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Georg

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Wander
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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Georg

Bd. 1, Sp. 1557
Georg 1. Am heiligen Georg (23. April) säe deine Gerste, Sanct-Marks (25. April) ist's zu spät. Allgemein: Der kleinste Aufschub schadet. Frz.: A la saint George sème ton orge. (Leroux, I, 78.) 2. An Georgi soll sich ein Rab' im Korn verstecken können. 3. Armer Georg, reicher Jakob. (Oels.) – Boebel, 21. In Luzern: Arme Jeri, riche Jakobi. 4. Auf Sanct-Georg zeigt sich die Schwalbe einen Blick und zieht sich bald wieder zurück. – Boebel, 20. 5. Auf Sanct-Gürgen soll man die Kühe von der Weide (Wiese) schürgen. (S. Jürgetag.) – Boebel, 20. 6. Auff Sanct-Georgens güte stehn alle Bäum inn der blüte. – Henisch, 1501, 61. Lat.: Die boni Georgij in flore stant cunctae arbores. (Henisch, 1501, 63.) 7. Georg heissen viele, aber nur einer hat den Drachen erschlagen. 8. Georg und Marx (25. April) hei eister öppis Arg's. (Solothurn.) – Schild, 114, 124. 9. Hätt' ich Herzog Georgens von Baiern Gut, und der von Ulm ihren Muth, und Herzog Christoph's von München Leib, und Herzogs Sigismund von Oesterreich Weib und der von Nürnberg Witz, ich geb' um alle Sachsen nicht einen Switz. Das Sprichwort will keine Verachtung der Sachsen aussprechen, sondern nur sagen: Wenn ich die genannten Dinge hätte, so wollte ich selbst das beste Land in Deutschland, Sachsen, nicht haben. – Der wegen seines Reichthums hier sprichwörtlich gewordene Herzog Georg von Baiern vermählte sich 1475 mit der Tochter des Königs Kasimir von Polen. Die Hochzeit wurde mit grosser Pracht gefeiert. Die Braut war von dem polnischen Grafen von Lublin begleitet worden, einem Manne, der, auf seine ritterliche Tapferkeit und Körperstärke pochend, nur mit Verachtung auf die deutschen Ritter herabschaute. Er forderte dieselben zu einem Scharfrennen auf, in der Hoffnung, bestimmt Sieger zu bleiben. Keiner aber wollte es mit ihm aufnehmen. Da veranlasste Herzog Georg den Kaiser Friedrich III., den Herzog Christoph, mit dem Beinamen der Kämpfer, von München, einzuladen und ihm die Rettung der deutschen Ehre zu empfehlen, welche Aufgabe er aufs rühmlichste löste. Dieser Christoph (geboren 1449 und gestorben 1493) war von ungeheuerer Leibesstärke. Noch bewahrt man zu München Zeichen derselben, z.B. wie hoch er springen konnte, sowie einen grossen Stein, den er mit dem Fusse fortschleuderte. – Herzog Sigismund von Oesterreich war sechzig Jahre alt, als er sich im Jahre 1484 mit der ausgezeichnet schönen Prinzessin Katharina, der sechzehnjährigen Tochter des Herzogs Albrecht von Sachsen verband und mit seiner schönen, jungen Gemahlin sprichwörtlich wurde. – Was den ulmer Muth betrifft, so könnte man ihn für Fröhlichkeit erklären, da man beobachtet haben will, dass gerade in den kleinsten Reichsstädten der meiste Frohsinn geherrscht habe; aber diese Stadt rechtfertigt den sprichwörtlichen Ausdruck in seiner buchstäblichen Bedeutung. Es gehörte Muth dazu, nicht allein den Münster zu begründen, sondern auch zu vollenden; Muth, sich den mächtigen bairischen Fürsten entgegenzusetzen; Muth, 1484 eine gänzliche Reformation der Mönche und Nonnen zu unternehmen und auszuführen; Muth, durch verdeckte Kanäle und Schleusen für die Reinlichkeit der Stadt zu sorgen, Fabriken zu errichten u.s.w. Bekannt ist ferner, welchen Antheil Ulm an der Errichtung des Schwäbischen Bundes gehabt hat. (Vgl. Canzler und Meissner, Für ältere Literatur und neuere Lectüre, Jahrg. 1783-84, Stck. 3, S. 22, wo das Sprichwort, vorzüglich aus dem Fuggerischen Ehrenspiegel, erläutert wird.) 10. Ist Georgi warm und schön, wird man noch rauhes Wetter sehn. 11. Kommt Sanct-Georg auf dem Schimmel geritten, so ist das Frühjahr wohl gelitten. (Memel.) – Boebel, 20. 12. Sanct-Georg bringe statt seines Fahnen alle Leiden Job's (Hiob's) den Ketzern auf den Hals. 13. Sanct-Georg kommt Lork und Stork1. (Oschersleben.) – Boebel, 20. 