sternenlosen himmel klagt er das versteckte weh. Platen
gelegenheitsged.: zum lebewohl) 1, 471
Redlich; wolken wie die midgarschlange recken sich am dunklen himmel, auf die weisze winterdecke blickt Arktur im sterngewimmel. Herm. Lingg (
elephantenwanderung)
ged. 1
5, 227; den wald lasz rauschen, im gewimmel entfunkeln lasz der sterne reih'n; du hast die erde, hast den himmel, und deine geister obendrein. Annette v. Droste (
gemüth) 3, 346
Kreiten; vgl.(
s. u.) gewimmel der sterne (Rückert, Wieland); sterngewimmel (G. Kinkel). 2@b@b@44))
auch auf die zeilen einer schrift oder eines druckes wird die vorstellung des gewimmels
bezogen; es kennzeichnet den ersten eindruck, den die noch nicht gegliederte fülle der buchstaben hervorruft. daran knüpfen übertragungen: an diesem gewimmel toter buchstaben (
der bibel) mag jener eitle grammatikus und magister seine künste treiben, er kann ebenso nutzreich den sand der wüste umworfeln, es wird kein lebendiger quell entflieszen! Gottfr. Keller
Züricher novellen: Ursula; vgl. auch schwärzliches gewimmel
sp. 5844; wisse also, dasz ich mich eben, dem groszen Apollo sei dank! durch ein buch, oder vielmehr ein gewimmel von citationen durchgearbeitet. Herder (
krit. wälder 2) 3, 321; 2@b@b@55))
vereinzelte beziehungen auf concreta: als die wege von den herbeieilenden zurückgelegt worden waren, so gab es im schloszhofe ein gewimmel von farben, figuren, von glanz und schimmer, welches würdig zu beschreiben eine geschicktere feder, als die unsrige ist, kaum vermöchte. Immermann (
epigonen 4, 10) 3, 303
Maync; fern dann grüszte der fischer vom bach, und zeigt' aus dem kahne einen gewaltigen aal, der blank an der sonne sich umwand, und den erhobenen hamen, belebt von schuppen gewimmel. J. H. Voss (
Luise 2) 1, 40
Hempel; die löffel waren von silber und das übrige besteck bestand aus den trümmern früherer herrlichkeit, hier ein messer mit einem elfenbeinhefte, dort eine kurz gezackte gabel mit emailgriff. aus dem gewimmel dieser zierlichkeiten ragte das ungeheure brot wie ein berg empor.
der grüne Heinrich 2, 8. 2@b@gγ)
unter den übertragungen des substantivs ist die auf akustische bewegungen schon oben erwähnt, daneben macht sich vor andern die beziehung auf regungen des gemütes und der empfindungswelt geltend. in beiden fällen bildet das wirre, regellose den anknüpfungspunkt. 2@b@g@11)) die töne wiegten sich und schwollen und wurden ein gewimmel, und plötzlich sang eine männerstimme darein. Stifter (
studien 1:
feldblumen 15) 1, 145
Sauer; auf einmal fielen in einem ganz wunderbaren raschen tempo wirbelnde. schneidende töne ein, und zuletzt sprudelte daraus ein gewimmel von lauten hervor, als wollten rhythmus, worte, musik einander aufheben und vernichten. Immermann
(epigonen 7, 14) 4, 99
Maync; die hohen götter halten rath, bestürzung ist im himmel; denn schwirrend von der erde naht von stimmen ein gewimmel, die stimmen rufen all so laut dasz fast davor den göttern graut. Friedr. Rückert
(zeitged. 1816/7:
der götter rath) 1, 170; 2@b@g@22)) den inbegriff der schönheit hab' ich geseh'n in einer blume. mein leben und mein lieben gab ich ihr still zum eigenthume. die phantasien aller himmel hab' ich auf sie geträufet, und der empfindungen gewimmel als duft um sie gehäufet.
