1 Äther Auch Ae-. Überwiegend poet, häufig in Versdichtungen, von 66 Belegen 11 in Faust (davon 9 in Faust II); bes die Wolken- u Lichtsymbolik des Spätwerks nimmt auch natwiss, vor allem meteorolog motivierten Gebrauch in sich auf. Die Bedeutungsentfaltung folgt dem Wortgebrauch in der antiken Dichtung (der Himmel als Reich des Lichts, der Sonne, der Götter, der Seligen), dagegen wirkt die griech Sphärentheorie kaum nach (Äther iGz Aer als die Himmelssphäre mit den Gestirnen üb der Erdatmosphäre, auch üb den Wolken, bzw die obere, feinere Luft gegenüber der wassergeschwängerten dichteren Luft darunter), ebensowenig die stoische Auffassung vom Äther als der alles durchdringenden Lebenswärme od die aristotelische als Quintessenz. Moderne natwiss Äthertheorien vornehmlich nur referierend 1 der weite, hohe Himmel, charakterisiert durch die Attr rein, klar, glänzend, blau, hoch, frei; auch: Wolken tragend, blitzdurchflammt a bes die obere Himmelsregion Stünde die Sonne im Zenith, im reinen blauen Ä. GWBN51,252,3 EntoptFarb Denn steht das Trübste vor der Sonne, | Da siehst die herrlichste Purpur-Wonne. | .. Ist endlich der Ä. rein und klar, | Ist das Licht weiß, wie es anfangs war GWB2,219 GottGemüt Welt 95 ungünstige Witterung die uns so oft den Glanzraum des Ä-s verbirgt GWB24,180,24 Wj I 10 Wenn der Ä., Wolken tragend1), | Mit dem klaren Tage streitet GWB4,109 Früh wenn 5 in dem blitzdurchflammten Ä. GWB131,28 Vorsp EröffnWeimTheat 1807 Vs 81 Nur umsonst verklärst du mit deinem Lichte den Ä.; | Dein allleuchtender Tag, Phöbus, mir ist er verhaßt GWB1,265 AlexisDora 19 [Chor der Engel:] Worte die wahren, | Ä. im Klaren, | Ewigen Schaaren | Überall Tag2) GWBFaust II 11732 Wie leicht .. | Schwebt, Seraph gleich, aus ernster Wolken Chor, | Als glich’ es ihr, am blauen Ä. droben, | Ein schlank Gebild aus lichtem Duft empor GWB3,22 TrilogLeid:Elegie 39 Was sich an den Boden hielt, | Was den Ä. nicht erreicht, | Seht, wie es empor sich schwenkte [Nymphe, auf einer schwebenden Rankenarabeske3)] GWB3,126 TischbeinsIdyllen 11 [Euph:] Nun laß mich springen, | Zum höchsten Aet [sic! Text: Zu allen Lüften GWBFaust II 9713] | Hinauf zu dringen | Ist mir Begierde GWB152,124 Var [Faust vor der Giftphiole] Ein Feuerwagen schwebt, auf leichten Schwingen, | An mich heran! Ich fühle mich bereit | Auf neuer Bahn den Ä. zu durchdringen GWBFaust I 704 GWBFaust II 9660 ebd 9953 uö die Luft der Ätherregion der Arm [des Atlas] .. welcher die himmlischen Kreise stützt. Was aber in diesen sich bewegt, ist nicht körperlich gemahlt, sondern als in Ä. [αἰθέρι] schwimmend .. auch Winde blasen .. wie es sich in der Atmosphäre [οὐρανῷ] begeben mag GWB491,123,4 Philostrat [im Olymp] Wehen des Ä-s | Drang aus den Weiten hervor, Kronions Nähe verkündend Achilleis 135 Von Berges Luft, dem Ä. gleich zu achten, | Umweht, auf Gipfelfels hochwaldiger Schlünde GWB4,15 Vs 1 gelinde Lüfte kühlten den erwärmten Ä. GWB251,296,4 Wj III 18 [üb die Fata Morgana] Da schwanken Städte hin und wider, | Da steigen Gärten auf und nieder, | Wie Bild um Bild den