gätlich,
getlich,
commodus, aptus, conveniens, mit nebenformen (
s. 2) gättlich
oder gettlich (göttlich),
auch gattlich, ein altes, in mundarten noch weitverbreitetes wort, das doch aus der schriftsprache nun verbannt ist, obschon es noch Göthen
da unentbehrlich war, nicht blosz in briefen; vom ursprunge s. 3. 11, 1@aa) gätlich,
passend, bequem, gut für seinen zweck, die hauptsächliche bedeutung: des Malagigi rath schien erstlich gut und
gäthlich, in dessen war er doch, in wahrheit, trefflich schädlich. Werder
Ariost 26, 2, 1, gut und gätlich,
stabreimende formel die alt sein mag; dasz sie einem viel gätlichern werde getreuet (
getraut). Scherfer
ged. 412
bei Weinh.
schles. wb. 27
a,
vgl. nachher aus Göthe 48, 99
und unter 2,
e gattlich
von brautleuten die '
für einander passen',
wie man in gleichem bilde sagt; es ist wohl ein hübsch thun um den fürstenstand .. aber die kleider spannen so trefflich (
stark, sehr), ich dächte immer, ein zippelpelz wäre gätlicher als die jacke. Chr. Weise
niederl. bauer 43,
eben wie bequem
von kleidern; es schicket sich über die maszen gätlich,
percommode quadrat. Stieler 593;
bei Adelung
nur aus '
den gemeinen sprecharten, besonders Niedersachsens',
z. b. eine gätliche wohnung, es schickt sich ganz gätlich.
es ist aber auch in Thüringen, Sachsen noch ganz geläufig, auch in Schlesien (getlich Weinh. 27
a),
und Göthe
brauchte es noch häufig: die felsen waren so prächtig, und an der chaussee die haufen so gätlich zerschlagen, dasz man gleich Voigtische cabinetchen daraus hätte bilden und verpacken können. 27, 54,
ital. reise 14.
sept. 1786,
gerade in der erwünschten art und grösze für den steinsammler; dieses mineral .. in gätlichen viereckten täfelchen den liebhabern .. vorzulegen. 51, 35; hier fand sich, wie man zu sagen pflegt, eine sehr gätliche, erwünschte partie, welche sie .. endlich anzunehmen sich .. bereden liesz. 48, 99
der gröszeren ausg. l. h. (
in der kleinern ausg. 48, 101
druckf. gütliche),
es ist thüringisch, gerade angemessen, besonders nach stand und vermögen; unsre expeditionen (
amtsgeschäfte) gehen gut, und unsre liebhabereien laufen so gätlich neben her.
an frau v. Stein 3, 165,
gerade befriedigend, nicht glänzend und nicht schlecht. 1@bb)
besonders von grösze, eben recht, nicht zu grosz und nicht zu klein: wir packten darauf der Helenæ kleidungsstücke in ein gätliches kästlein.
Felsenb. 3, 218; möchtest du mir wohl
[] bei Hertels ein stammbuch von kleinem format und gutem papier ausnehmen und herüberschicken. ich wünschte ein solches taschenbüchelchen wieder zu haben, das man zu sich steckte .. vorm jahr nahm ich dort eins, das recht gätlich war (
für die tasche). Göthe
an Knebel 1, 316; es (
die sängerinnen) sind zwei schöne figuren, gute stimmen, artige, muntere, gätliche persönchen. Göthe 27, 115; ein schön, jung, flink, nett, gätlich dirnlein. Regis
Rabelais 1, 456; ein gätlicher junger mensch,
von mittlerer grösze, '
mittelmäszig' Adelung; er hat schon einen gatlichen (
s. 2,
e) knaben,
der ihm an die hand gehen kann. Heynatz
antib. 2, 5.
so thür., sächs., auch henneb. '
von bequemer grösze, weder zu grosz noch zu klein' Reinwald 1, 41,
nd. z. b. Dähnert 140
a. 1@cc)
aber auch im begriffe ausweichend und zwar nach beiden seiten, einmal: gätlich,
mittelmäszig, ziemlich grosz, z. b. ein gätliches haus,
ein ziemlich groszes. G. H. Müller
deutsch-dän. wb. 2, 759 (
er gibt auch gemächlich, bequem, anständig),
auch holst. (
s. 2,
f) —
anderseits z. b. in Schmalkalden ein gätlicher schoppen,
ein knapp gemessener, ein gätliches schwein,
halbwüchsig, zum fettmachen kaum geeignet Vilmar
hess. id. 118;
in Coblenz gäthlich, '
nicht ganz voll, ziemlich' Wegeler 18.