(liebesfrühling 3, 53) 1, 476; ein gewimmel verwandter gefühle begleitete ihn zu der (nach seiner meinung unglücklichen) braut seines — vaters und dieses fürsten. Jean Paul (
Titan 3) 23, 93;
vgl.(
s. u.) gewimmel wirrer triebe (Arndt); der qualen (Schubart); der gedanken (O. H. v. Loeben); der besoffene dienstmann wurde entfernt; nicht entfernt aber wurde das gewimmel menschlicher eitelkeiten, eifersüchteleien und intriguen, das sich innerhalb der einzelnen konkurrenzvereine und komissionen erhoben hatte und zu immer freudigerer blüte gedieh. H. Hesse
Peter Camenzind 134; 2@b@dδ)
andere abstractionen sind hier naturgemäsz seltener: so jammervoll, durch glaubenszwang enstellt, gehüllt in öde finsternisse, lag Deutschland einst ... doch mit hellglänzendem panier stieg weisheit wieder von dem himmel, mit ihr der friede; das gewimmel der dummheit floh; die nacht verschwand; die thür des elends wurde zugeriegelt. Gotter
(epistel über die starkgeisterei) ged. 1, 427. 2@cc)
schon aus dem bisherigen ergiebt sich eine mannigfaltigkeit der verbindungen des substantivs mit verbis; auch hier treten sich formen gegenüber, die —
durch die eigenart des substantivs begünstigt —
häufiger wiederkehren, und andere, die als schöpfungen eines freien kühnen stils vereinzelt stehen. viel belegt ist die lockerste form der angliederung im selbständigen nominativ oder accusativ: heitern weinbergs lustgewimmel fraun und männer, thätig, bunt, laut ein fröhliches getümmel, macht den schatz der rebe kund. Göthe (
nachlasz: an personen) 4, 302
Weimar. dazu vgl. 11, 371,
ebenso (
aus b und d)
die belege für Praetorius, Herder, Kant, K. Ph. Moritz,
F. Schlegel, Grillparzer, Rückert (
vielfach), Hoffmann v. Fallersleben, Bodenstedt, Freiligrath, P. Heyse;
damit stimmt überein, dasz solche verba, die mehr der syntaktischen function als einer eigentlichen bedeutung dienen, ganz zurückstehen (es giebt ein gewimmel, ein — ist zu sehen),
auch allgemeine verba (ein gewimmel finden, sehen, anschauen)
sind wenig beliebt (
nicht belegt ein gewimmel machen);
wie weit die freie verbindung mit verbis in vereinzelten fällen über den näheren bedeutungskreis des substantivs hinausgreift, zeigen wendungen wie: ein gewimmel ruft, irrt, wirkt, schlieszt, trinkt lebensmuth. des gewimmels satt sein, dem gewimmel etwas vertrauen, dem — abgestorben sein: alles weiszt du, was der himmel, alles was die erde trägt, und verbirgst nicht das gewimmel, wie sich's dir im busen regt. Göthe
(west-östl. divan: das schenkenbuch) 5, 222. 2@c@aα)
der hauptgebrauch fällt auf verba der bewegung und zwar für alle richtungen und färbungen: ein knäuel, ein verworrener, von
(gestürzten) jungfraun, durchwebt von rossen bunt ... ha! wie sich das gewimmel lustig regt! wie sie die spiesze sich, die helme suchen, die weithin auf das feld geschleuderten! H. v. Kleist
(Penthesilea 3, 441) 2, 40
Erich Schmidt. vgl.: das gewimmel munter halten; das gewimmel fliegt, schieszt, wickelt sich durch, flattert, schwebt, stösst, leert das haus, erfüllt das haus; gleich gespenstern, stumm und hohl und hager zieht in schwarzem todenpompe dort ein gewimmel nach dem leichenlager. Schiller
(eine leichenphantasie) 1, 106.
dazu vgl.: das gewimmel zieht heran, fort, vorbei, vorüber, ab; naht, begleitet, umgiebt mich, drängt sich, wird hergetrieben;
vgl.: dann kam erst recht das ganze gewimmel seiner inneren gestalten daher und bevölkerte die haide. Stifter (
studien 1:
das haidedorf 1) 1, 178
Sauer; so fand sich in diesem unansehnlichen dorf alljährlich ein groszer menschenschwarm zusammen, und ... schwoll das festgewimmel an den rasenabhängen der nahen hügel hinan. P. Heyse
buch der freundschaft: siechentrost; vgl.: das gewimmel drängt, sprudelt, wird dichter; das gewimmel in den lüften hatte sich allgemach beruhigt. Th. Storm
ein grünes blatt (1, 105).