1) Frosch und Storch. 14. Sanct-Georg und Sanct-Marks drohen uns viel Args. – Boebel, 20; Orakel, 467; Simrock, 3413. In Luzern: Jeri und Marx dräuen viel Args. – Diese beiden Tage stehen wie Pancratius und Servatius (12. und 13. Mai) in keinem guten Rufe, was keineswegs den Heiligen zur Last gelegt werden darf, sondern vielmehr auf Rechnung der frühen Jahreszeit zu schreiben ist. Auch die Czechen sagen, dass sie durch Frost schrecken. (Orakel, 468.) In der Champagne heisst es: Sanct-Georg, Sanct-Nikolaus und Sanct-Mark sind drei schlimme Burschen. (Reinsberg VIII, 123 u. 124.) 15. Sanct-Georgi Pferd (24. April) tritt den Hafer in die Erd'. 16. Sünte Gurres küemt de Fuorsk in't Water. (Iserlohn.) – Woeste, 60, 43. 17. Um Georgi gehen die Wiesen ins Heu. (S. Jürgen u. Wiese.) – Graf, 69, 50. D.h. die Schonzeit der Wiesen, in welcher das Servitut des Weiderechts nicht ausgeübt werden darf, beginnt mit dem 23. April. Die Russen bezeichnen das Wachsthum des Grases mit dem Spruch: An Georgi mit dem Korbe, aber an Nikola mit dem Wagen. (Reinsberg VIII, 135.) Die Esten sagen: Georg bläst die Rinde des Laubholzes los (Orakel, 465), um auszudrücken, dass um diese Zeit sich die Rinde dieser Holzarten löse. 18. Vor Georgen (Jorgen) muss der Sommer erworgen. Die Serben versichern: Es gibt keinen Sommer vor Georgi und keinen Bruder, so lange die Mutter nicht niederkommt. (Orakel, 454; Reinsberg VIII, 122.) 19. Vor Georgi trocken, nach Georgi nass. (Strehlen.) – Boebel, 21. 20. Wann vmb Georgj ein Rab sich im Rocken (Korn) verbergen kann, deutets auf ein gut Jahr. (S. Rabe.) – Henisch, 1501, 66; Orakel, 460-462; Boebel, 20. In Oberösterreich heisst es: Um Georgi soll das Korn so hoch sein, dass sich eine »Kran« darin verstecken kann. Auch soll man von diesem Tage an nicht mehr ins Wieseland gehen. Man mischt ferner an demselben das erste mal wieder den Rindern etwas Grünes ins Futter. Der Bär geht am Georgitage vom Loche, um nicht mehr in dasselbe zurückzukehren. (Baumgarten, 47.) Die Russen sagen: Wenn Georg mit Wärme kommt, so kommt Nikolaus (9. Mai) mit Futter. Auch: Sanct-Georg füttert die Kühe, Nikolaus die Pferde, der heilige Elias (20. Juli) beginnt den Schnitt, die allerreinste Mutter Gottes (8. Sept.) beendet ihn und die Fürsprecherin Maria (1. Oct.) räumt das Feld. (Orakel, 464.) Sie lassen sich aber auch den Georgitag mit Kälte gefallen, indem sie sagen: Wenn es an Georgi friert, gibt's auch unter den Gebüschen Hafer. (Orakel, 469; Reinsberg VIII, 122 u. 124.) 21. Was bis Sanct-Georgi die Reben treiben, wird ihnen nicht bis Gallus (16. Oct.) bleiben. In Böhmen sagt man: Was wir bis Georgi am Weine sehen, das lesen wir nicht an Sanct- Galli. (Orakel, 470.) Auch die Franzosen zählen neben Markus, Jakob und Kreuzlein den Georg zu den auf den Weinbau einflussreichen Tagen: Georget, Marquet, Jacquet, Croisset, ces quatre font du vin marché. (Orakel, 471.) Frz.: Georget, Marquet (25. April), Vitalet (28. April) et Croiset (3. Mai) s'ils sont beaux, font du vin parfait. (Cahier, 810.) 22. Wenn vor Georgi Regen fehlt, wird man nachher damit gequält. 23. Sie haben H. Georgen zum Gefattern gebeten vnd weil sie jn haben truncken gemacht, so wird er jhnen noch in den Busen speien. – Luther's Tischreden (Leipzig 1577), 248b. Wenn man mit jemand in geschäftliche oder freundschaftliche Beziehungen tritt, den man später gern wieder los sein möchte. [Zusätze und Ergänzungen] 24. Avff S. Georg vnd Marci gut achtung hab, dann es seynd zween gefährliche Tag, warumbs auff Georgi gemeinigklich thut regn, ein klare vrsach diss anzeiget ebn. Dann etlich Sterlein, Hyades genandt, den gemeinen Bawren wol bekandt, im Stier stehend, damal in der Sonn aussgehn, darinn Vngewitter vnd Regen tröhn. – Lins. 25. Zu Georgi naus, zu Micheli wieder nach Haus. (Franken.)
7636 Zeichen · 165 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geórg

