AUSWENDIG adv. auch adj., präp. mhd. ûzwendic,
mnd. ûtwendich.
schon ahd. i. s. v. ‘außerhalb’,
vgl. 10.jh. uzzeneuuendiun
trierer capitulare 305,15 S. entweder abl. von auswenden
vb., das jedoch schwach u. nur einmal früher belegt ist (s. d.), oder (vgl. 1DWB 1,1014) denominativum zu wand
f. (als scheidung von innen u. außen), zumal häufig erscheinend in der fügung in- und auswendig
oder mit kontextnahem innen, inwendig
u. ä.; hieran wohl auch die spätere bed. 4
anschließbar ‘schon von außen, ohne in die vorlage hineinzusehen’
; gleichzeitig –
mit semant. verschiebung – motiviert von auswenden 1 ‘
etwas verinnerlichtes nach außen projizieren, reproduzieren’. 1
in älterer spr. ‘
außerhalb eines raumes, eines bezugsortes (befindlich)’. a
auswärtig, abwesend; nicht ortsansässig, fremd, ausländisch, auch substantiviert, so zuerst: E12.jh. erbe vnser chêrt ist zvͦ den vremeden ĥvs vnser zv vzwendigen
(extraneos, lam. 5,2), cod. pal. vind. 2682 2,90 LGF. 1294 daz keine vnser stete .. den schademan niht vienge oder vf hielte, ob si in sehen oder westen bi in oder wzwendich
corp. altdt. originalurk. 3,289 W. ⟨u1360⟩ wenn .. di kinder des kunigreichs geworfen sint in awswendige vinsternusz Johann v. Neumarkt
1,133 K. 1468 das ein auszwendiger und inwendiger des dorfs zu L. einen oder mer gesessen leute frevelichen schaden .. thete
weist. 6,65 G. ⟨v1475⟩ wie wol der truncken mensch gegenwertig ist mit der person, so sein doch seine syn̄ vn̄ gemuͤt außwendig vn̄ entpfroͤmdet Eyb
sitten (1511)39b. 1535 wie es nach dem abgang vnd todt des Neronis .. zuͦ Rom vnnd außwendig mit dem reich gestanden Micyllus
Tacitus 286a. 1677 er
(herzog Georg) kame zeitlich zur regirung: weil sein vatter immer auswendig zu kriegen bekommen Birken
helden-saal 491. 1769 die neue unternehmung machte immer .. prächtige verheißungen an auswendige gelehrte Sonnenfels
schaubühne 321 WND. 1841 merkwürdig ist es, wie diese auswendigen menschen
(Franzosen u. Engländer) glauben, es ließe sich ein verhältniß, ein friede
etc. machen und erhalten, ohne wahrheit
hist.-polit. bl. 7,158. ⟨1947⟩ mit der verleugnung der natur im menschen wird nicht bloß das telos der auswendigen naturbeherrschung
(der beherrschung der äußeren natur) sondern das telos des eigenen lebens verwirrt und undurchsichtig Horkheimer/A.
aufklärung (1969) 61. b
adv., häufiger präp. (mit gen., selten mit dat.) ‘
außerhalb’: A13.jh. ist aber der erbe uzwendic landes, so sol sich der huober gesinnen des guotes .. und sol ez jeneme enthalten unze er ze lande kunt
weist. 4,264 G. 1287 dis gvͦt ist alsus gelegen .. vswendic nebent dem von Andelahe ein jvchart
corp. altdt. originalurk. 2,269 W. ⟨1.h14.jh.⟩ so setze jn
(den habicht) außwendig daches an das weter
habichtslehre 115 L. ⟨u1380⟩ du scholt dich mit nyemand leipleichen sampnen auswendig der heyligen ee Martin v. Amberg
gewissensspiegel 364 TSM. 1514 ist er den gelert vnd kan, / so fint er vßwendig
(außerhalb des haupttextes) stan / latinsche meinung auch da by Murner
1,2,144 Sch. 1521 warumb bleiben sie dann nitt ußwendig dem schaffstall Bucer
I 1,433 S. 1523 von ynnwendig muss es herauß, nicht von außwendig hyneyn
(nachschr.) Luther
w. 12,295 W. 1525 on was des auswendigen
(‘ansonsten’
) ist, nemlich meyn teglich anhalten, meyne sorge fur alle gemeynen
ebd. 17,2,142. 1665 als sie aus Axels rede verstunden, daß er einen sonderlichen verstand auf den festungsbau hatte, führeten sie ihn außwendig un̄ inwendig herumb Bucholtz
Herkuliskus 867b. u1725 hab ich doch nicht umbgehen können, solches grosse reich
(Schweden) in- und außwendig durchzugehen Stranitzky
reyss-beschr. 16 WND. 2
auf der außenseite, der sichtbaren seite, der oberfläche (befindlich), äußerlich in neuerer spr. nur noch selten, meist mdal.: ⟨u1230⟩ ein altez wîp, / der was ûzwendec der lîp / von kleidern sô gezieret / .. dâ von ze lange wære ze sagen Heinrich v.