vgl. auch: das gewimmel der empfindungen häufen. 2@c@bβ)
auch bei der loseren angliederung in der form der präpositionalverbindung überwiegt die vorstellung der bewegung, die namentlich die reihe der mit dem accusativ verbundenen präpositionen anschwellen läszt. freier und weiter ist der kreis bei den viel gebrauchten verbindungen mit in, bei, am. 2@c@b@11)) weit hinter ihr gehend folgte er ihr, wenn sie die kirche verlassen hatte, und sah die schwarze gestalt durch das gewimmel des platzes gehen, sah sie durch einen theil der belebten gasse schreiten. Stifter
studien (
das alte siegel 2) 2, 294;
vgl.: sich durch das gewimmel durcharbeiten, durch das — blinken, schweben; das — durchtaumeln; sich durch das — verführen lassen, gegen das — abstechen; in das — tragen, sich stürzen; in das — sehen, schauen; das — überschauen; über das — sehen; auf das — herabsehen, blinken; an das — denken. 2@c@b@22)) es regt sich, ist erregt vom gewimmel; belebt, bedeckt, umweht, umschwärmt, entfernt, fern vom gewimmel; es leuchtet, erschallt, ist betäubt vom gewimmel; aus dem gewimmel ragen, erwachsen, brechen, funkeln. 2@c@b@33)) mit gewimmel sich regen, rufen, sich verbinden; der staub, die stadt mit ihrem gewimmel; zum gewimmel den blick wenden, schauen, verschwimmen. — und wenn er nun so einsam dastand, so gab ihm der gedanke, dasz er dem gedränge so ruhig zusehen konnte, ohne sich selbst hinein zu mischen, schon einigen ersatz ... allein fühlte er sich edler und ausgezeichneter, als unter jenem gewimmel verlohren. Moritz
Anton Reiser (3) 243;
vgl. auch H. v. Kleist (
s. u.). 2@c@b@44))
die bevorzugte präpositionalverbindung ist die mit in: im gewimmel sich erheben, fliegen, vorüberziehen, vorüberdrängen, tanzen, fallen, sich halten, kämpfen, ein bild zeigen, aufhören, schlafen, stehen, vergehen; nur thoren suchen im gewimmel die freude, die den lärm nicht liebt.
F. L. Stolberg (
an Kaiserling) 1, 437; er starrte den lockeren schneeflocken nach, die oft so ratlos hin und her trieben, als gäbe es darunter welche, die im gewimmel der andern sich ebenso verloren suchten. W. Hegeler
pastor Klinghammer 452; diese waren bisher der jammernden mutter verloren; aber gefunden hatte sie nun im gewimmel der alte. und sie sprangen mit lust, die liebe mutter zu grüszen. Göthe
(Hermann u. Dorothea: Erato) 40, 312; die lieb, ein brausend meer, wo im gewimmel vieltausendfältig wog' an woge schlägt; freundschaft ein tiefer bergsee, der den himmel klar wiederspiegelnd in den fluten trägt. Geibel (
die beiden engel) 1
3, 16; da nahm die frau ein messer und schnitt den käs entzwei, sie strich den ganzen schimmel, die maden im gewimmel, auf's brod, und asz es frei. Friedr. Rückert
(kriegerische spott- u. ehrenlieder: der schweizerkäs) 1, 215; 2@dd)
die auffassung, der der gebrauch des substantivs entspringt, erhellt noch mehr aus den reich belegten typen der verbindung mit adjectiven; auch sie geben dem moment der bewegung in ähnlicher mannigfaltigkeit raum wie die eben betrachteten verbindungen mit verbis. daneben kommen auch andere dem bedeutungsinhalt des substantivs angehörende züge zur geltung, so die der fülle und der regellosigkeit. im gegensatz zu andern mit gleichem suffix abgeleiteten substantiven ist die verbalthätigkeit gerade bei gewimmel
kaum irgendwie als widrig oder nutzlos gekennzeichnet, die beliebtesten attribute wie bunt, fröhlich, lieblich
deuten vielmehr auf entgegengesetzte beurtheilung. neben diesen mehr steigernden oder schmückenden beiwörtern sind die adjectiva, die einen neuen zug in den bedeutungsinhalt einführen, verhältnismäszig selten. 2@d@aα)
die attribute heben einen im bedeutungsinhalt des substantivs gegebenen zug hervor: steigernde, schmückende beiworte. 2@d@a@11)) und wenn ich nachts am sterngestickten himmel dem vollen mond ins antlitz seh', und ach! im stürmischen gewimmel der qualen fast vergeh. Schubart
(meinem erlöser) 295
Hauff; lasset uns schlingen dem frühling blümelein zum kranz! lasset uns springen, heisza, zum tanz! blumenpracht, laubesduft, reges gewimmel, sang und klang, sonnenschein, heiterer himmel. Hoffmann v. Fallersleben (4
jahreszeiten 1, 12) 2, 327
