getön,
n. ,
sammelwort zu ton (
s. d.),
das in mannigfachen neueren verwendungen auch als verbalsubstantiv zu tönen (
s. d.)
empfunden wird. II.
erstes auftreten, bedeutungsentwicklung, formen. I@11)
das lateinische tonus
tritt erst in der mittelhochdeutschen zeit als lehnwort in unsere sprache ein. in der form dôn
gehört es vor allem der lyrischen dichtung an, in der es die metrischen und die musikalischen bestandtheile des liedes zusammenfaszt und gegenüber dem texte abgrenzt; vgl. vrou êren dôn, dœnediep
u. a. daneben entwickelt auch schon das grundwort allgemeinere bedeutungen: im plural kennzeichnet es die ausübung des gesanges und andererseits vertritt es nicht blosz die musikalische klangwirkung des tons, sondern es bezeichnet gelegentlich auch andere laute, ein geräusch überhaupt. vgl. mhd. wb. 1, 381
ff. Lexer 1, 446.
an diese letzteren bedeutungen knüpft in erster linie das zusammengesetzte wort gedœne
an, mhd. wb. 1, 383. Lexer 1, 773.
es nimmt zwar in der kunstsprache der lyrik bei den epigonen dieselbe stellung ein, wie das grundwort bei den älteren dichtern, der ausgangspunkt seiner entwicklung liegt jedoch in der collectiven zusammenfassung musikalischer klangwirkungen aller art. die verwendungen des wortes für andere geräusche beruhen theilweise auf übertragungen, theils scheinen sie von dem mitteldeutschen und niederdeutschen worte mit beeinfluszt zu sein. gedône,
mittelniederdeutsch gedôn
vgl. Schiller-Lübben 2, 27,
mittelniederländisch gedoon Verwijs
und Verdam 2, 1074
hat von anfang an auch mehr die schallerscheinungen mit vertreten, die in oberdeutschen mundarten für das wort getöse
vorbehalten waren. I@22)
die wirkungen dieser thatsache spiegeln sich noch bei späteren lexicographen: Maaler 177
c. Dentzler 2, 116. Kirsch 2, 178.
dictionaire du voyageur 144. Rondeau-Buxtorff 252. Castelli 139
kennen für gethön, getön
nur die synonyma tonus, sonus, sonitus, suono, son.
dagegen treten bei Henisch,
der oberdeutsche, mitteldeutsche und niederdeutsche sprachquellen ausschöpft, die bedeutungen fremitus, strepitus
als gleichberechtigt auf; ebenso verzeichnet auch Stieler (324) fragor, fremitus, clamor.
vgl.gethön,
un son, bruit Duez 191
b. I@33)
wie oben bemerkt, brachte schon das grundwort ein nomen actionis zum ausdruck, indem es nicht blosz den laut, sondern gerne auch die lauterzeugung kennzeichnet; dieses letztere moment fällt beim compositum noch mehr ins bewusztsein und macht sich namentlich im laufe der späteren entwicklung geltend. bei neueren schriftstellern herrscht deshalb geradezu die neigung vor, die form als verbalsubstantiv aufzufassen und unmittelbar vom verb abzuleiten, was natürlich historisch nicht berechtigt ist: das getön, das tönen, im gemeinen leben, imgleichen ein anhaltendes oder wiederhohltes tönen. Adelung 2, 636,
ebenso Campe, Heyse
u. a. vgl. getöne,
continued or repeated sound, clang, clamour Hilpert 460; gedön,
langes, verdrieszliches sprechen Dähnert
plattd. wb. 145. I@44)
der geltungsbereich unseres wortes ist zeitlich sehr ausgedehnt. nach der ersten blütezeit in der mittelhochdeutschen nachdichtung fand es bei Luther
wieder erneute pflege. auch sonst läszt es sich im 16.
sowie im 17.
jahrhundert vielfach belegen. im 18.
jahrhundert fällt der höhepunkt seines gebrauches vor die eigentliche klassische zeit, und zwar gehört es hier der poesie an. nur hieraus erklärt es sich, dasz Heynatz
antibarbarus 2, 49
das wort gerade nur bei prosaschriftstellern tadelnswert findet. Heynatz,
der die stelle aus Wielands
Agathon (
werke 1, 29): er unterschied itzt den schall von trommeln und ein schmetterndes getön von schallmeyen und pfeifen)
anmerkt, will bei andern schriftstellern an stelle unseres wortes die synonyma getöse
und klang
finden; auch ihm treten also musikalische und dynamische wirkungen im bedeutungsgehalt des wortes entgegen. I@55)
in formeller beziehung ist zweierlei zu bemerken: I@5@aa)
die mitteldeutschen denkmäler weisen den umlaut noch nicht auf; auch Luther
schreibt in den ersten ausgaben noch gedone,
in den gesammtausgaben seiner werke steht gedöne. I@5@bb)
der dental erscheint bis in das ende des 17.
jahrh. noch in der form der media. bei den oberdeutschen schriftstellern kreuzen sich allerdings frühzeitig schreibungen mit der tenuis und mit th;
diese mannigfaltigkeit der schreibung steht im einklang mit der unsicherheit, mit der dort die romanischen tenues wiedergegeben wurden. in den mitteldeutschen mundarten ist doch wol der einflusz sinnverwandter und ähnlichlautender bildungen wie donner
u. a. nicht zu verkennen, vgl. auch gedon th. 1, 1, 2030. I@5@b@aα) gedön
ist noch bei Luther
die herrschende form, die nur ganz selten von andern schreibungen abgelöst wird; ebenso erscheint sie bei Agricola
und wird bei Stieler
als alleinige form angeführt. I@5@b@bβ) getön
erscheint auf der älteren sprachstufe nur bei oberdeutschen schriftstellern, so in der Nürnberger chronik des nach Augsburg zuständigen Sigmund Meisterlin
d. städtechr. 3, 143, 2,
ebenso bei Seb. Franck,
bei Seb. Helber,
bei Maaler,
in den Schweizer histor. volksliedern u. a. I@5@b@gγ)
die meist verbreitete form des 15. 16.
und 17.
