Augenblick Über 3000 Belege. Soweit in der WA erkennbar, in der Frühzeit überwiegend ‘-blik’ bzw ‘blikke’ (so zB in Werth1,
in Werth2 dann in ‘-blick’ bzw ‘-blicke’ korrigiert); einmal Augen Blick GWBB3,64,9 Klopstock 21.5.76 [
R nicht erhalten, Text durch einen Zeitungsdruck von 1799 überliefert; in demselben Br auch Augenblick]. ―
In der Frühzeit, zw Rokoko u Empfindsamkeit, kurzer, empfindungsvoller u szenisch profilierter Lebensmoment; während des Sturm u Drangs pathet Hervorhebung mit der Tendenz, in der Prägnanzform des gesteigerten Augenblicks eine zeitl Totalität zu erfassen, in heroisch-tragischer Antithese Apotheosierung der absoluten Gegenwart einerseits u Preisgabe des Augenblicks an Zeit u Ewigkeit andererseits; in der Klassik beruhigte Dialektik von Augenblick u Dauer, häufiger Gebrauch konventioneller Wdgn mit stark abgeblaßter Bedeutung; im Alter auffallend häufig negative Bewertung des Augenblicks, vor allem, wo er für Tagesaktualität, Moden u falsche Tendenzen der Gegenwart, für das Bedrängende u Verwirrende polit Ereignisse steht; der von Kontinuitätsvorstellungen (Folge, Dauer, Ewigkeit) u wachsendem hist Bewußtsein gelenkten Kritik an dem Augenblick als der gegenüber Lebens-, Geschichts- u Handlungsprozessen isolierten bloßen Jetztzeit steht, mehrf in ausdrücklich antithet Formulierungen, die Verklärung des erfüllten Augenblicks gegenüber1) 1
mit Anklang an die konkr Bed ‘Blick der Augen’ a
mit Betonung des Visuellen, vereinzelt in enger Vbdg mit ‘Anblick’, auch als Var von ‘Anblick’ u ‘Blick’ [
üb Italien als Erinnerungsbild] Alles was unser Auge übersieht, ist so harmonisch gefärbt, so klar, so deutlich .. Nur selten werden wir in unsern Gegenden an jene paradiesischen A-e erinnert, und ich lasse einen Vorhang über dieses Gemählde fallen GWBN5
1,5,9 BeitrOpt I 4 [
Wilh sieht im Traum die Apotheose der Makarie, ihre Verwandlung in einen Stern; bei Aufgang der Venus wird er von dem Astronomen geweckt] Wilhelm .. eilte zum Fenster, dort staunte, starrte er einen A., dann rief er enthusiastisch: Welche Herrlichkeit! .. ihm blieb der Anblick immer ein Wunder GWB24,185,1 Wj I 10 [
Marie, ein Wiedersehen mit Clavigo ablehnend:] Mein Herz würde reißen! [
Sophie:] .. Der erste A. [
so bis 1827, erst in der von G kaum noch kontrollierten Großoktavausg der Ausg.l.H. dafür Anblick GWB11,83,20] muß auf dich eine empfindliche Wirkung machen GWB11,401 Clav III Var gleich bei’m ersten A. [Anblick GWB22,226,14] hatte ihn die rothe Uniform an den so sehr geliebten Rock Marianens erinnert GWB22,376, Lj V 15 Var [
Erstdr hat Anblick;
nach WA ist Augenblick
“Versehen” der Ausg von 1816, danach auch in Ausg.l.H.] einen A. vor seinem Bilde verweilend [am Bilde einen Blick weilend
Var aus einer eigenh, nach der Druckfassung entstandenen Hs] GWB16,144 KünstlersErdew Regiebem nach 31 Zuletzt benutzte ich einige A-e [Blicke GWB24,74,19
in der wörtl übs frz Vorlage: de quelques regards], die sie auf mich warf, sie zu fragen GWB25
2,30 Wj I 5 PilgTörin Var [
die Taschenbuchausg 1809 u die erste Buchausg 1821 haben Blicke,
die Ausg.l.H. hat nach dem Druckms A-e
2)] GWBB6,203,25 ChStein 2.10.83
uö für das mit einem Blick Aufgenommene iSv Eindruck, Erlebnis Die Gewohnheit .. die Landschaft als Bild zu sehen, verführte mich zu dem Unternehmen .. sie fixiren, mir ein sichres Andenken von solchen A-en festhalten zu wollen GWB29,133,5 DuW 19
uö b
mit Betonung des Temporalen (vgl auch die bei G noch belegte Bed von Blick iSv Blitz) schießt ein Habicht über meinem Haupte hin; das arme .. Thier [
der Kanarienvogel] .. flüchtet in meinen Busen und in dem A. fühl’ ich die letzten Zuckungen seines scheidenden Lebens. Zwar von meinem Blicke getroffen schleicht der Räuber dort .. hin GWB18,246,28 Märchen
‘in einem A.’: auf einen Blick, gleichzeitig, simultan [
üb die Aufstellung einer Mineraliensammlung] ein bloßer Wahn daß man sich einbildet, eine solche Reihe mit dem leiblichen Auge übersehen .. zu können und noch sogar .. in einem Augenblick GWBB27,90,16 Voigt 13.7.16 2
als emotional gesteigerter Augenblick des Erlebens, Genießens, Erkennens a
überwiegend in der Frühzeit u unter dem Einfluß myst-pietist Vorstellungen als Augenblick empfindsamer Selbsterfahrung, Natur- u Gotteserkenntnis alle Gefälligkeiten der Welt ersezzen nicht einen Augenblik Vergnügen an sich selbst AA37,12 Werth I nur einen A. in der eingeschränkten Kraft meines Busens einen Tropfen der Seligkeit des Wesens zu fühlen, das alles in sich und durch sich hervorbringt AA60,18 Werth I in dem Schwall von Zerstreuung! Wie ausgetroknet meine Sinnen werden, nicht Einen Augenblik der Fülle des Herzens, nicht Eine selige thränenreiche Stunde AA77,17 Werth I Ich bin .. so ganz in dem Gefühl von ruhigem Daseyn versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzo nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin niemalen ein grösserer Mahler gewesen als in diesen A-en AA5,16 Werth I Der Zusammenhang der ganzen Natur würde für uns das höchste Schöne sein, wenn wir ihn einen A. umfassen könnten GWB47,86,7 Moritz, Nachahmg dSchönen schenke mir Glauben, flehte ich einst .. So nahte meine Seele dem Menschgewordnen und am Kreuz Gestorbenen, und in dem A-e wußte ich, was Glauben war. .. hatte ich aber seit jenem großen A-e Flügel bekommen GWB22,316,23 u 317,25 Lj VI SchöneSeele [
Faust üb die Erscheinung des Erdgeistes:] In jenem sel’gen A-e | Ich fühlte mich so klein, so groß GWBFaust I 626
uö b
der gegenwärtige Lebensmoment in emphat Betonung als Phase intensiven Erlebens u Empfindens, mehrf in antithet Konstruktion als Augenblick höchsten Glücks bedroht vom Umschlag in Elend u Tod, als Vergegenwärtigung charakterist Momente der Vergangenheit, Summe einer Entwicklung u als Gegenwart der alles verzehrenden Zeit Ha Behrisch das [
Korr GWBB50,204] ist einer von den A-en! Du bist weg, und das Papier ist nur eine kalte Zuflucht, gegen deine Arme GWBB1,134,9 Behrisch 10.[11.]67 [