Gerstenberg. unter so sanften gesprächen erhoben sich die väter von Abdera in eilfertigem aber friedsamem gewimmel vom rathhause. Wieland (
Abderiten 2, 7) 19, 236; und schauten ... in das hastige gewimmel, das sich besonders auf dem marktplatz um die alte kirche herumtrieb. Paul Heyse
neue moral-nov.: (
er soll dein herr sein); schweigend stellte er sich an den thürpfosten und blickte auf das unruhige gewimmel; die menschen kamen ihm wie narren vor ... jeder sah nur auf seine dirne und drehte sich mit ihr im kreis herum. Th. Storm (
der schimmelreiter) 7, 188. 2@d@a@22)) in dem schwärmenden getümmel grosser angefüllter städte lasz, mit drengendem gewimmel, den zusammenflusz von menschen mit der orgel tiefem klang, stimme, ton und schall verbinden
(concourse of men). Brockes
Thomsons jahreszeiten (
lobgesang 90) 539; im heitern, drängenden gewimmel begleitet von der scherze chor fliegt lächelnd durch die stillen himmel die freude seinem
(des Hesperus) wagen vor. H. C. Boie
an den abend (Göttinger musenalmanach 1770
neudr. s. 94); ein beispielloser aufruhr, eine verwirrung ... folgte auf diesen ruf. volk und patrizier, geistliche und laien ... drängten sich blindlings den ausgängen zu, und nur der greis auf der kanzel droben sah mit unerschütterlicher würde auf das angstvolle gewimmel herab. Paul Heyse
ital. nov. 1:
Andrea Delfin. 2@d@a@33)) er sahe da die priester mit ihren schwarzen mänteln und kragen die treppe hinaufsteigen, und seine mitschüler versammelt, und prämien unter sie austheilen, und dann wie ein jeder wieder nach hause ging ... alles das sich durchkreuzende gewimmel. K. Ph. Moritz
Anton Reiser (3) 242; herr Wright ... hat mir zuerst anlasz gegeben, die fixsterne nicht als ein ohne sichtbare ordnung zerstreutes gewimmel, sondern als ein system anzusehen, welches mit einem planetischen die gröszte ähnlichkeit hat. Kant (
allgem. natur-gesch. 1755
vorr.) 1, 231
ausg. der akademie; einseitiger gegner der für grosze fruchtbare probleme nicht mit besonnener gelehrsamkeit ausgerüsteten 'symbolik', verspottet er (
Göthe) Creuzers und Schellings mythologie in parodischen zitaten über die Kabiren, vers für vers einen kommentar erheischend, vertraut aber dem vielverschlungenen gewimmel seine eigene ansicht. Erich Schmidt
einl. z. Faust II (
jubiläumsausgabe). 2@d@a@44)) und die romane? — guter himmel! wo fing' ich an, wo hört ich auf in diesem zahllosen gewimmel? Gotter
(die flucht der jugend) ged. 1, 454; doch der zurückgelassenen unzähliges gewimmel schwebt lange, gleich amphibien, hier zwischen höll' und himmel. Alois Blumauer
Virgils Aeneis (6, 2) 2, 99; heran dort stürzten die völker. wie wenn schaaren der bienen daherziehn, dichtes gewimmels, aus dem gehöhleten fels in beständigem schwarm sich erneuernd ... (
μελισσάων ἁδινάων). Voss (
Ilias 2, 87) 4, 28
Hempel; wie aus geschwärzter luft die heuschreckwolke herunterfällt und meilenlang die felder bedeckt in unabsehbarem gewimmel, so gosz sich eine kriegeswolke aus von völkern über Orleans gefilde. Schiller
(jungfrau v. Orleans, prolog) 13, 180; nebenan ist ein garten ... der unter 75 pächter vertheilt ist ... auf diese art ist ewiges gewimmel arbeitender menschen zu sehen, welches einen fröhlichen anblick gibt. Schiller
briefe 1, 388; ich ginge auf und ab oder öffnete die glasthüren, die auf den balkon führen, träte hinaus, liesze mir die töne nachrauschen und sähe über das unendliche funkengewimmel auf allen blättern und wipfeln unseres gartens. Stifter (
studien 1:
feldblumen 2) 1, 48; als sie sahen, wie der kampflustige erzbischof, alle beute verschmähend, weit den andern voraus mit nur sieben fahrzeugen das grosze gewimmel vor sich hertrieb. Dahlmann
gesch. v. Dänemark (2, 4) 1, 329. 2@d@a@55)) der harem thut sich auf, und zeigt, in vollem putz und buntem lieblichen gewimmel, ein wahres bild von Mahoms lust'gem himmel. herr Hüon läszt die damen all' im schutz der schönen herr'
n. Wieland (
Oberon 3, 51) 22, 125; aber ich liesz mir endlich deren (
der maschinen zum lachsfang) gebrauch von einem jungen kaufmannsdiener erklären, der in dem bunten gewimmel sich vor allen an mich hielt, und allerlei gespräche anknüpfte.
