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ERSCHWINGEN

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Eintrag · Grimm Neubearbeitung (1965–)

ERSCHWINGEN vb.

Bd. 8, Sp. 2158
ERSCHWINGEN vb.mhd. erswingen. präfixbildung zu schwingen vb. 1 aufwärts bewegen. a ein bauwerk errichten. einzelner frühbeleg: ⟨12.jh.⟩ si mahten einen turn unz an den himel .. . dô ir turn und ir gezimber hôhe wart erswungen (in die höhe gebaut) dô wart ir vreude michel altdt. pred. 114 J. b emporsteigen sich aufwärts bewegen: ⟨u1230⟩ einem vederspil/ .. dem zeigt man vil dicke/ den vogel ze blicke;/ sô man in ze velde bringet,/ und er sich denne erswinget,/ sô wirft man in dar zuo Heinrich v. d. Türlin krone 8084 LV. ⟨u1300⟩ in den lufften sich er schwangk/ von im kawm ains speres langk/ ain dracke ungehewre Heinrich v. Neustadt Apollonius 8417 DTM. hs.n1459 ich sach mangen falcken dercz/ sich gar lusthlichen erswingen erz. aus altdt. hss. 596 LV. 1520 du (eine henne) moͤchtest wol vß krafft dyner feddern dich erschwingen in die hoͤhe spiegel d. wyßheit 28a. 1657 ja wer ein adler ist, der kan sich wol erschwingen Silesius wandersmann 55 HND. 1711 wann wir uns in die luft so hoch erschwingen könten als die adler Scheuchzer physica 2,224.häufig bildlich, sich erheben, aufschwingen: ⟨M13.jh.⟩ diu geistlîche werlt, .. dâ ist diu wîsheit inne, dâ sich die lûtern geiste inne erswingen süln und er- wîtern und denne über sich vliegen in die hœhe dt. mystiker 1,324 P. ⟨A/M14.jh.⟩ minú zarten kint, so erswingent úch in die stillen, wilden, wuͤsten gotheit und verheftent úch dar inne Seuse 478 B.hs. 1443 das dw dich nach ler gottes des zwelfpotten erswingest zu den obren dingen in ainer erhebung des gemütz zw der lobsamen urstend Iesu Christi Martin v. Amberg gewissensspiegel anh. 1,50 TSM. 1547 zwen flügel, mit welchen sich das gebet zuͦ gott hinauff erschwingett vnnd den himmel durchdringet Schwenckfeld sendbr. geistl. personen C3a. 1610 dann eben in diesem alter die menschen meistens verführt vnd verderbt .. vnd vberritten werden, daß sich jhre kräfften nimmermehr erschwingen, noch zu gutem gebracht werden können Guarinonius grewel 543. 1726 Plato .. sagt, daß, wann eine seel sich nicht kan höcher erschwingen, solches von ihrer flügeln schwachheit herrühre Stöcklein welt-bott 1,6,80b. ⟨v1866⟩ dort droben blinket ihr (der liebsten) kämmerlein,/ .. erschwinge dich, mein stiller gedank,/ und schau’ dich gesund Rückert ges. poet. w. (1868)1,525. 2 sich oder etwas (schwingend) entfernen: ⟨u1194⟩ sîn ros ../ wan daz hete sölhen ganc,/ daz er daz tou niht erswanc,/ swenn ez der wilde Dodines/ stolzlîche ûf daz kes/ und über daz mos rande Ulrich v. Zazikhoven 7106 H. ⟨u1300⟩ als sich von im daz mere erswanc/ Abagarus was sere cranc passional 303,3 H. 1483 das ist die aller hoͤchst eynung des menschen willen mit gottes willen. vnd das macht alles das leyden Ihesu Christi in dem er sich erswinget vnd weschet von allem dem das got nicht ist b. d. zehen gepot 40b. ⟨1536⟩ das die kelte hineinwerz schlüge zum herzen, das du mit triaks und brenten wein zu trinken geben, sie oft darmit mengest, das sie wol erschwinge Paracelsus I 10,210 S. ⟨1653⟩ da die debitores mit so gar vielen zinß überhäufft wären, daß ihnen ohne mercklichen nachlaß, sich aus ihrem schulden=last zu erschwingen, nit wohl müglich t. reichs-arch. 6,635b L. 3 (schwingend, fliegend) erreichen, gewinnen: ⟨u1270⟩ swie doch gedanke gahent snel vor allen dingen,/ di nimmer dar genahent, daz si dinen gewalt mugen erswingen/ noch din herschaft also uber groze Albrecht v. Scharfenberg Titurel 2,2 DTM. ⟨u1350/77⟩ so mogen sy auch nicht erswingen/ das sy aus silber vassen trunkchen Teichner 663,56 DTM. ⟨A/M15.jh.