nach dem Abschied] Noch schlagen die Herzen | Für einander, doch, ach! nun an einander nicht mehr. | Einziger A., in welchem ich lebte! [Nur Ein A. war’s, in dem ich lebte
Var] du wiegest | Alle Tage, die sonst kalt mir verschwindenden, auf. | Ach! nur im A., im letzten, [Nur Ein A. war’s, der letzte, da
Var] stieg mir ein Leben, | Unvermuthet in dir, wie von den Göttern, herab GWB1,265 AlexisDora 15u17 Wenn du Suleika | Mich überschwenglich beglückst, | .. Das ist ein A.! [Ein < ein
R; ein
Erstdr] GWB6,159 Vs 21 DivSuleika daß wir in dem höchsten A-e des Genusses, wie in dem tiefsten der Aufopferung, ja des Untergangs eine unverwüstliche Gesundheit gewahr werden GWB46,25,25 WinckelmHeidn [
Prometh:] Da ist ein A. der alles erfüllt, | Alles was wir gesehnt, geträumt, gehofft, | Gefürchtet, Pandora, — | Das ist der Tod! GWB39,211 PromethFragm 1773 Vs 397 [
Iph üb Orest:] O nehmt den Wahn ihm von dem starren Auge, | Daß uns der A. der höchsten Freude | Nicht dreifach elend mache! GWBIph
2 1216 [und macht uns nicht im A. des höchsten Glückes elend GWB39,367,23 Iph
1 III 1] [
Huri:] Weißt du denn wieviel Äonen | Wir vertraut schon zusammen wohnen? [
Dichter:] Nein! — Will’s auch nicht wissen. Nein! | Mannichfaltiger frischer Genuß, | Ewig bräutlich keuscher Kuß! — | Wenn jeder A. mich durchschauert, | Was soll ich fragen wie lang es gedauert! GWB6,261 Vs 7 DivParadies [
Tisiphone als Rächerin des Liebesverrats:] Gift und Dolch .. | Misch’ ich, schärf ich dem Verräther; | .. Muß der A-e Süßtes | Sich zu Gischt und Galle wandeln! GWBFaust II 5385 all die guten Tage, den schönen Morgen .. die lieblichen Abende .. alle in einem Augenblikke wieder mit geniest AA31,27 Werth I Zutrauen .. | Beschleunigte das Glück gezählter Stunden. | Behagen schaut nicht vorwärts, nicht zurück, | Und so verewigt sich der A.! GWB4,21 An Gf Paar 1818 Vs 6 Da ist kein Augenblik, der nicht dich verzehrte und die Deinigen um dich her, kein Augenblik, da du nicht ein Zerstöhrer bist, seyn mußt AA60,34 u 61,1 Werth I
uö in hyperbol Wdgn wie ‘die angenehmsten A-e meines Lebens’ [
an den Philologen Hermann, dessen Arbeiten u Editionen G bei seiner Beschäftigung mit der griech Tragödie bes in den 20er Jahren gefördert hatten] Ew. Hochwohlgeboren haben mich so oft aus düstern kimmerischen Träumen in jenes heitere Licht- und Tageland gerufen und versetzt, daß ich Ihnen die angenehmsten A-e meines Lebens schuldig geworden GWBB49,137,16 JGJHermann 12.11.31
uö sehr häufig als Stimmungsmoment, auch gesteigert als Augenblick heftiger Gemütsbewegung; charakterist Vbdgn: A. der Stimmung, der Unstimmung, der Leidenschaft, des Zorns, des Glücks, der Freude, der Behaglichkeit, der Not, A. von Aisance, von Zufriedenheit, von Wonne, A-e der Überraschung, der Entzückung; häufig mit AdjAttr: guter, ruhiger, zufriedener, behaglicher, freundlicher, lieber, vergnügter, erquickender, trostvoller, freier, froher, glücklicher, süßer, feuriger, trüber, bänglicher, verdrießlicher, liebeleerer, greulicher, unglückseliger, schrecklicher A., gelassene, angenehme, heiterste, herzerhebende, leidenschaftliche, selige, ahnungsvolle, sorgliche, drückende, zerstreute, unholde, hypochondrische, traurigste, bitterste, gräßlichste, wüste A-e am wenigsten sind wir vermögend, uns enthusiastische Momente wieder zu vergegenwärtigen .. Andere die uns in solchen A-en beobachten, haben deßhalb davon eine klarere und reinere Ansicht als wir selbst GWB28,283,24 DuW 14 [
Tasso nach der Bekränzung durch die Prinzessin:] Hat die Freude mir, | Hat das Entzücken dieses A-s | Das Mark in meinen Gliedern aufgelös’t? Tasso 514 vier Knaben gestern Nacht ertrancken .. Nur in solchen A-en fühlt der Mensch, wie wenig er ist GWBB2,181,10 SLaRoche [31.7.74 Korr DjG
34,222] [
auf dem Rückzug der demoralisierten alliierten Interventionsarmee nach der Kanonade von Valmy, nachts:] ich trat vor das Zelt und bewunderte .. die unendliche Ruhe am Rande der größten .. Gefahr; und wie in solchen A-en Angst und Hoffnung, Kümmerniß und Beruhigung wechselsweise auf und ab gaukeln GWB33,98,19 Camp liegt ein unendlicher Stoff [
für Propyl] parat und zur Form mag die Stimmung des A-s helfen GWBB14,42,22 Knebel 15.3.99 GWBB49,94,21 Boisserée 27.9.31 GWBB4,50,14 CEGoethe 9.8.79 GWB9,125,5 Geschw
uö in hyperbol Prägnanz für den letzten Lebensaugenblick in dem schröklichen Augenblikke, da mein ganzes Wesen zwischen Seyn und Nichtseyn zittert, da die Vergangenheit wie ein Bliz über dem finstern Abgrunde der Zukunft leuchtet, und alles um mich her versinkt, und mit mir die Welt untergeht AA105,27 Werth II Mein Gott! warum hast du mich verlassen? Und sollt ich mich des Ausdruks schämen, sollte mir’s vor dem Augenblikke bange seyn, da ihm der nicht entgieng, der die Himmel zusammenrollt wie ein Tuch AA106,4 Werth II [
der sterbende Voigt hatte in einem letzten Br von G Abschied genommen] Daß Sie in diesen heiligen A-en [Stunden
K] von dem Freunde Ihres Lebens Abschied nehmen GWBB31,101,3 Voigt 21.3.19
uö c
als Intervall des Lebensprozesses in antithet Wertung: positiv der erfüllte, höchste Augenblick (gegen den neutralen, indifferenten Zeitstrom), negativ der schlechte, leere Augenblick als Erstarrung des Lebens-, Schaffens- u Erkenntnisprozesses [
Faust:] Werd’ ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen, | So sei es gleich um mich gethan! .. Kannst du mich mit Genuß betrügen; | Das sei für mich der letzte Tag! | .. Werd’ ich zum A-e sagen: | Verweile doch! du bist so schön! | .. Dann will ich gern zu Grunde gehn! GWBFaust I 1699 [
Faust in der Vision des dem Meere abgewonnenen Landes:] Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn. | Zum A-e dürft’ ich sagen: [Ich darf zum A-e sagen
Var] Verweile doch, du bist so schön! | Es kann die Spur von meinen Erdetagen | Nicht in Äonen untergehn. — | Im Vorgefühl von solchem hohen Glück | Genieß’ ich jetzt den höchsten A.
