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zuneigung

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zuneigung f.

Bd. 32, Sp. 572
zuneigung, f. , spätmhd. in glossarien: condescensio Diefenbach 140b, instinctus 301c; n. gl. 218a, intensus, m., 218b; mnd. tônêginge Sch.-L. 4, 575a. vgl. neigung I 3, th. 7, 577. 11) räumlich, ausdruck der astrologie, inclinatio: von himelischer zuneigung der influentischen impression L. Thurneysser magna alchymia, titel; also geben sich auch auf offne schäden, die in ihn selbs ein constellation haben, und aus kraft derselben sich selbs inficieren, ohne zuthuung der obern und undern zuneigung Paracelsus chir. (1618) 93; noch ... wunderbarer ist erstgemeldten magnets inclination und zuneigung gegen mitternacht Dannhawer cat.-milch 1, 80. 22) natürliche anlage, eigenschaft, naturtrieb, instinctus, inclinatio, s. o.: instinctus naturalis czuneygunge rechtis der naturen ordinunge Kaadner voc. 451b Bernt; natura die natürliche zuneyung Orsäus nomencl. meth. (1623) 139; naturell ..., die sinnlichkeit oder natürliche zuneigung Stieler zeitungslust des Spaten 469; wider seine zuneigung etwas thun far qualche contro l'inclinatione, contro il genio Kramer 2, 128b; genie, die angeborne art, zuneigung oder natur des menschen Sperander 276b. bis anfang des 18. jh. reichlich belegt: herr, behut mich vor den zuneygung und gutduncken des vleisch und gib mir dye zuneygung des geists Spalatin gebetbüchl. bei Luther 10, 2, 496 W.; item so haben wenig menschen diese zuneigung, das sie, wie die hanen, auf ihre gewisse stund erwachen L. Thurneysser magna alchymia (1583) vorr. 2; jeder nach seiner natur und zuneigung B. Schupp (1663) 419; dasz die thiere .. durch eine natürliche zuneigung dasjenige heilkraut finden, welches ihren kranckheiten dienet disc. d. mahlern 2, 137. 33) die anlage oder eigenschaft enthält eine richtung des willens und des gefühls. dadurch berührt es sich mit neigung und der persönlichen verwendung, s. 4: von der ewigen treuleistung, die sie (die eheleute) einander in krafft natürlicher zuneygung ... schuldig Fischart geschichtklitt. 93 ndr. (ähnlich 95); maszen uns dann die natur solche verborgene zuneigung in das hertz gegeben, dasz wir nirgend lieber, als in unsrer geburtsstadt und lande seyn und zu bleiben verlangen Harsdörfer t. secretarius 1, 1; daher die zuneigungen rühren, etwas zu haben und zu erlangen, was man gut und nützlich achtet J. G. Schottel ethica (1669) 100; seine lebensart hatte ihm auch keine kriegerische zuneigung angewöhnt Lohenstein Armin. (1689) 1, 43b; böse z. Luther 7, 696 W.; fastnachtsp. 147 K.; Mathesius Sarepta (1571) 72b; z. des bösen Luther 9, 156 W.; z. zu sünden 20, 559 W.; unordentliche z. Kramer 2, 128b; z. zur hoffart Dapper Africa (1671) 619b; rechte grosze begierde und zuneigung zum kriege Fleming vollk. t. sold. 127. heute 1—3 nicht mehr übl., dafür neigung th. 7, 579. 44) zuneigung ist die herzliche hingabe an personen, bes. von den dauernden und anerkannten verhältnissen zwischen eheleuten, eltern und kindern, freunden, oberen und unterthanen. diese anwendung herscht seit dem 18. jh., z. th. beeinfluszt durch frz. inclination. 4@aa) ältere belege: uss sendung solichs gsmucks (schmucks) ... erkennen und vermercken wir mütterliche zuneygung, treu und all freuntschafft markgr. Joh. v. Brandenburg an s. stiefmutter, privatbr. d. ma. 1, 152 Steinhausen; da doch .. der .. weisest schöpffer dem mann ... im hertzen ein natürliche zuneigung und anmut zu derselben (s. gattin) hat gebildet Fischart geschichtklitt. 96 ndr.; vater und mutter und die grosseltern können in irer kinder sachen, und die kinder widerumb durch natürliche zuneigunge, die sie zu einander haben, nicht gezeugen Chil. König proc. (1541) 82a; ... hat könig Ludwig ... unserm deutschen orden aus sonderlicher zuneigung vier güldene lilien in ihr wapen gegeben Schütz hist. rer. pruss. 