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Geórg , genit. Georgs, dat. Georgen, ein Mannsnahme, welcher aus dem Griechischen entlehnet ist, und einen Ackermann bed…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Georg

    Goethe-Wörterbuch

    Georg in Götz 1 daneben auch die mundartl (obd) Kurzformen ‘Görg’ (s A 1 a u B) u einmal ‘Jörg’ (s A 1 b), in der eigenh…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Georg

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Georg , Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, geb. 12. August 1779, regiert seit 1816; der Erbgroßherzog Friedrich Wilhel…

  4. modern
    Dialekt
    Georg

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Georg [Géaχ Obd. ; gèriχ Bo. ; gerj Si. — Demin. gérlè, gérè, gérəl Bo. ] s. a. Schorsch.

  5. Sprichwörter
    Georg

    Wander (Sprichwörter)

    Georg 1. Am heiligen Georg (23. April) säe deine Gerste, Sanct-Marks (25. April) ist's zu spät. Allgemein: Der kleinste …

  6. Spezial
    Georg

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|org nom. propr. m. Iöre.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit georg

86 Bildungen · 85 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von georg

ge- + orgeln

georg leitet sich vom Lemma orgeln ab mit Präfix ge-, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

georg‑ als Erstglied (30 von 85)

Georg N

Idiotikon

Georg N. Band 2, Spalte 51 Georg N. 2,51

Georg-Adam

PfWB

georg·adam

Georg-Adam m. : männl. Doppelname, Jeʳgarem [ NW-Geinsh ], Jeʳjarem [NPf], Dim. Jeʳgadel [VPf]. —

Georgdor

Meyers

georg·dor

Georgdor , frühere hannöv. Goldmünze von 29 / 32 Feinheit, wie der ältere preußische Friedrichsdor, 1813–15 und ( Wilhelmsdor, Ernst-Augustd…

georgel

DWB

georgel , n. ein widerliches, heftiges spielen auf der orgel; weidmännisch geschrei des hirsches, namentlich in der brunftzeit, buch orgeln,…

Georgenberg

Meyers

georg·en·berg

Georgenberg , 1) Stadt im preuß. Regbez. Oppeln, Kreis Tarnowitz, an der Staatsbahnlinie Öls-Tarnowitz, hat eine kath. Kirche, Synagoge, Eis…

