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firn

ae. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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19 in 17 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

firn

Bd. 3, Sp. 1675
firn, firne, vetus, goth. fairnis, ahd. firni (Graff 3, 662), mhd. virne, besonders bei Konrad und im Renner (nicht bei Hartmann, Wolfram, noch in den Nib.), ags. firn, meist geschrieben fyrn (wie auch Grein 1, 362 ansetzt), altn. forn, schw. forn (nur in zusammensetzungen), weder engl. noch nl., unmittelbar sich berührend mit dem sp. 1532 behandelten ferne so wie mit den partikeln ferr und ferne, die, gleich dem seltnen ags. feorla (sp. 1672) auf das einfache fair und fër zurückgehen. was im raum absteht, musz es auch in der zeit und die vorstellung longe, procul begegnet der diu und olim, prius. in den urverwandten sprachen liegt uns nichts näher als das lit. pernay, anni prioris, lett. pehrni, die noch in uźpernay, lett. aispehrn, vor zwei jahren, propernay vor drei jahren weiter rückwärts weichen, die entsprechenden adjectiva lauten lit. pernyksztis und uźpernyksztis, propernyksztis, was wir nicht nachahmen können. höheren verhalt des firne zu primus, fruma, forma, lit. pirmas musz ich hier vorbei lassen. das goth. fairnis geht sowol auf kleid (snaga), balg und sauerteig (beist), als auf den menschen (manna), das gesetz (triggva) und das jahr (jêr). ahd. firni findet sich von burg und wort gebraucht, dagegen heiszt es altê belgî. hier folgen mhd. stellen: dëhein dinc wart dâ virne innerthalp dëm burcgraben, dër ëʒ hundert jâr solte haben ëʒ wære ie ëbenschœne. Lanz. 226; man hëte ungërne dâ gesëhen ein cleit swach unde virne. tr. kr. 3863; ër was alt und virne. 4503; ëʒ (daʒ tempel) was alt und virne. 9624; si brach dën gëbel ir enzwei, dër alt was unde virne. 10675; si solde niht versprëchen daʒ virne dur daʒ niuwe. 11239; wan ër (der sal) enwas niht virne, ër lûhte gar niuw unde frisch. 17542; ër kunde wol erkennen daʒ niuwe und ouch daʒ virne. 19257; wan du vür unser virne missetât wurde in dën wâc getiuhet. MSH. 2, 311b; dën (iis) gëbent niuwe und virne (kleider) die hërren durch ir tœrschen muot. 2, 390a; wan ich bin ouch ein armer wirt, dëm sëlten iht virnes über wirt. Renner 5554; niuwe friunde und niuwer wîn mügen wol gelîch einander sîn, allen ougen und ouch dëm hirne vil gesunder sî dër virne, doch trinkent tôrn dën niuwen gërne durch niuwen gelust in dër tabërne. 1883; sô wërdent aller liute houbet von niuwen mosten mêr betoubet, swenne dër trinker wol gestoubet, dan von reinem virnem wîne. 17274; dô trank dër alde grîse durch sîner geste liebe, daʒ im dës slâfes diebe slichen in die stirne. dën kleinen wîn virne trank er dâ sô vaste, dës latte ër zeime gaste dën slâf in daʒ houbet, daʒ ër wart betoubet. GA. 2, 49. welchen unterschied der bedeutung man wol damals noch fühlte, wenn 'alt und virne' zusammen stehn? bemerkenswerth tritt hin und wieder der sinn von klug oder schlau vor, wie man einen alten fuchs als schlau, erfahren bezeichnet: louf, bis virne! Jeroschin 7330; trüllieret und virne. LS. 3, 544. vgl. firnig. nhd. wird firn allmälich fast auf den wein und getreide eingeschränkt, auf das vorjährige, gegenüber dem frischen. doch heiszt es in einem inventar Elsen von Holzhusen a. 1410: item etswaʒ fleischs faste firn und dorre, daʒ sere smechte und gestochen was von milwen und wormern, han wir durch gotes willin gegebin; und solt von dem firnen essen und wenn das newe kompt, das firnen (so) wegthun. 3 Mos. 26, 10; [] wann pessers chomt, es wirt unwert, also geschicht dem virnen wein (dem jemaligen vom letzten jahre). Hätzlerin 271a; die fulen hering man vermischt, das man verkouft sie gar für frisch, all gassen sint fürkoufer vol, gremperwerk triben schmeckt gar wol. firn und nüw man vermänkeln kan, mit btrügnis gat umb iederman. Brant 102, 79; die schwalbe sucht ihr firnes haus, die lerch hebt an zu singen. Roberthin bei Gödeke d. dichtung 1, 333a; fast alle übrigen stellen reden von wein und korn: so der abbat kumet die reben ze schöwende, so sal man ime geben des dages virnen win unde nuwen. weisth. 1, 665 (a. 1320); so sol auch niemant zweirlei oder mer win schenken in eime keller, es sei dan nuwe win und firn win. 1, 509; item der meier soll es meiner frau irem gesind, dem kirchhern und seinem sigristen wol bieten mit wildem und zamem, fliegend und flieszend, virn und new (d. i. mit wildbret und zahmem fleisch, mit vögeln und fischen, altem und neuem wein). 1, 705; und nimpt der probst die herberge vor wihenachten, so sol man si ime geben mit nüwem und mit virnem wîne, beitet er aber daruber, so sol man si ime geben mit nüwem wine. 4, 24; so man firnen win und nüwen trinket in dem ersten herbestgedinge. 4, 151; in dem selben jar (1442) ward so vil wein und korn, das man es nit wol behalten mocht, der firne wein galt das fuder 26 gulden und alsbald im herbst galt es 4 gulden, vil süszer und besser dan der firne wein (vorige jahrgang) gewesen war. Steinhöwel chron. 26a; wein stark und firn. Scheid grobian H 3; ein masz starks firnen weins. Frey garteng. 25b; soffe den firnen wein. das.; ein minnbruder versehen mit wolmundetem, maulreiszendem, zapfreszem, lautschwatzendem, zungklapfigem, zungzwitzerigem, zungkützelichem, glasschwitzigem, rauschdanzendem, brenzlendem, grawgebartetem (d. i. uraltem), röschem wein, von fuornen (so) und heurigem, dörrsommerigem und järigem, mostigem und verjartem. Garg. 57b; bring uns den firnen, den kehraus in der stirnen! 99b; that darauf ein guten suf fürnen (so) wein und wartet demnach, wann man das nachtessen zurüstet. 238a; von zorn bin ich schier erstarret, dieweil mir mein gesind nicht von meinem firnen, sondern allein von dem newen wein zum imbisz hat aufgetragen. Kirchhof wendunm. 425a; ja was musz es für ein wein sein, ein fürner oder ein ablasz? Ayrer fastn. 78b; wein, der nicht gar neu, noch auch nicht gar fürnen (so) oder alt ist. so er aber gar alt und firnen etc. Hohberg 3, 274b; so aber der same firn oder järig. 3, 2, 5; die supp hätt können gewürzter sein, der braten brauner, firner der wein. Göthe 2, 214.
5960 Zeichen · 91 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    firnAdj.