d. Türlin
krone 14163 LV. ⟨2.h13.jh.⟩ mich erbarmet, / daʒ ir lib ist uʒ wendik riche, / unde innerthalb arm unde lam
minnesinger 3,64b H. ⟨1325⟩ aber sô die heiligen litten, sô gab in unser herre sô vil innerlîcher minne .., daz sie alles des vergâzen des si ûzzewendig litten
dt. mystiker 1,291 P. 15.jh. viß wennych yß er
(der mensch) wul formert, / inwendych ys er nyt wul gezeret
fastnachtsp., nachlese 274 LV. ⟨1548⟩ kein ding die leut so thut bescheissen, / als der schein vnd außwendig gleissen Waldis
Esopus 1,261 K. ⟨1774⟩ und so wie er das sagte, drückte er ihre auswendige hand
(den handrücken) an die stelle Bode
Schandi (1776)9,108. ⟨v1867⟩ gewissermaßen glich er einem schaalthier, das die knochen auswendig hat Kügelgen
jugenderinn. (1870)5. 1964 in- und auswendig wurde ihr ganz giftschwarz dabei vor lauter wut Graf
Banscho 34. 1998 de epfel senne außewennich net schie aus, innewennich sei se gut
wb. obs. mdaa. 1,141b ak. 3
als richtungsadverb i. s. v. ‘nach auswärts, nach draußen, nach außen’: 1345 van deme leghelne beers, dat men utwendich in de stat to Driborch voert
in: Schiller/L.
mnd. wb. 5,185a. u1466 er gieng aus auswendig
1. dt. bibel 7,302 LV. 1669 hatte ich ein kleid an von kalbfellen, daran das rauhe theil auch außwendig gekehrt war Grimmelshausen
Simplicissimus 110 Sch. 1809 fast als wäre ihre seele vor schreck auswendig herausgegangen A. v. Arnim
2,34 Sch. 1822 magd und geselle sollten .. ein stück brot, einen schluck wein, wenn es gefordert würde, auswendig reichen Goethe
I 33,117 W. 4
ohne vorlage, ohne (erneute) einsichtnahme. a
aus dem gedächtnis, aus dem kopf (von einer reproduzierenden leistung), meist mit können
oder verben memorierender fähigkeiten wie wissen, kennen, spielen, aufsagen; etwas auswendig lernen
verstehbar als ‘etwas so lernen, daß es ohne vorlage nach außen gebracht, wiederholt werden kann’,
in nähe zu auswenden 1: 1515 vnd sie wolt der engel im grab
(des osterspiels) sein, wann sie kund den reimen vßwendig
Eulenspiegel 18 HND. 1519 er weiß wol, wie die geuchin singen, / vnd hats so offt von jn gehoͤrt, / das er es vßwendig hatt geloͤrt Murner
5,54 Sch. 1672 diese rede .. wehret bey 5⁄4 stund und wird auswendig und ohne ablesung verrichtet
Addison, West-Barbarey 2,93. 1775 alles ward in liedern auswendig behalten, alles sangen die druiden den völkern vor, alles prägte sich ihrem gedächtnisse ohne hülfe der schriften ein Berisch
Wodan 10. 1860 die gläubige, empfängliche hingabe, mit der ich diese dichtungen las und wieder las und gleichsam auswendig lernte Gervinus
leben (1893)38. ⟨1968⟩ er hatte es
(das buch) bei sich, obwohl er alles auswendig wußte Schnell
erziehung (1969)86. 2005 der dirigent, der mit extra vor allen menschen geschlossenen augen auswendig dirigiert
n. zürch. ztg. (7.12.)25c. b
vom bloßen, äußeren ansehen her, im voraus; in fügungen wie jmdn., etwas (in- und) auswendig kennen, wissen
i. s. v. ‘
jmdn., etwas sehr gründlich, von allen seiten, schon bis zum überdruß kennen’: 1520 rumist datzu unnd schreybst in alle welt, du kundist allis auszwendig und geprauchst keiner pucher Luther
w. 6,583 W. 1599 im himmel kennet gott seine himmelreichs kinder inwendig vnnd außwendig Ph. Nicolai
freudenspiegel 32 faks. 1669 weil er bereits vorlängst meine heimlichkeit gewust, und mich gleichsam in- und außwendig gekant .. hatte Grimmelshausen
Simplicissimus 159 Sch. 1778 ich kenne München auswendig, ich war ja 5 mahl dort Mozart
br. 1,225 Sch. ⟨1788⟩ er blickte mir so mir nichts dir nichts ins auge, als ob er’s auswendig gewußt hätte, daß mein beutel leer war Bürger
2,154 W. 1834 ein angenehmer unterrichteter mann, der unsere schriften auswendig weiß Lachmann
brw. 2,637 L. 1876 den weg weiß er auswendig C.
F. Meyer
10,30 Z./Z. 1885 und ich dachte, daß ich die menschen und was sie einander gegenseitig erleben lassen können, schon in und auswendig kennte Raabe
16,319 H. 1922 und ich werde ihnen
(anrede) auswendig sagen, worin sie gelesen haben, erwiderte ich: in den werken von Walther Rathenau Moszkowski
inseln 140. ⟨1949⟩ sie kannte seine langatmigen darlegungen in- und auswendig, wenn er von festlichkeiten heimkam Seghers
d. toten (1950)485. 2004 sein altes boot kennt er in- und auswendig, er kann jedes geräusch orten
n. zürch. ztg. (4.11.)39b.Fröhlich