3) | (Faust sinkt zurück ..) [
Meph:] .. Den letzten, schlechten, leeren A. | Der Arme wünscht ihn fest zu halten GWBFaust II 11581u11586u11589 [
Faust zur Sorge:] Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm; | Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen; | Was er erkennt läßt sich ergreifen; | Er wandle so den Erdentag entlang; | .. Im Weiterschreiten find’ er Qual und Glück, | Er! unbefriedigt jeden A. [Nur mißvergnügt in jedem A.
Var] GWBFaust II 11452 [
Helena:] Ich fühle mich so fern und doch so nah | Und sage nur zu gern: da bin ich! da! | [
Faust:] .. Es ist ein Traum, verschwunden Tag und Ort. | [
Helena:] Ich scheine mir verlebt und doch so neu, | .. [
Faust:] Durchgrüble nicht das einzigste Geschick, | Dasein ist Pflicht und wär’s ein A. GWBFaust II 9418 3
Zeitraum aktuellen Handelns od Gestaltens, folgenreiche od entscheidende Phase eines Lebensprozesses od Handlungsverlaufs a
der durch gestaltende Tätigkeit erfüllte Augenblick, mehrf in dialekt Opposition zu Ewigkeit, vereinzelt auch für das zusammenhanglose, situationsabhängige Handeln Glücklicher Weise ist dein Talent-Charakter auf den Ton,
d. h. auf den A. angewiesen. Da nun eine Folge von consequenten A-en immer eine Art von Ewigkeit selbst ist, so war dir gegeben, im Vorübergehenden stets beständig zu seyn und also mir sowohl als Hegels Geist, insofern ich ihn verstehe, völlig genug zu thun
4) GWBB49,266,2u3 Zelter 11.3.32 Nur allein der Mensch | Vermag das Unmögliche: | Er unterscheidet, | Wählet und richtet; | Er kann dem A. | Dauer verleihen GWB2,84 Das Göttliche 41 Genieße mäßig Füll’ und Segen. | Vernunft sei überall zugegen | Wo Leben sich des Lebens freut. | Dann ist Vergangenheit beständig, | Das Künftige voraus lebendig, | Der A. ist Ewigkeit GWB3,83 Vermächtnis 30 Sogar der Besonnenste ist im täglichen Weltleben genöthigt, klug für den A. zu sein und gelangt deßwegen im Allgemeinen zu keiner Klarheit GWB25
1,244,4 Wj III 13 [
üb die siebenjährige Reorganisationsarbeit der UnivBibl Jena] gern eines jeden einzelnen A-s gedenkt, deren unzählige, treu benutzt, endlich das Ganze zu bewirken .. aufgewendet werden mußten A(Vogel 100,5) Promem [18.11.24] Der A. des Zeugens ist herrlich, das Tragen und Gebähren beschweerlich, so aber geboren ist, Freude GWBB3,80,11 Herder 5.7.76 GWB47,17,20 PropylEinl GWBB45,33,6 Göttling 25.10.28
uö metonym für das unmittelbare, spontane Handeln [
Eugenie zum Gerichtsrat, der ihr die Ehe angeboten hat:] Der A.! vermag er solche Wunder? [
Gerichtsrat:] Das Wunder ist des A-s Geschöpf GWBNatT 2151f [
Faust:] Was man nicht nützt ist eine schwere Last; | Nur was der A. erschafft das kann er nützen GWBFaust I 685
uö metonym für das in einem Augenblick zu Erledigende Ich hatte meine Reise im Sinn .. das Packen und Loslösen ging an, die A-e drängten sich GWB24,199,17 Wj I 11 NußbrMädch b
Phase der Entscheidung, auch in metonym Wdgn wie ‘der A. entscheidet’, ‘das Schicksal hängt an dem A.’ Es war eine Zeit da ich Saulus war, gottlob daß ich Paulus geworden bin .. Man fühlt Einen A., und der A. ist entscheidend für das ganze Leben, und der Geist Gottes hat sich vorbehalten ihn zu bestimmen GWB37,157,27 BriefPastors [
der Geistliche, den Vater um die Heiratseinwilligung für den Sohn bittend:] Der A. nur entscheidet | Über das Leben des Menschen und über sein ganzes Geschicke; | Denn nach langer Berathung ist doch ein jeder Entschluß nur | Werk des Moments GWBHermDor V 57 Ich werde diesen Nachmittag zuerst den Oel Pinsel in die Hand nehmen! .. das Schicksaal meines Lebens hängt sehr an dem A. GWBB2,205,11 SLaRoche [20.11.74] [
Hofmeisterin:] Sie [
Eugenie], als des Haders Apfel, warf ein Gott | .. zwischen zwei Parteien, | .. So schwankte List um List .. | Bis ungeduld’ge Leidenschaft zuletzt | Den A. entschiedenen Gewinns | Beschleunigte GWBNatT 1786 endlich erscheint der A., auf den diese Stadt schon beinahe ein halbes Jahrhundert mit Verlangen wartet, dem ich selbst seit acht Jahren .. mit Sehnsucht entgegensehe GWB36,367,16 RedeEröffnBergbIlmenau 1784 GWB22,287,17 Lj VI SchöneSeele
uö idVbdg ‘hoher A.’, ‘höchster A.’ [
Kaiser zu Faust, der für den Kampf mit dem Gegenkaiser Zauberhilfe anbietet:] Doch lenket hier, im hohen
5) A., | Die starke Hand vom willigen Schwert zurück, | .. Selbst ist der Mann! GWBFaust II 10463 GWB27,105,4 DuW 7 4
für eine aktuelle od hist Gegenwart, für eine gegenwärtige Situation, polit od kulturelle Lage a
für die Gegenwart, das Heute allg Hier [
in Ital] wo .. jeder für den A. leben, jeder sich bereichern, jeder aus Trümmern sich wieder ein Haüsgen bauen will und muß GWBB8,148,12 ChStein 25./27.1.87 Husaren .. gradsinnige, jeder nach seiner Weise dem A. gewidmete Menschen GWB33,24,27 Camp Schauspieler .. sie tanzen auf der Rasirmesser-Schärfe des A-s
6) GWBB48,110,19 Zelter 3.2.31 Kohlenbrenner .. Holzhauer, Glasbläser .. alle heiterer als unser einer .. Indessen muß man nicht versäumen, Ruder und Segel .. zu benutzen, um über die Welle des A-s wegzukommen GWBB49,61,28 Reinhard 7.9.31 Thust du was für den A., | Vor allem opfre du dem Glück GWB2,225 Sprichw 49 die in mir ohnehin obwaltende Verachtung des A-s GWB36,232,18 BiogrEinzh SpätereZeit [