Georgenblume

PfWB

georg·en·blume

Georgen-blume f. : 'gelbe Narzisse', Jeʳjeblum [ GH-Neubg ], Jörgeblumm [BZ-Steinf ( Wilde 178)]. Die Blume blüht um den 23. April, s. Georg…

Georgengesellschaft

Meyers

georg·en·gesellschaft

Georgengesellschaft , nach dem heil. Georg (s. d., S. 603) benannte Verbindung der fränkischen Ritterschaft, im 13. Jahrh. errichtet zur För…

Georgenkraut

Campe

georg·en·kraut

† Das Georgenkraut , des — es , d. Mz . ungew. ein Name 1) des Baldrians (Valeriana L .), 2) des Zahnkrautes (Dentaria L .); auch Georgenwur…

Georgenmarkt

PfWB

georg·en·markt

Georgen-markt m. : 'Markt am Georgentag ', Jeʳgemaʳkt [ LU-Alsh ]. Bad. II 367 Z. 57. <61773.44_Georgen-rose> —

Georgens

Meyers

georg·ens

Georgens , Jan Daniel , Pädagog, geb. 12. Juni 1823 bei Dürkheim, gest. 9. Nov. 1886 in Doberan, begründete 1848 in Worms eine höhere Töchte…

Georgenschwamm

Campe

georg·en·schwamm

Der Georgenschwamm , des — es, Mz. die — schwämme , eine Art Blätterschwamm; der weiße Blätterschwamm, Maischwamm, Weißling (Agaricus Georgi…

Georgenswalde

Meyers

georgens·walde

Georgenswalde , Gut im preuß. Regbez. Königsberg, Kreis Fischhausen, an der Kleinbahn Königsberg-Warnicken, hat ein Seebad und 90 Einw.

Georgentag

PfWB

georg·en·tag

Georgen-tag m. : 'Tag des St. Georg (23. April)', Jeʳchedach (jäʳχədāx) [verbr. südl. VPf], Jeʳjedag [ KL-Fischb ], Jeʳgedag [ LU-Alsh ], Je…

Georgenthal

Meyers

georg·en·thal

Georgenthal , 1) Stadt in Böhmen, s. Sankt Georgenthal . – 2) Dorf und Luftkurort im Herzogtum Gotha, an der Apfelstedt, am Nordfuß des Thür…

Georges

Meyers

Georges (spr. schorsch'), Marguerite Josephine Weymar , genannt »Mademoiselle G.«, franz. Schauspielerin, geb. 23. Febr. 1786 in Bayeux, ges…

Georgesee

Meyers

georg·e·see

Georgesee (spr. dschordsch-, Horicon ), 1) zum Champlainsee (s. d.) überfließender See im NO. des nordamerikan. Staates New York, ist 57 km …

Georges, Karl Ernst

Meyers

Georges, Karl Ernst , Lexikograph, geb. 6. Dez. 1806 in Gotha, gest. daselbst 25. Aug. 1895, studierte 1826–29 in Göttingen und Leipzig, war…

George, Stef

DWBQVZ

georg·e·stef

George, Stef. *1868 Büdesheim b. Bingen †1933 Minusio b. Locarno.

George, Stefan

Meyers

georg·e·stefan

George, Stefan , Lyriker, geb. 12. Juli 1868 in Büdesheim (Rheinhessen), absolvierte das Gymnasium in Darmstadt, studierte von 1888 ab Philo…

Georgetown

Meyers

Georgetown (spr. dschordschtaun), 1) früher selbständige Stadt, jetzt als West-Washington Teil der nordamerikan. Bundeshauptstadt am Potomac…

Georg, Eugen

DWBQVZ

georg·eugen

--- verschollene kulturen. das menschheitserlebnis. ablauf und deutungsversuch. Leipzig o. j. ( cop. 1930) . ---

Georgević

Meyers

Georgević (spr. djordjéwitch), Wladan , serb. Politiker, geb. 21. Nov. 1844, studierte in Wien Medizin, begleitete Billroth 1870 auf den Kri…

Ableitungen von georg (1 von 1)

George

Meyers

George (spr. dschordsch), Küstendistrikt der britisch-afrikan. Kapkolonie, am Indischen Ozean, zwischen Mosselbai und Knysna, von den Outeni…