F. X. Bronner
leben 2, 108; aus dem hohlen finstern thor dringt ein buntes gewimmel hervor. Göthe (
Faust 1) 12, 53; wende nun, o geliebte, den blick zum bunten gewimmel, das verwirrend nicht mehr sich vor dem geiste bewegt. jede pflanze verkündet dir nun die ew'gen gesetze, jede blume, sie spricht lauter und lauter mit dir.
(metamorphose der pflanzen) 1, 328; und der alten götter bunt gewimmel hat sogleich das stille haus geleert.
(die braut v. Corinth) 1, 244; denn das ist der anfang aller poesie, den gang und die gesetze der vernünftig denkenden vernunft aufzuheben und uns wieder in die schOene verwirrung der fantasie, in das ursprüngliche chaos der menschlichen natur zu versetzen, für das ich kein schöneres symbol bis jetzt kenne, als das bunte gewimmel der alten götter. Fr. Schlegel (
gespräch über die poesie: rede über die mythologie ...) 5
2, 204; mit seinen stolzen palästen und häusern ohne zahl, aus dem bunten menschengewimmel auf märkten und basar. Fr. Bodenstedt
Mirza Schaffy: abschied v. Tiflis; setzte der von Alexandria kommende lloyddampfer ein individuum auf dem molo von Triest ab, welches sich durch manche sonderlichkeit im buntem gewimmel der übrigen passagiere auszeichnete. W. Raabe
Abu Telfan 1.
cap.; und weil ich stund am jähen rand, stiesz mich hinab die felsenwand der menge bunt gewimmel: da haschten mich die wolken auf und trugen mich hinauf, hinauf in ihren schönen himmel, Platen (
vision) 1, 48
Redlich; und ich seh vor mir mein streben licht und unvergänglich schweben durch des lebens bunt gewimmel. Eichendorff
(dichterfrühling) 1
3, 71; wir beten ja zu einem gott im himmel, der alle unsre sprachen kann vereinen, der gibt den geist der eintracht unsrem schwalle, dasz so in freuden unser bunt gewimmel zusammenwirkt, noch besser, als wir's meinen. Friedr. Rückert (
geharnische sonette 49) 1, 31; wie die töne des tanzes gegen die grosze stille nacht drauszen in buntem gewimmel ankämpften. Immermann (
epigonen 7, 14) 4, 93
Maync; nur als ein märchen schau ich von weitem wie durch des schleiers dämpfende flöre wieder des weltlaufs farbig gewimmel. Karl Gerok
palmblätter (genesung) 240; 2@d@a@66)) zum berge Zion kommen wir! zu gottes stadt im himmel! wo engel stehen, herr, vor dir im jauchzenden gewimmel! Schubart
(der frommen wiedersehn) 322
Hauff; wenn ihr (
kinder) an der schwelle mit frohem gewimmel mich ruft. Geszner,
angeführt von Adelung
a. a. o.; was alles nur sehr geeignet war, hier das leben und die kunst in einer trauer und einer düsterheit zu halten, die gegen das frohe gewimmel und die unruhe in den romanischen landen möglichst abstach. Gervinus
gesch. d. deutschen dichtung 1
4, 288; die frischen hemdärmel der jünglinge und mädchen, ihre roten westen und blumigen mieder leuchteten weithin in frohem gewimmel. Gottfried Keller (
der grüne Heinrich 2, 13) 1, 364; über mir den blauen himmel, um mich her die grünen fluren, blumen, frohes thiergewimmel, und von menschen keine spuren. Friedr. Rückert
mailieder 13; ein fröhliches gewimmel erfüllt das ganze haus, dort rufet schlachtgetümmel, hier winkt ein heldenstrausz. Max v. Schenkendorf
(erinn. auf d. alten schlosse zu Baden) sämmtl. ged. 179; es kamen grüne vögelein geflogen her vom himmel, und setzten sich im sonnenschein in fröhlichem gewimmel all' an des baumes äste. Friedr. Rückert
(kinderlied v. d. grünen sommervögeln) 2, 411; nun regte sich mit freudigem gewimmel zu neuen thaten die vereinte schaar. sie stellten in dem irdischen getümmel manch heil'ges werk mit reinem streben dar! A. W. Schlegel