Leonore üb die Prinzessin:] Du fühlst es besser, fühlst es tief .. | Dich blendet nicht der Schein des A-s, | Der Witz besticht dich nicht Tasso 89 daß die Leute .. das Naive des Augenbliks nicht zu würdigen wissen; durch Wiedererzählung es zur Plattheit umprägen Gespr KanzlMüller 20.6.27 [
üb eine Medaille zum Erfurter Fürstentag 1808 mit den Köpfen von Napoleon u Alexander] Sie hatte zu jener Zeit wenig Glück .. Wer schätzt denn auch den A. und dessen Productionen GWBB48,103,21 Zelter 1.2.31 GWB36,33,11 TuJ GWBB4,304,14 ChStein 10.10.[80]
uö personifiziert Der A. ist eine Art von Publicum: man muß ihn betriegen, daß er glaube, man thue was; dann läßt er uns gewähren und im Geheimen fortführen, worüber seine Enkel erstaunen müssen GWB42
2,227,1 MuR(909)
häufig in prononcierter Opposition zu Vergangenheit bzw Zukunft Wer in der Weltgeschichte lebt, | Dem A. sollt’ er sich richten? | Wer in die Zeiten schaut und strebt, | Nur der ist werth zu sprechen und zu dichten GWB3,230 ZXen I 22 In einem Alter wo man sich selbst historisch wird und die geschichtliche Einsicht überhaupt immer größern Werth erhält, weil man eigentlich dadurch den A. immer besser beurtheilen lernt GWBB46,96,6 Hecker 7.10.29 K daß ich in der Beschränkung glücklich sein könnte .. wenn ich nur ein Geschäft wüßte .. das aber keine Folge auf den Morgen hätte, das Fleiß und Bestimmtheit im A. erforderte, ohne Vorsicht und Rücksicht zu verlangen GWB19,205,2 BrSchweiz I [
im Anschluß an Zelters Besuch hatte G geschrieben: Die Gegenwart hat wirklich etwas Absurdes .. GWBB46,110,1 Zelter 19.10.29
Darauf Zelter: “Deine bittre Betrachtung über Gegenwart und Beieinandersein ..” Briefw, ed Hecker, 3,193] Nachdem wir also über die Verzweiflung der Gegenwart .. durch deine freundliche Auslegung glücklich hinüber gekommen, so wollen wir nun den A. desto höher werth achten und ihm das Mögliche für die Zukunft abzugewinnen suchen GWBB46,127,11 Zelter 1.11.29 Denn es nimmt der A. | Was die Jahre geben GWB4,291 Tischlied 1828 Vs 10 [
Dichter üb das Theater:] was in tiefer Brust uns da entsprungen, | .. Verschlingt des wilden A-s Gewalt. | Oft wenn es erst durch Jahre durchgedrungen | Erscheint es in vollendeter Gestalt. | Was glänzt ist für den A. geboren; | Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren GWBFaust I 70u73 Was man mündlich ausspricht, muß der Gegenwart, dem A. gewidmet sein; was man schreibt widme man der Ferne, der Folge GWB42
2,224,18 MuR(892) GWB33,186,1 Camp GWBB33,100,19u27 Schubarth 9.7.20 Gespr Eckerm 3.11.23
uö b
für eine konkr Lebenssituation, auch charakterisiert als: guter, ruhiger, stiller, freier, feierlicher, festlicher, bedeutender, interessanter, unterhaltender, schicklicher, gleichgültiger, flüchtiger, rätselhafter, kritischer, dringender, notgedrungender, extremer A. es scheint, es habe sogar die Gottheit sich so zu dem Menschen gestellt, daß sie dessen Ehrfurcht, Zutrauen und Liebe nicht immer, wenigstens nicht gerade im dringenden A., erwidern kann .. daß in den hülfsbedürftigsten Momenten uns zugerufen wird: Arzt, hilf dir selber! GWB28,311,1 DuW 15 daß Sie einen Theil der letzten Monate in krankhaften Zuständen verbracht haben, denn gar zu gern denke ich mir Sie in den A-en [< Zuständen
K], in welchen Sie immer gleich heiter, liebenswürdig und wohlthuend die Gegenwart ergriffen GWBB49,202,1 Marianne 13.1.32 sich der jungen Frau in ihren gegenwärtigen Zuständen [
Schwangerschaft] gefällig anzunehmen, auch in den kritischen A-en die sich Anfang März einstellen dürften zu unserer aller Beruhigung beyzustehen GWBB29,57,17 Stark dJ 17.2.18 K [
CHerder, von finanziellen Schwierigkeiten der Familie gedrängt, hatte von dem Herzog früher zugesagte Unterstützung für die Ausbildung ihrer Kinder gefordert] Freylich ist es bequemer in extremen A-en auf Schuldigkeit zu pochen als durch eine Reihe von Leben und Betragen das zu erhalten wofür wir doch einmal danckbar seyn müssen GWBB10,322,26 Caroline Herder 30.10.95 fand ich nun meine Freundinnen [
die Brions aus Sesenheim], die ich nur auf ländlicher Scene zu sehen gewohnt war .. in städtischen .. Zimmern [
in Straßb] .. konnte ich mich nicht gleich in den Widerspruch des A-s finden GWB28,35,20 DuW 11 jenes vom A. ihm abgedrungene Wort GWB20,380,21 Wv II 15 Freundin des A-s GWB20,117,10 Wv I 10
uö in metaphor Wdgn wie ‘den A. verspeisen’, ‘der A. verzehrt’ Für das größte Unheil unserer Zeit, die nichts reif werden läßt, muß ich halten, daß man im nächsten A. den vorhergehenden verspeis’t, den Tag im Tage verthut und so immer aus der Hand in den Mund lebt GWB42
2,171,15 MuR(479) [
üb die Kriegsabenteuer eines Söldners] kein bedeutender Gewinn für’s Leben ist zu hoffen, denn alles, was im nothgedrungenen Augenblick erhascht wird, pflegt der A. wieder zu verzehren GWB41
2,122,23 Rez:Mämpel,Feldjäger I
uö metonym für situative Äußerungen ich zeichnete eben in meine Schreibtafel merkwürdige Worte die ich in der Gesellschaft gehört .. daß ich .. die A-e zu stehlen wisse und das Gehörte sorgfälig aufzubewahren GWB25
2,63 Wj I 10 Var
idWdg ‘für den A.’ die gegenwärtige u allernächste Zeit, mehrf koordiniert mit ‘Zukunft’, ‘Folge’ uä; häufig stereotyp in Br iSv gegenwärtig [