dieselbe doppelheit hat ziemlich,
je nachdem mans ausspricht, zufrieden oder unzufrieden, und ziemlich
ist auch in der grundbedeutung mit gätlich
gleich. 1@dd)
auch mehr innerlich, sittlich gewendet (
vgl. die bedeutung gerecht unter 2,
c. d),
z. b. in der Altmark 'n gädlichn minsch,
gegen dessen ganzes wesen nichts zu erinnern ist Danneil 60
a,
vergl. schweiz. gattlich
unter 2,
g und schon mnl. een eerbair galic man Oudem. 2, 342 (
s. unter f am ende) —
mir scheint das verworfene wort wahrhaft wünschenswert, in dieser wie andern verwendungen durch kein andres zu ersetzen. 1@ee)
in der bedeutung schön s. 2,
g. 22)
Nebenformen und verbreitung. 2@aa)
gättlich, propre, commode, revenant, z. b. eine gättliche wohnung,
adv. gättlich wohnen, das schickt sich gättlich zusammen,
cela revient bien l'un à l'autre. Rondeau 228; zu welchem gebrauch sie einen gättlichen, wol breiten band .. trage.
Mauriceau 156; die egeln aber sind gättlicher zu denen (
wöchnerinnen) die hart und gleichsam fleischicht. 171.
so z. b. auf der Eifel gättlich
passend, neben gaten
passen Schmitz 225
a (
in Luxemburg dagegen giädelech Gangler 180),
auch fränkisch, gättlich, ungättlich
unpassend Schmeller 2, 80. 2@bb)
gettlich, im 16.
jh., alem., vom vorigen nicht verschieden; so in Murners
klage am schlusz der geuchmat, dasz ihm seine vielen ernsten schriften im manuscript liegen bleiben, weil die verleger sie für unzeitgemäsz erklären, da man die moral in lustigem gewande verlange: wenn nun die drucker das ersehen, sobalt (
alsbald) sie mir ins angsicht jehen es ist nit gettlich, lieber herr, die welt wil han ein schimpflich leer.
kloster 8, 1118. 2@cc)
dasselbe auch als götlich (
d. h. das umgelautete hohe e
ist vollends zu ö
erhöht),
alem., bair., östr.: sider wir die selben von Inderlappen (
Interlaken) üns bekennen, wie dis nüwe gesetzde unsern lüten .. götlicher und gemeiner sie ..
weisth. 1, 176,
vom jahre 1404,
passender und mehr allen gerecht; das (
d. h. ein rechtliches herkommen) aber ungötlich döchte. 175,
wo denn getlich
zugleich in die bed. aequus, billich, gerecht übertritt (
vgl.gerecht
in der bed. passend).
so götleich und recht,
nürnb. 14.
jh.: dehein handwerkman sol lenger wurken dann als götleich und recht ist (
nach handwerksbrauch).
Nürnb. poliz. 153. götlicher gewin
im geschäftsleben u. ä., entsprechender und gerechter: und sprechent, wenn man ainen monat von hundert pfenningen zwen pfenninge zu gewin nem, das si ein götlicher gewin und si nit wucher. Schiltberger 139,
auch 132. 2@dd)
auffallend auch umlautlos gotlich, gottlich,
östr., fränk., schwäb.: was gotlich und pilleich wer. Lexer 1, 1056
aus den font. rer. austr. II, 7, 83 (15.
jahrh.),
recht und billich, wie bei Frisch 1, 323
c aus Altenstaig getlich,
fas, licitum, pium; was sie dann zumal bedunkt das gottlich ist und das gerechtist sein. Birlinger
Rotweiler stadtr. 49
b; urteil (
f.), welche in .. die gottlicher und gerechter sein.
das.; als nun der heilig jüngling sant Sebald seine kindliche tag in dem königlichen palast bei seinen eltern gotlich und wol zupracht.
Sebalduslegende bei Wagenseil
de civ. Norib. 38 (
kurz vorher götlich
im gewöhnlichen sinne).
ob da überall nur der umlaut unbezeichnet ist? vgl. u
gleich ü
unter kiste I,
d. auch goteling
unter gätling 3
am ende und gatte III, 3.
