genugsam ,
verstärktes genug,
schon mhd. einzeln für das gewöhnliche genuhtsam,
das da abkommt, von fülle und überflusz (
s.genucht).
auch genungsam, wie genung: ob iemand solicher antwurt nit vor genungsam versteen wolt.
Frankf. reichsc. 2, 92; nach genungsamer verhörung.
Nürnb. chron. 2, 164, 24,
beide stellen aus der 1.
hälfte des 15.
jahrh.; (
das) haben andere ... genungsam erwiesen. Opitz
poet. 2.
cap. (
s. 9
Br.). 11)
es gilt anfangs und lange völlig gleich genug,
als dessen vollere form. 1@aa)
daher genugsam sein,
wie genug sein,
genügen: wir haben ein kleines brot, das uns allen dreyen genuogsam ist. Steinhöwel
Es. 94
b; und dazu müssen dienen böse zungen, böse untreue menschen, und wo die menschen nicht gnugsam sind, auch die teufel. Luther 1, 78
b; dennoch ist kein ursach auf erden gnugsam, aufrhur zu erregen. 3, 129
b; ob das büchlein wirdig und gnugsam were an den tag zu geben. 3, 437
a; ich teufe euch mit wasser zur busze, der aber nach mir kompt, ist sterker denn ich, dem ich auch nicht gnugsam bin seine schuch zutragen.
Matth. 3, 11; als ich polizei und commun zu verwalten nicht gnugsam bin. Melanchthon
sendbr. an einen kartheuser (1524) f 2
a; den rechten genugsam sein. Reutter
kriegsordn. 53; die elende menschen nicht gewust, das gott mächtig und gnugsam wehre, alle und ide dinge in der welt zugleich zu regiren. Butschky
kanzl. 755.
noch im 18.
jahrh.: die natur ist sich selbst genugsam. Kant 8, 224. 1@bb)
selbst genugsam thun,
wie genug thun,
mit dativ: wo gottes gnade in eim richter nicht wonet, so thut er seim ampt nimermehr gnugsam. Luther 4, 529
b. 1@cc)
bei andern verben, auch substantivisch: dasselbe (
ross) gieng herumb an dieser bäche strand, da es denn frisches laub und gras genugsam fand. Werder
Ariost I, 36, 8; allein auch das ärgste, was Hippias gesagt haben konnte, schien ihr nicht genugsam, eine so tiefe wunde zu machen. Wieland 1, 311; freud und leid haben wir in diesen zwanzig jahren genugsam erlebt. Göthe
an Zelter 416.
das subst. auch, wie bei genug,
im gen.: solten christen farren, wieder, tauben opfern für die sünden, wie bei juden, würden christen derer kaum genugsam finden. Logau 2,
zug. 70; um zu beurtheilen, in wie fern dieses Winckelmann gelungen, liegen der documente nunmehr genugsam vor uns. Göthe 37, 32. 22)
das recht, als adj. auch endungen anzunehmen, blieb ihm länger als genug (
s. d. 2,
a),
bis in neueste zeit: wer des überweist oder auszerhalb genugsamer beweisung darumb gerügt würde ...
Nürnb. pol. 262, 15.
jahrh.; einen versiegelten gnugsamen gewalt (
vollmacht). Luther 3, 107
a; mit gnugsamer schrift. 112
a; sie bestellen denn andere tüchtige und gnugsame an ire stat. 392
b; der nicht rechten oder gnugsamen glauben hat. 400
a; habe er sie auch mit gnugsamen darzu gehörigem hohen verstand .. auszgerüstet. Schuppius 33; dasz ihm nichts fehlete als genugsame leute.
Felsenburg 1, 64; dasz unsere tugenden ihre genugsame vergeltung haben. J. E. Schlegel 3, 351; personen von einer ohnedem schon genugsamen berühmtheit. Lessing 8, 448; weil es ihnen an genugsamer stärke des gemüths mangelt. Wieland 1, 109; einen genugsamen vorrath von diesem wahren steine der weisen zu bekommen. 136; ohne genugsamen grund. 11, 39; eine genugsame anzahl. Herder
zur lit. 1, 206; genugsamer spielraum Göthe 43, 258, vorrath 25, 56, genugsame vorkenntnis 46, 254; dasz er (
Öser) seine jungen jahre nicht in genugsamer thätigkeit verwendet. 25, 151.
auch mit gen. (
vgl. u. c): durch sichere boten, deren ihnen genugsame an mehreren orten angedeutet sind. Göthe 22, 150; ländliche gartenumgebungen, deren ja Rom in seinen mauern genugsame einschlieszt. 29, 217
u. öfter. 33)
jetzt ist es eigentlich nur noch als adverb gangbar, hat aber auch so etwas altväterisches um sich, man zieht genügend
vor, wie beim adj. 3@aa)
seit dem 15.
jahrh.: wir sind sein nu genugsam bericht.
fastn. sp. 181, 10; den kan man nicht genuogsam lonen. Brant
narr. 97
überschr. gotte, den eltern und schulmeistern kan man nimmer gnugsam danken. Luther
catech. 1529 F ij
a; also habt ir nun gnugsam von den Türken gehöret.
buch der liebe 27
b; die beiden sich nit gnugsam von diser red verwundern mochten. 245
b; die sollen auch auf eure syllogismos, welche ihr gemacht habt in barbara und celarent, in darapti und felapton, genugsam antworten. Schuppius 6; ich schaffe gnugsam ins hausz. 203; du sehr verachter baurenstand bist doch der beste in dem land, kein man dich gnugsam preisen kan
u. s. w. Simpl. 1, 17
Kurz; wie kann ich gott gnugsahm loben und danken! Olearius
pers. ros. 3, 3. 2, 8
u. öfter so; sie glaubten sich meines untergangs noch nicht genugsam versichert zu haben. Wieland 2, 122; auch später scheint er an ihren gebräuchen nicht genugsam festgehalten .. zu haben. Göthe 37, 31 (
Winckelmann); nicht genugsam vorbereitet. 33
u. oft; indem unser lehrer das verdienst derselben genugsam herauszusetzen wuszte. 25, 159; genugsam bekannt. 46, 328; ihr heidenthum hatte sich bis zur bildung der groszreiche genugsam ausgelebt. Dahlmann
dän. gesch. 1, 166. 3@bb)
bemerkenswert ist, dasz es sein adj. (
oder adv.)
auch, wie genug (
s. d. 2,
c)
gern vorausgehen läszt: were aber das wort gottes nicht klar gnugsam geleret. Luther 3, 33
a; wer des unschuldigen handel defendirt, der ist allzeit beredt genugsamb. Lehman
flor. 1, 202; ward so hoffärtig sie und stolz, ja also gar, dasz keiner in der welt ihr gut genugsam war. Werder
Ariost XIX, 18, 4.
vorangestellt bei flectiertem adj., z. b.: dies ist ein gnugsamb spitzfindiges inventum. Schuppius 705; ein gnugsamb groszen acker. 734; einen genugsam aufgeräumten und muntern geist. Lessing 3, 4; an diesem schon genugsam wilden angebirge. Göthe 48, 122; ein genugsam weites thal. 124;
vergl. unter genug 2,
d. 3@cc)
oberd. ein adv. mit -en
als endung: dieweil ich durch mein vielfaltiges wandern genugsamen erfahren habe. Paracelsus 1, 633
b,
es ist wie die adv. auf -lichen
u. ähnl. 44)
anders genugsam
persönlich, befriedigt u. ä., s. genügsam 2. 3,
mit dem sichs auch sonst mischt.