G wünscht die Lithographierung von Leybolds ‘Charon’-Zeichnung] ein hoher Begriff, meisterhaft dargestellt, muß für den A. und in alle Zeiten sich wirksam erweisen GWBB39,267,19 Schorn 31.7.25 [
nachdem die Redaktion der ALZ nach Halle gegangen war, bemühte sich G um Fortführung des jenaischen Unternehmens] die jetzigen .. bedeutende Momente ließen mich die Nähe einer jüngern Natur wünschen, wodurch manches für den A. belebt und für die Folge erhalten werden könnte GWBB16,375,8 Voigt dJ 9.12.03 da hast du Cephalus und Prokris
7), nach meiner Art entwickelt. Stelle dich davor, ein Stäbchen in der Hand, und denke, bäncklsängerisch deutend, so wird es für den A. wenigstens genü
gen. Aber hier, wo ich aufhöre, sollte es eigentlich anfangen, die Großheit der Darstellung eines darzustellen kaum Möglichen! GWBB48,11,13 Zelter 9.11.30 weil ihm keine Gegenwart genügte, fand er das was ihm abging in einer Freundin [
Lotte], die, indem sie für’s ganze Jahr lebte, nur für den A. zu leben schien GWB28,154,11 DuW 12 Mehr wüßte ich für den A. nicht zu sagen GWBB35,71,14 August 5.9.21
uö für situative Bedingungen u Umstände, bes iWdgn wie ‘es kommt auf den A. an’, ‘wie dem A. beliebt’, ‘wie es der A. erlaubt, gibt, verleiht, gewährt, fordert’, ‘dem A. genug tun’, ‘der A. nötigt’ wie eine in’s Leben tretende Idee fortgewirkt habe .. daß der Hauptgedanke .. durch den A., das Jahrhundert, durch Localitäten und sonstige Besonderheiten getrübt, gestört und abgelenkt wird GWBB45,249,11 EHFMeyer 23.4.29 [
Merkur üb die personifizierte Phantasie:] Dieß Zwerglein .. | Macht Glück und Unglück, wie dem A. beliebt GWB13
1,85,8 Was wir bringen [
betr ein Gastspielersuchen für das weim Theat] schwer .. Rath zu geben. Alles kommt auf die Umstände und auf den A. an GWBB19,144,18 Kirms 25.6.06 die Frage, ob man, wie es gestern wohl dem A. gemäß gewesen wäre, den Kaiser [
Alexander] durch die Stadt fährt oder ob man ihn über die Esplanade fahren läßt B(SchrGG56,118) Voigt 12.7.14 [
üb die Ablehnung des Theaters in der Pädagog Provinz] Wer .. sollte sich leicht entschließen, mit erlogener Heiterkeit, oder geheucheltem Schmerz, ein unwahres, dem A. nicht angehöriges Gefühl .. zu erregen GWB25
1,19,27 Wj II 8 Wer thätig seyn will und muß, hat nur das Gehörige des A-s zu bedenken, und so kommt er ohne Weitläufigkeit hindurch, da der Hauptzug des Lebens sich ohnehin von selbst vorschreibt GWBB48,95,24 Marianne 25.1.31 ~ GWB42
2,226,17 MuR(908)
uö c
iSv Gelegenheit, bes als ‘Gunst des A-s’, ‘günstiger A.’, einmal ‘horoskopischer A.’ für eine günstige Konstellation sie sagte:
“Stund’ um Stunde | Wird uns das Leben freundlich dargeboten, | Das Gestrige ließ uns geringe Kunde, | Das Morgende, zu wissen ist’s verboten; | .. schaue, froh verständig, | Dem A. in’s Auge! Kein Verschieben! | Begegn’ ihm schnell, wohlwollend wie lebendig, [Dem A. ins Auge; seinen Trieben | Entgegne schnell in jedem Sinn lebendig
Var] ..
” | .. zum Geleite | Gab dir ein Gott die Gunst des A-es,
8) | Und jeder fühlt an deiner holden Seite | Sich Augenblicks den Günstling des Geschickes GWB3,24 u 25 Elegie 98u104 [
Faust will Helena aus der Unterwelt heraufholen] Diese [
Manto] eröffnet ihm daß der Weg zum Orkus sich so eben aufthuen werde .. von dem horoskopischen A.
9) begünstigt steigen sie sämmtlich schweigend hinunter GWB15
2,210 Üb:Helena Plp 1826 [
iZshg mit Urworte Orphisch] daß es der Dichtkunst vielleicht allein gelingen könne, solche Geheimnisse .. auszudrücken .. Leider ist bey solchen Dingen das Wollen dem Vollbringen nicht sehr förderlich, es sind Gaben und Gunsten des A-s, die zuletzt, nach langer Vorbereitung, zufällig, ungefordert erscheinen GWBB35,158,13 Riemer 28.10.21 daß mir nichts angehört, | Als der Gedanke, der .. | Und jeder günstige A., | Den mich ein liebendes Geschick | Von Grund aus läßt genießen
10) GWB1,103 Eigenthum 4 [
betr G-s Plan eines Gesamtkatalogs der weim u der drei jenaischen Bibliotheken] Die Vortheile einer solchen Einrichtung sind freilich sehr in die Augen fallend, die Gelegenheit erwünscht, und der A. einzig
11) A(JbGG14,161) Promem 19.1.02 die Principalin muß einen schönen Thaler Geld in der Casse haben: Versäumen Sie diesen Zeitpunct nicht, wieder zu dem Ihrigen zu kommen .. nehmen Sie dieses A-es wahr! GWB52,7,26 ThS IV 1
uö in (metaphor) Wdgn wie ‘den A. ergreifen, erhaschen, anfassen, nutzen, benutzen, versäumen’ Die Abgründe der Ahndung, ein sicheres Anschauen der Gegenwart, mathematische Tiefe .. liebevolle Freude am Sinnlichen, nichts kann entbehrt werden zum lebhaften fruchtbaren Ergreifen des A-s GWBN3,121,26 FlH II Wir finden ihn immer in Thätigkeit, mit dem A. beschäftigt, ihn dergestalt ergreifend und festhaltend, als wenn der A. vollständig und befriedigend sein könnte, und eben so ließ er sich wieder vom nächsten A-e belehren GWB46,52,8u9u11 Winckelm [
Meph zum Schüler:] Vergebens daß ihr ringsum wissenschaftlich schweift, | Ein jeder lernt nur was er lernen kann; | Doch der den A. ergreift, | Das ist der rechte Mann GWBFaust I 2017 Wißt ihr denn auf wen die Teufel lauern, | .. Und, wie sie den A. erpassen, | Nach der Hölle sie entführend fassen? GWB6,35 Vs 3 DivHafis Zum einzelnen Sammeln gehört Liebe, Kenntniß und gewisser Muth den A. zu ergreifen GWB49
2,111,4 Notice sur le Cabinet des Médailles GWBB45,304,28 Carlyle 25.6.29
uö d