Ä. bricht GWBFaust II 10592 uö auch für den nächtl Himmel Werde Nacht und Ä. klar, | Und der ew’gen Sterne Schaar | Deute dir belebte Stunden GWB3,65 Trauerloge 10 als Element der idealen, klass Landschaft [Genius deutet die Landschaftsbilder auf den von zwei Knaben getragenen ‘Reisetafeln’:] Flüsse blinken, Städte prunken, | Wie das Licht den Ä. schwellt, | Kreis’ auf Kreise, Funk- aus Funken, | Und die Welt ist erst die Welt GWBMaskenz 1818 Prol 10 Ein weiser Glanz ruht über Land und Meer | Und duftend schwebt der Aether ohne Wolcken4) GWB10,423 Nausikaa Plp Seht nur das Wölkchen wie es spielt, | Und sich im reinen Ä. kühlt GWB3,136 Landschaft 6 GWBFaust II 10010 in emblemat Zshg [zu einem Bild ‘Adler, mit einer Leier nach oben strebend’] Sollen immer unsre Lieder | Nach dem höchsten Ä. dringen? GWB4,132 Vs 2 Der Ä. klärt sich blau und bläuer, | Da schwebt sie ja die goldne Leyer, | Komm alte Freundin, komm an’s Herz GWB51,129 ZXenNachl 647 Korr 52,331 b umfassender für den gesamten Luftraum [Zweiter Vogel:] Zwischen Himmel und Erde? .. [Treufreund:] Seht ihr nicht den ungeheuern Raum, ausgebreiteter als das Oben und Unten, das unermeßliche Land, das an alles gränzt, diesen luftig wäss’rigen See, der alles umgibt, diesen ätherischen Wohnplatz, dieses mittelweltische Reich? .. Die Luft mein’ ich .. Hier ist .. eine Stadt zu gründen; mit einer festen Mauer den ganzen Ä. zu umgeben GWB17,110,22 Vögel c Wohnsitz der Götter [Fama, gegenüber Jupiter den Herkules preisend:] Schaut er nach dem Olymp, so glaubst du, er schaue nach deinen | Mächtigen Knieen; vergib! nur in den Ä. nach mir | Blickt der würdigste Mann GWB1,258 RömEleg XIX 404 Aber die Horen indeß, zum Ä. strebend, erreichten | Zeus Kronions heiliges Haus Achilleis 67 Götter und Halbgötter, wie sie den klaren Ä., den glanzreichen Boden Griechenlands und Italiens bevölkerten GWB412,204,4 Rez:Stapfer,Goethe [üb röm Religion iGz griech] so verdüsterte der Flammenqualm des Orcus den olympischen Ä., und die stygische Gorgone löschte die sämmtlichen reinen ruhigen Götterbilder aus GWB411,363,9 Rez:Knebel,Lukrez ähnl Der Sonne herrlich Licht, des Ä-s freier Raum, | Dort wohnt das Ewige, das Wahre GWB16,387 Requiem frohstenManne 47 d Ort der Seligen; Ort der ewig fortwirkenden Entelechien [Pater Seraphicus zu den Seligen Knaben:] Steigt hinan zu höherm Kreise, | .. Denn das ist der Geister Nahrung | Die im freisten Ä. waltet, | Ewigen Liebens Offenbarung | Die zur Seligkeit entfaltet GWBFaust II 11923 [auf Zelters Nachricht vom Tod seines Sohnes] Wirken wir fort bis wir .. vom Weltgeist berufen in den Ä. zurückkehren! GWBB42,95,4 Zelter 19.3.27 [Briefschluß] Empfohlen den besten Geistern im Aether und auf Erden!5) GWBB48,187,26 Zelter 24.4.31 e der reine, morgenklare Himmel6) des Ostens für die ursprüngl Kultur des Orients vgl Patriarchenluft so war ein fremder Hauch nicht unwillkommen, der, dem Ostwind vergleichbar, abkühlend erfrischte und zugleich uns der herrlichen Sonne, des reinen blauen Ä-s genießen ließe GWB411,373,4 Rez: Rückert,ÖstlRosen f der