zuneigung,
f. ,
spätmhd. in glossarien: condescensio Diefenbach 140
b,
instinctus 301
c;
n. gl. 218
a,
intensus, m., 218
b;
mnd. tônêginge Sch.-L. 4, 575
a.
vgl. neigung I 3,
th. 7, 577. 11)
räumlich, ausdruck der astrologie, inclinatio: von himelischer zuneigung der influentischen impression L. Thurneysser
magna alchymia, titel; also geben sich auch auf offne schäden, die in ihn selbs ein constellation haben, und aus kraft derselben sich selbs inficieren, ohne zuthuung der obern und undern zuneigung Paracelsus
chir. (1618) 93; noch ... wunderbarer ist erstgemeldten magnets inclination und zuneigung gegen mitternacht Dannhawer
cat.-milch 1, 80. 22)
natürliche anlage, eigenschaft, naturtrieb, instinctus, inclinatio, s. o.: instinctus naturalis czuneygunge rechtis der naturen ordinunge
Kaadner voc. 451
b Bernt; natura die natürliche zuneyung Orsäus
nomencl. meth. (1623) 139; naturell ..., die sinnlichkeit oder natürliche zuneigung Stieler
zeitungslust des Spaten 469; wider seine zuneigung etwas thun
far qualche contro l'inclinatione, contro il genio Kramer 2, 128
b; genie, die angeborne art, zuneigung oder natur des menschen Sperander 276
b.
bis anfang des 18.
jh. reichlich belegt: herr, behut mich vor den zuneygung und gutduncken des vleisch und gib mir dye zuneygung des geists Spalatin
gebetbüchl. bei Luther 10, 2, 496
W.; item so haben wenig menschen diese zuneigung, das sie, wie die hanen, auf ihre gewisse stund erwachen L. Thurneysser
magna alchymia (1583)
vorr. 2; jeder nach seiner natur und zuneigung B. Schupp (1663) 419; dasz die thiere .. durch eine natürliche zuneigung dasjenige heilkraut finden, welches ihren kranckheiten dienet
disc. d. mahlern 2, 137. 33)
die anlage oder eigenschaft enthält eine richtung des willens und des gefühls. dadurch berührt es sich mit neigung
und der persönlichen verwendung, s. 4: von der ewigen treuleistung, die sie (
die eheleute) einander in krafft natürlicher zuneygung ... schuldig Fischart
geschichtklitt. 93
ndr. (
ähnlich 95); maszen uns dann die natur solche verborgene zuneigung in das hertz gegeben, dasz wir nirgend lieber, als in unsrer geburtsstadt und lande seyn und zu bleiben verlangen Harsdörfer
t. secretarius 1, 1; daher die zuneigungen rühren, etwas zu haben und zu erlangen, was man gut und nützlich achtet J. G. Schottel
ethica (1669) 100; seine lebensart hatte ihm auch keine kriegerische zuneigung angewöhnt Lohenstein
Armin. (1689) 1, 43
b; böse z. Luther 7, 696
W.; fastnachtsp. 147
K.; Mathesius
Sarepta (1571) 72
b; z. des bösen Luther 9, 156
W.; z. zu sünden 20, 559
W.; unordentliche z. Kramer 2, 128
b; z. zur hoffart Dapper
Africa (1671) 619
b; rechte grosze begierde und zuneigung zum kriege Fleming
vollk. t. sold. 127.
heute 1—3
nicht mehr übl., dafür neigung
th. 7, 579. 44) zuneigung
ist die herzliche hingabe an personen, bes. von den dauernden und anerkannten verhältnissen zwischen eheleuten, eltern und kindern, freunden, oberen und unterthanen. diese anwendung herscht seit dem 18.
jh., z. th. beeinfluszt durch frz. inclination. 4@aa)
ältere belege: uss sendung solichs gsmucks (
schmucks) ... erkennen und vermercken wir mütterliche zuneygung, treu und all freuntschafft markgr. Joh. v. Brandenburg
an s. stiefmutter, privatbr.