häufig für die hist-polit Situation, mehrf als euphemist Ausdruck, bes für die Krisenlagen der Revolutions- u Befreiungskriege; auffallend differenzierte u überwiegend negative Attribuierung: großer, interessanter, wichtiger, prägnanter, kritischer, seltsamer, sonderbarster, beruhigter, zweideutiger, unruhiger, ungünstiger, schwieriger, verworrener, betrübtester, schrecklicher, schauerlicher A., bedeutende, bewegte, bedenkliche, unangenehme, bedrängte, überdrängteste, unsicherste, gefährlichste, schlimme, schlimmste, traurige, schreckliche A-e [
G im schles Feldlager; nach der Konferenz von Reichenbach, die eine militär Auseinandersetzung zw Preußen u Österr verhinderte] Schlesien ist ein sehr interessantes Land, und der A. ist interessant genug GWBB9,219,25 Herder 21.8.90 [
während der Belagerung von Mainz] Leider hat man dem Herzog auch glauben gemacht es sey schön und löblich das Auserordentliche des A-s durch neue Schulden zu prästiren und im alten Schlender fortzugehen GWBB10,95,10 Voigt 10.7.93 [
wohl im Hinblick auf den österr-frz Krieg von 1809] Der prägnante A. giebt uns andern solche otia, und warum sollen wir sie nicht zu heitern Späßen anwenden, da eine ernsthafte Betrachtung auch weiter nichts fruchten würde GWBB21,79,8 Voigt 25.9.09 Gesellschaft seh ich fast gar nicht, sie sind alle im A. ersoffen und quälen sich von Morgen zu Abend mit widersprechenden Neuigkeiten [
üb die Kämpfe der Verbündeten gegen die napoleon Armeen; am 4. 6. war ein Waffenstillstand vereinbart worden] GWBB23,361,2 Christiane [6.]6.13 Beschreibung des in der Zeitgeschichte so wichtigen A-s [
Schlacht bei Hanau 30.10.13] GWBB24,137,5 Leonhard 8.2.14 [
wohl mBez auf die revolutionären Unruhen des Jahres 1830] ist eigentlich die geist- und herzlose Behandlung der Geschäfte im Friedenszustande und der völlige Unbegriff der A-e Schuld an allem Unheil GWBTgb 8.10.30 Geist des A-s GWBB29,229,16 Weller 8.7.18
uö prägnant iWdgn wie ‘in diesen A-en’ will ich dießmal nur noch den Glückstern segnen, der sich, in diesen A-en, über Ihnen und Ihrem würdigen Herrn Bruder so glänzend hervorhebt
12) GWBB47,305,19 WHumboldt 19.10.30 daß die längere Dauer des Wiener Congresses .. einen ungünstigen Einfluß hat .. daß man nicht wagt sie auf wissenschaftliche Dinge .. in diesem A-e aufmerksam zu machen .. es ist in dem A-e, weder bey Fürsten noch Ministern, die rechte Stunde GWBB25,137,8u11 Cramer 8.1.15 K [
mBez auf die neusten, für Sachsen-Weim ungünstigen Landverteilungspläne des Wiener Kongresses] des [
herzogl] Hauses .. welches in diesem A-e zwischen Seyn und Nichtseyn schwankt GWBB25,195,7 Voigt 17.2.15
uö e
für eine kulturelle Situation als aktuelle Gegenwart od als hist prägnante Phase, häufig pejor für künstler u wiss Tagesmoden u gerade geltende Lehrmeinungen [
mBez auf G-s polit Komödien, zunächst ‘Die Aufgeregten’] Ich werde selbst einige Stücke schreiben, mich darinne eingermaßen dem Geschmack des A-s nähern GWBB9,263,25 Reichardt 30.5.91 wünscht er [
der Autor] daß seine Zeit nicht stumm gegen ihn bleibe. Ich habe mich bei ästhetischen Arbeiten über den A. nicht zu beklagen GWBN6,158,8 MetamPfl Nachtr Die Jahre meines Lebens die ich, der Naturwissenschaft ergeben, einsam zubringen mußte, weil ich mit dem A. in Widerwärtigkeit stand, kommen mir nun höchlich zu Gute da ich mich jetzt mit der Gegenwart [mit der Gegenwart < im A.
K] in Einstimmung fühle GWBB29,99,11 Carus 23.3.18 [
üb Francis Bacon, 1561—1626] Conflict mit der Gegenwart. .. wo die Medicin .. selbst die Technik sich noch gern ins Geheimniß hüllt, in welchem Sinne denn sein entgegengesetztes Bestreben aus dem A-e zu erklären ist GWBN5
2,261,5 FlH IV Plp [
üb die Ausstellung der Preisaufgabenbilder 1800] daß sie von lauter gleichzeitigen Menschen, in dem A. und für den A. gearbeitet war. Man wurde dadurch sowohl von dem gegenwärtigen Zustand der Kunst .. als auch durch Hoffnungen .. vergnügt, die man für die Zukunft fassen konnte GWBB15,136,8f Knebel 3.11.00 [
zu einer Sendung von Kupferstichen des Berliner Vereins für Kunstfreunde] was kann endlich interessanter seyn als zu erfahren, wie sich in den letzten A-en die Kunst im Vaterlande bildet GWBB49,192,1 Beuth [4.1.32] Solche Hoffnungen .. machen .. gegen die Fratze des A-s tolerant [
gegen die romant Kunst] GWBB21,395,10 Reinhard 7.10.10 [
üb Berliner Theaterkritik] Schonung überhaupt demjenigen nöthig, der öffentlich über den A. urtheilen und wahrhaft wirken will. Denn er darf ja das Gegenwärtige nicht gewaltsam zerstören GWB40,414,9 Wunsch freundlBegehren Plp Sinn und Gefühl des A-s ausdrücken GWB41
1,127,10 Urteilsworte frzKrit 1817 Mode des A-s GWB40,8,9 WeimTheatsaal 1798
uö 5
ästh: der dargestellte Augenblick (iZshg mit der im 18. Jh diskutierten Theorie vom ‘schicklichen, fruchtbaren, prägnanten A.’, bes in krit Auseinandersetzung mit Lessings Laokoon-These vom intransitor Charakter der bildKunst;13) als ‘bedeutender A.’ vereinzelt auch musikal; zum poetolog Gebrauch s sv Moment u Zeitpunkt) die Darstellung des Moments .. muß ein vorübergehender Moment gewählt sein .. wie sie [