jahrh. ist gethöne,
das bei Ayrer, H. Sachs
belegt ist, während die Nürnberger polizeiordnungen getön
zeigen. gethön
begegnet auch in den drucken der werke Geilers v. Keisersberg,
ebenso bei Dasypodius; Henisch
führt alle drei formen an: getöne, gethön, gedön 1586. gethön
beherrscht die satiren und pasquille und greift in der lexicalischen litteratur weit bis ins 18.
jh. über; Steinbach, Duez, Corvinus, Castelli, Rondeau
weisen es auf. I@5@b@dδ)
die litteratur des 18.
jahrh. hält anfangs noch an gethöne
fest; dieses wird aber um die mitte des jahrhunderts durch das vom lateinischen her begünstigte getöne
abgelöst. die werke Günthers
weisen 1735 gethöne,
in der ausgabe von 1751 getöne
auf, das bei Brockes,
bei Klopstock
u. a. herrscht. auch Frisch (1741)
schreibt getöne,
während das deutsch-lat.-böhm. wb. von 1742
an gethön
festhält. seitdem ist die tenuis zu recht verblieben. I@5@cc)
die apocopierte form getön
ist schon im 18.
jh. die übliche; die ältere form wird im reim bevorzugt und dringt neuerdings da wieder durch, wo das wort als verbalsubstantiv gefühlt wird. IIII.
bedeutung. II@11)
die klangwirkungen stehen im vordergrunde; die tonerzeugung steht unmittelbar im dienste der musik. II@1@aa)
hier knüpfen in der nachblüte der mittelhochdeutschen lyrik einzelne verwendungen unseres wortes an die bedeutung des grundwortes an; auch gedœne,
wie das einfache dôn,
faszt die metrische form und die melodie des liedes im gegensatz zum texte zusammen: vür alle vuoge ist edel sank getiuret unt geheret darümbe, daʒ er sich von nihte breitet unde meret; elliu kunst geleret mac werden schone mit vernunft wan daʒ nieman gelernen kan rede unt gedœne singen. Konr. v. Würzburg
Hagens minnes. 3, 334
b; ir edelen tumben wes lat ir iuch gerne toren triegen? sinnelose giegen hant in ir herzen die vernunft daʒ si den künsterichen steln ir rede und ir gedœ
n. 3, 332
b.
diese bedeutung scheint später noch lange fortzuleben: sind etlich, wonen in den schulen, schrien tag und nacht, doch ir gethön, und wer nit mit inen stimbt im wolfsthon, der gedenk im böse letz zuo warten. Schade
satiren und pasquille iii, 25, 1; die weise ist das gedöne des gesanges. Agricola 437.
hieher gehört wol auch die anwendung im folgenden Schweizer volkslied, dessen technik ganz auf allegorische ausdeutungen und auf die verwendung des doppelsinnes einzelner worte aufgebaut ist: wohlauf, ich hör' ein neu getön und edler vöglein sang erschallt nun wiederum so schön! unwetter hat gar lang regieret auf der haide, die blumen sind erfroren, die bauern sind zum leide des adels hochverschworen.
schmachl. gegen die Österreicher (1444) Rochholz
eidgen. liederchr. 65.
ebenso mit abgeworfenem präfix: doctor Murnar ist ietz hön, dasz er grad hie in disem tön so wit dahinden tanzet, die wil er doch der christenheit ein matten, die vil gouchen treit, zuo groszem nutz hat pflanzet. Nic. Manuel
Ecks badenfahrt 19
Bächtold. II@1@bb)
entwicklungsfähiger ist die verwendung, in der die tongebung im vordergrunde steht und die beziehung auf das lied und dessen rhythmische form abgestreift ist. hier tritt auch das nomen actionis deutlicher hervor: der esel sanc ein hugeliet, zuo dem gedœne kam gegangen Îsengrî
n. Marner.
die bedeutungsentwicklung ist davon abhängig, ob die tongebung ganz allgemein erfaszt oder ob sie mit dem bestimmten bezug auf das tonerzeugende subject dargestellt wird. II@1@b@aα)
allgemeine fassung: sank leret tugende pflegen, vlien valschen rat, sank vroüwet, sank ringet vil der swære; sank ist gotelich, sank der ist lonebære: gedœne ane wort, daʒ ist ein toter galm, so ist von gote sank gehort. Meiszner
Hagens minnes. 3, 99
b; mit der pfaffheit gaben sust gedone der engel schar gelichen don. sunder wort. ia was eʒ dannoch schone.
jüngerer Titurel 384; alles daz vor sechs tûsent jâren ie geschach daz sprach her al zu mâle in deme worte; niht mit gedône noch mit stimme, sunder mit swîgene. in diz swîgen aldâ in deme grunde gotis dâ nemen alle engele und heiligen ir sêlikeit. Hermann v. Fritzlar
mystiker 1, 179, 30
Pfeiffer; musica des gesanges und der stimm geordente hantreicherin hilfet do mit irem suszen gedone.
ackermann aus Böhmen 41, 1; do ist in den oren das verre wurkende gehoren gar durchnechtigclichen mit einem dunnen fell vergittert zu prufung unde unterscheit mancherley suszes gedones. 39, 3; gut gethön,
euphonia Dasypodius Q 5
d; wach auff, meins hertzen schöne, du christenliche schar, vnd hör das süsz gethöne, das rayn wort gottes klar, das yetzt so lieplich klinget, es leucht recht als der helle tag durch gottes güt her dringet. H. Sachs
bei Wackernagel
d. kirchenlied 3,
nr. 82; ach trüb' ist, und nacht ist der gedanke, dasz ins loblied der himmel der angst stimme sich mischt, und mit thränen sich die wehmuth von gräbern emporhebt ins getön, wo entzückung der chorpsalm zum thron ruft, und sanft lispeln den harfen entlockt, wenn in dank weint die wonne! Klopstock
Messias 20, 683. II@1@b@bβ)
beziehung auf einzelne tonerzeugende subjecte. II@1@b@b@11))
die frühesten beispiele heben hier die vogelwelt hervor: diu vögellîn dâ sungen daʒ in die lüfte clungen ir stimme und ir gedœne. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 16237; touwic gras gel brune bluomen schœne diu vil liebe kunft des meien bringet, so diu lerche lüftet ir gedœne, das ihr schal uf dur diu wolken dringet. Konr. v. Kilchberg
Hagens minnes. 1, 23; die lerche und der galander, diu troschel und der siticus empfiengen wunneclîche alsus des meigen zît mit sange. von ihr gedœnes clange wart luft und insel vroüden vol. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 10036; nu sint sine (
des waldes) löuber val, ir gedœne seltzæn unde wilde sanc diu liebe nahtegal diu für suesze stimme sendes truren hat erkorn.