(der bund der kirche mit den künsten) 1, 96
Böcking; wie im lustigen gewimmel tanzt nun busch und baum vorbei! und ein dorf nun — guter himmel! o mir ahnet, was es sei. Mörike
(nächtliche fahrt) 2, 20
Krausz. im gegensatz dazu vgl.: eben trat er, in begleitung einer starken wache, ... aus dem tor seines gefängnisses, als unter einem wehmütigen gewimmel von bekannten, die ihm die hände drückten, und von ihm abschied nahmen. H. v. Kleist (
Michael Kohlhaas) 3, 245
E. Schmidt; ich weisz, dasz überall der himmel mit wolken droht, mit lächeln blaut, und nachts zum ernsten sterngewimmel allwärts ein auge gläubig schaut. Gottfried Kinkel
(menschlichkeit) ged. 136; 2@d@a@77)) viel rosen, gleich lebendigen rubinen ... sie duften, sagst du; dufteten sie mir! umgäbe mich ihr freundliches gewimmel, und drüber hin der amethystne himmel! Platen
(der grundlose brunnen) 1, 683
Redlich; blumen blühen uns zu füszen, uns zu häupten glühen sterne — ... welch ein liebliches gewimmel! Bodenstedt
Mirza Schaffy: lob des weins 15; war's ein thor der stadt Florenz, oder war's ein thor der himmel, draus am klarsten frühlingsmorgen zog so festliches gewimmel? Uhland (
sängerliebe 5:
Dante) 1 210.
dagegen vgl.: ach! ein schreckliches gewimmel wirrer triebe um und um schlosz dem glauben seinen himmel, machte lieb' und hoffnung stumm. E.
M. Arndt
(weihnachtsgrusz) ged. 398; wie dem, der vom Olymp, benachbart mit dem himmel, auf eine halbe welt den freien blick erstreckt, die schlacht bei Akzium ein lächerlich gewimmel von fröschen scheint, die eine warme nacht aus ihrem teich die köpfe recken macht ... Wieland (
Idris 1, 78) 17, 53; 'lasst euch nicht verführen durch das närrische gewimmel' sagte der leutenant, der beide arme auf die brüstung der loge im dritten rang stützte und dabei aussah, als ob er gern in die tiefe hinab gespuckt haben würde ... 'wartet nur auf die musik, vor ihr ist dieses gekribbel, gekrabbel und affenspiel wie schaum, der verfliegt'. W. Raabe
hungerpastor 2,
cap. 4. 2@d@bβ)
neue züge werden in den bedeutungsgehalt des substantivs eingeführt, wenn das attribut ganz unter dem einflusz eines bestimmten logischen subjectes steht, das zur verbalhandlung ergänzt wird. 2@d@b@11)) wenn der sterne schein am himmel wolken löschen, fällt das licht, weich, in flockigem gewimmel, nieder auf die dunklen wege durch das felsige gehege, schneelicht heiszt es hier. Müllner
die schuld 1, 3; also auch durch deinen himmel, süsze liebe, lebensruh', zieht ein flockigtes gewimmel von gedanken immerzu. O. H. v. Loeben (
abendwolken)
ged. 69
Pissin; die götter selbst, ich darf mich rühmen dessen, die götter führen ein unsterblich leben in dieser blätter duftigem gewimmel, in meiner knospe schläft der ganze himmel. Platen (
die beiden rosen) 1, 375
Redlich; und als am tollsten sich gewirrt der knäuel, verhüllet dichter staub den ganzen greuel. doch wie aus düstrem, nebelschwerem himmel mit flücht'gem schimmer blickt ein sonnenstrahl, so bricht aus jenem sträubenden gewimmel der schmucke Fortunatus manchesmal; er tummelt meisterhaft den raschen schimmel. Uhland (
Fortunat 1, 243) 1, 350; es war der stolzeste augenblick in Scharnhorst's leben, als er den könig einst in Breslau an's fenster führte und ihm die jubelnden schaaren der freiwilligen zeigte, wie sie in malerischem gewimmel, zu fusz, zu rosz, zu wagen, ... vorüberdrängten. H. v. Treitschke
deutsche gesch. (1, 4) 1
5, 431. 2@d@b@22)) und der stern am himmel glänzendes gewimmel.