[] 2@ee)
aber sicher umlautlos auch gatlich, im 16.
jh. und noch heute, hessisch: gatliche und ungatliche eiserne kugeln,
d. h. welche in die läufe der vorhandenen geschütze paszten oder nicht, aus dem 16.
jh. bei Vilmar 118 (
vgl.gattung 2,
d). Heynatz
gibt es neben gätlich
als nd., d. h. nordd., s. 1,
b a. e. Auch gattlich (gattelich),
z. b. frankfurtisch: gattlich silbergeschirr.
Frankf. ref. VI, 4 § 5.
ostpreusz. gattlich, '
was sich schickt und von einer gattung ist',
gegensatz ungattlich,
z. b. von tuch, farben, was nicht von derselben gattung ist (
nicht zusammenpaszt) Hennig 81.
Noch bei Göthe,
herbeigeführt oder festgehalten durch gatte,
da es sich um die wahl eines gatten handelt: die mutter .. hielt sich .. an den vorzug, den diesem (
dem sohne vor dem vater) die jugend gebe, der zugleich als vollkommen gattlicher lebensgefährte gewählt die völlige verwirklichung des väterlichen daseins von der zeit wie billig verspräche. 22, 112 (
wanderj. 2, 5),
als gatte passend, doch mehr den zweiten der beiden begriffe meinend, da gatte
schon durch lebensgefährte
vertreten ist; es ist gewiss aus der volksrede, für die es auch aus dem Hohenlohischen durch folg. bezeugt wird: scho reacht! dia jungfer aber ischt för ihn nit gattelich. Fromm. 3, 534.
s. auch gattlich
in andrer bedeutung unter g, und gattung 1,
b. 2,
a vom ehegatten. 2@ff)
auch nd. sowol ohne als mit umlaut; jenes z. b.: gadlick,
passable Richey 68, Dähnert 140
a, gâdlik
brem. wb. 2, 474,
holst. gadlig, gadelig
mittelmäszig, auch ziemlich gut oder grosz Schütze 2, 6,
nordfries. gâdlik,
auf Amrum gâdalk Johansen 24,
ostfries. gadelk Stürenburg 64
b;
in der Altmark gaotlich Danneil 59
b,
d. i. gâtlich,
wie bei Dähnert
auch gaatlik
als nebenform (
sieh dazu 3,
a) —
mit umlaut aber, doch seltner: gädlich
eben auch bei Danneil,
osnabr. gedelik
nützlich Strodtm. 68;
beide formen, gadelik
und gedelik,
schon mnd., s. Schiller
u. Lübben 2, 3
a.
Auch nrh. im 15.
jh. ghedelik, weydelik,
decorus, formosus u. ä. Teuth. 1
a (
wegen der bed. s. unter g und 3,
b).
nl. dagegen wieder umlautlos: mnl. gadelic,
zusammengezogen galic,
diesz später gaalyk
geschrieben, s. Oudem. 2, 342. 343. 334. 347,
mehr im groszen nl. wb. unter gadelijk,
es ist jetzt gleichfalls veraltet. 2@gg)
das gattlich
unter e auch in der bed. schön, angenehm u. ä.; so schwäb. wolgebildet, nett, gefällig Schmid 214,
besonders in der Schweiz (
wo die gewöhnliche bed. fehlt)
artig, nett, von schöner gestalt und form, von dingen und menschen, ein gattlicher mensch,
der durch sittenanmut und gefälligen umgang sich empfiehlt, gegensatz ungattlich,
s. Stalder 1, 427;
dazu schweiz. selbst ein zeitwort gattlichen (gattligen),
transitiv und intr., schön einrichten, anordnen u. ä. (
vgl. nl. galijk,
en bon état)
und schöner, besser werden, z. b. dieser jüngling gattlichet.
legt allmälich seine bäurischen sitten ab, bekömmt mehr bildungs das stimmt im sinne einmal zu dem nd. gädlich 1,
d, anderseit, zu dem nrh. ghedelik
schön unter f, womit es zugleich ins 15.
jh. zurück rückt, in der form aber zu dem noch älteren mnl. galic.
d. i. gadelic
von menschen (1,
d),
vgl. gadelike paerde,
stattliche pferde Oudem. 2, 343.