Hagens minnes. 2, 318
b. II@1@b@b@22))
in zweiter linie erst schlieszen sich die tonerzeugenden instrumente an: II@1@b@b@2@aα))
nach dem sinne des mittelalters mag hierher schon zu rechnen sein: geziemieret was der man, als ich dâ von ze sagenne hân, mit phelle wît unde lanc. daʒ gevilde nâch dem helde klanc: sîne schellen gabn gedœne.
Parz. 39, 21.
sonst treten die schellen nur mit bezug auf die thierwelt ein: dann wann sich die habich erschütlen, geben die schellen ein gethö
n. Geiler v. Keisbrsberg
narrensch. (54)
nach Scheible 463; heimkamen mit lieblichem schellen getön die andern, gesättigt in fülle. Bürger
gedichte (
die kuh) II@1@b@b@2@bβ)) Tristan sîn hornelîn dô nam und hürnete alsô rîche und alsô wunneclîche .. daʒ .. alle ir horn nâmen und hürneten vil schône mit ime in sînem dône .. diu burc diu wart gedœnes vol. Gottfrieds
Tristan 3220; früh that ihr des hirtenhornes getön ihr elend von neuem zu wissen. Bürger
gedichte (
die kuh). II@1@b@b@2@gγ)) und ist darinn ain stiller prunn, der sich niht wegt, wenn man pei im sweiget. ist aber, daz man pei im schalmeit und pusaunt, sô erhebt er sich und wirt diezend und auzfliezend über das gestat, sam ob er sich der stimm und des gedœns fräw. also spricht Solinus. Konr. v. Megenberg
buch der natur 484, 32
Pfeiffer; wan sô er hœrt schalmeien und ander süez gedön, sô nachent er (
der walfisch) zuo den läuten und alsô vacht man in. 248, 10; berauschend durchzittert die luft der flöten getön und cymbeln, doch langsam von Pergamos höh'
n. Leuthold
Penthesileia 8. II@1@b@b@2@dδ)) auz tänneim holz werdent niht guot päuch zuo saitenspil, sam zuo fideln, zu leirn und zuo andern dingen, dar umb, daz derlei holz .. helt .. den luft niht vast, dâ von der don kümt, aber ez werdent gar guot pödem an sölchen dingen auz tänneim holz, dar umb, wenn sich der luft gestôzen hât an die starken saiten in der ding päuchen, sô zinzelt ez langsam durch die linden pödem, und dâ von wirt daz gedœn süez. Konr. v. Megenberg 314, 28; hier bier, da ein getöne von violen und andrer music. Hoffmann v.
F. gesellschaftsl. des 16. u. 17. jh. 239; mir sumsete noch das getön der geigen, und ich war so munter, dasz kein schlaf in meine augen kam. Zschokke (
Hermingarda) 7, 285; wie horchen die thäler umher und die höhn, erschallt ihr klang hinüber! und schweigend wallen bei ihrem getön die wellen des baches vorüber. Tiedge
Alexis (
die laute). II@1@b@b@2@eε)) vnd glycher wyse .. das Orpheus mit dem getöne siner harpfen mit im hinzuge wäld, stein und felsan, also fürt die ouch mit ir gesicht die menschen wo hin sy wolte.
N. v. Wyle
translationen 24, 6
Österley; wer gab melodie, leyer dir? zog das getön und das gold himmlischer saiten dir auf? Klopstock
oden '
die gestirne'; drauf erhob ein chor erstandner der zitternden wonne stimme. die harfen rauschten mit sanftem getön, und wie fernher rufte der donnerhall der posaune.
Messias 20, 10; denen es seligkeit war, in eins weg schlafen zum mittag, und bei der harfe getön zur ruh einwiegen die sorge. Voss
Horaz ep. I, 2, 31 (
ad strepitum citharae). II@1@b@b@2@zζ)) als wir vor uns in dem püschlein ein liebliches getöne allerhand süszen instrumenten, doch uns fernen, erhöreten. Fleming 86. II@1@b@b@2@hη)) alsbald nun die malzeit für ist, stehet der fürnembst vnder jn (
den Türken) auff, nimpt eyn baucken oder trummen vnd schlecht zuo eynem geystlichen tantz eyn seltzam getö
n. Seb. Franck
weltbuch 108
b; auf tapfre mannen und folgt dem getön! es führen uns schön trommeten von dannen. Tieck
kaiser Octavianus 1, 5; auf der liebe flügeln des fürchterlichen wechsels unbewuszt, eilt nach Mirandola der trunkene. mit sternenschein erreicht sein schnelles rosz die thore — ein bachantisches getön von reigen und von pauken donnert ihm aus dem erleuchteten palast entgegen. Schiller (
don Carlos 1, 4) V, 2, 171;
vgl. auch c, β. II@1@b@b@2@thθ)) auf der groszen diele versammlet, fänget jedermann in ihren muntern bauern-tänzen, mit aller kraft zu springen an .. das springen, klatschen, schreyen, lärmen und nach dem schwirrenden getön der ihnen eigenen music, des frohen tanzes wendung drehn. Brockes
Thomsons jahreszeiten (
winter 525:
shook to notes of native music). II@1@b@b@33))
die klangwirkung der menschlichen stimme im dienste der musik wird zunächst nur selten mit dem worte gedœne
gekennzeichnet. die belege mehren sich in späterer zeit. vgl. auch c, α. II@1@b@b@3@aα)) des wart der gesanc vollenkumen in der tugenthaften rote zu lobe deme guten gote. ein engel .. quam nu zu im unde sprach 'vernim hie an den worten min ordenlich, wer die sin, die du hast alhie vernumen und durch waz si sin bekumen da her in lobes gedone.
passional 580, 91
Köpke; vnd die senger lobeten jn mit psalmen, vnd das gantze haus erschall, von dem süszen gedöne. Luther
Sirach 15, 20; also wil ich mit dem gedöne deins gesanges, ein ende machen, das man den klang deiner harffen nicht mehr hören sol.
