ERSCHWINGEN vb. mhd. erswingen.
präfixbildung zu schwingen
vb. 1
aufwärts bewegen. a
ein bauwerk errichten. einzelner frühbeleg: ⟨12.jh.⟩ si mahten einen turn unz an den himel .. . dô ir turn und ir gezimber hôhe wart erswungen
(in die höhe gebaut) dô wart ir vreude michel
altdt. pred. 114 J. b
emporsteigen sich aufwärts bewegen: ⟨u1230⟩ einem vederspil/ .. dem zeigt man vil dicke/ den vogel ze blicke;/ sô man in ze velde bringet,/ und er sich denne erswinget,/ sô wirft man in dar zuo Heinrich v.
d. Türlin
krone 8084 LV. ⟨u1300⟩ in den lufften sich er schwangk/ von im kawm ains speres langk/ ain dracke ungehewre Heinrich v. Neustadt
Apollonius 8417 DTM. hs.n1459 ich sach mangen falcken dercz/ sich gar lusthlichen erswingen
erz. aus altdt. hss. 596 LV. 1520 du
(eine henne) moͤchtest wol vß krafft dyner feddern dich erschwingen in die hoͤhe
spiegel d. wyßheit 28a. 1657 ja wer ein adler ist, der kan sich wol erschwingen Silesius
wandersmann 55 HND. 1711 wann wir uns in die luft so hoch erschwingen könten als die adler Scheuchzer
physica 2,224. –
häufig bildlich, sich erheben, aufschwingen: ⟨M13.jh.⟩ diu geistlîche werlt, .. dâ ist diu wîsheit inne, dâ sich die lûtern geiste inne erswingen süln und er- wîtern und denne über sich vliegen in die hœhe
dt. mystiker 1,324 P. ⟨A/M14.jh.⟩ minú zarten kint, so erswingent úch in die stillen, wilden, wuͤsten gotheit und verheftent úch dar inne Seuse
478 B.hs. 1443 das dw dich nach ler gottes des zwelfpotten erswingest zu den obren dingen in ainer erhebung des gemütz zw der lobsamen urstend Iesu Christi Martin v. Amberg
gewissensspiegel anh. 1,50 TSM. 1547 zwen flügel, mit welchen sich das gebet zuͦ gott hinauff erschwingett vnnd den himmel durchdringet Schwenckfeld
sendbr. geistl. personen C3a. 1610 dann eben in diesem alter die menschen meistens verführt vnd verderbt .. vnd vberritten werden, daß sich jhre kräfften nimmermehr erschwingen, noch zu gutem gebracht werden können Guarinonius
grewel 543. 1726 Plato .. sagt, daß, wann eine seel sich nicht kan höcher erschwingen, solches von ihrer flügeln schwachheit herrühre Stöcklein
welt-bott 1,6,80b. ⟨v1866⟩ dort droben blinket ihr
(der liebsten) kämmerlein,/ .. erschwinge dich, mein stiller gedank,/ und schau’ dich gesund Rückert
ges. poet. w. (1868)1,525. 2
sich oder etwas (schwingend) entfernen: ⟨u1194⟩ sîn ros ../ wan daz hete sölhen ganc,/ daz er daz tou niht erswanc,/ swenn ez der wilde Dodines/ stolzlîche ûf daz kes/ und über daz mos rande Ulrich v. Zazikhoven
7106 H. ⟨u1300⟩ als sich von im daz mere erswanc/ Abagarus was sere cranc
passional 303,3 H. 1483 das ist die aller hoͤchst eynung des menschen willen mit gottes willen. vnd das macht alles das leyden Ihesu Christi in dem er sich erswinget vnd weschet von allem dem das got nicht ist
b. d. zehen gepot 40b. ⟨1536⟩ das die kelte hineinwerz schlüge zum herzen, das du mit triaks und brenten wein zu trinken geben, sie oft darmit mengest, das sie wol erschwinge Paracelsus
I 10,210 S. ⟨1653⟩ da die debitores mit so gar vielen zinß überhäufft wären, daß ihnen ohne mercklichen nachlaß, sich aus ihrem schulden=last zu erschwingen, nit wohl müglich
t. reichs-arch. 6,635b L. 3
(schwingend, fliegend) erreichen, gewinnen: ⟨u1270⟩ swie doch gedanke gahent snel vor allen dingen,/ di nimmer dar genahent, daz si dinen gewalt mugen erswingen/ noch din herschaft also uber groze Albrecht v. Scharfenberg
Titurel 2,2 DTM. ⟨u1350/77⟩ so mogen sy auch nicht erswingen/ das sy aus silber vassen trunkchen Teichner
663,56 DTM. ⟨A/M15.jh.⟩ ir peinlein sein so gefußet/ das sie den snellen haben ersprungen/ den alle vettich nie erswungen Rosenblüt
117 D. ⟨v1590⟩ ietz lauff hol das, dort jenes lang,/ welchs ich auch nicht kont erschwingen Frischlin
dicht. 183 LV. ⟨1653⟩ biß die vierdte der vierdte wird erschwingen Czepko
geistl. schr. 211 M. 1786 das all’, das die vernunft im kühnsten flug’ erschwingt Moritz
Reiser 288 DLD. ⟨1828⟩ der himmel, blau und kinderrein,/ .. ich tauche mich mit geist und sinn/ durch die vertiefte bläue hin/ und kann sie nicht erschwingen! Mörike
1,42 M. ⟨1948⟩ eine dichterin .. es ist, als habe sie traumwandelnd den gipfel einer kunst erschwungen, der sonst nur mühsam, schritt vor schritt erreicht wird Schröder