die Laokoongruppe] jetzt dasteht, ist sie ein fixirter Blitz, eine Welle, versteinert im A-e da sie gegen das Ufer anströmt GWB47,107,20 Laokoon Bleibt alsdann bei einem solchen Übergange noch die deutliche Spur vom vorhergehenden Zustande .. Streben und Leiden in einem A. vereinigt GWB47,110,28 Laokoon der Gipfel des vorgestellten A-s als ein großer Vorzug dieses Kunstwerks GWB47,113,6 Laokoon [
üb Wv-Illustrationen der Karlsruher Malerin u Graphikerin SReinhard] sie denkt falsch .. hole der Teufel das junge künstlerische Mädchen, das mir die heilige Ottilie schwanger aufs Paradebett legt .. Das todte .. Kind gen Himmel zu heben, das war der A. der gefaßt werden mußte GWBB21,250,11 Meyer 27.4.10 [
üb Ternites Durchzeichnungen pompejan Wandbilder] Hier nun das Wundersamste des Alterthums .. die Gesundheit nämlich des Moments und was diese werth ist. .. diese Gestalten geben uns das Gefühl: der A. müsse prägnant und sich selbst genug seyn um ein würdiger Einschnitt in Zeit und Ewigkeit zu werden GWBB46,111,16 Zelter 19.10.29 GWB49
1,119,22 Philostrat GWB47,247,8 Vorteile jgMalers bBildhauer
uö daß Ihr Chorgesang [
zu Götz3 IV 4: Trauung von Maria u Sickingen] .. den bedeutenden A. recht zweckmäßig hervorgehoben habe GWBB17,202,8 Zelter 24.9.04 6
als Zeitpunkt od für eine kurze Phase mit Betonung des Momentanen a
Augenblick des Entstehens, des Werdens, mehrf der Augenblick der Solideszenz Den A. der Solidescenz hat man als höchst bedeutend zu betrachten. Solidescenz ist der letzte Act des Werdens, aus dem Flüssigen durch’s Weiche zum Festen hingeführt, das Gewordene abgeschlossen darstellend GWBN9,241,12 GebirgsGestaltg Ein geringer Umstand macht sie [
die Milch] entschieden gerinnen .. A-e des Werdens dieser Art finden wir in dem Mineralreich mehr als gewöhnlich gedacht wird GWBN10,83,9 Gerinnen Stufenfolge des Pflanzen-Wachsthums .. richten wir unsere Aufmerksamkeit sogleich in dem A-e auf die Pflanze, wo sie sich aus dem Samenkorn entwickelt GWBN6,29,4 MetamPfl 10 Der lebendige Begriff von der bildenden Nachahmung des Schönen kann nur im Gefühl der thätigen Kraft, die das Werk hervorbringt, im ersten A. der Entstehung stattfinden GWB47,87,9 Moritz,Nachahmg dSchönen
uö b
Höhepunkt, Phase der Vollendung die ganze Kunst als ein Lebendiges (ζωον) anzusehen, das einen unmerklichen Ursprung, einen langsamen Wachsthum, einen glänzenden A. seiner Vollendung, eine stufenfällige Abnahme, wie jedes andre organische Wesen .. darstellen muß GWB46,41,13 Winckelm das letzte Product der sich immer steigernden Natur ist der schöne Mensch .. selbst ihrer Allmacht ist es unmöglich .. dem hervorgebrachten Schönen eine Dauer zu geben. Denn genau genommen kann man sagen, es sei nur ein A., in welchem der schöne Mensch schön sei GWB46,29,2 Winckelm Nur äußerst kurze Zeit kann der menschliche Körper schön genannt werden .. Der A. der Pubertät ist .. der A., in welchem die Gestalt der höchsten Schönheit fähig ist; aber man darf wohl sagen: es ist nur ein A.! GWB45,268,13fu16 Diderot,Malerei Anm G-s In der Komödie sehen wir eine Heirath als das letzte Ziel eines durch die Hindernisse mehrerer Acte verschobenen Wunsches, und im A., da es erreicht ist, fällt der Vorhang GWB20,111,23 Wv I 10 der große Tempel von Selinus .. die zerstörende Ehrsucht eines benachbarten Staats stürzte ihn nieder in dem A. [
moment] seiner Vollendung GWB46,183,11 HackertTgbKnight
uö c
sehr häufig iWdgn für die Angabe von Zeitpunkt (α) u Zeitspanne (β) α
‘im, in dem, in diesem, in jenem, in demselbigen, in demselben, in eben dem, gerade in diesem A.’, ‘den A.’ uä: zu diesem Zeitpunkt, jetzt In diesem A. schlug die Schloßglocke Zwölf GWB20,127,11 Wv I 11 eine Lücke im Dach, und einer der schönsten Sterne des Himmels war in jenem A. durch meinen Meridian gegangen GWB31,156,24 ItR Die Stallknechte sind im höchsten Grade gespannt .. weil in dem A-e des Abrennens die Geschicklichkeit des Loslassenden .. zum Vortheile des einen oder des andern Pferdes entscheiden können GWB32,257,21 ItR RömKarn [
Marktschreier:] Meine Damen und Herrn | Sähen wohl gern | ’s treffliche Trauerstück; | Und diesen A. | Wird sich der Vorhang heben GWB16,19 JahrmPlund
2 223 [
Faust in Gretchens Zimmer:] fühle mich in Liebestraum zerfließen! | .. Und träte sie den A. herein, | Wie würdest du für deinen Frevel büßen! GWBFaust I 2725 GWB33,15,11 Camp
uö ‘jeden, in jedem A.’: zu jeder Zeit er [
Homunc] wisse nämlich in jedem A. [< jeden A.] anzugeben was seit Adams Bildung bey gleicher Sonn- Mond- Erd- und Planetenstellung unter Menschen vorgegangen sey GWB15
2,201,83 Faust II Plp
uö ‘von A. zu A.’ der fleißigste Mahler müsse seine Werkstatt wie eine Windmühle beweglich anlegen, da er denn .. dem guten Licht von A. zu A. folgen könne GWBN5
1,311,16 EntoptFarb 40
uö ‘in demselben A.’: gleichzeitig was zugleich das allerhöchste Schaffende und in demselben A-e ein vollkommenes Nichts ist GWBN3,271,11 FlH V IntentFarb
uö ‘im, in dem, in einem A.’, ‘den A.’: sogleich, sofort; auf einmal; spontan Auf einmal .. heftig bricht er aus: | .. Dann soll geschehn, was er sich denken mag; | In einem A-e soll entstehn, | Was Jahre lang bereitet werden sollte, | In einem A. gehoben sein, | Was Mühe kaum in Jahren lösen könnte Tasso 2129u2131 daß nur gegen mich | Sich jeglicher verändert .. sich leicht verändert | Durch einen Hauch, in einem A. Tasso 2779 wie fast durch ganz Flandern in Einem A-e die ungeheure Verschwörung sich erklärt und ausgeführt ist GWB8,185,21 Egm I [