⟩ ir peinlein sein so gefußet/ das sie den snellen haben ersprungen/ den alle vettich nie erswungen Rosenblüt 117 D. ⟨v1590⟩ ietz lauff hol das, dort jenes lang,/ welchs ich auch nicht kont erschwingen Frischlin dicht. 183 LV. ⟨1653⟩ biß die vierdte der vierdte wird erschwingen Czepko geistl. schr. 211 M. 1786 das all’, das die vernunft im kühnsten flug’ erschwingt Moritz Reiser 288 DLD. ⟨1828⟩ der himmel, blau und kinderrein,/ .. ich tauche mich mit geist und sinn/ durch die vertiefte bläue hin/ und kann sie nicht erschwingen! Mörike 1,42 M. ⟨1948⟩ eine dichterin .. es ist, als habe sie traumwandelnd den gipfel einer kunst erschwungen, der sonst nur mühsam, schritt vor schritt erreicht wird Schröder ges. w. (1952)2,741.kosten aufbringen, gewinnen bestreiten. jüngerer hauptgebrauch: 1458 dieweil .. die maisterstückh .. einen solchen grossen uncosten walten, das manncher armer gesell davon wegen aus unvermugen solche maisterstückh nit machen noch erschwingen khan quellenschr. kunstgesch. ma., n. f. 11,534 E./I. 1521 nachdem .. ich armer in mitler zeyt mit meiner sauren arbeit so vil nit hab erschwingen moͤgen, das ich die xii guldin .. erüberigt hette Bucer I 1,407 S. 1657 ihre weiber und ehefrauen .. schmükken sich mit gold und edelgesteinen, daß es unglaublich, wie es ihnen zuerschwingen Herold ursprung 113. 1713 dieser arth bücher kommen .. insgemein so kostbar zu stehen, daß es ein privatus aus seinem beutel nicht allemahl erschwingen .. kan Fäsch vorschlag 2,61. 1834 jener edlen täuschung hinzugeben, als ob sich dennoch ein zeitgemäßer und volksthümlicher wirkungskreis für sie (studenten) auf unsern universitäten erschwingen (auffinden) lasse Wienbarg feldzüge VIII. ⟨1901⟩ sollten wir wirklich einen bedienten nicht erschwingen können? Th. Mann ges. w. [1960]1,79. 1935 das buch ist das gegebene für alle, die das britschsche buch nicht erschwingen können erziehung im n. staat 310 H. (unangenehmes) bewältigen, durchstehen: 1542 also beredt er den feind, ehr hette zeügs vberflüssig genuͦg, ein lange blegrung zuͦerschwingen Tacius kriegsanschlege 40b. 1551 nun wirt mir aber der muͤhe leider zu vil, .., welchs ein treffeliche vrsach, daß ichs die leng .. nicht mehr erschwingen oder erleiden moͤgen Scheit Grobianus 8 HND. 1686 wie gehts, wie wolts gehen, hart gnug, es seynd nie so schlechte zeiten gewesen, es geschicht mir gar zu hart, ich kans nicht mehr erschwingen Abraham a s. Clara Judas 1,205. 4 hin und her bewegen. a schwenken, in schwingende bewegung versetzen: ⟨1271/86⟩ ir hêrren mit den slingen,/ ir sult hiute die arme erswingen Ulrich v. Etzenbach Alexander 7522 LV. ⟨1314⟩ ir besem rises buͤrde/ wart dick uf im (dem jungen Wilhelm) erswungen Johann v. Würzburg 669 DTM. A15.jh. wan in die finger wurdent nass,/ so derswangen seu die hend/ übers chraut vil gar behend Wittenwiler 5787 DLE. ⟨u1490⟩ dy hellden hoch erschwungen/ dy arm mit den schwerten Füetrer Seifrid 480,1 LV. 1538 so sie (pferde) den kopff an den bauch schlagen vnnd den schwantz offtermals erschwingen Herr ackerwerck 