ges. w. (1952)2,741. –
kosten aufbringen, gewinnen bestreiten. jüngerer hauptgebrauch: 1458 dieweil .. die maisterstückh .. einen solchen grossen uncosten walten, das manncher armer gesell davon wegen aus unvermugen solche maisterstückh nit machen noch erschwingen khan
quellenschr. kunstgesch. ma., n. f. 11,534 E./I. 1521 nachdem .. ich armer in mitler zeyt mit meiner sauren arbeit so vil nit hab erschwingen moͤgen, das ich die xii guldin .. erüberigt hette Bucer
I 1,407 S. 1657 ihre weiber und ehefrauen .. schmükken sich mit gold und edelgesteinen, daß es unglaublich, wie es ihnen zuerschwingen Herold
ursprung 113. 1713 dieser arth bücher kommen .. insgemein so kostbar zu stehen, daß es ein privatus aus seinem beutel nicht allemahl erschwingen .. kan Fäsch
vorschlag 2,61. 1834 jener edlen täuschung hinzugeben, als ob sich dennoch ein zeitgemäßer und volksthümlicher wirkungskreis für sie
(studenten) auf unsern universitäten erschwingen
(auffinden) lasse Wienbarg
feldzüge VIII. ⟨1901⟩ sollten wir wirklich einen bedienten nicht erschwingen können? Th. Mann
ges. w. [1960]1,79. 1935 das buch ist das gegebene für alle, die das britschsche buch nicht erschwingen können
erziehung im n. staat 310 H. – (unangenehmes) bewältigen, durchstehen: 1542 also beredt er den feind, ehr hette zeügs vberflüssig genuͦg, ein lange blegrung zuͦerschwingen Tacius
kriegsanschlege 40b. 1551 nun wirt mir aber der muͤhe leider zu vil, .., welchs ein treffeliche vrsach, daß ichs die leng .. nicht mehr erschwingen oder erleiden moͤgen Scheit
Grobianus 8 HND. 1686 wie gehts, wie wolts gehen, hart gnug, es seynd nie so schlechte zeiten gewesen, es geschicht mir gar zu hart, ich kans nicht mehr erschwingen Abraham a
s. Clara
Judas 1,205. 4
hin und her bewegen. a
schwenken, in schwingende bewegung versetzen: ⟨1271/86⟩ ir hêrren mit den slingen,/ ir sult hiute die arme erswingen Ulrich v. Etzenbach
Alexander 7522 LV. ⟨1314⟩ ir besem rises buͤrde/ wart dick uf im
(dem jungen Wilhelm) erswungen Johann v. Würzburg
669 DTM. A15.jh. wan in die finger wurdent nass,/ so derswangen seu die hend/ übers chraut vil gar behend Wittenwiler
5787 DLE. ⟨u1490⟩ dy hellden hoch erschwungen/ dy arm mit den schwerten Füetrer
Seifrid 480,1 LV. 1538 so sie
(pferde) den kopff an den bauch schlagen vnnd den schwantz offtermals erschwingen Herr
ackerwerck 72b. ⟨1593⟩ wann ich erschwingen
(verprügeln) will das kind,/ die rhut nimbt sie
(meine frau) mir auß der haͤnd Birck
ehespiegel (1598)227. –
durch werfeln von der spreu befreien: 1531 deine ochsen vnd maulthier .. werdend guͦt fuͦter essen, das mit der wannen wol erschwungen ist
bibel (Zür.)2,85d. 1549 ein waͤrff schuffel, damit zeschwingen/ die sprüwer von den kernen rein./ .. was gschehen ist vff diser erden/ wirt alls durch jn
(Christus) erschwungen werden Aal
Johannes 50 HND. b
(das gefieder, die flügel) schütteln, hin und her bewegen, sich flatternd kurz erheben: ⟨14.jh.⟩ der rab ../ sein gevider er erschwang,/ aus dem mer stuond aller sein gedank
münch. Oswald 727 ATB. ⟨2.h14.jh.⟩ ach der sin vettichen dicke erswuͤnge und fluͤge uf daz velt
b. v. geistl. armuth 135 D. 1557 inn saaten .., da moͤgend sy
(trappenvögel) on hilff deß winds nit auffliegen vnd nit schnaͤll, sunder nach dem sy einen anlauff genommen vnd zwey oder dreü mal sich erschwungen habend Heuszlin
vogelb. 105a. 1626 das mechtige kriegsheer der engel
(, die) .. jhre flügel erschwingen Meyfart
tuba 44 T. 5
anstimmen, (die stimme, den gesang) erheben:dr. 1576 mein herz tichtet ain feines lid,/ ich will sehr artlich singen/ von aim könig vnd seiner guͤt,/ mein zung mus sich erschwingen/ vnd wie ain feder sein geschwind
kirchenlied 4,837 W. ⟨u1601⟩ die nachtigall/ mit schall/ im grünen wald/ im sommer bald jhr stimmlein thut erschwingen
Pyramus-sp. 133 LV. dr.1651 drum wollen wir allein/ die stimmen hoch erschwingen,/ dir hosianna singen
kirchenlied 2,253b F./T. 1786 verstumme mein lied! denn vergebens/ wagst du’s, sein lob, Georgens lob zu erschwingen Moritz
Reiser 184 DLD. ⟨1813⟩ wie still des waldes weiter raum!/ die vöglein zwitschern nur im traum,/ kein sang hat sich erschwungen Uhland
ged. 1,47 Sch./H.Rahnenführer