aufblasen ,
inflare, sufflare, in die höhe blasen, anfachen, schwellen machen. nnl. opblazen. 11)
sinnlich. federn aufblasen: bis an (
sei an) und wandere immer zum thor hinaus, wenn du naus kommst, so nimm drei federn in die hand und blas sie auf in die höhe, die eine wird fliegen über die stadtmauer, die andere wird fliegen über das wasser, die dritte wird fliegen gleichaus, welcher wilstu nachfolgen?
grusz der schmiedegesellen. man sagt: ich weisz nicht wohin aus ich meine feder aufblasen soll. feuer aufblasen,
erst wird angeblasen,
dann aufgeblasen,
bis es hoch steigt: es wird in ein fewr verzeren, das nicht aufgeblasen ist.
Hiob 20, 26; der schmid so die kolen im fewr aufbleset.
Es. 54, 16; ich wil das fewr meines grimmes uber dich aufblasen.
Ez. 21, 31; wie man silber, erz, eisen, blei zusamen thut im ofen, das man ein fewr drunder aufblase. 22, 20; also lustig und artlich, als ob die h. kirch ihr fegfeur daher aufgeplasen, angeschiret und geholt hab. Fischart
bienenk. 111
b; derwegen solchen mut nicht under der aschen erstöcket (
erstickt) ligen zu lassen, sondern mit dem blasbalg strenger anmanung mehr aufzublasen.
Garg. 173
a; die guten tropfen besehen, die das feuer im Vesuvio aufblasen. 221
b; als wolten wir dem teufel das fewr aufblasen. 250
a; der dis fewr aufgeblasen. 270
a; bei welchem feuer auch die unholden mit holzanlegen und aufblasen geschäftig waren. Lohenst.
Arm. 2, 1430; der kaiser war so erbittert, dasz er auf anstiften einiger personen, die das feuer beständig aufbliesen, Henrico Leoni sehr aufsätzig wurde. Hahn 4, 25; sie bläst der rache feuer in ihm auf. Göthe 9, 47; Selinde weil sie selbst mein feuer aufgeblasen. Uz 2, 87; in seinem busen glüht längst ein stilles, eingeschlossenes wildes feuer der grenzenlosen herschbegierde, Ebu Amru blies es nun zu flammen auf. Klinger 7, 107. ein eben erloschnes licht wieder aufblasen; bläst vielmehr auf der tugend licht. Lohenst.
Arm. 2, 1426.
unter den spielen nennt Fischart
eins no 229 kolen aufblasen.
Sehr oft das horn, die trompete aufblasen,
zum heerzug, zum aufbruch der krieger, zur jagd, auch mit weglassung der accusative, die sich von selbst verstehn: drumb blies man auf und ordnet den zeug. Luther 3, 129
b; werdn uns die thor langsam aufblasen. H. Sachs III. 1, 26; geh, heisz aufblasen dem hofgesind. III. 2, 121
c; blas auf! da kommens mit gefär, lerman, lerman, her her her her! III. 1, 60
a; man hat schon aufblasen und umbgeschlagen. III. 1, 120
b,
die pauken, trommeln geschlagen; zu hand die trommeter aufblasen theten.
Galmy 323; der herzog von stund an eine stille aufblasen liesz. 324; dasz man diesen werbern zum pott (
zur schüssel, zur mahlzeit) aufplies.
Garg. 152
a,
wie wir heute sagen zur tafel, zum tanz aufblasen; hört, wie die hinterposaun so schön zu haufen aufplaset. 137
b; trommeter blas auf! 227
a; ein alter gaul regt die ohren, wann er hört aufblasen. 259
b; drumb solt ir in allen gassen lermen schlagen und aufblasen. Ayrer 152
c; dasz ich ihm zu teutsch singen und wie andere reuterjungen aufblasen muste.
Simpl. 1, 162; hurtig bruder, frisch, lasz aufblasen! vorm thor vor Pfälzel erwart ich dich. Fr. Müller 3, 10.
an dies zum kampf, zum sturm aufblasen
schlieszt sich ein aufblasen,
erregen des sturms, es heiszt stürme aufblasen,
aufbeschwören, aus der ecke, woher der wind weht, heran rufen: ich weisz, dasz ihr es versteht stürme aufzublasen, doch wenn sie nun drohend daherrauschen, sucht ihr euch schnell die winkel, die euch bergen mö
gen. Klinger 2, 338; ich sehe in dem fernen norden einen wirbel von dem schneegebirge herfahren, er sauset in diese stille, bläst sie zum wütenden sturme auf. 7, 140;
intransitiv: da bläst das segel auf, da kommt ein schif in noth, wann ihn (
den wind) der Eolus aus seiner weiten hölen herfür läszt. Opitz 1, 38. schnauben und hochmütig die backen aufblasen: blies die backen so grosz auf, dasz man geschworen hätte, er wäre ein doctor. Weise
erzn. 235; sollten sie den kleinen mann nicht kennen? er bläset immer die backen auf. Lessing 1, 255; athmen und den busen aufblasen;
auch von vögeln, die ihre federn aufblasen,
zumal der eule, dem welschen hahn und dem schwan, der auf dem wasser fährt und die federn aufbläst. aufgeblasene hosen.