    Köbler Afries. Wörterbuch

    firn , Adj. Vw.: s. ferne (2)

  2. 8.–14. Jh.
    Altnordisch
    firnst. N. (a)

    Köbler An. Wörterbuch

    firn , st. N. (a) nhd. etwas Außerordentliches, Frevel, Wunder Hw.: s. firna; vgl. got. faírina* (1), ae. firen, as. fir…

  3. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    firn

    Althochdeutsches Wörterbuch

    firn- s. auch firin-.

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Firn

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    * Firn , adj. et adv. welches nur im Oberdeutschen üblich, im Hochdeutschen aber unbekannt ist, vorjährig, von dem vorig…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    firn

    Goethe-Wörterbuch

    firn alt, vorjährig (vom Wein), im Gleichnis Die Supp’ hätt’ können gewürzter sein, | Der Braten brauner, f-er der Wein …

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Firn

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Firn , der körnige Schnee des Hochgebirgs; Firner , in Tyrol Ferner, die hohen Schnee- und Eisberge.

  7. modern
    Dialekt
    firn

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    firn [fern U. ] nur in Verbindung mit Käs, alt, durchgereift, abgelagert, fett: e firner Käs im Ggs. zu weicher Käs K. I…

  8. Spezial
    Firn

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Firn m. (-[e]s,-e) nëi a tora f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit firn

110 Bildungen · 105 Erstglied · 3 Zweitglied · 2 Ableitungen

firn‑ als Erstglied (30 von 105)

Firnessig

SHW

Firn-essig Band 2, Spalte 743-744

firnseln

SHW

firn-seln Band 2, Spalte 743-744

firnsen

SHW

firn-sen Band 2, Spalte 743-744

firnâit

AWB

firnâit , -neinen , -neman , -nemâri , -nemnit s. Grundwort.

Firnalpeli N.