heitere Glanz des Himmels als Aura, Fluidum einer Person sa Atmosphäre 2 O wie fühl’ ich in Rom mich so froh! gedenk’ ich der Zeiten, | Da mich ein graulicher Tag hinten im Norden umfing, | .. Nun umleuchtet der Glanz des helleren Ä-s die Stirne; | Phöbus rufet, der Gott, Formen und Farben hervor GWB1,242 RömEleg VII 153 [üb Friederike] die Anmuth ihres Betragens schien mit der beblümten Erde, und die unverwüstliche Heiterkeit ihres Antlitzes mit dem blauen Himmel zu wetteifern. Diesen erquicklichen Ä., der sie umgab, brachte sie auch mit nach Hause GWB28,15,26 DuW 11 g Himmelsluft, dem Nektar ähnl7) [Doctor Marianus:] Höchste Herrscherin der Welt! | Lasse mich, im blauen | Ausgespannten Himmelszelt, | Dein Geheimniß schauen. | .. Um sie verschlingen | Sich leichte Wölkchen, | Sind Büßerinnen, | Ein zartes Völkchen, | Um Ihre Kniee | Den Ä. schlürfend, | Gnade bedürfend GWBFaust II 12018 [Aurelie, die Wilh als Paradiesvogel bezeichnet hat:] Man sagt, sie hätten keine Füße, sie schwebten in der Luft, und nährten sich vom Ä. GWB22,195,23 Lj V 10 2 metaphor: für einen Lebens- u Wirkungsraum [Muse:] So Alte, so Junge sind alle geladen | In unserem Ä. sich munter zu baden GWB131,126 ProlEröffnBlnTheat 1821 Vs 273 Möge Deutschlands Horizont sich immer mehr aufhellen, und der gereinigte Ä. .. die Lust erregen, sich wieder .. das Gute mitzutheilen .. Gern würde ich der trüben, isolirenden Zeiten vergessen GWBB25,173,4 Jacobs 23.1.15 K 3 wiss a kosmolog: Urmaterie als Verdichtung des Raumes u Basis stoffl Differenzierung Der Ä. den die Astronomen als die Raumsystole annehmen, welche schon in dem Grade materiel ist daß sie die sich in ihm bewegenden Körper verbinden kann, enthält die uranfängliche Identität welche sich in dem Ä. bildet zum Differiren geneigt, als Grund und Kopula aller übrigen Differenzen gesehen werden kann. Die Differenz die sich aus ihm entwickelt ist das was wir Elecktrische Erscheinung nennen, welche in einem augenblicklichen Trennen und Verbindung besteht GWBN13,472,9u128) Raum. Raumerfüllung: Materie. Unendlich mannichfaltige Raumerfüllung durch Wirksamkeiten und Materialitäten. Ä. Licht. Magnetismus. Elektricität GWBN11,211,23 PhysikalVorträge Ew. Hochwohlgeboren Bemühungen, uns den Ä. näher kennen zu lehren, sind auch mir von dem größten Werthe. So hätten wir denn endlich eine erste Materie, welche, durch das Differenzieren ihrer selbst, alles andere wo nicht hervorzubringen doch zu beleben die uranfängliche Eigenschaft besitzt9) GWBB47,236,3 Gruithuisen 22.9.30 K b physikal iZshg der von G abgelehnten Wellentheorie des Lichts: das die Schwingungen des Lichts fortpflanzende, den Raum kontinuierlich erfüllende Medium Die Lehre des Descartes, Malebranche, Huigens wird .. von Euler aufgenommen, die Materialität des Lichts bestritten und das Phänomen gewissen Schwingungen des Ä-s zugeschrieben GWBN4,474,17 FlH VI Plp Statt der Luft, die durch den Schall bewegt wird, einen Ä. zu supponiren, der durch die Anregung des Lichts auf eine ähnliche Weise vibrire, bringt das Geschäft um nichts weiter