Hesekiel 26, 13; bald tret ich in die versammlungen, hin in's getön, ins halleluja, in die gesänge der hohen engel. Klopstock
oden (
abschied); sich nach dem getön von Ariels weichen akkorden zu drehen. Matthisson
in Schillers musenalm. v. 1798 39. II@1@b@b@3@bβ)) gedœnes unde sanges vol wart eʒ von hellen stimmen. Konr. v. Würzburg
troj. krieg 19476; ein wunder was dar în gebriten (
in das wâpencleit) daʒ diu Sŷrêne heiʒet vnd kiele ûf schaden reiʒet mit ir gedœnes bilde. 3741; dasz er sich weg wendet .. oder verstopffet seine ohren mit wachs, wie Ulysses und seine diener wider der sirenen gedöhne. Mathesius
diluv. 420
b; aber damit das getön, das sanft die ohren bezaubert, nicht auf der zunge vertönt, und der kehle melodischer reichthum, blieb euch menschliche stimm'. Voss
Ovids verwandl. (
Ceres). II@1@b@b@3@gγ)) ob ich entschlafen würde, so wek mich mit geton! ob ich entschlafen wär zu lang, o wechter, traut geselle, so wek mich mit gesang. Uhland
volkslieder 1, 191; denn sie auch solche gesäng oder lieder haben, mit welcher gethön oder schall, welchen sie barritum nennen, di gemüther anzünden und bewegen. Micyllus
übersetzung des Tacitus (
Germania 3). II@1@b@b@3@dδ)) laszt uns die ruh'! laszt uns die ruh'! liebliche freunde, nur singt uns dazu! euer getöne wieget so schöne! laszt uns die ruh', liebliche freunde, nur singt uns dazu! Göthe (
Lila) 11, 83; sie lässet erklingen ihrer stimme getön; o du boshafte hexe, wie klingt es so schön! G. Keller 10, 77. II@1@cc)
das musikalische moment tritt hinter dem dynamischen zurück. es wird hierbei nicht so sehr auf die klangfarbe, als auf die schallwirkung des tongebildes gewicht gelegt: II@1@c@aα) si huoben grôz gedône. von gesange ich sagen mac: der kôr, der vor der phorten lac, der was der dritte unt was vil starc. Ebernand v. Erfurt
Heinr. u. Kunegunde 1936; des wart ein grôz gedône von lobe und ouch von sange, von maneger glocken klange. 4274; dô huop man an sâ zehant mit lûtem gedœne ein messe lanc und schœne. Ottokars
reimchronik 67937
Seemüller. II@1@c@bβ) in dem gunt sich das volck zu regen und in den gassen zu bewegen, zuletzt hub sich ein grosz gedön von pfeiffen, seitenspiel gar schö
n. B. Waldis
Esopus IV, 49
Kurz; derselbig gaul von dem urplützlichen gethön (
der pfeifermusik), weil sie unvorsichtig auffeinander stieszen, erschreckt. Kirchhof
wendunmut I, 2, 61
litt. ver.; so hat man in Pergamo im beschlossenen tempel ein grosz gethön von trommen gehört. Heiden
Valer. Max. (1565) 17. II@1@c@gγ) ich hab gestoszen in das horn, weil wir den grafen haben verlorn. aber ich verstehe kein warzeichen, das jn das gethön thu erreichen. J. Ayrer
schöne Melusine (
litt. ver. 78) 1633. II@1@c@dδ) laszt ein rath hie menigleich warnen und vermanen, solichs gesetz ze halten nach vorgemelter zeit in der nacht (
zwei uhr) auff der gassen, auch geschray und unzimlich und überflüszig gedone zu vermeiden (
für den übertretungsfall ist unter anderem die wegnahme des saitenspiels angedroht).
Nürnberger polizeiordnungen (
aus 1471) 56
Baader. II@1@dd)
nach anderer seite tritt das musikalische moment zurück in übertragungen und in ansätzen zu übertragungen. hier stehen die eindrücke, die die tongebung hervorruft, oder empfindungen, die wir gewohnheitsmäszig mit ihr verknüpfen, im vordergrunde. II@1@d@aα)
das wort erscheint als ausdrucksmittel der freude, des jubels. in dieser bedeutung wird es abwechselnd mit dem grundwort in den deutschen übersetzungen und darstellungen des evangeliums vom verlorenen sohn vielfach verwendet: vnd si begonden ze wirtscheften. wan sein elterer sune waz an dem acker, vnd do er waz kumen, vnd sich het genachent zu dem hause, er hort den don, vnd di stimmen.
evang. Luc. 15, 25.
cod. teplensis (Luther: höret er das gesenge und den reigen); vnd da er kam, vnd dem hausz nahete, da höret er ein süsz gethön vnd geschmack. Geiler v. Keisersberg
evangelienbuch (1515) 49
a; du warest vol gedönes, eine stad vol volcks, eine fröliche stad. Luther
Jesaia 22, 2; und tausend rege lüftesänger lösen im freudegetön die kehle. Denis
Göttinger musenalmanach auf 1770 (
litteraturdenkm. 49, 5).
vgl. theil 4, 1, 1, 144; göttlicher! o dich nennet des gesangs, dich des gefühls wonne nicht aus! göttlicher! der welt könig! könig der welt! nur schwach und in der fern rufet der triumpf, hallet dir nach jubel sein getö
n. Klopstock
Messias 20.
vgl.jubelgetön theil 4, 2, 2341.