1, f 2a. 4@bb) neuere belege: die zuneigung der eltern gegen ihre kinder Hippel über die ehe 122; es war so ein bedeutendes ereignis, dasz ein fürst von Würtemberg wieder erschien, ... von dem alten stamm und namen, der die zuneigung der angebornen unterthanen besasz Ranke 3, 222; in welchem grade Stockmar in dieser neuen stellung (als leibarzt) vertrauen und zuneigung des prinzen gewann, zeigte sich beim tode der prinzessin G. Freytag 16, 73; dann hat dein urteil keinen wert, wenn es nur durch deine gütige zuneigung bedingt wird! G. Keller 3, 276. gern im förmlich-herzlichen briefstil: zweifeln sie nie an meiner aufrichtigen freundschaft und zuneigung! Lavater verm. schr. 2, 101; mit alter zuneigung ihr K. Grün an A. Ruge 2, 189 Nerrlich; ferner erneuere ich in diesen zeilen die versicherung wahrer bewunderung und unwandelbarer zuneigung, von der ich stets für sie, mein lieber fürst, beseelt bin! Wilhelm i an Bismarck, ged. u. er. 1, 405 volksausg. 4@cc) als ausdruck für die liebe der geschlechter hat zuneigung etwas förmliches, beherschtes, es ist gleichsam von auszen, von der gesellschaft aus gesehen, und drückt mehr das dauernde verhältnis als die leidenschaftliche hinneigung aus, im gegensatz zu neigung, das inniger empfunden wird. Göthe, dem neigung eigenthümlich ist, braucht zuneigung selten: den cavalier bilden persönliche vorzüge und fähigkeiten, ... in hinsicht auf die frauen die gewandtheit, ihre zuneigung zu gewinnen Ranke 35, 119; ich weisz jetzt, dasz ich ein glücklicher mann wäre, wenn sie sich entschlieszen könnten, mich mit zuneigung zu betrachten G. Freytag 13, 204; ich glaube, ... dasz ... eine dauernde, innige, tiefe und beglückende zuneigung auch in der ehe entstehen kann Moltke 4, 63; dann reichte sie mir die hand hin und sagte, freundlich errötend, doch mit zufriedener sicherheit: 'ich danke ihnen, mein freund, für ihre herzliche zuneigung! .. und ich musz sie achten, dasz sie einer so schönen und tiefen neigung fähig sind!' G. Keller 4, 55 (Pankraz d. schmoller). 4@dd) feste verbindungen der heutigen sprache. väterliche, verwandtschaftliche, herzliche, wahre, zärtliche z.; gegenseitige, beiderseitige, wechselseitige z. mit verben: einem seine z. schenken, bewahren; z. erwecken, hegen; gegen jemand z. empfinden u. ä. 4@ee) dieser zuneigung tritt die abneigung gegenüber: dieser zwang ist ... dem verhängnüsse zuwider, welches durch die sternen uns sowohl die ab- als zuneigungen einflöszet Lohenstein Armin. (1689) 2, 168a; stärkere sinnliche ab- und zuneigungen nennet man affekten allg. dtsche bibl., anh. zu 31-52, 10; unbeirrt durch abneigung oder zuneigung Bennigsen d. nationallib. partei 67. 4@ff) zuneigung zu einem persönlich gefaszten gegenstand: z. zur poeterey Morhof unterr. in d. dtsch. spr. 1, 152, zur schaubühne J. J. Schwabe belustigungen 1, 475; wenn ich sie (meine ideen) ... aneinander reihen will, so äuszern sie keine zuneigung zu einander G. Forster 8, 61; man kann vielleicht sagen, dasz zu unserer zeit die philosophie sich keiner besondern gunst und zuneigung zu erfreuen habe Hegel 7, 1, 3. 55) veraltet ist zuneigung für zustimmung: wie man nun aus diesem allen des königs zu Schweden commissarien dessen sonderbahre eifrige zuneigung zu den friedenstractaten gnugsamb verspüret Chemnitz schwed. krieg 1, 35; sie empfingen den vorschlag des grafen von Arondel mit groszer zuneigung E. Francisci hohe traursaal 1, 288. 66) allerlei zusammensetzungen bildete die barockliteratur, wie
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zuneigung

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Zuneigung , plur. inusit. die Neigung des Willens zu einer Person oder Sache, wo das vorgesetzte zu die Richtung sch…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zuneigung

    Goethe-Wörterbuch

    Zuneigung [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    Zuneigung

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Zu|nei|gung f. (-,-en) 1 inclinaziun f. 2 amur m. 3 (Sympathie) simpatia (-ies) f. , afeziun (-s) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zuneigung

4 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von zuneigung

zuneigen + -ung

zuneigung leitet sich vom Lemma zuneigen ab mit Suffix -ung, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

zuneigung‑ als Erstglied (4 von 4)

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „zuneigung". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zuneigung/dwb?formid=Z10374
MLA
Cotta, Marcel. „zuneigung". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zuneigung/dwb?formid=Z10374. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „zuneigung". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zuneigung/dwb?formid=Z10374.
BibTeX
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