völlig übereinstimmend sind namentlich das schweizerische ungattlich
und das noch geltende nl. ongalijk (ongadelijk),
nicht nur ungleich, unpassend, sondern auch von ungeschicktem, ungebildetem benehmen u. ä., bei Kil. ongayelick
inconveniens. form und bed. sind danach besonders dem gesamten rheinischen lande bis in mhd. zeit zurück zuzutrauen. auch das gattliche silbergeschirr
aus Frankfurt u. e kann hierher gehören. 2@hh)
dazu eine nebenform anderer bildung, gattig, mit gleicher bedeutung schwäb. und schweiz., gegensatz ungattig
gleich ungattlich,
s. Schmid 214, Stalder 1, 427,
auch straszb. ungaddi
unartig Arnold
pfingstm. 41,
wie schweiz. en ungattigs chind;
ursprünglich gewiss auch in der bed. 1
nach schweiz. gattigen
ordnen u. ä. (
concinnare Denzler),
schwäb. angattigen
bestellen, richtig machen (
gleich begaten,
s. unter gatten 2,
b).
dazu stimmend und bestätigend ostfries. gadig
neben gadelk,
passend, bequem, nach jemandes belieben Stürenb. 64
b.
s. auch gatticht,
und gattung 4,
c. 33)
Dem ursprung nach gehört es mit gatte
und gattung
zusammen, die beide nachzusehen sind; das genaue verhältnis aber ist nicht leicht zu bestimmen. 3@aa)
am nächsten liegt unserm adj. doch ein subst., das nur in gewissen redensarten nd. im dat. erhalten ist, aber sehr alt aussieht (
vgl. das ags. gäd
n. Grein 1, 373):
in Pommern to gade
passend, z. b. enem wat to gade leggen,
zur hand legen, to gade hollen
bereit halten. Dähnert 139
b.
in der Altmark ebenso to gaot,
z. b. von werkzeug das man sich zurecht legt u. ähnl., s. Danneil 61
b;
es erinnert an das volksmäszige zu passe
gleich [] passend, passlich,
vgl. nd. to bate
Rein. 2103
gleich batlich
nützlich, dienlich Luther
bei Dietz 1, 212
b (
s. oben unter batte).
ostfries. vielmehr to gaden kamen,
gerade recht kommen Stürenburg 64
b,
wie md. im 13.
jh. ze baden
gleich jenem nd. to bate,
ebenso mnl. in baten,
s. unter batte.
vgl. nun bei Schiller
u. Lübben 2, 3
a älter nd. to gade
und tho gaden,
jenes das ältere (15.
jahrh.). 3@bb)
aber auch ein zeitwort dazu, das auf gätlich
nahen, zum theil näheren anspruch hat: mhd. gaten,
nd. nrh. nl. gaden,
theils gleiches oder sich entsprechendes zusammenbringen, verbinden u. ä., theils zusammenpassen wie gleiches (
s. darüber u. gatten),
wonach gätlich
ursprünglich ein werkstück heiszen könnte, das bei irgend einer arbeit zu einem andern stücke oder zu einem zwecke genau passte. zu der bedeutung gefällig, angenehm, schön aber stimmt näher dasselbe zeitwort mit der bed. behagen, gefallen, wie nrh. gaden
placere, misgaden
displicere Teuth. 97
a,
mnl. gaden,
s. de Vries
im gl. zum lekensp. s. w., noch fläm. gaden, gaaien,
s. Schuermans 135
a,
vgl.gatten 1,
c. wie die letztere aus jener bed. entsteht, zeigt z. b. nd. et gadet mi nig,
ist mir nicht gelegen Dähnert 140
a,
vgl. mhd. gezëmen
gefallen, eigentlich passen, und passen
selbst neuerdings gleich gefallen, das passt mir nicht,
gefällt mir nicht, in kaufmannsdeutsch das conveniert mir nicht;
vgl. auch gattung
in entsprechender bedeutung. 3@cc)
wenn das ganze vorwiegend im nd. und md. bereiche entwickelt erscheint (
während es dem nord. und engl. ganz abgeht),
so weist doch eine ahd. spur auch für dort auf einstigen reicheren bestand, bei Notker gigat
conveniens, ungigat
inconveniens, wie Graff 4, 143
wol richtig ansetzt, worin das adjectivische -lich
von gätlich
durch gi-
ersetzt erscheint; das nd. subst. gad
u. a könnte das neutr. eines adj. gad
sein gleich dem ahd. gigat,
das wol noch in dem rhein. ebengad
unter gatte I, 1,
b auch vorliegt (
über ein zu vermutendes mhd. neutr. gat
s. u.gatte I, 4
a. e.);
vgl. das alte gegate
gleich gate,
nhd. gatte,
weiteres unter gätling.