vgl. auch der kanonen jubelgetön
bei Voss II, 3,
c, γ sp. 4399; das jubelt, schallt und lärmet, das ist ein hell getön: wer sich des klanges härmet, der mag in's kloster gehn. Scheffel
trompeter6 215. II@1@d@bβ)
seltener, dasz das wort auf die entgegengesetzten empfindungen des schmerzes, der trauer, der unlust übertragen wird: wie viel trauergethöne kommt mir ietzo vor. Riemer
polit. stockfisch (1681) 310; in der wittwe jammerndes getöne schreit der waisen fürchterlicher schmerz. Schubert (
auf den tod Schelers).
vgl.angstgetön
unter 2,
b. II@22)
die tongebung steht nicht eigentlich im dienste der musik, wird aber nach ihrer melodischen seite herangezogen; in einzelnen fällen macht sich daneben auch das dynamische moment geltend: II@2@aa) aus den sanftbewegten zweigen tönte ein immerwährendes melodisches flüstern, gleich dem getön, das an einem einsamen orte aufgehangene rohrpfeifen von sich geben. Wieland
übersetzung des Lukian (1798) 4, 187. II@2@bb)
das glockengeläute: des wart ein grôʒ gedône von lobe und ouch von sange von maneger glocken klange Ebernand v. Erfurt
Heinr. u. Kunegunde 4274; deme kunige wart do vil geseit von einer guten glocken, wi si wol konde ufzocken die lute mit gedone. ir galm was also schone, daz man mit lust in muste entphan.
pass. 460, 22
Köpke; darumb dann in gebrauch ist kummen der zuolauff aller umbsessen, so man ein lych zuo grab will tragen, vnd auch das lang glocken gethön da mitlöüffig, das da durch alle christen gemanet werden. Eberlin von Günzburg
neudruck 139, 70; die zeit ist ein rauber und dieb, frist berg und thal, eisen und stahl, sie nimbt den glocken ihr gethön, den weibern jhre schö
n. Lehmann (1630) 921; schau, wie sich Ephraim bey deiner gruft betrübt! sein winseln überschreyt der glocken angst-getöne. Günther
auf G. Fuchs; alles ergriff die waffen, gelockt von der eile des flüchtlings, und vom blassen gesicht und scheu unsicheren blicke. rastlos nun erklang das getön der stürmenden glocke. Göthe (
Hermann und Dorothea) 40, 292. II@2@cc)
das getön der metalle, vor allem, wenn sie zu waffen verarbeitet sind: kupfer. daz hillt wol und dœnt und ist von nâtûr warm. sein gedœn von im selber ist gepäurisch. wenn aber man ez mit silber mischt oder mit zin oder mit golt, sô gewinnt ez gar ainen guoten klank. Konr. v. Megenberg
buch der natur 478, 27
Pfeiffer; solh gedœne von den swerten gie. U. v.
d. Türlin
Willeh. 48, 24
in beiden bearbeit., Singer stellt dôn
ein; vnd wer sie höret, der entsetzt sich fur dem grausamen gethöne, vnd der groszen menge und gethümel, das sie mit dem harnisch vnd eisen machten, denn es war seer ein gros vnd wolgerüst volck. Luther 1
Macc. 6, 41; hergegen gefelt inen die mainung, klingeln vnd dönen si mit den messern oder stichern. vnd ist auch di ehrlichste weis zu bewilligen, wan si mit dem gethön und geklöpf irer waffen etwas bestetigen vnd loben. Micyllus
Tacitus (
Germ. 11); von eisernem getön der waffen und des schwerds erklangen thal und höhn. Zachariä
renommist 5; grauenvoll aber erklang das getön des silbernen bogens. Voss
Ilias 1, 49 (
in der ersten ausgabe von 1806,
gegen ein schrecklicher klang erscholl dem silbernen bogen
der ersten ausgabe von 1781). II@2@dd)
auch die natur wird herangezogen. die ältere zeit faszt die erhabenheit der natur mehr in der dynamischen wirkung der geräusche auf. dem poetischen empfinden des 18.
jahrh., für das die weltseele aus der natur spricht, liegt es näher, die melodischen wirkungen hervorzuheben. II@2@d@aα) von der ungestüme des getöns des meeres und der flüsse. Geiler v. Keisersberg
evangelibuch (1515) 5
a,
vgl. auch des getöns, getemmers, gemödels oder wütens des meeres.
postill 1, 3
b; vnd ein wind hub mich auff, vnd ich hörete hinder mir ein gedöne, wie eines groszen erdbebens (gelobt sey die herrlichkeit des herrn an jrem ort). Luther
Hesek. 2, 12; vnd ich höret die flügel rauschen, wie grosze wasser, vnd wie ein gedöne des allmächtigen, wenn sie giengen, vnd wie ein getümel in einem heer. 1, 24; so stürzt der wetterbach sich donnernd nieder von des berges heide, zertreten liegt, so weit er bahn sich brach, der schweisz der rinder und des schnitters freude, und umgeriszne wälder stürzen nach. es horcht der hirt, unwissend wo es dröne, vom fernen fels verwundert dem getöne. Schiller (
zerstörung Trojas 54) 6, 361. II@2@d@bβ) worbey der aberglaube oder die heucheley aussprengte, dasz Apollo mit einem aus der Delphischen höle erschallenden lauten gethöne seinen raub gebilliget hätte. Lohenstein
Armin II, 1, 330; es seufzet jetzo längst den wäldern ... der trübe geist des nahen sturms, und auf der klippen rauhen höh'n und der zerborstnen berge gipfeln läszt er jetzt von den wilden bächen und aus den klüften wilder höhlen ein prophezeyendes getön ins lauschend ohr der phantasey erschallen. Brockes
Thomsons jahresz. (
winter 70:
a hollow moan). II@2@d@gγ) die kleinen flüsz aber und bech lauffen streng und geben ein grosz gethö
n. narrenschiff Scheible 508; und der jetzt reinen ströhme fluht flieszt jetzo deutlicher dahin .. sie murmeln, bey des frostes drang, annoch mit heiserem getö
n. Brockes
jahresz. winter 570 (
murmur hoarser); die muntern bäche klangen von lieblichem getön und alle bäume sangen im thal und auf bestrahlten höhn. Tiedge
Ida (
der traum); himmlisches ohr hört das getön der bewegten sterne, den gang, den Seleno und Pleione donnern, kennt es, und freut hinhörend sich des geflügelten halls, wenn der planet fliehend sich wälzt und im kreislauf eilet. Klopstock
oden (
die zukunft); es singt die natur dennoch dem, welcher sie schuf, ihr getön schallet vom himmel herab, lautpreisend in umwölkender nacht rufet des strahles gefährt von den wipfeln, und der berg' haupt es herab!