Idiotikon

Firnalpeli N. Band 1, Spalte 195 Firnalpeli N. 1,195

Firnbändeli

Idiotikon

Firnbändeli Band 4, Spalte 1328 Firnbändeli 4,1328

firne* 5

KöblerAfries

firne* 5 , st. F. (ō) nhd. Verbrechen ne. crime (N.) Hw.: vgl. got. faírina* (1), an. firn, ae. firen, as. firina*, ahd. firina Q.: B, F, E,…

firneinen

AWB

firn·einen

? fir- neinen sw. v. ( zur Bildg. vgl. Riecke, jan-Verben S. 420 ), mhd. nhd. verneinen; mnd. fornê i nen, mnl. verne(i)nen. fir-neinnen: in…

Firnekäs

ElsWB

firn·e·kaes

Firnekäs Str. , Firlekäs Wörth m. Rahmkäse, Bauernkäse, aus den abgetropften, dicken Bestandteilen der Sauermilch bereitet.

firnelicht:

DWBQVZ

firn·e·licht

firnelicht: unter'm firnelicht. ein Schweizer novellenbuch. hg. v. C. A. Bernoulli. Heilbronn 1910 . /( einzelverfasser ) in: unter'm firnel…

firnem

EWA

fir·nem

firnemariAWB m. ja-St., nur Notker, W. Ps.: ‚Zuhörer, auditor‘ (mhd. vernemer, nhd. Ver- nehmer; vgl. mndd. vōrnemēr[e]). S. firneman, -ari.…

firneman

AWB

firn·eman

fir- neman st. v. , mhd. vernemen, nhd. vernehmen; as. farniman, mnd. vornēmen, mnl. vernemen; afries. fornima ; ae. forniman; got. franiman…

firnemans

RhWB

firnem·ans

firne-mans fī·ə.nəmǫus uWupp 1870 (nur in dieser Verb. kommt f. hier vor) Adj.: im zweiten Jahr nicht trächtig, von der Kuh.

firnemanto

AWB

firnem·anto

fir- nemanto adv. — Graff II,1069 s. v. farneman. fer-nem-: -endo Np 118 X,170 ( Hs. R, uer Hs . V 3 = K.-T. 10,479a 1 ,26); -ende ebda. ( X…

firnemantī

KöblerAhd

firnemantī , st. F. (ī) nhd. Einsicht ne. understanding (N.) ÜG.: lat. intellegentia Gl Q.: Gl (9. Jh.) I.: Lsch. lat. intellegentia E.: s. …

firnemâri

AWB

firnem·ari

fir- nemâri st. m. , frühnhd. vernemer ( vgl. Diefb., Gl. 424 c s. v. perceptor), nhd. vernehmer. fer-nemar-: dat. pl. -en Npw 45,5; acc. pl…

firnemnen

KöblerAhd

firnem·nen

firnemnen , sw. V. (1a) nhd. allgemein bekanntmachen ne. publish ÜG.: lat. pervulgare Gl Q.: Gl (12. Jh.) I.: Lsch. lat. pervulgare? E.: s. …

firnemost

DWB

firnem·ost

firnemost , m. mustum prioris anni: und du groszer krug der ernte, wol bekomm dein firnemost! sei nie leer, du krug der ernte, wenn der schn…

firnemāri

KöblerAhd

firn·e·māri

firnemāri , st. M. (ja) nhd. „Vernehmer“, Zuhörer ne. listener ÜG.: lat. auditor N Q.: N (1000) E.: s. firneman W.: mhd. vernemære*, verneme…

firnên

AWB

fir·nen

firnên sw. v. , mhd. virnen. — Graff III, 663. firn-: 1. sg. -ên Np 42,4; inf. -en NpNpw 38,6. alt und hinfällig werden: (taga) die firnen .…

Firner

Pfeifer_etym

fir·ner

Firn m. ‘vorjähriger Schnee im Hochgebirge, ewiger Schnee’, ein schweizerdt. Wort (zuerst im 16. Jh. bezeugt), durch Schiller (Tell) allgeme…

firneskan

KöblerAhd

firn·es·kan

firneskan , st. V. (5)? nhd. zuschanden machen, vernichten ne. destroy Q.: Gl? L.: Splett, Althochdeutsches Wörterbuch 2, 664

firnewasser

DWB

firn·e·wasser

firnewasser , n. das vom gletscher abflieszt: der Sandbach führet der Linth beständiges und trüebes firenwasser zu. Scheuchzer 3, 24. 121 . …

firn als Zweitglied (3 von 3)

gletscherfirn

DWB

gletscher·firn

gletscherfirn , m., f. , das schneefeld, das den oberen teil des gletschers bedeckt: waldgebirge und eisige gletscherfirnen Göthe I 24, 366 …

Hërdfirn

Idiotikon

Hërdfirn Band 1, Spalte 1020 Hërdfirn 1,1020 M.

Stei(n)firn

Idiotikon

Stei(n)firn Band 1, Spalte 1020 Stei(n)firn 1,1020 M.

Ableitungen von firn (2 von 2)

erfirnen

KöblerMhd

erfirnen , sw. V. Vw.: s. ervirnen

firne

DWB

firn , firne , m. der alte, nie schmelzende schnee der hochalpe, die schneekuppe, der gletscher, bei Frisius und Maaler unverzeichnet, noch …