72b. ⟨1593⟩ wann ich erschwingen (verprügeln) will das kind,/ die rhut nimbt sie (meine frau) mir auß der haͤnd Birck ehespiegel (1598)227.durch werfeln von der spreu befreien: 1531 deine ochsen vnd maulthier .. werdend guͦt fuͦter essen, das mit der wannen wol erschwungen ist bibel (Zür.)2,85d. 1549 ein waͤrff schuffel, damit zeschwingen/ die sprüwer von den kernen rein./ .. was gschehen ist vff diser erden/ wirt alls durch jn (Christus) erschwungen werden Aal Johannes 50 HND. b (das gefieder, die flügel) schütteln, hin und her bewegen, sich flatternd kurz erheben: ⟨14.jh.⟩ der rab ../ sein gevider er erschwang,/ aus dem mer stuond aller sein gedank münch. Oswald 727 ATB. ⟨2.h14.jh.⟩ ach der sin vettichen dicke erswuͤnge und fluͤge uf daz velt b. v. geistl. armuth 135 D. 1557 inn saaten .., da moͤgend sy (trappenvögel) on hilff deß winds nit auffliegen vnd nit schnaͤll, sunder nach dem sy einen anlauff genommen vnd zwey oder dreü mal sich erschwungen habend Heuszlin vogelb. 105a. 1626 das mechtige kriegsheer der engel (, die) .. jhre flügel erschwingen Meyfart tuba 44 T. 5 anstimmen, (die stimme, den gesang) erheben:dr. 1576 mein herz tichtet ain feines lid,/ ich will sehr artlich singen/ von aim könig vnd seiner guͤt,/ mein zung mus sich erschwingen/ vnd wie ain feder sein geschwind kirchenlied 4,837 W. ⟨u1601⟩ die nachtigall/ mit schall/ im grünen wald/ im sommer bald jhr stimmlein thut erschwingen Pyramus-sp. 133 LV. dr.1651 drum wollen wir allein/ die stimmen hoch erschwingen,/ dir hosianna singen kirchenlied 2,253b F./T. 1786 verstumme mein lied! denn vergebens/ wagst du’s, sein lob, Georgens lob zu erschwingen Moritz Reiser 184 DLD. ⟨1813⟩ wie still des waldes weiter raum!/ die vöglein zwitschern nur im traum,/ kein sang hat sich erschwungen Uhland ged. 1,47 Sch./H.Rahnenführer
8405 Zeichen · 181 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Erschwingen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Erschwingen , verb. irreg. act. S. Adelung Schwingen . 1) Vermittelst der Schwingen erreichen, sich bis an etwas schwing…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    erschwingen

    Goethe-Wörterbuch

    erschwingen Geld aufbringen für etw das E. der Verköstigung DjG 3 3,392,12 RAnw [17.11.73] → unerschwinglich Rose Unterb…

  3. modern
    Dialekt
    erschwingenst.

    Pfälzisches Wb.

    er-schwingen st. : wie schd., gew. in der Verneinung: net (nit) se eʳschwinge [verbr., Heeger Südostpf. 21]. Das is heit…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erschwingen

1 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von erschwingen

er- + schwingen

erschwingen leitet sich vom Lemma schwingen ab mit Präfix er-.

Zerlegung von erschwingen 2 Komponenten

ersch+wingen

erschwingen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

erschwingen als Zweitglied (1 von 1)

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „erschwingen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/erschwingen/dwb2
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Cotta, Marcel. „erschwingen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/erschwingen/dwb2. Abgerufen 13. May 2026.
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Cotta, Marcel. „erschwingen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/erschwingen/dwb2.
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