Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
balancieren
balancieren
Balance f. ‘Gleichgewicht’. Auf spätlat. bilanx ‘Waage mit zwei Waagschalen’ (s. bi- und vgl. lat. lanx, Genitiv lancis, ‘Schüssel, Schale’) geht vlat. *bilancia zurück, die Vorstufe von ital. bilancia ‘Waage’ (wovon bilanciare ‘abwägen, prüfen’ und die postverbale Ableitung bilancio ‘Bilanz’, s. Bilanz) und frz. balance ‘Waage, Gleichgewicht, Bilanz’ (wahrscheinlich mit frühem lautlichen Einfluß von spätlat. ballāre ‘tanzen’). Frz. balance dringt seit der Mitte des 17. Jhs. (ein vereinzelter Frühbeleg balanc, 15. Jh.) in der Bedeutung ‘Gleichgewicht’ (jmdm. die Balance halten) ins Dt., wird das ganze 18. Jh. hindurch, namentlich in der Fügung Balance von Europa, als politisches Schlagwort verwendet (nach engl. balance of power) und ist von der 2. Hälfte des 18. Jhs. an auch als Ausdruck der Artisten und Seiltänzer geläufig. In der dt. Kaufmannssprache des 17. bis 19. Jhs. kommt Balance, Balanz außerdem mit der Bedeutung ‘Rechnungsabschluß’ als Nebenform von (aus dem Ital. übernommenem) Bilanz vor. – balancieren Vb. ‘etw. oder sich selbst im Gleichgewicht halten’, seit Ende des 17. Jhs. nach frz. balancer ‘im Gleichgewicht halten, schwanken’ (Ableitung von frz. balance ‘Waage, Gleichgewicht, Bilanz’); anfangs häufig ‘gegeneinander abwägen, unschlüssig sein’ (so vereinzelt bis ins 19. Jh.); die heutige Bedeutung ist vom Beginn des 18. Jhs. an bezeugt; vom 18. bis ins 20. Jh. wird das Verb gelegentlich auch neben bilanzieren (s. Bilanz) in dessen Sinne gebraucht. ausbalancieren Vb. ‘ins Gleichgewicht bringen’ (19. Jh.). Balancierstange f. (2. Hälfte 18. Jh.).