d. ma. 1, 152
Steinhausen; da doch .. der .. weisest schöpffer dem mann ... im hertzen ein natürliche zuneigung und anmut zu derselben (
s. gattin) hat gebildet Fischart
geschichtklitt. 96
ndr.; vater und mutter und die grosseltern können in irer kinder sachen, und die kinder widerumb durch natürliche zuneigunge, die sie zu einander haben, nicht gezeugen Chil. König
proc. (1541) 82
a; ... hat könig Ludwig ... unserm deutschen orden aus sonderlicher zuneigung vier güldene lilien in ihr wapen gegeben Schütz
hist. rer. pruss. 1, f 2
a. 4@bb)
neuere belege: die zuneigung der eltern gegen ihre kinder Hippel
über die ehe 122; es war so ein bedeutendes ereignis, dasz ein fürst von Würtemberg wieder erschien, ... von dem alten stamm und namen, der die zuneigung der angebornen unterthanen besasz Ranke 3, 222; in welchem grade Stockmar in dieser neuen stellung (
als leibarzt) vertrauen und zuneigung des prinzen gewann, zeigte sich beim tode der prinzessin G. Freytag 16, 73; dann hat dein urteil keinen wert, wenn es nur durch deine gütige zuneigung bedingt wird! G. Keller 3, 276.
gern im förmlich-herzlichen briefstil: zweifeln sie nie an meiner aufrichtigen freundschaft und zuneigung! Lavater
verm. schr. 2, 101; mit alter zuneigung ihr K. Grün
an A. Ruge 2, 189
Nerrlich; ferner erneuere ich in diesen zeilen die versicherung wahrer bewunderung und unwandelbarer zuneigung, von der ich stets für sie, mein lieber fürst, beseelt bin! Wilhelm i
an Bismarck, ged. u. er. 1, 405
volksausg. 4@cc)
als ausdruck für die liebe der geschlechter hat zuneigung
etwas förmliches, beherschtes, es ist gleichsam von auszen, von der gesellschaft aus gesehen, und drückt mehr das dauernde verhältnis als die leidenschaftliche hinneigung aus, im gegensatz zu neigung,
das inniger empfunden wird. Göthe, dem neigung
eigenthümlich ist, braucht zuneigung
selten: den cavalier bilden persönliche vorzüge und fähigkeiten, ... in hinsicht auf die frauen die gewandtheit, ihre zuneigung zu gewinnen Ranke 35, 119; ich weisz jetzt, dasz ich ein glücklicher mann wäre, wenn sie sich entschlieszen könnten, mich mit zuneigung zu betrachten G. Freytag 13, 204; ich glaube, ... dasz ... eine dauernde, innige, tiefe und beglückende zuneigung auch in der ehe entstehen kann Moltke 4, 63; dann reichte sie mir die hand hin und sagte, freundlich errötend, doch mit zufriedener sicherheit: 'ich danke ihnen, mein freund, für ihre herzliche zuneigung! .. und ich musz sie achten, dasz sie einer so schönen und tiefen neigung fähig sind!' G. Keller 4, 55 (
Pankraz d. schmoller). 4@dd)
feste verbindungen der heutigen sprache. väterliche, verwandtschaftliche, herzliche, wahre, zärtliche z.; gegenseitige, beiderseitige, wechselseitige z.
mit verben: einem seine z. schenken, bewahren; z. erwecken, hegen; gegen jemand z. empfinden
u. ä. 4@ee)
dieser zuneigung
tritt die abneigung
gegenüber: dieser zwang ist ... dem verhängnüsse zuwider, welches durch die sternen uns sowohl die ab- als zuneigungen einflöszet Lohenstein
Armin. (1689) 2, 168
a; stärkere sinnliche ab- und zuneigungen nennet man affekten
allg. dtsche bibl., anh. zu 31-52, 10; unbeirrt durch abneigung oder zuneigung Bennigsen
d. nationallib. partei 67. 4@ff) zuneigung
zu einem persönlich gefaszten gegenstand: z. zur poeterey Morhof
unterr. in d. dtsch. spr. 1, 152, zur schaubühne J. J. Schwabe
belustigungen 1, 475; wenn ich sie (
meine ideen) ... aneinander reihen will, so äuszern sie keine zuneigung zu einander G. Forster 8, 61; man kann vielleicht sagen, dasz zu unserer zeit die philosophie sich keiner besondern gunst und zuneigung zu erfreuen habe Hegel 7, 1, 3. 55)
veraltet ist zuneigung
für zustimmung: wie man nun aus diesem allen des königs zu Schweden commissarien dessen sonderbahre eifrige zuneigung zu den friedenstractaten gnugsamb verspüret Chemnitz
schwed. krieg 1, 35; sie empfingen den vorschlag des grafen von Arondel mit groszer zuneigung E. Francisci
hohe traursaal 1, 288. 66)
allerlei zusammensetzungen bildete die barockliteratur, wie