Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
geschrift stF.
2 ‘Schreiben’
3 in rechtl. Zusammenhängen
3.1 ‘schriftl. Fixierung’
3.2 ‘Schriftstück, Urkunde’
4 ‘Buch, Schrift’ , auch als Koll. ‘Gesamtheit von Schriften, Werk’
1 ‘Geschriebenes’ die wort sind der leibe, die geschrift der rede ist ain gewant HvHürnh 70,1; die geschrift doͤtet und der geist machet lebende [ littera enim occidit II Cor 3,6] Tauler 395,5; ich bin gar künst rîch. / daz sehet ir wol an mîner hant, / [...] / an mîner geschrift man daz siht EnikWchr 22446; ist nieman alsô wîs, / der dise geschrift gelesen kan? ebd. 13839; Sabinianus las eines moles den fers: ‘asperies me domine’ etc., vnd begerte von herzen zuͦ wissende was dirre fers bezeichente in sime sinne. do von ging er in sin kemerlin vnd lag do betrubet vnd meinde do zuͦ ersterbende, es wer denne das er den sin dirre geschrift fúrstunde ElsLA 562,11. – ‘Inschrift’ do hette Pylatus gescriben die úber scrift siner sache und sazzete si úber das cruze. disiu gescrift was also: hie ist Ihesus von Nazaret, ein kunig der iuden EvPass 244,4; EnikWchr 17731. – bildl. ‘Beweis’ das ist die geschrift und der prieff / der zaglichen missetat / di dein leyb pegangen hatt HvNstAp 12143 2 ‘Schreiben’ wann solt ichz alle schriben / ich muͤst daz zit vertriben / mit geschrift vntz an den jungsten tag KonstBrf 80,133 3 in rechtl. Zusammenhängen 3.1 ‘schriftl. Fixierung’ und ist daz ein man sînem vriunde guot wil schaffen nâch sînem tôde, wil er ez im sicher machen, er sol im mit geschrift geben, alse hie vor umbe lîpgedinge geredet ist SpdtL 98,17; er [Trajan] was ein guoter rihtære; er rihte nur nach der geschrift [aufgezeichnetem Recht] PKchr 133,22; tuͦt auch Gebhart von Velwen niht, des er mir [...] gelobt hat, als vor mit teidingen vnd mit geschrift herchomen ist UrkCorp (WMU) 1024,7; div geziugenusse der gescrift oder der briefe ist lobelich vnde nuze, wan si verkumet kvnftigen criech ebd. 1320,33; waz er sundet manig zeit, / das hat der teuffel als geschriben. / [...] / dew rew ez allez von im streicht, / dez teuffels recht und geschrift Teichn 279,173 3.2 ‘Schriftstück, Urkunde’ allen den, die sehent vnde horent dise gegenwertige geschrift UrkCorp (WMU) 405,44; jch [...] vergihe an dirre geschrift vnde tuͦn chunt allen christen leuten ebd. 3327,17; als wir’t wale mogen offenbaren / mit hantveste ind myt geschrichte HagenChr(G) 2872 4 ‘Buch, Schrift’, auch als Koll. ‘Gesamtheit von Schriften, Werk’ an dem buͦche vindet man zuare / manic toͮgene dinc, / die an den buͦchen verborgen sint, / der vnderwiset diz buͦchelin. / von der gescrifth gewinnen wir den geistlichen sin Lucid 1,8; das er het ettlich erkantnüß der geschrift der weisen maister HvHürnh 2,2; dar umbe sprichet gar wol ein geschrift, ein glôse Eckh 5: 43,5; in der geschrift, diu scolastica historia haizt BdN 307,21; historien [...], daz sint die geschrift von den geschihten in den landen und in den zeiten ebd. 358,27; an dem puoch ze latein hât ain maister gearbaitt fünfzehen jâr, als vil und er sein gemacht hât, und hât ez gesament auz der geschrift der hôhen maister, die haizent Aristotiles, Plinius, Solînus, [...] ebd. 494,6; ich sey ein lay an [l. âne ] all geschrift [Lesekenntnisse] Teichn 442,205. – der varb (daz ist ir tugent und ir hailichait) moht noch nie kain maister volpilden mit geschrift und mit getiht BdN 246,5. – bes. die Bibel und einzelne ihrer Bücher, Teile (z.T. in der Verbindung mit heilec): daz sínt dîe lûteron únte dîe scône sínne. déro hêiligon gescrífte Will 59,19; ÄPhys 1,3; Eckh 5:109,6; die arch bezaichnot fürbass me / die buͦch der gschrift der alten e KvHelmsd 812; die hailigen lêr der götleichen geschrift BdN 211,24; dâ von spricht diu geschrift in dem puoch von den zwelfpoten ebd. 70,4; sant Augustînus sprichet, daz der allerbeste die geschrift vernimet, der blôz alles geistes suochet sin und wârheit der geschrift in ir selben Eckh 5: 42,21
MWB 2 548,27; Bearbeiter: Diehl