gepräge,
n. ,
entstellt aus mhd. gebræche,
von brechen,
s.ge II, 5,
c, γ.
ε und prä
gen. 11)
eigentlich. 1@aa)
das der münze durch den stempel aufgepreszte zeichen oder bild (
ahd. nur belegt in der bedeutung erhobenes bildwerk: kibrachun,
celaturis Steinmeyer-Sievers
ahd. gl. 1, 275, 13
zu exodus 27, 10),
mhd. gebræche, gepræche, gebrêche, gebrêch Lexer 1, 758, geprâche, geprêge 3, 176; gebreche, gebrechen
vel penigslag Dief.-Wülcker 612 (15.
jahrh.); gepreche auff einer muntze
voc. 1482 l 8
a; das gepräch Schm.
2 1, 467: swenn der helle (
hölle) münzer qwetzet sein gebrech, daʒ uʒʒen schein silber, und innen was unrein.
Renner 4134,
vgl. 18496. 18517; einem erbern rath sein bei kurzvergangen tagn etlich apfelgulden fürgetragen, die an der einen seiten einer besundern uberschrift, aber an der andern und darzu an irem geprech den gemeinen gankhaftigen reinischen apfelgulden die landswerung gleich sein.
Nürnb. poliz.-ordn. 145
Baader (
vom j. 1495); darumb möchte man billich in eines iglichen fromen fürsten schilt ein brod setzen für ein lawen oder rauten krantz oder auff die müntze für das geprege schlagen. Luther 4, 460
b; und fragt, wes das gepreg und uberschrifft sei.
serm. auf Matth. 22 (1535) B 2
a; von allerlei müntz und beschickung und jrem schrot, korn, gepreg und uberschrifft. Mathesius
Sar. 160
b; von der alten müntze schlag oder geprege. 165
a; weisz man nicht, dasz ein künstliches gepräge in kupfer viel höher geschätzet wird, als mancher ungeheurer kopf auf gold- und silberner münze. Wernike
poet. vers. vorrede 22
a; falsche münz hat ein gepreg eines herrn, der gute münz macht. Lehman
flor. 1, 107; mit dem gepräg des königs. das gepräg fälschen. Rädlein 1, 356
a; deutliches, schönes, scharfes, flaches, stumpfes gepräge. Campe 2, 310; sehr schöne silbermünzen griechischer städte lagen vor, die, weil sie lange genug in feuchter, verschlossener luft aufbewahrt worden, die wohlerhaltenen gepräge mit einem bläulichen anhauch darwiesen. eben so wenig fehlte es sodann an goldenen rosenoblen, päpstlichen älteren münzen, an bracteaten, verfänglichen satyrischen geprä
gen. Göthe 31, 224; Knips gerieth in ehrfurchtsvolles entzücken, als ihm der kammerherr die zufriedenheit des fürsten in glänzendem gepränge zu erkennen gab. Freytag
handschrift 2, 371. 1@bb)
in ähnlicher anwendung: gepräg eines petschaffts. Rädlein 1, 356
a;
von den vertieften oder erhabenen verzierungen eines ringes: nicht die kostbarkeit des diamants, nicht die kunst des gepräges, die liebe macht seinen werth aus. Schiller II, 51 (
räuber, schausp. 1, 3);
von eindrücken in wachs, siegellack u. dergl.: das gepräge des siegels,
vgl. mhd. da (
im herzen) beleibt sein gebræche, sam der in gehertes wachs ain insigel trucket.
der minne-falkner 29
Schmeller. 1@cc)
bildlich, die kinder als abdruck, abbild des vaters: die gliederlein, die kleinen formen, dein gepräge, abbild, richtet sich zu dir, und sucht den willkommsgrusz in deinem herzen. Tieck 1, 46. 1@dd)
nebenformen das gepræcht Schm.
2 1, 467 (
wie gemäl
und gemälde),
in vollerer gestalt: die münze die uf Züricherre gebrêchede geslagen werdent.
Schaffhauser richtebrief 107, 5; schlag uff dem pfennig,
caracter, vulgariter gebrackt.
voc. inc. theut. t 1
a; das prächt Schmeller
a. a. o.; ferner präch, präg (
s. th. 7, 2041. 2055),
mhd. bræch, præch Lexer 1, 337; prack,
caracter, figura seu signum impressionis. voc. inc. theut. q 7
a. 22)
übertragen, unterscheidendes kennzeichen, eigenart, das charakteristische äuszere, der eigenthümliche ausdruck (
vergl.stempel): wir wissen sehr wohl, dasz nicht alles, was das gepräge der tugend führt, wirklich echte und vollhaltige tugend ist. Wieland 1, 263; bei diesen zügen, die ohnehin schon mehrentheils zum gepräge des geraden redlichen mannes gehören.
Siegfr. v. Lindenb. 3, 5; der geschichtsschreiber umfaszt alle fäden irdischen wirkens und alle gepräge überirdischer ideen. W. v. Humboldt 1, 3; ich habe .. bewundert, wie ihr geist bis zur spätesten epoche sein gepräge nicht verloren. Bettine
briefe 2, 24; die menschen darin (
in kleinen städten) sind allerliebst, nicht über eine form geschliffen, sondern jeder trägt sein eigen gepräge. J. Gotthelf 7, 369; jeder charakter Homers hat sein besondres und eigenes gepräge. Adelung; nur durch irgend eine manifestation der leidenschaft werden die menschen auf dieser erde berühmt. hier genügt eine einzige handlung, ein einziges wort, aber sie müssen das leidenschaftliche gepräge tragen. H. Heine (1862) 10, 203; drum geh ich gern belaunten, wie betrunknen, aus dem wege. und warlich! haben diese herrn fast immer einerlei gepräge. Gökingk 1, 160; deutlicher trägt keine zeit als der herbst in seiner schöne dein gepräg, vergänglichkeit. Lingg
ged. (1868) 2, 148; dieser fortströmende gang des gedichts (
Virgils Äneis) muszte nun in der übersetzung durch viele kurze ruhepunkte unterbrochen .. werden, wenn anders die stanzenform ungezwungen scheinen und das slavische gepräg einer übersetzung verwischt werden sollte. Schiller VI, 345 (das sklavische gepräge 28
a); viele glauben ernsthaft, der könig von Preuszen (
Friedrich der grosze) schreibe darum allein in ihrer sprache, weil es nicht möglich sei, sich im deutschen en homme d'esprit auszudrücken. (
anmerkung) seitdem Huber übersetzte und in einer edlen reinen sprache nationalgepräg zu erhalten wuszte, kennt und beurtheilt man (
in Frankreich) die Deutschen besser. Sturz 1, 110; und auf die sprache drückt ich mein gepräge. Platen 105; was ist denn aber beim gespräch das herz und geist erfüllet, als dasz ein ächtes wort-gepräg von aug zu auge quillet! Göthe 3, 162.