oden (
die gestirne); die berge um ihn tanzten und schwankten, sausendes getön strömte durch die wälder, aufschäumte der see. Scheffel
Ekkehard 370. II@2@ee)
auf der grenzlinie zwischen klang und schall erscheinen einzelne lautgebungen der thierwelt. theilweise tritt hier schon die kraftleistung der stimme hervor, immerhin jedoch wird auch die eigenartige klangwirkung mit ins auge gefaszt. II@2@e@aα) den hirzen liebet süez gedœn alsô sêr, daz si wider zuo den lautlaufenden hunden koment in selber ze schaden, sô si in vor verr entloffen sint. Konr. v. Megenberg
buch der natur 131, 18
Pfeiffer; do hort ich erblencken (
erschallen, bellen) lieben mit luter stimme, do lieff ich so grimme dem gedön nach.
jagd der minne Laszbergs
liedersaal 2, 300; da kam es schön und voll zum fenster herein das getöne einer wilden jagd. Gotthelf 7, 218; dasz ein freudiges getöne schnell aus todten wäldern steigt. Uhland
ged. (
an den tod). II@2@e@bβ) gleich der kraniche laut-heiser klingendem zug, der über unser haupt, in banger wolke, krächzend sein getön herab schickt, das den stillen wandrer über sich hinauf zu blicken lockt. Göthe (
Faust 8767) 41, 190. II@2@e@gγ) und laut scholl das getön der eingehegeten schweine. Voss
Odyssee 412 (3.
aufl. 1803;
in der ersten ausg. laut tönte das schreien der eingehegeten schweine); dasz den altvatter dauchte, er hörete einen gantzen hauffen sawen girren vnd gruntzen .. da hörete das gedöne und gekirre auff. Luther
tischreden 202
b. II@2@e@dδ) da hört und vernam er eyn grosz gethön von pferden.
Aimon m 4; wie ein auffrhur in der Römer läger wider jhr gewonheit were, vnd ein grosz her dasz wasser aufzöge wie auch ein gethön der reuter gehört. Ringmann
Cäsar (
bell. gall. 7) 75
b;
da der lateinische text hier sonitumque remorum
aufweist, ist es auch möglich, dasz reuter
nachträglich aus ruder
verderbt wurde. vgl. 3,
c, γ. II@33)
geräuschlaute, deren schallwirkung allein in betracht gezogen wird. auch hier lassen sich allgemeinere bedeutungen sondern von solchen, in denen das lauterzeugende subject die bedeutungsentwicklung beeinfluszt. II@3@aa)
am allgemeinsten kommt die bedeutung des wortes zur geltung in beispielen, die die gesammtwirkung des schalls auf das ohr zusammenfassen: in dieser krankheit dünkt einen, er höre allzeit ein gethöne und gepressel vor den ohren. Dryander
practicierb. (1537) 33; das du acht habest auff die zeichen des flusses: fasset er die region der ohren an sich, vnd machet ohren gethön, oder die region der zähne, und machet zahnweh. Paracelsus
schriften 5
appendix; gehörgang, die erklingende grotte, drin den ambos, und von ihr zu dem munde den weg, und an ihrem gewölbe die fäserchen, sie aufenthalt des getöns, dasz es sanft sich verliere. Klopstock
oden (
das gehör). II@3@bb)
mannigfach gestaltet sich die menschliche stimme als trägerin bloszer schallwirkungen: II@3@b@aα)
an der grenzlinie stehen poetische übertragungen;
die klangwirkung, die der natur der sache nach ausgeschlossen ist, wird metaphorisch hereingetragen. II@3@b@a@11)) von formen was er (
Christus im tempel) schone, sin munt ein susz gedone hett mit sprach und auch rede. des herre David sprach zu stede.
biblische gesch. in einer Nürnb. hdschr. aus 1465
zschr. d. alt. 2, 144;
vgl. auch Schiller-Lübben 2, 30; II@3@b@a@22)) gewaltigklîcher kunig der himels trône, ich man dich alles, das ich kan, vernim mein kranckes gedône. Osw. v. Wolkenstein 114, 1, 4
Weber. II@3@b@a@33)) schmatzen am drinken lob ich nit, man töubt ander lüt dar mit wann man es sürfflet durch die zen, solch drincken gibt ein bösz getö
n. Brant
narrenschiff 110
a, 103; er kömmt. ich hörs an deiner tritte klang, ich hör's an deines athems siegendem getöne. Schiller (
don Carlos 2, 8) 5, 1, 100. II@3@b@bβ)
in der eigentlichen sprachbildung sind es ganz bestimmte fälle, die die kennzeichnung durch das wort getön
hervorrufen. wo die lauterzeugung nicht eigentlich im dienste einer mittheilung steht, wo der lautkörper allein hervortritt und blosze schallwirkung ausübt, ohne geistigen inhalt zu vermitteln, wird mit vorliebe von unserem worte gebrauch gemacht: II@3@b@b@11)) wenn ich ein solchen knebelbartfressigen namen hette, der von gethön und hall den leuten auszusprechen ein lust gibt, als Eisenbart, Kerle, Hörebrant, Hartdegen, Schartdegen
u. a. Fischart
Garg. neudruck 162. II@3@b@b@22))
für die articulation einzelner laute: ae oder ä wirdt in etlichen landen auf seine besondere weis ausgesprochen mit einfachem getö
n. Seb. Helber 22
Roethe; mit scharlachkleidern angethan saszen die selbstlauter obenan: A, E, I, O und U dabei, machten ein gar seltsam geschrei. die mitlauter kamen mit steifen schritten, muszten erst um erlaubnisz bitten .. andere aber die muszten stehn, als Pe-Ha und Te-Ha und solches getö
n. Göthe (
séance) 2, 211. II@3@b@gγ)
aus der unter β angegebenen bedeutung erklärt sich auch warum das wort innerhalb der dynamischen wirkungen seltener für den mittleren stand als für die extreme verwendet wird. II@3@b@g@11))
die höchste kraftentfaltung wird bei einer mehrheit von stimmen erzielt. getön
bezeichnet hier das stimmengewirr, das unbestimmte durcheinanderdringen der laute: von reines gruzes galme wart da ein wit gedöne. U. v.