F. Rückert
zeitgedichte 1816:
d. 15.
august; es wacht der stille mond am himmel, zum wächter ist er dir bestellt, wo er ein glänzendes gewimmel in deinem dienste munter hält. (
liebesfrühling 3, 25) 1, 459; wenn ... über uns, bei unbewölktem himmel, der sterne prächtiges gewimmel den angezognen geist mit stolzer ahnung schwellt. Wieland (
Kombabus v. 577) 10, 279; da sind nun am kalten himmel viel tausend sterne gestellt, es scheint ihr goldnes gewimmel weit übers beschneite feld. Eichendorff (
in der fremde 4) 1
3, 24; die wir zogen aus weit entlegnen landen gegen London, im freud'gen wahn zu lesen ruhmes ähren auf diesem sonn'gen plane, ja vielleicht hervor aus leuchtendem gewimmel funkelnd den blick zu fesseln der bewunderten. Chamisso
Fortunat V
neudr. s. 13. 2@d@b@33)) und finster plötzlich wird der himmel, und über dem theater hin, sieht man in schwärzlichtem gewimmel, ein kranichheer vorüberziehn. Schiller (
die kraniche des Ibycus) 11, 246
Gödeke; als ich aber ... die groszen notenblätter sah, bedeckt von schwarzem gewimmel, da stellte es sich heraus, dasz ich zu nichts zu gebrauchen, und die nachbarn schüttelten verwundert die köpfe. Gottfried Keller (
der grüne Heinrich 2, 8) 1, 294; und blickte mit schlaffem munde und schwimmenden, heiszen augen auf das buch Hiob, dessen zeilen und buchstaben zu einem schwärzlichen gewimmel verschwammen. Thomas Mann
Buddenbrooks (11, 2) 2, 476.
vgl.: ein dämmernd seelgewimmel
theil 10, 1,
sp. 46. 2@d@b@44)) es spiegelte der himmel sich in der klaren flut (
des weines) und irdisches gewimmel trank heitern lebensmuth. Rückert
ges. ged. 1,
s. 96; dann hätt' er sich stark genug gefühlet das nackte gewimmel der töchter des alten ocean gleichgültig anzusehn. Wieland (
der neue Amadis 10, 10) 4, 229; die öde kirche, dieser vorige markt des redenden gewimmels, stand ausgestorben und untergraben von todten da. Jean Paul (
unsichtbare loge 2, 34.
sektor) 2, 164; vor der wagenreihe drängte sich das fröstelnde, vermummte, bepelzte gewimmel der reisenden. W. Raabe
leute aus dem walde 1, 266; doch was sollten unsere albernheiten, was sollte ein elendes, der verwesung entgegentaumelndes gewimmel, wie dieser haufen, erdentiefen oder sternenhöhen empören? Grabbe (
Napoleon 4, 1) 3, 101
Grisebach; man denke nur an das innere, namenlose gewimmel des erwachenden jünglings — an die langen träumenden, erinnernden, wortkargen tage des einschlummernden greises — an die liebestage der schamvollen jungfrau. Stifter (
studien 1:
feldblumen 4) 1, 57; wer hiesz der dumpfen fiebernächte gespensterhaftes traumgewimmel fernabziehn wie winterwolken vor dem frühlingswind! Karl Gerok
palmblätter (genesung), den stürmischen geist, o bet' ihn zur ruh in der welt verworrnem getümmel; mein segensengel, mein friedensstern, zur hut mir gesetzet von gott, dem herrn, im sündigen menschengewimmel! (
brautlied).