Wagner, bei der Entstehung des Homunc:] Und was sie sonst organisiren ließ, | Das lassen wir krystallisieren. | .. Es steigt, es blitzt, es häuft sich an, | Im A. ist es gethan GWBFaust II 6866 Ein solches Aperçu .. bedarf keiner Zeitfolge zur Überzeugung: es entspringt ganz und vollendet im A. GWB29,29,5 DuW 16
uö β
‘einen, für einen, auf einen, nur einen A.’, ‘auf A-e’: für kurze Zeit; ‘allen, jeden A.’, ‘alle A-e’: ständig, immer; ‘keinen A.’: niemals [
die sterbende Aurelie zu Wilh:] daß Sie durch wenige Worte meine Leiden an dem Ungetreuen rächen wollen. .. wenigstens soll ihn mein Tod einen A. schmerzen GWB22,253,18 Lj V 16 Ist es möglich, so sprechen Sie auf einige A-e [Zeit GWBB48,250,1 R] bey mir ein GWBB48,361 Soret 20.6.31 K wie das Wasser, wenn ein Schiff durchfährt, sich nur einen A. trennt und hinter dem Steuerruder gleich wieder zusammenstürzt GWB32,245,13 ItR [
Hersilie belohnt den Liebesboten] der .. sich tief verneigend einen A. zauderte, daß ich eben noch Zeit hatte ihm mein Beutelchen in die Hand zu drücken GWB25
1,36,10 Wj II 10 [
mBez auf Lavaters ‘Pontius Pilatus’] Er bildet sich ein, ein besserer Kriste als Klopstock zu seyn, und doch klopstöckelt er allen A. GWBB5,300,6 ChStein 6.[4.82] sie [
die Schlange] fürchtete jeden A., die Sonne werde untergehen GWB18,256,13 Märchen
uö mehrf iWdgn wie ‘keinen A. verlieren, versäumen’, ‘keinen A. rasten’ Wollen wir keinen A. verlieren, | Will euch noch heut in ihr Zimmer führen GWBFaust I 2665 GWB25
2,28 Wj[nur 1821]
uö → GWB
Lebensaugenblick GWB
Schreckens- GWB
Zeit- vgl GWB
Epoche GWB
Frist GWB
heute(das H.) Minute Moment Nu Sekunde Stunde Tag Zeitpunkt Zeit Zeitraum zu 6 GWB
Augenwink zu 6 b GWB
ἀκμή 1) vgl auch die auf Materialien des GWb beruhende Zusammenstellung ‘Zu den Begriffen Augenblick — Moment — Stunde’ in: Schadewaldt, Goethestudien, 1963,433—446 2) nach WA “natürlich nur Gedankenlosigkeit des Schreibers”, s dagegen Schadewaldt, aa0 500 3) ESchmidt, JA14,396, zu der Wdg ‘höchster A.’: “d. h. in der letzten Krise, auf dem äußersten Daseinsgipfel” 4) zur Hegel-Beziehung vgl die Interpretation dieser Stelle bei HMayer, Goethe, 1973,154ff 5) ESchmidt in JA14,384: “‘Hohen’: kritischen”; G-s Faust, ed Witkowski, 102,384: “bedeutungsvollen”; ThFriedrich u LJScheithauer, Komm zu G-s Faust, 1959,286: “entscheidend” 6) Dazu Riemers Anm in Briefw 6,128: “Nach dem Griechischen Sprüchwort: ἐπὶ ξυροῦ ἀκμῆς
”, doch meint die Wdg ‘es steht auf des Messers Schneide’, wie sie zB bei Homer, Ilias 10,173 u Herodot 6,11 gebraucht wird, den zugespitzten Moment der Entscheidung, nicht wie hier, mBez auf die Bühnenwirkung, die absolute Präsenzzeit. Üb die griech Redensart s den Komm von Wilamowitz-Moellendorff zu Euripides, Herakles, 2 1,(1895),142. Zum Rasiermesser als Attribut des Kairos s EPanofsky, Father Time. In: Studies in Iconology, 1962,72 7) als Beilage von Zelter erbetene Deutung eines Kupferstichs der Diana Ghisi, eigentl Scultor (gest um 1588), nach einer Giulio Romano zugeschriebenen Zeichnung mit der Klage des Kephalos um die tote Prokris 8) s Komm Staiger in: Goethe, Gedichte, 2,383 u Trunz, HA18,
708f; Urzidil, G in Böhmen, 1962,173f, sieht G-s Gebrauch der Wdg ‘Gunst des Augenblicks’ in der ‘Elegie’ von 1823 veranlaßt durch die Lektüre von Schillers ‘Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs’ 1822 in Eger, doch die dort Anfang des 3. Buches gebrauchte Wdg bezieht sich auf die Ausnutzung der takt u polit Lage durch Gustav Adolf nach seinem Sieg üb Tilly bei Breitenfeld, sie enthält nicht die für G wesentliche Spannung zw Prozeß u Dasein, zw Geschichte mit dem trag Aspekt der Vergänglichkeit (vgl auch die Zeitmetaphern des Kontextes: ‘Tag’, ‘Minuten’, ‘Stunden’, ‘Momente’) u der naiven, kindergleichen Existenzform reiner Gegenwart 9) in einem Schema: günstiger Moment GWB15
2,190,23 Faust II Plp
10) nach Beaumarchais in Übs JGJacobis (“und der Augenblick, dessen ich genieße”; im Original: “et le moment où j’en jouis”), s JA1,325f 11) Vgl Wichtiger ist der Moment in Absicht auf den Entschluß .. Noch besteht das [
Univ-] Consilium aus Gliedern, mit denen ich persönlich in gutem Verhältnisse stehe .. Alle Umstände treffen so schön zusammen GWBB16,13 Voigt 19.1.02
12) WHumboldt, 1819 aus Protest gegen die restaurative Politik aus der preuß Regierung ausgeschieden, war 1830 wieder in den polit allerdings bedeutungslosen Staatsrat berufen worden. Als Vorsitzender der Kommission für die Einrichtung des staatl Museums erhielt er anläßlich der Eröffnung des Schinkel-Baus am 3.8.30 den Schwarzen Adlerorden. AHumboldt war zum Abschluß seiner russ Forschungsreise vom Zaren der St. Annen-Orden 1. Klasse verliehen worden; am 28.9.30 ging er als Sondergesandter nach Paris, um der Verständigung Preußens mit dem Juli-Königtum zu dienen. ‘Glückstern’ möglicherweise auch Anspielung auf das in antiken Darstellungen (Münzbilder) übliche Sternsymbol über den Köpfen der Dioskuren (vgl dazu die Gebrüder von Humboldt, die mir schon oft als Dioskuren auf meinem Lebenswege geleuchtet GWBN8,131,14 ZwKnoch [1819])
13) zur G-schen Gegenposition vgl HKeller, G u das Laokoon-Problem, 1935, bes S71ffHorst Umbach H. U.