d. Türlins
Willeh. (
pal. germ. 404) 182
d; wan loufent alle dar unde umbestânt sie mit ir schar gemeine und albesunder. sie lânt gedœnes wunder da schallen unde erliuten. K. v. Würzburg
troj. krieg 15358; in solichem fürnemen ward lützel rat geschlagen, wann das pöfel wüetet. man fragt auch nit nach haubtleuten, wann mit getön lief man in der gewichen burger heusser.
chronik des Sigm. Meisterlin
d. städtechron. 3, 143; wollen die weil heilig sein mit jrem groszen vielen gedöne vnd geplerr jnn der kirchen. Luther 6.
cap. Matth. (1532)
werke 5, 402
a Jena; wenn einige nun stolpernd fallen, und in die luft die beine strecken; so ras't ein lachen rings umher. von dem stets wachsenden getöne von einem ende zu dem andern, erschallet die gedrängte szene. Brockes
Thomsons jahreszeiten (
winter 629); kaum sasz endlich das volk, umher auf den sitzen sich haltend; und es verstummt ihr getö
n. Voss
Ilias 2, 100. II@3@b@g@22))
an dem einzelnen wird die stimmentfaltung nur in dem höhepunkt der kraftleistung mit unserem worte gekennzeichnet: da stand ein man in linwand .. sein andlitz sahe wie ein blitz, seine augen wie ein feurige fackel, seine arm vnd füsze, wie ein glun ertz, und seine rede war wie ein gros gedöne. Luther
Daniel 10, 8; das die propheten .. jr ding nit etwa ausz ainem buch gestolen .. sondern selbs .. in vil form inn gott gesehen haben .. in ainer stimm vnnd gedön wie Helias. Seb. Franck
morie enkom. 117
b; dorumb lossz sye, thuon das sye von dir begert vnd bittet, so kument wir irs geschreys vnd getöns ab. Geiler v. Keisersberg
postill 2, 31
b (1522); da brüllet der teuffel mit eym schröcklichen gethön, vnnd rüfft: ich bin selbs der pabst. Fischart
bienenkorb (1586) 221
a. II@3@b@g@33))
andererseits wird auch die geringste kraftentfaltung der stimme ebenfalls wieder gern mit getön
gekennzeichnet; es kommt auch hierin die grundbedeutung des wortes zum ausdruck; nach seiner schallwirkung bezeichnet es das unbestimmte geräusch, das nicht näher gekennzeichnet werden soll oder kann: tunkele gedön,
murmur Stieler 324;
susurrus, leises gethöne. Steinbach 2, 822. Kirsch 2, 178
u. a.; susurrus .. ein leises geräusche, gethöne Corvinus 860. II@3@b@dδ)
übertragungen knüpfen hier an die verschiedensten dargelegten verwendungen an. II@3@b@d@11))
an α knüpft an: ir baider lust ward pald vertust, da es gieng an ain schaiden. die wunder schön macht clein gedön vnd hiesz den wachter peitten.
Hätzlerin 1, 27, 353. II@3@b@d@22))
auch die in β beobachtete hervorkehrung der form im gegensatz zum inhalt prägen übertragungen mannigfach aus: swelcher meide gemüte man schir erweichet, mit gabe oder mit valsches lobes gedône.
renner 12048; ein leeres gethön vieler worte,
an idle gingle of words. Fritsch
deutsch-engl. wb. (1716) 766.
vgl. auch gedönte,
geklatsch Woeste 74;
holländisch gedoente.
vgl. oben sp. 4390 (I, 3); höret doch auf, zu teuschen das ungewizigte völklein durch geistleeres getöne. Voss
Ovids metamorphosen (
die musen); red' ist der wohlklang, rede das silbenmasz, allein des reimes schmetternder trommelschlag was der? was sagt uns sein gewirbel, lermend und lermend mit gleichgetöne? Klopstock
oden (
an J. H. Vosz); gefällig, zahm ist unsre sprache nicht; und doch sie soll und musz sich zwingen, im spanischen getön zu klingen. Tiedge (
wanderungen 3, 2) 10, 30; und besangen ihr lob, wenigstens in einem verständlichen deutsch und anter dem getöne des reimes. Uz (
briefe) 2, 232 (1769). II@3@cc)
auch concrete gegenstände treten als lauterzeugendes subject auf. II@3@c@aα)
auch hier streifen einige an das musikalische gebiet: dasz er nur vom gethön vnnd klang der flaschen vnd kannen in ein solche abgründige, tiflose, sinnlose verzuckung sey gefallen. Fischart
Garg. neudruck 170; ihr Meiszner porcellan macht ein betrübt getöne. Zachariä
renommist 107; und da der rasche stoff von seinen achseln fällt, macht er ein sanft getö
n. 51. II@3@c@bβ)
seltener fallen auszerhalb dieser übertragungen geräusche von mäsziger schallwirkung unter unser wort: der gesangvolle park, der stillere see, die jähen ufer, vom getön der gondeln hallend, das scherzen der vorüber hüpfenden rudel, der brausende auerhahn, die zirpenden weinvögel, heidelerchen und ortolane. Gerstenberg (
Ugolino) verm. schr. 1, 415. II@3@c@gγ)
dagegen begünstigen die eigentlichen kraftleistungen auch hier die verwendung unseres wortes für schallwirkungen: hiesz die andern fünff derselben legion vmb mitternacht lautbrecht mit allem trosz das wasser bis hinauff ziehen, vnd sucht weidling, die er auch daselbst hinauff mit groszem gethön der ruder schickt (
magno tumultu). Ringmann
Cäsar (
bell. gall. 7) 75
b; in felsen thet man schieszen das er in stücken sprang, es thet die kree verdrieszen, sie sumbt sich do nit lang, sie mocht nit lenger blyben, es was umb sie gethon, der burlebausz thet sie triben aus dem nest mit sim gethon.