Garg. 157
a,
weite, bauschende; befleisze dich auch, dasz du den schaden, da du ihn aufschneiden wilt, hoch aufblasend machest. Würtz
wundarzn. 279; hofleute, welche (
durch schmeichelei) fürsten, wie köchinnen tauben aufblasen. J. Paul
Fibel 144; die metzger blasen fleisch und braten auf,
um ihnen mehr ansehen zu geben; man hat jetzt aufgeblasnen zucker, der ist zwar süsz, ist aber leichte, wie, wann des hofes süsze zunge gar selten etwas ernst erreichte. Logau 3.
zug. 67. 22)
figürlich, zumeist vom aufblasen des feuers
und der backen
entnommen. auf das sich nicht einer wider den andern umb jemands willen aufblase.
1 Cor. 4, 6; das wissen bläset auf (
s.aufblähen), aber die liebe bessert. 8, 1; auf das er sich nicht aufblase.
1 Tim. 3, 6; es hilft nicht, das man wil aufblasen (
zum kampf? zur mahlzeit?), es hab ein guten anfang und sei ein gut werk. Luther 1, 305
b; das (Carlstad) die geringsten stücke so aufbleset, als lege der welt seligkeit mehr dran, denn an Christo selbs. 3, 37
b; es gehet on euszerliche wort nicht zu, welches der heilige geist wol weisz im herzen zu erinnern und aufzublasen, obs gleich für zehen jaren gehöret wäre. 5, 50
b; im sterben oder im todbette, da ist er (
der teufel) ein meister mit sünden aufblasen und gottes zorn anzeigen. 5, 60
b; der teufel kan einem herzen den tod so gewaltig fürbilden, nicht schlecht wie ein mensch daher sagen, du wirst verbrennet, ertrenket, sondern kann es aufblasen, wie ein schrecklich, greuwlich, ewig ding der tod sei. 5, 63
a; kanstu nun aus dem evangelio aufblasen kindlichen ungehorsam, so kan man widerumb daraus aufblasen deinen unveterlichen frevel. 5, 252
b; es ist am tage, das sie Christus blut und gottes gnaden nicht gepreiset noch geleret, sondern allein des bapsts gewalt damit aufgeblasen haben. 5, 220
b; ja sie haben ire lügen noch weiter aufgeblasen. 6, 28
a; wie sie es denn haben können grosz aufblasen. 8, 266
b; so hat sich gemeiniglich mit diesem capitel niemand so fast aufgeblasen als eben dieselben. Luthers
br. 2, 364; darein dann die weiber mit schönen wackensteinen zuwurfen und mit herben schmechworten aufbliesen (
musicierten).
Garg. 195
b; die lieben ehemänner bliesen sich von dem lobe auf, welches ihre weiber erhielten und verdienten. Möser
patr. ph. 1, 133; diese leidenschaft ists, die uns aufblasen wird zum brand. Göthe
an Auguste Stolberg 7; die eitelkeit jemandes aufblasen. Klinger 10, 104.
Häufig steht das part. aufgeblasen
von übermütigen, innerlich leeren menschen, vom frosch der fabel. schon Ulfilas
1 Cor. 4, 6 ei ains faur ainana ana anþarana ufblêsans ni sijai (
infletur),
wiewol ufblêsans
dem aufgeblasen
nicht genau entspricht, sufflatus, nicht inflatus meint. aufgeblasen =
stolz. Er. Alberus
gespräch vom interim. 1548. E 1
a; ein feister, dicker, aufgeblasener cardinal. Frey
garteng. 63; der aufgeblasene geselle. Schweinichen 3, 102; ein solcher aufgeblasener mann. 3, 116; keiner hat jemals etwas in der ersten visite bei diesem aufgeblasenen mann erhalten.
gespenst 347; als ob Plato an dem syrakusischen hofe vielmehr die rolle eines aufgeblasenen pedanten gespielt habe. Wieland 2, 274; er ist von seinem glück aufgeblasen; unversuchten stolzen kriegern aufgeblasnen federsiegern. Lessing 1, 77; so dasz der arme mensch zuletzt aufgeblasen, ja beinahe verrückt wurde. Göthe 18, 296; ein aufgeblasener mensch kann sehr schwindsüchtig aussehn. Lichtenberg 1, 218; ihr habt mit nichts weniger als einem aufgeblasenen manne zu thun. J. Paul
Tit. 2, 36. aufgeblasene worte; ich weisz noch zeit und ort, an dem ich auch ertrug das aufgeblasne dräuen. Opitz 1, 218.
s. aufgeblasen.