GWBN4,117,6 FlH VI Malebranche [Auszug aus Birch, History of the Royal Society] 1677/8 .. Wird der Ä. [aether] a body genannt GWBN52,290,1 FlH VI Plp c meteorol: wie Atmosphäre (sd 1 a) Innre Ziehen, innres Lassen | Schafft den Ä. [> Macht den Luftkreis GWB3,447 Var] schwer und leicht [Wird im Anziehn, im Entlassen, | Atmosphäre schwer und leicht GWB3,361] GWB3,447 ZXen VI 1746 Var uö → GWBFrühlingsäther vgl GWBaer GWBAll GWBAtmosphäre GWBDunstkreis GWBFirmament GWBHimmel GWBhimmelhoch(das Himmelhohe) GWBHimmelsduft GWBHimmelsgewölbe himmelsklar(das Himmelsklare) GWBHimmelsluft GWBLuft GWBLuftmeer Zenit zu 1 f GWBAura GWBFluidum 1) vgl die gleichzeitigen meteorol Beobachtungen in Dornburg, zB: Der obere Himmel mit Cirrus besäet, die untere Atmosphäre .. mit Cumulus GWBTgb 5.9.28 2) ESchmidt, JA 14,400: “Der Äther — Luft oder ätherische Substanz — im klaren Himmelsraum (nicht: im klaren Äther).” Diese Deutung des Äthers als Substanz im Raum findet in den vergleichbaren Belegen kaum eine Stütze. Wohl doch als ‘klarer Äther’, die Region der Himmlischen und Seligen, zu verstehen, in die die Engel Fausts ‘Unsterbliches’ emportragen (vgl dazu 1 d). 3) Abb der sog Weidennymphe in: Studien zu G-s Alterswerken, ed ETrunz, 1971, Abb 17 4) die Verse reflektieren einerseits Homer (vgl Odyssee 6,44f üb den Olymp: “Himmelsheitre [αἴθρη] ist durchaus ausgebreitet, wolkenlos [ἀννέφελος], und weißer Glanz [λευκὴ .. αἴγλη] läuft darüber hin” Übs Schadewaldt), andererseits geben sie genaue Naturbeobachtung wieder (vgl die Notiz aus Sizilien: Weiser Morgen alles in Duft GWB31,334 ItR Plp u die ausführl Darstellung GWBN51,4f BeitrOpt I 4) 5) vgl O gibt es Geister in der Luft, | Die zwischen Erd’ und Himmel herrschend weben GWBFaust I 1118f dazu Komm JA13,287f; die anklingende bibl Wdg ‘im Himmel wie auf Erden’ hat im griech Text οὐρανός 6) ‘Morgenkühle’, ‘Kälte’ gehört auch im Griech (αἴθρα, αἶθρος) neben ‘reine Luft’, ‘strahlender Himmel’, ‘heiteres Wetter’ zum Begriffsinhalt 7) In Anlehnung an die antike Vorstellung von der Honigsüße der Luft? (Bei Vergil, Georgica 4,1 ist der Honig aus der Luft, ‘mel aerius’, ein ‘donum caeleste’, nach Plinius, Nat hist 11,30f ist er Ausscheidung des Himmels, ‘sudor caeli’, u ein Überbleibsel des wahren Nektars.) 8) bei dem ersten, fehlerhaften Abdruck GWBN11,368 von RSteiner dem Bereich der Physikal Vorträge 1805/06 zugewiesen; sachl Berührungen mit dem folgenden Beleg u der Anklang an Kantische Vorstellungen könnten diese Zuordnung stützen, bemerkenswert ist jedoch die inhaltl Übereinstimmung mit dem nachfolgenden Beleg von 1830 9) Gruithuisen an G, 25.8.30, mit dem 6.Heft seiner ‘Analekten für Erd- u Himmelskunde’: “Mehrere der vorhergehenden Hefte enthalten von mir über die Dichtigkeit des Äthers, vielmehr der Sonnenatmosphäre, Manches, und das gegenwärtige Heft gibt S. 44—47 einen eigenen physischmathematischen Aufsatz über denselben Gegenstand .. dass gegenwärtig die Arbeiten über die Ätherdichtigkeit in der Astronomie eine neue Epoche beginnen.” (WA IV 47,414f)Horst Umbach H. U.