lied auf die zerstörung von Hohenkrän (1512) Soltau
volkslieder 2, 67; vnd haben also bald die hakenschützen zu beiden theilen zugleich abgeschossen, und ist ein solches schieszen gewesen, das die kugeln so dick als tropfen im platzregen oder hagel, in den lüfften herumb geflohen, vnd von dem groszen schall und gethön die erde erzittert und es nicht anders geschienen hat als thet sich der himmel auff, mit fewer plitz und donner. Bünting
braunschw. chronik (1584) 3, 81
a; das war ein glückwunsch! kräftig und laut aus dem herzen, der, festlichem glockengeläut gleich, über das dorf hinschallt, wahrhaftiger, als der kanonen jubelgetö
n. Voss
Luise 3, 2, 318. IIIIII.
gebrauch. das wort erscheint, von ganz vereinzelten ausnahmen (die singekunst hat sieben getöne. Lohenstein
Armin 2, 204)
nur im singular. auch die syntactische entwicklungsfähigkeit ist ziemlich eingeengt. die verbindung mit verbis im besonderen nimmt keine ausdehnung an, während die anlehnung an substantiva ergiebiger ist und namentlich in der composition zahlreiche neue bildungen erzeugt. die attributiven adjective halten sich bei getön
so ziemlich im rahmen eben dieser substantivverbindungen. III@11)
neben verbis. III@1@aa)
als subject: das getön erschallt, tönt, klingt, verstummt;
neuere dichter lieben vergleiche aus anderen gebieten: das getön steigt auf, strömt durch die wälder. III@1@bb)
als object steht getön
gern neben causativen verbis. die mittelhochdeutsche lyrik liebte hier noch ausdrucksvollere verba: die vögel singen, die lerche lüftet ihr getön;
doch früh tauchen auch die inhaltsleeren verba auf, die in neuerer zeit überwiegen: die schellen geben getön; das porcellan macht getö
n. als receptive verba treten hören, vernehmen
u. a. zu diesem object: Apollo sagt, dasz die saiten nicht recht klingen, wenn er will zu deinen ehren ein getöne lassen hören. Fleming 325. III@1@cc)
besonders beliebt sind präpositionalverbindungen: es schallt, hallt, klingt vom getön;
thätigkeiten aller art vollziehen sich mit getö
n. III@22)
mit substantiven verbindet sich getön III@2@aa)
selten im genetiv: von ir gedœnes klange; gedones wunder; aufenthalt des getöns. III@2@bb)
um so häufiger dagegen mit genetiven selbst: mit dem gedöne deines gesanges; bei der harfe getön
u. a. vgl. II, 1,
b, β.
kühner gebildet ist das getöne der hirten in den dörfern. Hermes
Sophiens reise 1, 32. III@2@cc)
die zusammensetzungen knüpfen seltener an den subjectiven genetiv (schellengetöne, glockengetöne, waffengetön Leuthold 246, weltengetöne
bei Klopstock
Messias 20, katzengetöne
theil 5, 295)
als an qualitative bestimmungen an: lobesgedön, freudengetön, jubelgetön, angstgetön, trauergetön; gleichgetön, silbergetön, der milchkuh muttergetö
n. III@33)
attributive adjectiva. III@3@aa)
die klangwirkungen des substantivs werden durch allgemeine bezeichnungen wie süsz,
später gut, lieblich,
gekennzeichnet: augen sagt mir, was sagt ihr? denn ihr sagt was gar zu schönes. gar des lieblichsten getönes; und in gleichem sinne fragt ihr, Göthe (
gedichte '
april') 3, 37.
gerne werden die eindrücke auf das menschliche empfinden hier eingehender ausgestaltet, vgl. helles getön, grausames getön
s. oben. allein um besagte zeit habe sich plötzlich ein dumpfes, unglückweissagendes getön aus dem teich erhoben. Wieland (
Abderiten 4, 10) 20, 90; anderswo geschehen thaten, eine welt des ruhms bewegt sich glänzend jenseits dieser berge — mir rosten in der halle helm und schild, der kriegstrommete muthiges getön, der heroldsruf, der zum turniere ladet, er dringt in diese thäler nicht herein. Schiller (
Tell 2, 1) 14, 310. III@3@bb)
die schallwirkungen prägen sich in den gegensätzen aus: groszes, lautes getön; ein sehr scharfes gedö
n. Stieler 324; leises, heiseres, dumpfes, dunkles getön: wenn die bienen schwärmen oder stoszen, musz man ihnen mit einem becken oder sense ein fein gethöne machen, doch nicht gar zu laut. Becher
kluger hauszvater (1699) 174.
sodann bilden die steigerungen und schwächungen der schallkraft bestimmte attribute aus: und drauszen hört man schon ein tausendstimmig heulen mit wachsenden getön die bangen lüfte theilen. Schiller (
zerstörung Trojas) 6, 361; plötzlich erscholl mit schmetterndem hall vor dem fenster geig' und horn und trompete zugleich und polternder brummbasz, eine sonat' abrausend (sic), im sturz unbändiges scharfes, jähes getöns! als kracht' einschlagender donner aus blauem himmel herab. Voss
Luise 3, 2, 302; als er auf dieser ersten schäferpfeife, auf diesem ersten alphorn fort blies, dem morgenwinde entgegen, der die töne in die brust zurückwehte; und zuletzt wurd' ihm, als komme das verwehte getön aus weiter ferne her. J. Paul
flegeljahre 3, 61; daher hatten der bassonist und der violinist sich durch ein leises stimmen unterhalten wollen. der direktor, der nicht begreifen konnte, was ihn immer für ein verlornes getöne umfliege, nahm's lange für melodisches ohrenbrausen.
Titan 1, 99.